Trotz meiner Vorliebe für Fußballweltmeisterschaften geht der Confed Cup permanent an mir vorbei

Seit 1974 verfolge ich Fußballweltmeisterschaften. Intensiv. Einst wurde bei meinem ersten Ferienjob auf dem Fleischhof mit meinem Schulkumpel U. auf dem Weg zur dreiwöchigen Ferienarbeit die WM 78 durchdiskutiert. Deutschland war damals von einer erfolgreichen Titelverteidigung so weit entfernt wie ein Spanferkel vom Veganer Kongress. 1982 saß ich im Wohnzimmer der Eltern meiner Freundin. Italien gewann verdient 3:1 gegen Deutschland. Die großen Spiele gab es vorher mit Italien gegen Argentinien, den Gentile Festspielen gegen Maradona oder den Sieg der italienischen Fußballer gegen das Traumteam von Brasilien mit Zico und Socrates. Oder die Schlacht von Sevilla. Deutschland gegen Frankreich.

Foto:  © Michael Wiemer

1986 erlebte ich weite Teile der WM in Polen. Trotz Wanderungen im polnischen Riesengebirge war Fußball zu empfangen. Zeitmanagement ist alles. Das Finale sah ich dann bei einem guten Freund in Deutschland im Wohnzimmer zusammen mit seinen Eltern. Der fußballbegeisterte Vater von meinem Freund jubelte beim 2:2 Ausgleich von Deutschland, vorher hatten wir mit ansehen müssen wie ausgerechnet Toni Schumacher im Finale patzte. Nach dem Ausgleich nach 0:2 Rückstand standen für uns die Zeichen auf Verlängerung. Die Mutter von meinem Freund H. holte bereits weitere Getränke aus der Küche. Das weitere Ende mit dem abrupten Aus der deutschen WM Träume und Maradonas Triumph (ja es war seine Weltmeisterschaft) waren Fakt.

Dann 1990. Spielberg, Hitchcock, Wedel oder Eichinger hätten kein besseres Drehbuch präsentieren können. Jahr der deutschen Einheit. WM-Revanche im Finale gegen Argentinien. Franz Beckenbauer coacht ein cleveres Team zum 3. Weltmeistertitel. Ort des Triumphes: Rom. Unvergessliche Jubelbilder, ein Land in Glückseligkeit. Amtierender Bundeskanzler war seinerzeit Helmut Kohl. Franz Beckenbauer übergab den Staffelstab an Berti Vogts und prognostizierte ihm aufgrund des Spielerzustroms aus der DDR auch eine jahrelange Unbesiegbarkeit mit der deutschen Nationalelf. Okay, dass hat sich dann doch etwas anders entwickelt.

Dann die Weltmeisterschaften 1998 mit dem Titel für Gastgeber Frankreich. Mit Zidane. Premiere. Die WM 98 erlebte ich erstmals in einem Klubhaus Public Viewing. Dazu sah ich erstmalig Netzer und Delling plaudern und dachte mir: Wie entspannt kommen die beiden daher. Es war eine vollkommen andere Betrachtungsweise von Fußballspielen wie bisher im TV dargeboten. 2002 erlebte ich das Endspiel in Berlin. Anfangs dachte ich, da geht was. Doch gefehlt. Es wurde die tragische Nacht von Oliver Kahn.

2006 hatte ich eine Überdosis an Public Viewing. Alles schön, alles emotional, alles auch weiter in guter Erinnerung. Doch das Finale wollte ich in Ruhe mit meiner Jahrhundertliebe im Wohnzimmer verbringen. Dem Ausraster von Zidane folgte das Elfmeterschießen. Einer meiner Lieblingstorhüter, Gianluigi Buffon, hier am Bodensee auch von dem einen oder anderen italienischen Gastronom abgöttisch verehrt, holte sich mit seinen Defensivkünstlern den Weltmeistertitel.

2010 hätte ich im Finale den Holländern die Weltmeisterschaft gegönnt. Doch nach den Niederlagen in den Endspielen 1974 gegen Gastgeber Deutschland in München und 1978 gegen die ebenfalls mit Heimvorteil antretenden Argentiniern komplettierten die Niederlande die Triple Niederlagen Serie. Dieses Jahr haben wir hier in Deutschland politisch so eine Triple Niederlagen Serie vom aus Brüssel nach Berlin transferierten SPD Genossen Martin Schulz erlebt. Der Wahlniederlage in Saarbrücken folgte die Wahlpleite in Kiel und darauf folgte die eklatante Niederlage in Düsseldorf. Verdiente Abwahl meinen Bekannte in meiner Umgebung, die einst die SPD gewählt haben. Verrat an den Idealen rächt sich. Über kurz oder lang.

Die letzte Weltmeisterschaft ist gefühlte 5 Jahre her. 2014 erlebte ich zum Beispiel hier am Bodensee wie Schweizer Segler emotional dem Spiel Argentinien vs. Schweiz gebannt folgten. Ort vom Public Viewing war ein historischer. Mein charmanter Assistent Wikipedia reicht mir gerade einen Text:

,,Die Motorfähre Schussen war eine Eisenbahn- und Automobilfähre auf dem Bodensee, die von 1929 bis 1983 auf der Fährlinie zwischen Friedrichshafen und Romanshorn eingesetzt wurde. Nach der Ausmusterung der Fähre wurden die Aufbauten an Land aufgestellt und dienen als Clubheim des Segel-Motorboot-Club Friedrichshafen.“

Das Spiel Argentinien vs. Schweiz per Public Viewing in der Schussen ging mit 1:0 nach Verlängerung für die Südamerikaner aus. Bemerkenswert wie die Schweizer Segler und Fußballfreunde mit dem Aus umgingen. Kein großes Wehklagen, keine Schiedsrichterschelte. Es sollte halt nicht sein.

Argentinien wurde dann bei der WM 2014 erst von Deutschland durch das Tor von Mario Götze (an dieser Stelle gute Genesungswünsche) verdient gestoppt. Wenn Louis van Gaal nicht so eine ängstliche Taktik gegen Argentinien im Halbfinale gewählt hätte, wäre es vielleicht zu meinem Traumfinale Deutschland vs. Niederlande gekommen. Das WM-Finale 1974 zwischen dem Franz Beckenbauer Team und dem Johan Cruyff Ensemble sah ich einst in der Max Schmeling Villa in Bad Saarow mit meinem Vater. Im zum Fernsehraum umgestalteten Kaminzimmer waren zahlreiche Männer versammelten die das Spiel mit ihren Kommentaren, Flüchen, Hoffnungen begleiteten. Schließlich Abpfiff. Jubel in der Villa. Die ganze Geschichte habe ich am 5. Februar 2010 unter dem Titel WM 74 niedergeschrieben.

Unvergessen auch das Tableau von 1974:

Deutschland – Niederlande 2:1 (2:1)

Deutschland: Maier – Vogts, Schwarzenbeck, Beckenbauer – Breitner, Bonhof, U. Hoeneß, Overath – Grabowski, G. Müller, Hölzenbein

Niederlande: Jongbloed – Suurbier, Rijsbergen (69. de Jong), Haan – Krol, Jansen, van Hanegem, Neeskens – Rep, Cruyff, Rensenbrink (46. R. van de Kerkhof)

0:1 Neeskens (2., Foulelfmeter)
1:1 Breitner (25., Foulelfmeter)
2:1 Müller (43.)

Schiedsrichter: Taylor (England)
Zuschauer: 77.833 (ausverkauft)


Doch trotz meiner Vorliebe für Fußballweltmeisterschaften geht der Confed Cup permanent an mir vorbei. Irgendwie komme ich an diesen Wettbewerb nicht heran.

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