Nachdenkenswert #486

,,Wir haben immer versucht, sportlichen Erfolg zu erzielen auf der Basis von wirtschaftlicher Vernunft. Als ich 1979 Manager wurde mit 27, da machte Bayern 12 Millionen Mark Umsatz. Und wir hatten 7 Millionen Mark Schulden. Heute machen wir nicht mehr 12 Millionen Umsatz, sondern etwa 650 Millionen, haben eine Eigenkapital-Quote von 80 Prozent. Und im Gegensatz zu den meisten Vereinen gehen wir immer in die Festgeld-Abteilung der Bank und nicht in die Kredit-Abteilung.“

Uli Hoeneß, im viel diskutierten Statement mit Blick aus der Schweiz. Er äußert sich dabei zu vielen Themen. Fanclubs in der JVA, einem etwaigen chinesischen Spieler in Zukunft im Team beim Rekordmeister, den noch gar nicht so „alten“ Herren Ribery und Robben. Red Bull Eigner Dietrich Mateschitz und sein Projekt RB Leipzig. Der Blick leitet die Meinungsäußerungen von Uli Hoeneß smart so ein:

,,Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein. 108 Gäste haben bei «meet the president» je 375 Fr. bezahlt, um sich ein Vier-Gang-Menü servieren zu lassen. «Meet the president» heisst der Anlass im Ländle. Gekommen ist das meist männliche Publikum wegen Bayerns Präsident Uli Hoeness (65). Der Weltmeister von 1974, der seine Gage (20’000 Franken) wie üblich Bayern-Hilfe e.V. spendet, spricht über Robben, Ribéry & Co. Den Champions-League Final ohne Bayern. Den grössten Applaus erntet der Bayern-Boss aber, als er offen über seine 21-­monatige Haftzeit zu reden beginnt.“

Es kommt auch ein Statement zum Thema Merchandising von Uli Hoeneß vor, dass bei anderen Clubs vermutlich lange Gesichter hervorrufen wird. Der Bayern München Präsident nennt exakt die Umsatzsumme in einem Store innerhalb von 6 Stunden. Ebenso verweist der meinungsstarke Macher auf die mühsamen Anfänge auf der Poststelle vom FCB im Jahr 1979. Stichwort: Überschaubares Sortiment von Fanartikeln. 

Pressesprecher Frank Enderle und eine 30 Stunden Odyssee von Brian Roloff

So, die Sportwoche am Bodensee nähert sich dem Ende. Vital Heynen vom VfB Friedrichshafen bekommt die Motivationsspritze der Woche aus Berlin. Der Tagesspiegel berichtete von der Meisterfeier, dem Abschied von Meistertrainer Roberto Serniotti und der Ansage von Manager Kaweh Niroomand in Richtung Bodensee:

,,Den Saisonabschluss umwehte daher schon ein wenig trübselige Stimmung – ehe Niroomand aber noch einmal ein fesselndes Plädoyer für seine Volleys anstimmte. Er nutzte dafür das alte Feindbild VfB Friedrichshafen. „Trainer Heynen meinte, in der kommenden Saison wird sich sein Team den Titel holen. Da kann ich nur sagen: Pustekuchen!“ Die rund 300 Gäste jubelten, Serniotti blickte verträumt.“

Jeder feiert halt anders. Doch die Berliner haben selber eine Reihe von Baustellen. Das weiß Manager Niroomand auch. Akteure wie Ruben Schott oder Tsimafei Zhukouski schielen nach anderen Vereinen. So hört man. Die Vertragsverlängerungen stocken. Publikumsliebling Felix Fischer beendet seine Volleyball-Laufbahn. Dann wäre da auch noch die Personalie von Diagonalangreifer Wouter ter Maat. Er hält sich in Südkorea auf. Mit dem Ziel dort bei einem zahlungskräftigen Club anzudocken. Und ob es so sinnvoll ist den Erfolgstrainer Roberto Serniotti nicht weiter das Vertrauen zu schenken, wird sich erst noch zeigen müssen. Der Italiener holte in seiner ersten Saison 2015/2016 mit Berlin das Triple. Meistertitel, DVV-Pokal und CEV-Cup. Dieses Jahr coachte er die Volleys in das Final Four der Champions-League in Rom. Letzten Sonntag gewann er mit seiner Mannschaft den Showdown in der ZF Arena hier in Friedrichshafen am Bodensee. 6 Tage nach seinem 55. Geburtstag.

Dieser Tage thematisierte ich die Trainerwechsel hier in der Region.

,,Trainerwechsel sind auch hier am Bodensee ein Stilmittel. Wenngleich manchmal …, nun ja, das überlasse ich dem geneigten Leser. Da hatten wir hier am Weihnachtsabend 2015 die Breaking News in der Bodenseeregion mit der Entlassung von Trainer Markus Baur bei den Kadetten Schaffhausen. Auf der Webseite des Schweizer Meisters verkündet. Gutes Timing geht anders. Am 24. Dezember willst Du doch nicht auf der Seite Deines Vereins so eine Nachricht lesen. Es folgte der dänische Trainer Lars Walther bei den Kadetten.“

Dann machte ich den Sprung zu den Ravensburg Towerstars und der Entlassung von Trainer Daniel Naud bei den Oberschwaben.

Dabei habe ich die Kasaulitätskette beim Schweizer Handballmeister aus Schaffhausen gar nicht bis zum Ende erzählt. Bereits bei der Entlassung von Markus Baur zu Beginn der Weihnachtsfeiertage 2015 war mir zu wenig Geduld im Spiel bei den Kadetten. Im Februar 2017 folgte dann der Austausch von Baur Nachfolger Lars Walther aus Dänemark durch Ex-Spieler Peter Kukučka. Der Slowake bereitet die Mannschaft momentan auf das erste Playoff-Finalspiel am Sonntag gegen Pfadi Winterthur vor. Peter Kukučka spielte einst auch in der Handballbundesliga bei der HSG Nordhorn. Mehr zum anstehenden Sonntagsspiel gibt es zum Ende dieses Artikels in der Sport Mixed Zone Bodensee.

Schwenken wir zum Eishockey. Heisskalt.

Bevor ich zu Brian Roloff und seiner Odyssee über 30 Stunden im Sommer 2014 und dem grandiosen Towerstars Trainingslager Tagebuch von Frank Enderle komme, sei mir noch eine Blogempfehlung gestattet. Während der aktuellen Eishockey-WM in Deutschland und Frankreich hat der geniale Chefreporter Sport vom Münchner Merkur, der geschätzte Günter Klein, einen Blog aufgelegt. Er schwelgt dabei auch in Erinnerungen und powert mit der Tastatur. So muss guter Sportjournalismus aussehen. Steigen wir als Appetitanreger kurz in den Eishockey-WM-Blog 2017 beim Merkur ein:

,,Die B-WM 1999 war das belangloseste Turnier, auf dem ich je war. Spiele wie Kasachstan – Ungarn oder Großbritannien – Polen kann man nicht ertragen. Unterhaltsam war’s dennoch: Wir wenigen Journalisten lebten im Hotel auf einem Flur mit der deutschen Mannschaft, und wenn wir frühstückten, kam stets der damals neue Bundestrainer Hans Zach an unseren Tisch und erzählte vom Spare-Ribs-Essen am Abend zuvor: „Hervorragend, und ich kann das beurteilen, ich bin Metzger!“

Lustig war auch, dass die kasachische Mannschaft jeden Morgen um den See gegenüber dem Hotel laufen musste. Bei Deutschland liefen nur die Trainer, Zach sagte zu seinem kasachischen Kollegen: „In Kazazkstan the players run, in Germany the coaches run.“ Als Bild der B-WM in Dänemark blieb mir auch, wie drei breite britische Spieler sich in der Hotellobby in ein Zweiersofa quetschten – um Popcorn zu essen. Das ist die B-WM. Es gab auch Spiele in Odense. Zwei Stunden Zug- und Busfahrt. Nicht mal die Odenser konnten verlässlich sagen, wo ihr Eisstadion steht.“

Übrigens hat Günter Klein von den zahlreichen Sportjournalisten in Deutschland für mich den entspanntest geführten Twitter-Account.

Brian Roloff und die 30 Stunden Odyssee

In Eishockey Erinnerungen schwelgen. Da kann ich mit dem geschätzten Frank Enderle und den Towerstars hier in der Bodenseeregion dienen. Legen wir los.

In der Saisonvorbereitung 2014/2015 powerte Towerstars Pressesprecher Frank Enderle, was das Zeug hielt. Er haute in die Tastatur als ob es kein Morgen gäbe. Das war ganz großes Kino. Die Rede ist von seinem Tagebuch über das Trainingslager in Latsch (Südtirol) im Sommer 2014.

Die Berichte über die Vorbereitung der Ravensburg Towerstars Eishockey-Cracks waren spannend zu lesen. Inklusive solcher geschmeidig erzählten Geschichten wie die Abholaktion von Brian Roloff aus München mit speziellen Hindernissen in Teil 2.

,,Gerade haben die fleißigen Restaurantmitarbeiterinnen mit einer pikante Penne und kräftigen Rinderbrühe die Vorspeise serviert, da sorgt ein Email auf dem Smartphone des Towerstars Pressesprechers für nicht ganz einfache organisatorische Verhältnisse. Brian Roloff, der am Montag in Richtung Europa und Trainingslager aufbrach, informierte über eine drastische Verspätung seines US-Inlandsfluges und damit war auch der Übersee Flug nach München auf der Kippe. Um 0.20 Uhr nachts dann die gute Nachricht: Brian Roloff konnte auf einen späteren Flug umgebucht werden und trifft damit fünf Stunden später in München ein.”

So ein Auszug aus der Roloff Geschichte. Das war Storytelling im besten Sinne des Wortes. Frank Enderle setzte mit seiner Arbeit damit hier in der Bodenseeregion für alle anderen Pressesprecher von Sportclubs und Vereinen die Messlatte ambitioniert hoch.

Übrigens nach der Nachricht von Brian Roloff am 12. August 2012 um 0.20 Uhr nachts gab es dann folgende Sequenz 6 Stunden und 10 Minuten später in einem Frühstücksraum in Südtirol:

12.August, 06.30 Uhr, Frühstücksraum

,,Das Abholkommando für Brian Roloff, Erwin Hutschneider und Frank Enderle, sitzen bei einem ausgewogenen Frühstück und besprechen die Route. „Bloß nicht über den Brenner“, hatte Eismeister Patrik Holzknecht noch als wichtigen Tipp gegeben. Um 7.25 sollte die Reise dann starten, über den Fernpass in Richtung Garmisch und dann nach München. Unglücklich war, dass vermutlich jeder Traktor im Vinschgau und rund um den Reschenpass wohl den gleichen Startschuss hatte. So war die Reise zum Franz-Josef Strauß Airport mit rund fünf Stunden äußerst zäh.“

Letztendlich klappt dann auch die Rückreise von München mit Brian Roloff an Bord in Richtung Südtirol. Ankunft im Trainingslager der Towerstars dann 18.30 Uhr. Um die Geschichte bis zu ihrem Ende zu verfolgen, ist noch etwas Geduld vonnöten. Frank Enderle schauen wir nochmals über die Schulter. Er notiert:

,,Nach einer erneut zähen Rückreise, diesmal über eine leicht modifizierte Strecke, kommt der Mini-Van endlich in Latsch an. Brian Roloff fährt mit Betreuer Erwin Hutschneider auch sofort zur Halle, dort findet gerade die vierte Eistrainingseinheit statt. Um aufs Eis zu gehen, reicht es freilich nicht mehr, aber der US-Stürmer will zumindest in der Kabine für den nächsten Tag alles vorbereiten. Teamleiter Reinhold Bitschi versorgt ihn inzwischen auch mit einem ersten Satz an Teamkleidungsstücken.“

Der amerikanische Eishockey-Crack bekam dann auch noch Abendbrot im Kreise seiner neuen Kollegen. Frank Enderle, aufmerksamer Beobachter der Eishockeyszene trägt in sein Towerstars Trainingslager Tagebuch akribisch ein:

,,Nach dem Abendessen verschwinden die Ravensburger Cracks alsbald auf ihren Zimmern. Brian Roloff steht verständlicherweise als erster vom Abendessen-Tisch auf. Für ihn war es zu diesem Zeitpunkt ein 30 Stunden Tag.“

Verlassen wir die Szenerie des Rückblicks auf das Trainingslager der Ravensburg Towerstars im Sommer 2014. Da war doch auch noch was. Richtig. Deutschland wird Fußballweltmeister. Lionel Messi ist tief enttäuscht. Kann er nur Barcelona? Das ist zu ketzerisch gefragt. Gegenüber der WM 2010 mit dem 0:4 Debakel gegen Deutschland und den aufgedrängten Umarmungen seines damaligen Trainers Diego Maradona, ist dieser Vizeweltmeistertitel mit einer knappen Finalniederlage in der Verlängerung bereits ein Entwicklungssprung. Für die argentinischen Erwartungen zu wenig. Zumal Messi nach wie vor an dem Weltmeistertitel von Diego Maradona 1986 gemessen wird. Derweil Lionel Messi im Maracana mit den Tränen kämpfte, gab es Jubelszenen. Auf der anderen Seite. Schweinsteiger, Podolski, Lahm, Götze und Co. liegen sich in Rio de Janeiro in den Armen.

Übungsleiter Löw hat nach 2006 (damals noch Assistent von Klinsmann) und den Turnieren 2008 (EM), 2010 (WM), 2012 (EM) endlich einen Titel mit der finanziell großzügig ausgestatteten Nationalmannschaft. Nicht auszumalen, was los gewesen wäre, wenn er im Achtelfinale gegen das Low Budget Team aus Algerien ausgeschieden wäre. Übrigens hat Manuel Neuer damals nicht das Torwartspiel neu erfunden. Solche weiten Ausflüge aus dem Tor kannten mein Onkel und mein Vater bereits in den Sechzigern von Lew Jaschin. Es ist nicht überliefert ob Brian Roloff die Spiele der amerikanischen Fußballer in Brasilien verfolgte. Die USA lieferten mit Coach Klinsmann den Belgiern einen Fight in der Verlängerung im Achtelfinale. Da bekamen die US-Spieler irgendwann die zweite Luft. Doch es reichte gegen die spieltechnisch besseren Belgier nicht ganz. Ich schweife ab.

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Die EV Lindau Islanders haben die offene Stelle im Tor besetzen können. Nach dem Abgang von Korbinian Sertl und Beppi Mayer war die Position im Kader verwaist. Jetzt vermeldet hockeyweb.de die Verpflichtung von Goalie Henning Schroth von den Eispiraten Crimmitschau. +++ Fußball: Das Spiel 2 unter Trainer Giorgio Contino beim FC St. Gallen nach der Entlassung von Übungsleiter Joe Zinnbauer in der vergangenen Woche bringt ein Wiedersehen mit dem FC Vaduz. Contino coachte die Liechtensteiner von 2012 bis März 2017. Der FC Vaduz verpflichtete den Deutschen Roland Vrabec als neuen Trainer nach der Auflösung des Vertrages mit Giorgi Contino am 7. März 2017. Vrabecs Vita weist unter anderen Trainerstationen beim 1. FC Lokomotive Leipzig, FC St. Pauli und dem FSV Frankfurt auf. Hier geht es zur Vorschau. +++ Handball: Nein, es war dann doch kein Hitchcock-Thriller. Alpla HC Hard, die Roten Teufel vom Bodensee, gewinnen ihr erstes Playoff-Halbfinalspiel in der Best-of-Three Serie geegn SG INSIGNIS Handball Westwien in der Sporthalle am See. Nach einer 15:13 Halbzeitführung powerte Hard nach der Pause und gewann mit 30:20. Am kommenden Sonntag gibt es das Spiel bei Westwien. Bei einem Sieg der Harder wäre das Ticket für das Finale gebucht. Das Match wird von LAOLA1.tv gestreamt und live auf ORF Sport Plus übertragen. +++ Handball: Die Kadetten Schaffhausen wollen nach 2014, 2015 und 2016 den vierten Meistertitel in Serie einfahren. Kontrahent Pfadi Winterthur ist am Sonntag, den 14. Mai in der BBC Arena zum Auftakt der Playoff-Finalserie zu Gast. Sowohl die in Sachen Trainerwechsel in den letzten zwei Jahren für Schlagzeilen sorgenden Kadetten wie Winterthur würden mit einer Meisterschaft ihren jeweils 10. Meistertitel in der Vereinsgeschichte feiern. Hier geht es zur Vorschau auf der Webseite der Kadetten. +++ Handball: Anders wie die Kadetten Schaffhausen gibt es bei der HSG Konstanz Kontinuität auf dem Trainerposten über viele Jahre. Daniel Eblen ist seit 2004 Coach der ambitionierten Handballmannschaft. Aktuell steht in der 2. Handball-Bundesliga die nächste Aufgabe vor der Tür. Am Samstag gastiert der ASW Hamm-Westfalen in der Schänzle Sporthalle in der größten Stadt am Bodensee. Gäste Keeper Dennis Doden erspielte sich letzte Woche 32.000 Euro. Nicht im Casino. Nicht durch Sportwette beim Buchmacher seines Vertrauens. Die 32.000 Euro holte sich Dennis Doden in der RTL-Show „Wer wird Millionär“ mit Günter Jauch. Diese Info und noch viel mehr packte HSG Pressesprecher Andreas Joas smart in seinen Vorschaubericht.

Reblog: Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff-Wahnsinn weiter.

Sie waren auf einem Höllentrip. Ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit, etwaig besorgte Mütter oder das sorgenvolle Gesicht ihres Sachbearbeiters der örtlichen Krankenkasse. Die Rede ist vom promovierten Sportjournalisten Raoul Duke und seinem Spezi, dem unkonventionellen Rechtsanwalt Dr. Gonzo. Sie lassen es krachen. Doping? Was ist das? Duke und Dr. Gonzo hatten sich auf den Weg gemacht. Ziel war das  Offroad-Rennen Mint 400 in der Wüste bei Las Vegas. Sportjournalist Raoul Duke hatte einen Auftrag für ein Magazin. Aufgabe war die Berichterstattung über das Rennen. Auf dem Weg nach Las Vegas lassen Duke und Dr. Gonzo nichts aus. Ihr Drogenrausch wird im Film Fear and Loathing in Las Vegas von Regisseur Terry Gilliam so geschildert.

„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Mescalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, ’nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher … sowie ’nen Liter Tequila, ’ne Flasche Rum, ’ne Kiste Bier, ’nen halben Liter Ether und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unseren Trip brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ’ne ernsthafte Drogen-Sammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden.“

Sportjournalist Raoul Duke wurde in dem 1998 herausgekommenen Film, dessen Drehbuch auf  dem Roman Angst und Schrecken in Las Vegas von Hunter S. Thompson basiert, von Johnny Depp gespielt. Seinen Begleiter Dr. Gonzo spielte Benicio del Toro. Verlassen wir an dieser Stelle den Kinosaal. Duke und Dr. Gonzo haben mit ihrem gemieteten Chevrolet Impala Cabriolet noch ein paar Fahrkilometer vor sich.

Schwenken wir zum brutalen Thema Doping im Hochleistungssport. Bullshit. Da gibt es keine zwei Meinungen. In Deutschland ist die Schar der Sportjournalisten, die sich dem Thema Doping kontinuierlich widmen, doch sehr überschaubar. Hajo Seppelt ist einer von ihnen. Blicken wir in mein Blogarchiv. Und legen los.

Reblog: [vom 6. April 2016] 

Ein paar Worte zu Hajo Seppelt. Derweil geht der Playoff-Wahnsinn weiter

Während die Promotion-Tour von Hajo Seppelt weitergeht, siehe das Spox Interview unter dem Titel „Man muss im Fußball recherchieren“ und bevor ich mich dem Sportgeschehen am Bodensee zuwende, generell ein paar Worte zur Doping-Berichterstattung in Deutschland. Ja, es gab sie, die Sternstunden des investigativen Journalismus. Erinnert sei an das Jahr 1998. Damals strahlte die ARD die Sendung Monitor mit dem unvergesslichen Moderator Klaus Bednarz aus. Seine Anmoderation zum Bericht von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer über Doping im Radsport (Hier geht es zum Video des Originalfilmbeitrages bei Monitor) war ein Lehrbeipiel wie seriöser und kompetenter Journalismus in Sachen Doping-Berichterstattung aussehen kann.

Nein, ich habe nie den Ehrgeiz gehabt Deutschlands Nummer 1 in Sachen Doping-Berichterstattung zu werden. Mich 365 Tage am Stück, 24 Stunden mit den unappetitlichen Dingen der Industriebranche Profisport zu beschäftigen, wäre mir dann doch monothematisch zu eng.  Auch meine Leser haben ja schöne Interessen. Die Besucherströme zum Countdown des Schach-WM Kandidatenturniers in Moskau im März 2016  oder der Sport am Bodensee: Auf den Spuren von Brigitte Bardot, Sophia Loren, Sean Connery und Co. sprechen da eine deutliche Sprache. Der Mensch mag nicht immer nur im Doping-Müll wühlen, sich damit auseinandersetzen und eigenes Sehverhalten ständig kritisch zu hinterfragen. Das Leben ist schön. Es hat viele Facetten zu bieten.

Traveler Digital Camera

Foto:  © Michael Wiemer

Nichtsdestotrotz ist ernsthafte Auseinandersetzung von Journalisten mit dem Thema Doping wichtig. Siehe oben die Qualitätsarbeit bei Monitor im Jahr 1998. Später gab es dann eine Phase, wenn ich gefragt wurde, wer denn zuverlässig und seriös über Doping in Deutschland berichtet, dass ich die Namen Daniel Drepper, Jonathan Sachse und Jens Weinreich in die Runde warf. Sie hatten Drive, bedienten Blogs mit Texten, Quellen, interessanten Recherchen. Hajo Seppelt hatte ich zu jener Zeit nicht auf dem Notizzettel, wenngleich ich seine Arbeiten kannte. Hajo Seppelt war in den letzten Jahren fleißig. Im vorletzten Jahr dann seine Dokumentation „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht.“ sowie 2015 „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik.“

Es hagelte Auszeichnungen. Zu Recht. Zwei seien an dieser Stelle erwähnt: 2016 gab es den Bud-Greenspan-Award der New York Television and Film Writers für die Dokumentationen „Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht“ und „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ und 2015 die bemerkenswerten Siegerpreise beim ersten weltweiten Journalistenwettbewerb „Sports Media Pearl Award“ des Weltverbands der Sportjournalisten (AIPS) in Abu Dhabi in der Kategorie Video documentary für den Film „Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik“ und in der Kategorie Best investigative reporting.

Jetzt also am letzten Sonntag Hajo Seppelts neuestes Werk bei WDR sport inside mit dem Bericht über den Londoner Gynäkologen und Sportflüsterer Dr. Mark Bonar. Auch die ARD brachte ihn. Und Seppelt durfte auch in der Tagesschau sein Statement abgeben. Noch fehlen konkrete Namen. Seppelt im eingangs erwähnten Spox Interview:

,,Es sind im Rahmen der Aufnahmen mit der versteckten Kamera Namen genannt worden, bei denen es sich zum Teil um sehr bekannte Fußballer und Sportler handelt, die den meisten Fans weltweit bekannt sein dürften. Wir sind da sehr vorsichtig und werden keinen öffentlich anschwärzen, solange die Beweislage nicht eindeutig ist – und das ist sie in diesem Fall nicht. Es gibt Behauptungen eines Arztes, der offenkundig Dopingmittel verschreibt und sich in der Szene sehr gut auskennt. Ein anderer sagt, dass er Fußballer zu ihm geschickt hat. Die Indizienkette ist also schon sehr dicht. Doch das reicht aus unserer Sicht noch nicht aus, um Namen öffentlich zu nennen.“

Das lasse ich mal so stehen.

Wenden wir uns dem Sportgeschehen am Bodensee zu. Gestern Abend standen die Ravensburg Towerstars mit dem Rücken zur Wand. Der kanadische Coach Daniel Naud hatte die Oberschwaben jedoch gut eingestellt. Im DEL2 Playoff-Halbfinale gab es einen begeisternden 6:3 Sieg gegen das Eishockeyteam der Kassel Huskies. Damit steht es in der Best of Seven Serie 2:3. Nächstes Spiel am Freitag in Kassel.

Auch die Volleyballer vom VfB Friedrichshafen sind im Playoff-Fieber. Sie schauen heute genau hin. Sollte erwartungsgemäß Erzrivale Berlin Recycling Volleys gegen CV Mitteldeutschland weiterkommen, geht es im Playoff-Halbfinale am 13. April gegen die United Volleys RheinMain, den Pokalschreck der Häfler. Der Vorverkauf für die Tickets ist bereits angelaufen. Die Geschäftsstelle in der Meistershofener Straße 25 in Friedrichshafen und der Onlineticketpartner reservix sind adäquate Adressen für alle Fans. Nein, Vital Heynen ist als neuer Trainer noch nicht offiziell verkündet. Alle warten gebannt nach der Dechiffrierung des Interviews von Vital Heynen mit der Schwäbischen Zeitung auf das Rauchzeichen.

Schwenk zum Segeln. Das Match Race Germany in Langenargen hatte im vergangenen Jahr den Sieger Tomislav Basic aus Kroatien gesehen. Er verwies den Schweizer Eric Monnin und den Dänen Joachim Aschenbrenner auf die Plätze. Die diesjährige Ausgabe ist bereits in Sicht. Der Countdown vermeldet: 35 Tage, 23 Stunden, 19 Minuten und 33 Sekunden. Das Segelevent ist vom 12. – 16. Mai 2016 terminiert.

Sport Mixed Zone Bodensee

Fußball: Der FC St. Gallen schmiert im Auswärtsspiel beim FC Zürich ab. Coach Joe Zinnbauer bedient: ,,Die Viererkette habe heute jedoch überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Und auch die Kette davor nicht. Und auch nicht noch weiter vorne.“ +++ Niederlagenserie gestoppt: Der Fußball-Oberligist FV Ravensburg hatte zuletzt 4 Niederlagen am Stück einstecken müssen. Am Wochenende dann der Sieg beim FC Freiburg. Heute steht Pokal für die Ravensburger (Pokalfinalist im WFV-Pokal 2015) an. Sie spielen im WFV-Viertelfinale beim SSV Ulm 1846 im Donaustadion. +++ Befreiungsschlag: Das Fußballteam vom  SCR Altach stand die letzten Wochen im intensiven Abstiegskampf. Jetzt gelang mit dem 2:0 Heimsieg gegen Austria Wien ein Befreiungsschlag. Hier die statistischen Details und Trainerstimmen. +++ Handball: Österreichs Handballmeister Alpla HC Hard verliert im letzten Spiel im Oberen Playoff in Wien bei Fivers Margareten. Am Sonntagnachmittag in Gummersbach dann der Einsatz der Harder Handballspieler Dominik Schmid und Gerald Zeiner im Länderspiel Deutschland vs. Österreich. Der ehemalige Harder Spieler Robert Weber, zur Zeit in Diensten des SC Magdeburg, traf fünffach gegen Deutschland.