Der Ravensburger Emanuel Buchmann und die Tour de France 2017

Nein, heute kein Volleyball mehr. Es sei denn hier, hier und hier.

Kann man schon wieder über Radsport berichten? Nein, Täve Schur werde ich dazu nicht befragen.

Ich muss mich für meine langjährigen Stammleser nicht outen. Das was jetzt folgt, ist bei meinem Publikum Basiswissen: Ja, ich habe jahrelang die Tour de France zu Zeiten von Jan Ullrich und Lance Armstrong leidenschaftlich intensiv verfolgt. Ich steh dazu. Dann habe ich meinen Aufmerksamkeitspegel heruntergefahren. Bin da nicht der einzige Deutsche gewesen.

Foto: © Michael Wiemer

Schwenken wir langsam den Schweinwerfer auf die Vorbereitungszeit der großen Frankreich-Rundfahrt. Groß ist sie immer noch. Die Höllentour. Trotz aller Skandale, Dopingvorfälle, den inflationären Aberkennungen von Tour Siegen, dem Abgang von Sponsoren wie Telekom, Gerolsteiner oder Phonak. Dem Tod von Tomy Simpson oder Marco Pantani. Das zeitweise nachlassen der medialen Aufmerksamkeit. Oder manche Dopingbeichte, die manch naiven Zuschauer den Mund nicht sofort wieder schließen ließ. Moralinsaure Entrüstungen von Funktionären gab es auch. Nicht zu vergessen die Heuchelei um Lance Armstrong. Auch das mitunter etwas hemdsärmlig daherkommende beschwören auf die Selbstreinigungskräfte der Radbranche. Die Faszination hat sie für viele nicht verloren. Die Bilder mit den Wohnmobilen, den jubelnden Zuschauern, der Karawane der Sponsorenfahrzeuge, den französischen Feldern in denen farbenfrohe Radmotive nachgestellt werden, sind weiter Begleitmusik der Tour de France. Bisweilen im kraftvollen Opernvolumen.

Keine Berührungsängste mit der Tour hat Regisseur Pepe Danquart. Er machte sich einen Namen. Er war der Regisseur vom Film Höllentour. Im Jahr 2004 sah ich den Film mit meiner Jahrhundertliebe im Kino. Grandiose Bilder. Eine Reminiszenz an den Radsportenthusiasten Danquart sei an dieser Stellen eingeflochten. Hier das Interview in der FAZ unter dem Titel ,,Eine tiefe Bewunderung für diese Männer“ aus dem Jahr 2014. Wenn wir hier schon Pepe Danquart erwähnen, dann darf selbstverständlich auch sein Kultinterview, sein legendäres Interview mit Theatermacher René Pollesch nicht fehlen. Sie stellten sich den Fragen von Matthias Dell in der Wochenzeitung Freitag. Dem Blatt von Jakob Augstein. Herausgekommen war seinerzeit im Juli 2009 das legendäre Interview unter dem Titel Die Moral der Käfer. Kleiner Auszug gefällig als Appetitanreger für die komplette Lektüre? Gerne.

Alleine der Einstieg. Im Land der Pünktlichkeit.

Pepe Danquart (kommt etwas später):

,,Entschuldigung, ich musste noch die Etappe zu Ende gucken.“

Ein paar Sequenzen weiter führt Pepe Danquart aus:

,,Bei der Recherche für meinen Film „Höllentour“ habe ich mir die Entstehungsgeschichte angeguckt. Der erste Fahrer, der auf dem Tourmalet ankam, hat die Organisatoren, die da oben waren, angeschrien: Mörder, Mörder, Mörder. Das sollten wir uns beim Thema Doping in Erinnerung rufen: Es ist mörderisch.“

Tief durchatmen.

Doping war ja ein Dauerthema. Auch 1998. Damals gingen 189 Profiradfahrer an den Start. Tourzielort Paris sah am Ende nach diversen Rückziehern und Ausschlüssen von Radteams nur 96 klassifizierte Lohnfahrer. Das deutsche Team Telekom stellte mit dem 97er Tour de France Sieger Jan Ullrich den Gesamtzweiten. Sieger der Höllentour wurde ein gewisser Marco Pantani. Für das Radsportteam Telekom gingen neben Star Jan Ullrich der sprintstarke Erik Zabel sowie Rolf Aldag, Udo Bölts, Bjarne Riijs (Tour de France Sieger von 1996), Francesco Frattini, Christian Henn, Jens Heppner und Georg Totschnig an den Start. Die Tour de France 1998 ging auch unter dem Namen Festina-Affäre in die Geschichtsbücher ein.

In jenem Jahr gab es erstaunliches im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu hören und zu sehen:

,,Die Italiener dopen. Die Franzosen dopen. Die Holländer dopen. Die Belgier dopen. Die Briten … Nur die Deutschen Radsportler sind sauber.“

So Klaus Bednarz, kompetenter Journalist 1998 bei Monitor. Er kündigte einen Film an, der der Problematik Doping nachging. Und schärfte den Blick. Auch für die Probleme im Radsport in Deutschland.

Hier geht es zum Video des Originalfilmbeitrages bei Monitor mit dem kompletten Ankündigungstext von Klaus Bednarz sowie dem folgenden Film aus dem Jahr 1998. Jeder Freund und Gegner des harten radsports sollte sich diese 9:50 Minuten für das konzentrierte anschauen jenes bemerkenswerten sporthistorischen Zeitdokuments von Wolfgang Bausch, Fred Kowasch und Jo Angerer nehmen.

Ist die jetzige Radsport Generation sauber? Marcel Kittel gab 2014 Zeit Online mit Jan Spiller ein Interview unter dem Titel „Ich bin sauer auf Jan Ullrich“ und merkte an:

,,Die Dopingskandale der Vergangenheit haben viel kaputtgemacht. Aber sie waren auch ein Anstoß, dieses alte System zu zerstören. Viele Leute sind verschwunden, längst noch nicht alle. Aber der Radsportweltverband hat sich gewandelt, der neue Präsident ist um einiges glaubwürdiger als der alte. Es sind viele junge, unbelastete Fahrer dabei. Ich würde nie behaupten, dass der Radsport hundertprozentig sauber ist, das werden wir wohl nie schaffen. Aber wenn im Moment etwas passiert, sind es Einzelfälle. Systematisches Teamdoping wie früher gibt es nicht mehr. Davon bin ich überzeugt.“

Das lasse ich mal so stehen.

Emanuel Buchmann und die Vorbereitung auf die Tour de France

Hier in der Bodenseeregion ist der Radsportler Emanuel Buchmann in Ravensburg auf die Welt gekommen. Der Tour de France Teilnehmer lag bei der 71. Tour de Romandie 2017 vor dem entscheidenden Zeitfahren im Gesamtklassement auf Rang 3. Diese gute Position erarbeitete sich der Rundfahrtspezialist hart. Der ambitionierte Ravensburger Radprofi hatte zuvor auf der vierten Etappe einen 3. Rang hinter Simon Yates und Richie Porte belegt. Auf der 163,5 Kilometer langen und anspruchsvollen Königsetappe demonstrierte er seine vorhandenen Bergkletterqualitäten.

Der für das Radteam Bora-hansgrohe startende Buchmann konnte im abschließenden Zeitfahren seinen 3. Platz in der Gesamtwertung nicht ganz halten. Doch es wurde mit Platz 10 eine respektable Endplatzierung. Emanuel Buchmann mit einem Statement zum Abschneiden auf der Webseite seines Teams bora-hansgrohe.

,,Es ist natürlich schade, dass es am Ende so knapp war. Mit dem 10. Platz bin ich aber sehr zufrieden, Top Ten war immer unser Ziel. Jetzt geht’s ins nächste Höhentraining und dann kommen die richtig wichtigen Rennen. Ich weiß, dass ich noch nicht bei 100% meiner Form angekommen bin, daher können wir mit nach Abschluss des ersten Saisonteils sehr zufrieden Resümee ziehen.“

Buchmanns Team hat gegenüber dem vergangenen Jahr ein anderes Aussehen bei der Tour de France. Es gab Verstärkung. Eine Namensänderung. Einen zusätzlichen Sponsor mit finanzieller Power. Spektakulär waren die Neuverpflichtungen von Weltmeister Peter Sagan sowie fünfachen Sieger des Grünen Trikots bei der Tour de France von 2012 bis 2016 und Rafał Majka, dem Sieger der Bergwertung bei der Tour de France 2014 und 2016. Im Sommer 2016 wurde mit hansgrohe ein zweiter Namenssponsor für 2017 präsentiert. Das Radsportteam, voriges Jahr noch unter Bora-Argon 18 agierend, firmiert jetzt unter Bora-hansgrohe.

Fußball: Auflauf auf der Pressekonferenz beim FC St. Gallen

Es herrschte Andrang wie beim Aufstieg auf den Mount Everest. Wir kennen alle die Bilder vom legendären Berg. Einen solchen Auflauf hatte es bei einer Pressekonferenz vom FC St. Gallen, Mitglied der Schweizer Super League, zuletzt bei der Vorstellung von Bayern München Leihgabe Gianluca Gaudino gegeben. Es gab einen Grund für die einberaumte Medienkonferenz. Und es hatte sich angekündigt. Trainer Joe Zinnbauer, einst Coach beim Hamburger SV und seit 16. September 2015 beim FC St. Gallen, wurde heute Mittag entlassen. Ihm folgt Giorgio Contini. Contini bringt Stallgeruch mit. Er hat von 1996 bis 2001 für den FC St. Gallen gespielt. 2000 feierte er mit den Ostschweizern den Meistertitel. Aktuell steht für Contini, der im März beim FC Vaduz die Entlassungspapiere erhielt, purer Abstiegskampf an. Das St. Galler Tagblatt hat die Pressekonferenz im Live-Ticker und schreibt flankierend mit Blick auf Ex-Trainer Joe Zinnbauer:

,,Unter dem Bayern gab es in 63 Meisterschaftsspielen bloss 19 Siege. Dennoch nannte der scheidende FCSG-Präsident Dölf Früh am Donnerstag nicht sportliche, sondern wirtschaftliche Gründe für den Trainerwechsel: Die Stimmung sei gegen Zinnbauer gekippt. Dies habe sich in Hunderten von Mails und dem sehr schlecht angelaufenen Vorverkauf an Saisonkarten gezeigt, war am Rande der Pressekonferenz zu erfahren.“

Das lasse ich einfach mal so stehen.

Sport Mixed Zone Bodensee

Eishockey: Frank Enderle, Presseprecher der Ravensburg Towerstars, packte dieser Woche eine Pressemitteilung der DEL2 auf die Webseite der Towerstars. Einleitend beginnt die Verlautbarung mit diesen Worten: ,,Mit Überraschung reagierte die DEL2 auf die Entscheidung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die für die Wiedereinführung des Auf- und Abstiegs zwischen den beiden deutschen Profiligen eingereichten Unterlagen von sechs DEL2-Clubs als nicht vertragskonform zu bewerten.“ DEL2 Geschäftsführer will die argumentative Begründung der Ablehnung prüfen lassen und bis dahin von weiteren Wortmeldungen absehen. +++ Leichtathletik: Der für den VfB LC Friedrichshafen startende Läufer Richard Ringer kündigt auf seiner Webseite zwei weitere Starts an. Am Freitag, den 5. Mai 2017, startet er in Stanford (USA) über 10.000 Meter beim Payton Jordon Invitiational. Am 27. Mai startet er im belgischen Oordegem über 5.000 Meter beim IFAM. +++ Sportsponsoring: Die Segelveranstaltung Match Race Germany hatten wir heute früh bereits mit dem Ausblick auf die Jubiläumsausgabe 2017. Stichwort Reporter Nils Kaben vom ZDF. Für Firmen gibt es Sponsor und Hosting Angebote 2017 in einer 40-Seiten starken PDF. Hier geht es zur PDF-Broschüre.

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