Reminiszenz an die Kritik der Süddeutschen Zeitung am VfB Friedrichshafen

Nein, es ist nicht alles in Butter beim frischgebackenen Pokalsieger im deutschen Volleyball. Der VfB Friedrichshafen sorgte abseits des Parketts für Schlagzeilen. Stichwort zerstörte Plakate der Fans und die anschließende Begründung mit Brandschutz. Matthias Schopf nahm sich der Dinge kürzlich im Südfinder an. Er titelte seinen Artikel mit der prägnanten Headline Zerlegt der VfB sich selbst? Einleitend schreibt Schopf:

,,Der VfB feiert sportliche Erfolge, aber hinter den Kulissen kracht es gewaltig. Jüngster Höhepunkt: Fans demonstrieren ihren Rückhalt für Trainer Vital Heynen, aber die Plakate werden entfernt und zerstört.“

Flankierend zum Artikel im Südfinder gibt es von Matthias Schopf Bonusmaterial in Form eines längeren Kommentars unter dem Titel Die Zeit zum Handeln ist gekommen. Der aufmerksame Beobachter der Friedrichshafener Volleyballszene merkt an:

,,Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da werden Fan-Plakate entfernt und zerstört, die nicht etwa jemanden angreifen, die keine Kritik äußern, die nicht pöbeln – sondern vielmehr die Zuneigung für den Cheftrainer ausdrücken, der den VfB gerade von einem Erfolg zum nächsten führt.“

Wer obige Verlinkung zum Artikel und Kommentar von Matthias Schopf verpasst hat, bekommt von mir in gewohnter Service-Qualität mundgerecht die Leselektüre nochmals  gereicht. Hier geht es zum Südfinder entlang. Er geht dabei auch auf die vom VfB Friedrichshafen vorgebrachte Argumentation „Brandschutz“ ein. Was hätte Loriot dazu gesagt?

Dabei ist der im Umbruch befindliche VfB Friedrichshafen (beim Double 2015 gab es noch das Trio Geschäftsführer Jürgen Hauke, Manager Stefan Mau und Trainerlegende Stelian Moculescu) hier auf Sportinsider schon des öfteren beleuchtet wurden. Erinnern Sie sich noch an den Check der Medienkritik der Süddeutschen Zeitung am VfB Friedrichshafen vor gut einem Jahr und 3 Monaten?

Reblog: [11. Dezember 2015] 

Check der Medienkritik der Süddeutschen Zeitung am VfB Friedrichshafen

Der deutsche Volleyballmeister VfB Friedrichshafen hat sich schon in ruhigerem Fahrwasser bewegt. Gestern die offizielle Bekanntgabe über die Trennung von Manager Stefan Mau. Flankiert von einer sportlichen Situation die sich auf 6 Niederlagen beläuft. 3 Verlustpartien in der Champions-League, das Pokal-Aus im Viertelfinale bei dem Aufsteiger United Volleys RheinMain. Die deutliche Punktspielheimniederlage gegen den Erzrivalen Berlin Recycling. Die Auswärtsniederlage bei TV Ingersoll Bühl am letzten Wochenende. Dazu die hinlänglich bekannte Situation der Zuschauerresonanz in der ZF Arena. Den Volleyballtempel zu füllen, ausverkauft zu sein, atmosphärische Dichte damit zu erreichen und attraktive finanzielle Ticket-Erlöse zu erzielen ist nach wie vor eine Aufgabe, deren Lösung wohl auch nicht mit kurzfristigen Marketingkampagnen zu erfüllen ist. Ein Blick auf die ersten drei Punktheimspiele der Saison 2015/2016 ergab folgende Zuschauerzahlen:

Zuschauerzahlen in der ZF Arena 2015/2016

1240 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – VSG Coburg/Grub

2111 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – Berlin Recycling Volleys

1774 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – Netzhoppers KW-Bestensee

Zum Vergleich die Zahlen der drei Spiele aus der vergangenen Saison.

Zuschauerzahlen in der ZF Arena 2014/2015

1716 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – VSG Grub/Coburg

3100 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – Berlin Recycling Volleys

1250 Zuschauer bei VfB Friedrichshafen – Netzhoppers KW-Bestensee

In der abgelaufenen Saison brachten die 3 Spiele gegen Grub/Coburg, Berlin Recycling und die Netzhoppers 6066 Zuschauer, was einen Schnitt von 2022 bedeutete.

In der aktuellen Saison brachten die 3 Spiele gegen das Trio aus Grub/Coburg, Berlin Recycling und die Netzhoppers 5125 Zuschauer, was einen Schnitt von 1708 bedeutet.

Dann gab es das Heimspiel gegen den vorjährigen Pokalfinalisten VSG Lüneburg. Dort half ein regionaler Sponsor, das Unternehmen Stadtwerk am See, in Sachen Kartenkontigent Bewegung hineinzubringen.

Es gibt also durchaus verschiedene Baustellen beim VfB Friedrichshafen. Die Süddeutsche Zeitung mit Sebastian Winter näherte sich den Problemfeldern vorige Woche mit dem Artikel unter der martialischen Überschrift Schock am See. Das kann man machen. Muss man aber nicht. Ja, Texte verkaufen sich auch über die Headline. Doch Schock ist etwas anderes. Vielleicht sollten Journalisten gerade in diesen Zeiten verbal eher abrüsten. Aber nun zur eigentlichen Geschichte von Winter. Im Artikel kommen die Personalien Markus Steuerwald, Stelian Moculescu, Jürgen Hauke, Sebastian Schmidt, Max Günthör, Sebastian Schmidt, Stefan Mau, Donato Isai, Björn Andrae und Simon Tischer vor.

Foto:  © Michael Wiemer

In der Medienkritik der Süddeutschen Zeitung am VfB Friedrichshafen, online einen Tag nach dem 0:3 in Paris und Tags darauf am 3. Dezember in der Printausgabe werden die Veränderungen in der Geschäftsführung, die Marketingkampagne, die sportliche Situation, die Thematik Sponsoren und die Zuschauerentwicklung  beleuchtet.

Foto:  © Michael Wiemer

Sebastian Winter versucht auf einer halben Seite die Situation um den VfB Friedrichshafen aufzudröseln. Sein Einstieg beginnt mit Markus Steuerwald, der bei Paris Volley spielt und einst das Trikot beim VfB Friedrichshafen von 2006 bis 2010 trug. Inklusive dem Triple Erfolg der Häfler in der Saison 2007. Er arbeitet sich dann vor, streift die Urlaubssituation von Stefan Mau in der letzten Woche. Auch die Verletztenthematik mit Simon Tischer und Björn Andrae wird angerissen. Ein Blick auf Kultcoach Stelian Moculescu fehlt auch nicht, ebenso auf den Abgang von Identifikationsfigur Max Günthör oder dem langjährigen Geschäftsführer Jürgen Hauke. Auch sein Nachfolger bekommt Textzeilen. Über den neuen Geschäftsführer Sebastian Schmidt heißt es:

,,Von außen betrachtet sieht es ganz danach aus, als wolle Schmidt, der am Mittwoch nicht zu erreichen war, den so traditionsreichen Klub entstauben. Offenbar verprellt er dabei aber einige aus dem Establishment.“

Der Text von Sebastian Winter hat ein paar Schwächen. Wenn, dann mag ich es schon gerne mit Ross und Reiter. Nur von Establishment zu schreiben ohne konkrete Namen zu nennen ist nicht tief genug gehend. Auch in der Sponsorengeschichte um das Heimspiel gegen Lüneburg bleibt die Süddeutsche Zeitung vage. Warum nennt man nicht konkret den Sponsor.

,,Nachfolger Sebastian Schmidt setzt aber auf eine Neukonzeption. Er beauftragte eine Agentur mit der Ausarbeitung einer nicht ganz günstigen Werbekampagne, außerdem sollten die Profis so lange in pinken Trikots zu den Heimspielen antreten, bis die Halle einmal ausverkauft ist. Die Trikots sind der Renner, das Problem ist nur, dass die Halle trotzdem nie voll war. Am Samstag gegen Lüneburg kaufte daher ein Sponsor so viele Tickets, dass der Klub werbeträchtig eine ausverkaufte Halle melden konnte – obwohl viele Plätze tatsächlich frei geblieben waren.“

Auch hier fehlt mir wieder Ross und Reiter. Hier in der Bodenseeregion ist das Unternehmen Stadtwerk am See ein Begriff. Wie es anders geht zeigte vorige Woche am Samstag die Lindauer Zeitung die den Sponsor in puncto Ticketkontingente für das Heimspiel gegen Lüneburg beim Namen nennt.

Apropos Sponsor. Selbstverständlich sind Sponsoren am Erfolg einer Mannschaft die sie mit Sponsorships unterstützen, sehr interessiert. Sportartenübergreifend. Sebastian Winter merkt in der Süddeutschen Zeitung an:

,,Auch sonst fehlt bislang der kurzfristige Erfolg. Die Zuschauerzahlen stagnieren jedenfalls, zwei Saisonziele hat Friedrichshafen schon im See versenkt. Über allem steht eine weitere, wichtige Frage: Was machen die ortsansässigen, potenten Hauptsponsoren, wenn das Erfolgsmodell Friedrichshafen keinen Erfolg mehr verspricht. Ihre Verträge laufen in nicht allzu weiter Ferne aus.“

Es zieht sich wie ein roter Faden durch das in der SZ skizzierte Sittengemälde vom VfB Friedrichshafen, auch hier bleibt Sebastian Winter an der Oberfläche und hantiert nicht mit konkreten Namen. Es bleibt bei  allgemeinen Begrifflichkeiten wie Establishment oder potenten Hauptsponsoren.

Derweil bereitet sich der VfB Friedrichshafen auf sein letztes Heimspiel gegen TSV Herrsching am Samstag Abend vor. Siehe auch den Sportkalender am Bodensee.

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