Rezension von Genies in Schwarzweiß

Steigen wir in eine Textpassage auf Seite 67 von Genies in Schwarzweiß ein.

,,Wie hoch dessen Alkoholkonsum wirklich war, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Tatsache ist, dass der Weltmeister oft nach und manchmal auch vor den Partien trank. Mitunter sollen seine Hände am Brett gezittert haben. Euwe verwies jedoch im Nachhinein darauf, dass Aljechin nie volltrunken zu den Partien erschienen sei und ihn, Euwe, diese Geschichten durchaus in seinem eigenen Spiel irritiert hätten.“

Alexander Aljechin wurde auch der ,,Wagner des Schachs“ genannt, ist sicherlich in der Geschichte der Schachweltmeister eines der widersprüchlichsten Wesen gewesen.

Ein neues Schachbuch in Deutschland ist auf dem Markt. Es hat Freude gemacht alle Kapitel zu lesen.

Die Eckdaten auf einen Blick: Das Schachbuch Genies in Schwarzweiß von Martin Breutigam, erschienen im Verlag Die Werkstatt. 208 Seiten stark, mit zahlreichen individuell ausgesuchten Fotos, ein Porträt der Schachweltmeister Wilhelm Steinitz, Emanuel Lasker, Jose Raoul Capablanca, Alexander Aljechin, Max Euwe, Michail Botwinnik, Wassili Smyslow, Michail Tal, Tigran Petrosjan, Boris Spasski, Bobby Fischer, Anatoli Karpow, Garri Kasparow, Wladimir Kramnik, Viswanathan Anand und Magnus Carlsen. 13,5 x 21,5 cm, Paperback, ISBN: 978-3-7307-0287-1. Die 1. Auflage 2016. 14,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Foto: © Michael Wiemer

Der Verlag Die Werkstatt fragte mich kürzlich im September an ob ich Interesse an einem Rezensionsexemplar von Genies in Schwarzweiß hätte. Meinem Ja folgte die prompte Zusendung des Buches. Schachautor Martin Breutigam hat die Schachweltmeister porträtiert und fügt zusätzlich noch ein lesenswertes Kapitel über das Frauenschach mit ein.

Das Buch wirft das Scheinwerferlicht auf die Genies wie Jose Raoul Capablanca, Bobby Fischer, Michail Tal, Garri Kasparow oder Michail Tal. Die Ausnahmeschachspieler sind individuell verschieden. Es gibt nicht den Prototypen eines Schachweltmeisters. Die Vielfalt umfasst Wunderkinder, Wissenschaftler, Künstlertypen, Exzentriker. Martin Breutigam, Internationaler Meister und langjähriger Bundesligaspieler, Autor mehrerer Schachbücher und DVDs zum Königlichen Spiel, folgt den Genies auf ihren ungewöhnlichen Lebenswegen. Kommentierte Partiebeispiele sowie brillante Kombinationen auf den 64 Feldern erinnern an spektakuläre und faszinierende Momente der Champions. Kleine, mittlere und größere Randgeschichten der Schachweltmeister werden erzählt und machen das Buch zu einer unterhaltsamen Lektüre.

Foto: © Michael Wiemer

Bei der Auswahl der Fotos ist Martin Breutigam tief ins Archiv gestiegen. So sieht man Bobby Fischer auf Seite 120 versunken in ein Taschenschachspiel in der New Yorker U-Bahn im Jahr 1962. Auch Fotos von Emanuel Lasker und seinem Bruder Berthold aus dem Jahr 1907 oder Weltmeister Capablanca beim Modell stehen für den Bildhauer Gleb Derujinsky oder Alexander Aljechin im Spiel gegen Edgar Colle in Paris 1925 flankieren die Texte. Auch Michail Tal mit Zigarette am Schachbrett, Garri Kasparow auf einer Demonstration 2007 in Moskau oder der Empfang von Viswanathan Anand und seiner Frau Aruna mit Indiens Präsidentin Pratibha Patil im Oktober vor 9 Jahren sind visuelle Kostbarkeiten.

Dem 1965 in Bremen geborenen Martin Breutigam gelingt textlich bei den Porträts der Schachgenies und Weltmeister der Spagat zwischen dargelegten Faktenwissen, brillanter Verdichtung der Laufbahnen sowie flankierenden Geschichten. Das tiefe Hintergrundwissen blitzt kontinuierlich auf.

Das Buch ist eine feine mentale Einstimmung auf den im November in New York anstehenden Schach-WM Titelkampf zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Herausforderer Sergey Karjakin.

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