Mentale Einstimmung auf die Schach-WM: Rezensionsexemplar Genies in Schwarzweiß

Langsam schieben wir uns dem Höhepunkt des Sportkalenders im November entgegen. Die Rede ist vom Schach-WM Kampf zwischen Magnus Carlsen und Herausforderer Sergey Karjakin in New York. Und es ist vollkommen egal wie ARD und ZDF damit umgehen. Schachfreunde haben da eindeutig die besseren Quellen. Erinnert sei nur an den stark bebilderten und getexteten Artikel Carlsen gegen Karjakin im alten New Yorker Fischmarkt von Chefredakteur André Schulz auf ChessBase.

Foto: © Ray Morris-Hill  www.rmhphoto.eu

Weltmeister Magnus Carlsen holte sich bekanntlich 2013 in Chennai gegen Vishy Anand erstmalig die Schachkrone. Ein Jahr später verteidigte der Norweger den Titel gegen den Inder in Sotschi. Im Sportinsider Interview mit Schachpublizist Johannes Fischer stellte ich dieses Jahr die Frage:

Welche Weltmeister würden in einer persönlichen Top Ten in der langen Historie der Schachweltmeisterschaften bei Dir im Ranking aufgeführt?

Johannes Fischer:

,,Ach, das ist schwer zu sagen. Ich finde, jeder Weltmeister hat etwas ganz Eigenes, Besonderes, was seinen Stil attraktiv und einzigartig macht. Bei einer Top Ten Liste zählen deshalb vor allem persönliche Vorlieben. Ich war immer ein großer Fischer-Fan, aber ich glaube tatsächlich, dass Kasparow insgesamt gesehen der vielleicht beste Spieler aller Zeiten war. Er war so lange die Nummer eins der Welt, er hat so viel für das Schach getan, er hat populäre Bücher geschrieben, interessante Schaukämpfe gespielt und versucht, Schach in der Welt zu verbreiten.

Aber trotz all der großartigen Kasparow-Partien, die ich kenne, gefallen mir eine Reihe anderer Weltmeister stilistisch besser. Carlsen, der ausgeglichene Stellungen wie von Zauberhand in Gewinnstellungen verwandelt und Dinge über das Schach zu wissen scheint, die kein anderer weiß, Fischer, dessen kompromisslos klares und reines Schach ich großartig finde, Karpow mit seinem harmonischen Spiel.

Begeistert bin ich auch von Kramnik. In seinen besten Partien habe ich immer das Gefühl, man sieht Schach in Vollendung. Anand ist phantastisch vielseitig. Bei Lasker bewundere ich die Fähigkeit, Ressourcen zu finden und bei Spasski schätze ich die spielerische Dynamik seiner Partien. Petrosian hat immer wieder Pläne und Züge gefunden, die einfach nur erstaunlich sind.

Und auch wenn es mir eigentlich peinlich ist: Ich mag die Partien Botwinniks lieber als die von Tal. Ich wünschte, es wäre umgekehrt, denn nach allem zu urteilen, was ich über Tal und Botwinnik gelesen und gehört habe, war Tal so unendlich viel sympathischer und menschlicher als Botwinnik, aber rein schachlich gefällt mir Botwinniks strenge Logik besser als das manchmal doch irrationale Spiel Tals. Und die ruhige Leichtigkeit Capablancas gefällt mir besser als der Kombinationszauber von Aljechin.“

Mein Vater sah 1960 bei der Schacholympiade in Leipzig Bobby Fischer, Tigran Petrosjan, Michail Botwinnik, Wassili Smyslow und Michail Tal Live Schach im Ringmessehaus spielen. Alle 5 Großmeister konnten sich in der langen Geschichte der Schachweltmeisterschaften in die Annalen als Weltmeister eintragen.

Schwenk in die Neuzeit. Der Verlag Die Werkstatt fragte mich kürzlich an ob ich Interesse an einem Rezensionsexemplar von Genies in Schwarzweiß hätte. Martin Breutigam hat die Schachweltmeister im Porträt gut in Szene gesetzt auf 208 Seiten. Von Wilhelm Steinitz über Emanuel Lasker, Jose Raoul Capablanca, Alexander Aljechin, Max Euwe, Michail Botwinnik, Wassili Smyslow, Michail Tal, Tigran Petrosjan, Boris Spasski, Bobby Fischer, Anatoli Karpow, Garri Kasparow, Wladimir Kramnik, Viswanathan Anand und Magnus Carlsen.

Ich bin mit dem Buch fast durch. Dann folgt auch die Rezension. Ist dieses Wochenende in Ordnung für meine Schachfreunde im zahlreichen Stammleserpublikum? Danke für das Verständnis.

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