Quo vadis Outdoor-Branche?

Keiner hat sich so intensiv mit dem Outdoor-Leben auseinandergesetzt wie Reinhold Messner. Er ist ein Vielschreiber, er ist Redner, er ist eine charismatische Persönlichkeit, die sich mit sehr viel Hingabe dem Leben außerhalb der klimatisierten Büroräume unter Neonlicht gewidmet hat.

Foto: © Michael Wiemer

In Sachen Equipment hat er ja auch immer Maßstäbe gesetzt. Im Buch Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers formulierte er auch seine Spielregeln prägnant. Weniger war bei ihm mehr. Auf Seite 89 stellte Messner 13 seiner Spielregeln dar.

,,Weg von der alten Expeditionsform: Eigenverantwortung statt Pyramidensystem (zwei zum Gipfel, zehn Helfer, 20 Sherpas, zehn Tonnen Material.“

Oder:

,,Perfektion im Verhältnis Problem – Lösung anstreben: Team-, Material-, Gewicht-, Zeitdauerminimierung.“

Und einer meiner Lieblingssätze von Messner, ebenfalls als Spielregel vom Extrembergsteiger formuliert:

,,Pionierleistung im Abenteuer ist nicht mit dem Computer planbar.“

Das Buch Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers ist aus meiner Sicht das reifste und philosophisch in die größte Tiefe gehende Werk von Reinhold Messner. Ein Meisterwerk.

Es ist müßig zu diskutieren wohin die Outdoor-Branche sich in den letzten Jahrzehnten hin entwickelt hätte, wenn es nicht solche Pioniere und lebende Outdoor-Legenden wie Reinhold Messner geben würde.

Auf ispo.com, der offiziellen Website der Internationalen Sportartikel Messe von München war diese Woche zu lesen Daunenjacken im Sommer: Deshalb plant der Einzelhandel am Konsumenten vorbei.

Derweil powern Outdoor Blogger Network und OUTSIDEstories. Für beide ist aus meiner Sicht genug Platz da. Wer mag kann gerne nochmals in einen Text von mir eintauchen: Outdoor Blogger Network (OBN) schafft es auf die Titelseite der Seewoche.

Foto: © Michael Wiemer

Doch werfen wir noch einen Blick auf einen Outdoorhersteller, der erst dieses Jahr den Markt in Europa bespielt. Es ist kein Start Up. Es ist ein alteingesessenes Unternehmen, mit reichlich Tradition, Umsatz, Geschick fürs Marketing, einem Gespür für Story Telling und einem selbstbewussten Europa-Chef. Denn trotz nicht zu übersehender Marktsättigung in einzelnen Segmenten der Outdoor-Branche gibt es auch Hersteller die für sich konsequent an Wachstum glauben. So ein Beispiel ist die ,,Himalaya-Traditionsmarke“ BlackYak.

Der südkoreanische Outdoorhersteller BlackYak präsentierte im Januar auf der ISPO 2016 in München erstmals einem breiten Fachpublikum seine europäische Kollektion. Auf den Markteintritt hatte sich das 1973 als Dongjin Mountain von Tae Sun Kang gegründete Unternehmen über zwei Jahre vorbereitet. BlackYak zählt in Asien zu den führenden Outdoormarken. Maximilian Nortz, Managing Director International Business, Europe für BlackYak gab outdoor.markt, der Sportartikelzeitung für Industrie und Handel, in der Ausgabe 01 im Januar 2016 ein offensives Interview auf den Seiten 44 und 45. Maximilian Nortz präsentierte sich selbstbewusst und nahm kein Blatt vor den Mund.

,,Europa zählt nach wie vor zu den wichtigsten Märkten für Outdoor-Bekleidung. Jedoch erlebt die Branche aktuell einen Stillstand. Es mangelt an Produktinnovationen, da für viele der etablierten Marken aufgrund aktueller Herausforderungen (Wechselkurs-Problematiken, Anstieg der Produktionskosten, Handelsmargen) die Konsolidierung im Vordergrund steht. Da wir uns seit über zwei Jahren auf den Markteintritt vorbereitet und unsere europäische Kollektion komplett neu entwickelt haben, hoffen wir, dass die Kombination aus einer neuen Designsprache und echten technischen Innovationen viele Händler motiviert, trotz der Sättigung des Marktes in BlackYak zu investieren.“

Als vor rund 43 Jahren Tae Sun Kang sein erstes Ladengeschäft im „Garment-District“ der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eröffnete, war der Blick noch nicht nach Europa gerichtet. Der Outdoorhersteller legte eine Erfolgsgeschichte hin. Heute ist BlackYak mit über 534 eigenen Filialen und einem Umsatz von 683 Millionen USD der Marktführer in Südkorea. Das Credo von Firmengründer Tae Sun Kang war geprägt davon, Bergsteigern mit der bestmöglichen Bekleidung den Aufstieg zum Gipfel zu erleichtern. Er wollte mit seiner Outdoorbekleidung den Kletterern ein ebenso wertvoller Begleiter wie die Yaks zu sein. Das Yak gilt als zuverlässiges Lastentier, Trittsicher und kraftvoll. Es ist heute noch prägnanter Bestandteil zahlreicher erfolgreicher Himalaya Expeditionen. Für Yaks stellt der geringe Sauerstoffgehalt der Luft in den Höhenlagen keine Beschränkung dar und hat sie für Bergexpeditionen unentbehrlich gemacht. Die Sauerstoffversorgung in großer Höhe ist kein Problem für die Yaks. Durch die hohe Sauerstoffaffinität des Yak Hämoglobins können die Lastentiere ausreichend Sauerstoff aufnehmen. Wer sich mehr mit den Yaks beschäftigen möchte, dem sei die Diplomarbeit von Isabel Hossle am ETH Institut für Agrarwirtschaft oder der längere Wikipedia Artikel an die Hand gegeben. Hier geht es zur PDF-Datei der Diplomarbeit von Isabell Hossle und hier zum Beitrag auf Wikipedia über die Yaks.

Doch schärfen wir nochmals den Blick auf den Outdoorhersteller.

Jetzt also der Eintritt auf den Markt in Europa. Lassen wir nochmal Maximilian Nortz von BlackYak zu Wort kommen, dem Europa-Chef des südkoreanischen Outdoorherstellers. Im besagten outdoor.markt Interview vom Januar 2016 gab er zu Protokoll:

,,Uns ist es wichtig, den Bedürfnissen unserer Kunden und derer Kunden gerecht zu werden. Wir wollen Produkte liefern, die sowohl unter extremsten (Wetter-) Bedingungen als auch für den Alltag einsetzbar sind, ohne den Eindruck zu erwecken, man versuche in Hamburg einen 8.000er zu besteigen.“

Nortz scheute auch klare Aussagen nicht. Manch Outdoor-Wettbewerber wird geneigt gewesen sein, die Stirn in Falten zu legen.

,,Der Markt ist übersättigt und stagniert, es wird eine Selektion geben. Wenn man als Marke beziehungsweise neue Marke in so einem Umfeld überleben möchte, dann führt kein Weg an Neuerungen und Innovationen vorbei.“

Das lasse ich mal so stehen.

Fehlende Innovation von Outdoorunternehmen hatte ja dieses Jahr auch bereits Extrem-Kletterer Stefan Glowacz angemahnt. Der CEO vom kleinen Outdoor-Unternehmen Red Chili nahm dabei ebenfalls kein Blatt vor den Mund und sprach Klartext. Siehe Stefan Glowacz über Trittbrettfahrer in der Outdoor-Branche.

Ist die Outdoor-Branche in einer Identitätskrise? Ich bin da immer etwas vorsichtig was superschnelle alarmistische Urteile betrifft. Aber die Gefahr der Substratsättigung ist da. Die Frage die sich stellt: Quo vadis Outdoor-Branche?

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