Das Potenzial von ARD und ZDF in Sachen investigativer Doping-Berichterstattung

Tut mir leid, aber Olympische Spiele in der jetzigen Konstellation kann ich nicht ernst nehmen. Das Statement meiner Jahrhundertliebe ist meinem Publikum ebenfalls bekannt.

Und hier am See tickt die Zeit eh anders.

Foto: © Michael Wiemer

Stammleser wissen, seit 2009 wird hier auf meinem Blog Sportinsider auch das Verhalten von ARD und ZDF begutachtet. Regelmäßig haben wir die nicht vorhandenen Berichterstattung bei Schachweltmeisterschaften oder das problematische Verhältnis in Sachen Eishockey oder die hyperventilierenden Jubelfeiern von Fußballsiegen der Mannschaft von Übungsleiter Löw thematisiert. Zuletzt hatten wir Ex-Kameramann Stefan Nowak zum alimentierten Fernsehen von ARD und ZDF mit seiner Sicht der Dinge. Der Brancheninsider nahm kein Blatt vor den Mund.

Dann wäre da auch noch das Thema Doping. Ein heißes Eisen, dass oft nur punktuell den Weg in die Wohnzimmer der Deutschen findet, die ja Jahr für Jahr das System ARD und ZDF finanzieren. Inklusive der überbordenden Sportberichterstattung. Investigativer Journalismus ist oft nur eine Randnote im gebührenfinanzierten TV. Trotz Milliarden Euro im System.

Jens Weinreich beschäftigte sich dieser Tage auch mit der Thematik des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auf seinem prämierten Blog SPORT AND POLITICS schrieb er einen längeren und bemerkenswerten Text unter dem prägnanten Titel live aus Rio (20), ARD und ZDF und die Quadratur des Kreises: ,,keine Ahnung, zu viel Fußball, zu wenig live, zu viel MAZ“Meine Wenigkeit hat dazu einen Kommentar geschrieben, die ich auch meiner Leserschaft nicht vorenthalten möchte.

,,Sehr angenehm unaufgeregter Artikel über ARD und ZDF.

Generell sind die durch Gebühren finanzierte TV-Sender natürlich in der Situation, ihr Produkt nicht beschädigen lassen zu wollen.

Bei intensiverer Unterstützung von investigativen Journalismus mit den Schwerpunkten Doping in der hochgezüchteten Industriebranche Profisport, der Korruption von Sportverbänden, den Vermarktungsdeals rund um Sportevents, den geschalteten Werbeblöcken der Wirtschaft bei der Übertragung von Sportveranstaltungen im Fernsehen mit gewünschten wohlfeilen Bildern des Sports, dem Einfluss der Politik auf die Hochglanzbilder (wir erinnern uns alle noch an den Besuch von Frau Merkel und Herrn Gauck in der Kabine der WM-Fußballer), dem Match-Fixing mit zahlreichen manipulierten Spielen (Tennis, Fußball etc.), dem laxen Umgang mit Sportverletzungen ohne Rücksicht auf Spätfolgen, die ideologischen Blicke von Sportfunktionären und Politikern sowie Moderatoren der ARD/ZDF auf einen Anachronismus Medaillenspiegel bei den olympischen Spielen, die Rolle des IOC und seines Präsidenten Herrn Bach im Fall der Whistleblowerin Julia Stepanowa, wäre das Hochglanzprodukt Sport ständigen kritischen Fragen ausgesetzt.

Dabei wäre investigativer Journalismus eine Option für ARD und ZDF. Doping zum Beispiel ist ja wie ein Krebsgeschwür. Das Thema ist unappetitlich. Es ist ein Dauerthema. Weit über russische Grenzen hinaus

Um dort in eine seriöse, ernsthafte Berichterstattung einzusteigen müsste ARD und ZDF die Axt an der eigenen Produktlinie ansetzen. Wer mag das schon?

Wenn man es zum Beispiel ernst meint mit der Doping-Berichterstattung ist ein Hajo Seppelt als Feigenblatt zu wenig (Von dem übrigens auch noch die 2. Geschichte mit Dr. Mark Bonar fehlt inklusive konkreter britischer Namen.) Um eine offensive Doping-Berichterstattung zu initiieren müssten mindestens tägliche Blöcke in die Programmwelt von ARD und ZDF gesetzt werden. Zum Beispiel Dopingwissen vor Acht. Täglich ein Blick auf Historie des Dopings. Aufarbeitung der Dopingskandale in Ländern wie Deutschland, USA. Ein fortwährender Blick auf die dopingaffinen und aufgeflogenen Staffelkumpels von Bolt. Oder die medizinischen Praktiken. Das Geschäft für moralisch skrupellose Blutpanscher. Netzwerke von Dopinglieferanten etc.

Wenn ARD und ZDF es mit der Doping-Berichterstattung wirklich journalistisch sauber aufdröseln wollten müssten Sie in Personal investieren. Eine tägliche Kontinuität über 365 Tage des Jahrs hinlegen.

Das werde ich wohl nicht so schnell erleben.“

Damit entlasse ich meine Leserschaft in ein hoffentlich entspanntes Wochenende.

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