Abgesang auf die olympischen Spiele

Nein, hier am Bodensee sind die durch zahlreiche Skandale wie Doping, anderen Betrug, Missbrauch der Spiele für Propagandazwecke (siehe 1936), die Boykott Spiele von Moskau 1980 oder Los Angeles 1984 oder das fernbleiben afrikanischer Nationen im Sommer 1976 in Montreal, den wachsenden Gigantomanismus im Stile von größer, greller, geiler und profitabler auf Kosten der einheimischen Bevölkerung (siehe Peking 2008, Sotschi 2014 oder jetzt Rio) in Verruf gekommenen olympischen Spiele wahrlich nicht der letzte neue heiße Scheiß.

Foto:  © Michael Wiemer

Das Leben am Hafen geht seinen entspannten und geregelten Gang. Das Wetter ist im Sommer Modus. Die Menschen sehnen sich nicht nach Public Viewing mit Live Schalte zu KMH. Warum auch. Die Schwanenfamilie sucht und findet ihre Nahrung ohne Doping oder Korruption. Das Wort Familie, gern auch von Sportfunktionären irrtümlich verwendet, hat hier noch seine Berechtigung. Auch verloren gegangene Sportrechte von ARD und ZDF für zukünftige olympische Spiele an den Konkurrenten Discovery und seiner Tochter Eurosport tangieren hier weniger. Es wird ja eher ein Kompetenz Zuwachs in Sachen Sportberichterstattung folgen. Schon jetzt sticht Eurosport die doch biedere Übertragung der Tour de France bei der ARD meilenweit aus. Das mit den Spielen werden sie hinkriegen. Doch die Frage ist generell anderer Natur: Welche Zukunft haben die olympischen Spiele generell noch? Tief durchatmen. Sie haben ja geschichtlich gesehen nicht nur die zahlreichen dunklen Flecken die ich eingangs angerissen habe. Die Aufzählung ist ja unvollständig.  Erinnert sei an das Massaker von Tlatelolco, zehn Tage vor Eröffnung der olympischen Sommerspiele 1968.

Oder die Vertragsgestaltung. Die massiven Einschnitte in die Natur. Zwangsumsiedlungen. Die zahlreichen Fälle von Korruption. Die irrationalen Straßenbauten, die sogenannten Weißen Elefanten – Synonym für aberwitzige überdimensionierte Sportstätten mit Verfallsdatum ab Ende der Spiele, da eine sinnvolle Nutzung nach der Landung des Raumschiffs Olympia und deren Flug zur nächsten Destination oft nicht gegeben ist.

Dr. Wolfgang Zängl schrieb im Mai 2016 auf der Webseite Nolympia in der Rubrik Kritisches Olympia Lexikon, ein Sach- und Personenregister mit 256 Einträgen:

,,Zur Einführung in das Kritische Olympische Lexikon:
Ich bin mein Leben lang sportlich tätig gewesen: allerdings bewusst ohne Sportfunktionäre. Ich könnte auch formulieren: Ich bin gegen Olympische Spiele, weil ich Sportler bin. Die vorliegenden Erkenntnisse bestätigen diese Haltung außerordentlich.
Nicht nur, weil ich geborener Münchner bin, habe ich mich gegen die weitere Zerstörung der Stadt und der eingeplanten Orte im Oberland durch München 2018 und gegen München 2022 – gewehrt: Viele unsinnige olympische Straßenbauten für den Autoverkehr waren geplant, und der Olympiapark wäre nach den Bebauungen mit Olympischen Dörfern und Medienzentren, Sportstätten und technischer Infrastruktur nicht wiederzuerkennen gewesen. Dazu wären massive Eingriffe in Garmisch-Partenkirchen, in Schwaiganger und im Berchtesgadener Land gekommen. Und die Bewerbung München 2022 wäre nicht besser geworden.“

Fast scheint es als wären Bewerbungen für olympische Spiele in Westeuropa ein Auslaufmodell. Und dies hat Ursachen. Man schaue sich nur in Ruhe das Gutachten zum Host City-Vertrag an.

Wer seine Vorfreude auf die olympischen Spiele sachkundig gedimmt haben möchte, dem sei ein Besuch auf dem Blog SPORTS AND POLITIC von Blogger Jens Weinreich empfohlen.

Kurze Zwischenfrage: Was macht eigentlich Hajo Seppelt? Von ihm erwarte ich ja noch den 2. Teil der Dr. Mark Bonar Geschichte. Vielleicht muss dann der Medaillenspiegel von London 2012 umgeschrieben werden. Seppelt hat ja, so mein Eindruck in den letzten Jahren, durchaus jungdynamische Sportjournalisten wie Daniel Drepper und Jonathan Sachse in Sachen Doping-Berichterstattung überholt. Apropos jungdynamische Sportjournalisten. Was machen Daniel Drepper und Jonathan Sachse? Einst hatte ich am 22. Dezember 2010 hier über die beiden mein Scheinwerferlicht aufgedreht unter dem Titel 2 neue Sportblogs nehmen Fahrt auf.

Eike Emrich, Martin-Peter Büch und Werner Pitsch sind der Frage nachgegangen: Olympische Spiele – noch zeitgemäß? In der 259 Seiten umfassenden PDF, hier geht es zum Werk entlang, haben sie über Werte, Ziele, Wirklichkeit in einer multidisziplinären Betrachtung ihre Gedanken, Analysen und Sichtweisen aufgeschrieben.

Die olympischen Spiele 2016 von Rio haben ihre Unschuld schon verloren, bevor sie angefangen haben. Die unsägliche Doping Geschichte und der Sumpf, der sich speziell in der russischen Leichtathletik auftat, sind ja nicht alles. The Gurdian titelt Rio 2016: Olympic boxing tournament hit by corruption allegations.

Einer der besten deutschen Journalisten in puncto investigativer Journalismus, klarem Standpunkt und Beharrlichkeit, powervoller Gründer von sportspool.tv und interpool.tv, der geschätzte Fred Kowasch schrieb dieser Tage auf sportspool.tv treffend im Artikel unter dem Titel Klare Kante: Weshalb die IOC-Entscheidung konsequent ist. 

,,Genießt die bunten Bilder, schaut euch die knackigen Körper an der Copacabana an. Oder lasst die Glotze einfach aus. Es lohnt sich nicht. Die Zeit kann man viel besser im Waldbad, auf einem Mountainbike oder in Laufschuhen verbringen.“

Das ist ein Statement.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s