Programmhinweis in Sachen IOC-Berichterstattung von Jens Weinreich

Freut sich eigentlich jemand auf die Olympischen Spiele?

Victor Conte, Gründer und Präsident des Pharmaunternehmens BAY AREA LABORATORY CO-OPERATIVE (BALCO), kam einst im Buch Wenn Sport Geschichte schreibt von Jan Stradling zu Wort:

,,… in der Sportwelt gibt es nicht nur keinen Weihnachtsmann, es gibt auch keinen Osterhasen und keine Zahnfee … Ich meine, die Geschichte der Olympischen Spiele ist voll von Korruption, Vertuschung, dem Gebrauch verbotener leistungssteigernder Mittel – sie ist nicht so, wie die Welt glaubt.“

Diese Worte waren auf Seite 278 dem Kapitel Das Schmutzigste Rennen der Geschichte, jenem 100-Meter Lauf mit Ben Johnson im südkoreanischen Seoul 1988 während der Olympischen Sommerspiele, vorangestellt. Das Kapitel endet auf den Seiten 289 und 290 mit einer Chronik über Doping im Sport. Die Chronik ist unvollständig. Auf zwei Seiten kann sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie beinhaltet den Hinweis auf sowjetische Gewichtheber im Jahr 1954 und dem Stichwort Testosteron oder den Hinweis, dass DDR-Schwimmerinnen 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal 11 von 13 möglichen Goldmedaillen gewannen. Später sollten bizarre Einzelheiten über ein auf den olympischen Medaillenspiegel fixiertes sowie staatlich gefördertes Dopingprogramm der kleinen Republik DDR ans Tageslicht kommen. Das exzessives Doping kein sozialistisches Alleinstellungsmerkmal war hatte Jan Stradling auf Seite 287 festgehalten:

,,Die Zeitschrift Sports Illustrated erhielt 2003 Unterlagen von Dr. Wade Exum, der von 1991 bis 2000 Direktor der Dopingkontrollagentur für das NOC der USA war. Daraus ging hervor, dass mindestens 100 Sportler bei Dopingkontrollen durchgefallen waren, aber trotzdem an den Spielen 1992 und 1998 teilnehmen durften.“

Tief durchatmen.

Brian Williams, Moderator von Radio Canada kommt auf Seite 284 zum Johnson Lauf zu Wort.

,,Ben Johnson hat [den Olympia-Organisatoren in Seoul] den Auftritt nicht nur verhagelt, sondern geradezu geflutet.“

Für diese Olympischen Spiele haben sich in Deutschland zuletzt Bewerberstädte wie Hamburg oder München (zweifach) aus der Bevölkerung klare Absagen geholt.

Foto:  © Michael Wiemer

Wem die ARD-Berichterstattung über das IOC zu lasch, naiv oder nicht tief genug recherchiert ist, dem sein in diesen Tagen der Twitter-Account von Jens Weinreich empfohlen. Unter @JensWeinreich gibt es entsprechende Lektüre.

Auch auf seinem Blog SPORT AND POLITICS hat Jens Weinreich sich ausführlich dem Thema IOC gewidmet. Er ist seit vielen Jahren profunder Kenner der Vorgänge beim IOC und mit einer journalistischen Hartnäckigkeit, Haltung und Recherchetiefe ausgestattet, die selten in Deutschland ist. Am Sonntag legte er einen Live-Blog auf und leitete ihn mit folgenden Worten ein:

,,Erste russische Medien meldeten bereits vor einer dreiviertel Stunde die Erlösung, den Olympiasieg: Russisches Team in Rio de Janeiro, russisches NOK (ROC) nicht suspendiert.“

Jens Weinreich war im Angesicht der historischen Situation bienenfleißig.

,,Ich werde aus der Telefonschalte live bloggen und auch danach hier aktiv sein, mit kleineren Unterbrechungen bis tief in die Nacht.“

Es war kein guter Tag für Juliana Stepanowa.

Heute legt Journalist und Blogger Jens Weinreich nach. Er hat einen sehr langen Text über den amtierenden IOC-Präsident Thomas Bach auf seinem Blog SPORT AND POLITICS verfasst.

Ebenfalls hat Sportredakteurin Evi Simeoni sich der Personalie Thomas Bach angenommen und titelt Der abwägende IOC-Präsident und leitet ihren Artikel mit folgenden Worten ein:

,,Dass die Doping-Lüge und die entfesselte Macht- und Geldgier der Funktionäre Olympia seine Popularität kosten könnten, hat Thomas Bach erkannt und will gegensteuern. Aber dafür könnte es zu spät sein.“

An die analytische Stärke und Präzision von Weinreich kommt Simeoni jedoch nicht heran. Aber vielleicht ist es auch nicht fair diesen Vergleich zu ziehen. Jens Weinreich kniet sich in die Berichterstattung rein, lebt seine Online-Leidenschaft aus, geht in die Tiefe der Recherche, macht keine Abkürzungen, fügt ein Puzzlestein zum anderen.

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