Entspannter Wohlfühlcontent oder Fernschach mit einem Glas deutschen Rieslings

Selbstverständlich könnte ich die Dopingthematik in der russischen Leichtathletik beleuchten oder die Überforderung der UEFA mit einer aufgeblähten Fußball-EM und einem aus dem Ruder laufenden Turnier. Stichwort Hooligan Thematik. Doch selbst Pfarrer Sebastian Kneipp wies auf die Wichtigkeit der Balance hin, einer Lebensordnung die eben nicht nur auf die unerfreulichen Dinge konzentriert ist.

Also dann heute richtig entspannter Wohlfühlcontent. Kürzlich haben wir hier im sportinsider Interview mit Schachpublizist Johannes Fischer ja auch die mediale Schachberichterstattung in Deutschland gestreift. Langjährige Stammleser wissen, das ich nicht reflexartig in den Kritik-Modus tauche. Neben berechtigter Kritik lobe ich auch, wo es lobenswertes gibt. Die sueddeutsche.de brachte vorige Woche einen sehr interessanten Artikel über Hans-Dieter Wunderlich in seiner Kommandozentrale. Auf seinem Tisch stehen mehrere Bildschirme. Dort spielt Wunderlich, Team-Weltmeister im Fernschach, zahlreiche Partien gleichzeitig. Konkret bis zu 40 Schachpartien parallel. Und dann, ich hatte ja Wohlfühlcontent versprochen, wird es entspannt.

,,Grundsätzlich bedeutet die wissenschaftliche Disziplin, wie er sie selbst nennt, aber vor allem Entspannung. „Normales Schach ist mir inzwischen fast schon zu hektisch“, nennt Wunderlich einen der Gründe für seinen Wechsel vom Nah- zum Fernschach. Man glaubt es ihm: Die Füße auf dem Tisch, die Lehne seines Schreibtischstuhls weit nach hinten geneigt, ein Glas deutschen Rieslings griffbereit. Wunderlich ist tiefenentspannt und trotzdem hoch konzentriert: „Fernschach ist körperlich bei weitem nicht so anstrengend“, sagt er.“

Der 63-Jährige Hans-Dieter Wunderlich, einst klassischer Vereinsschachspieler, arbeitet über der Woche  als Sicherheitsingenieur in der Eisenbahnindustrie. Seine Passion Fernschach lebt er bewusst aus. Abends. Und dann am Wochenende. Und er ist kein Single.

,,Morgens vor der Arbeit denke er grundsätzlich nicht über Schach nach. „Am Wochenende bin ich dann viel im Einsatz.“ Nach dem Frühstück führe der erste Weg an den Computer. Und die Lebensgefährtin? „Die ist glücklich, weil sie so ihren eigenen Beschäftigungen nachgehen kann“, sagt Wunderlich.“

Das Geheimnis einer glücklichen Beziehung.

Fernschachfreund Hans-Dieter Wunderlich gewann mit der Nationalmannschaft auch zweimal die Fernschach-Olympiade. Zur körperlichen Ertüchtigung und Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit an den Bildschirmen joggt er und legt 6.000 Kilometer mit dem Rad pro Jahr zurück.

Emotional hat der Artikel auf sueddeutsche.de unter dem Titel Matt in zwei Jahren mich persönlich sehr angesprochen. Mein Vater spielte sehr viele Jahre Fernschach. Die Postkarten mit den Zügen aus Moskau, Amsterdam, Köln, Kopenhagen, Wien, Innsbruck oder Mallorca waren für mich von einer Faszination, die bunten Briefmarkenmotive, die Ansichten schöner Städte und Regionen sowie die Korrespondenz meines Vaters mit den Fernschachfreunden. Irgendwann wollte ich es dann auch selber ausprobieren, ohne die Spielstärke meines Vaters zu besitzen. Ich selber spielte vom 14. bis 18. Lebensjahr internationales Fernschach.

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