Nachdenkenswert #404

,,Inzwischen war Abramowitschs unternehmerische Tatkraft nicht mehr zu zügeln. In seinem Lebenslauf auf der Tschukotka-Website ist nur davon die Rede, dass er die Genossenschaft Ujut und die kleine, Konsumgüter produzierende Firma ABK gegründet habe. Aber man vermutet, dass Abramowitsch in den frühen neunziger Jahren nicht weniger als 20 Unternehmen in so unterschiedlichen Bereichen wie Reifenerneuerung und Anwerbung von Leibwächtern aufbaute und wieder auflöste. Diese ersten Vorstöße in den freien Markt dienten ihm als wertvolle Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, und seine Risikofreudigkeit sowie ein feiner, manipulativer Charme leisteten ihm gute Dienste.“

Dominic Midgley und Chris Hutchins in ihrem Buch Der Milliardär aus dem Nichts – Roman Abramowitsch auf Seite 49. Roman Abramowitsch kaufte 2003 den FC Chelsea für 60 Millionen Pfund. Ein bis dato weitgehend Unbekannter wurde schlagartig weltberühmt. Die Journalisten Midgley und Hutchins gingen der spannenden Frage nach: Wer ist der russische Tycoon, der in nur zehn Jahren ein Milliardenvermögen angehäuft hat?

Das Buch lag 2005 bei mir unter dem Weinachtsbaum.

Im Vorwort schrieb Horst Kläuser, Korrespondent für den deutschen Hörfunk in Moskau:

,,Es gehört zum Wesen von Roman Abramowitsch, so gut wie unsichtbar zu wirken. Dabei erzählt die Geschichte des reichsten Russen so viel über sein Land, dass es aufgeschrieben werden muss. Abramowitschs Biografie ist der Spiegel einer turbulenten, zum Teil anarchisch anmutenden und manchmal unwahrscheinlichen Abfolge von Ereignissen, die durch das Ende des Kalten Krieges und den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 möglich wurden und in ihrer endgültigen Bedeutung längst noch nicht abschätzbar sind.“

Es ist ein atemberaubendes Buch. Kein Sportbuch, eher ein Polit-Thriller. Selbstverständlich kommen Trainer wie Mourinho oder das 54 Millionen Dollar Sponsoring auf 3 Jahre bei ZSKA Moskau im Buch vor, aber auch Politakteure wie Michail Gorbatschow, Boris Jelzin oder Wladimir Putin kommen darin vor. Der Kauf von Chelsea, die Details der Vorvertragsverhandlungen, die Verästelungen von Abramowitsch mit Geschäftspartnern, sein geschmeidiger Umgang mit Putin, die Zerissenheit der russischen Gesellschaft.

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