Ein neuer Bobby Fischer Film kommt in die Kinos – Pawn Sacrifice

Es waren aufregende Zeiten. 1972 wurden Heerscharen von Journalisten aus aller Welt von ihren Chefs nach Island beordert. Zahlreiche Herren der schreibenden Zunft konnten dabei nicht Schach spielen, sollten aber über viele Wochen von einem Schachkampf berichten, der zu einem Duell der Systeme hochstilisiert wurde. Der smarte Amerikaner Bobby Fischer, Schachgenie, Individualist, Einzelgänger und mit einem IQ von 184 wollte eine 25 Jahre währende russische Vorherrschaft im Schach herausfordern. Ein Reporter von Life fragte den tadellos in geschneiderten Maßanzügen agierenden Schachprofi Fischer nach der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Bobby Fischer antworte in seiner unnachahmlichen Art:

,,Ich werde wie gewöhnlich umherlaufen. Ich betrachte mir das Schachbrett …“

Auf der anderen Seite der Titelverteidiger und Großmeister aus Leningrad, Boris Spasskij, der 1960 in Mar del Plata erstmalig auf Bobby Fischer traf und im Königsgambit nach 29 Zügen gewann. Auch die 2. Schachpartie zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer 1966 beim Piatigorskij-Pokal in Santa Monica endete in einer Grünfeld-Verteidigung Partie mit einem Sieg des Leningraders. Die 3. Partie zwischen beiden Schachgiganten wurde ebenfalls beim Piatigorskij-Pokal gespielt. Diesmal führte Bobby Fischer die weißen Figuren.  Nach 35 Zügen gab es in einer mit Spanisch eröffneten Partie ein Remis. 1966 trafen Bobby Fischer und Boris Spasskij bei der Schach-Olympiade in Havanna zum 4. Mal aufeinander. Diese spanische Partie endete ebenfalls mit einem Remis. Die 5. Begegnung erlebte die Schachwelt dann bei der Schach-Olympiade in Siegen  1970. In einer mit der Grünfeld-Verteidigung eröffneten Partie gewann der mit weiß spielende Boris Spasskij nach 39 Zügen.

Somit stand es 1972 vor Beginn des Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer in den direkten Begegnungen 4:1. Der Amerikaner hatte bis dahin also noch keine einzige Schachpartie gegen Spasskij gewinnen können. Das war ungewöhnlich. Der selbstbewusste Fischer hatte in seiner persönlichen Bilanz gegen die meisten bekannten russischen Schachgroßmeister einen Plusstand aufzuweisen. Trotzdem ging Bobby Fischer 1972 in Reykjavik als Favorit in den Kampf um die Schachweltmeisterschaft. Seine überragende Form in den Kandidatenwettkämpfen war der Grund dafür. Bobby Fischer fegte im Viertelfinale Mark Taimanow mit 6:0 vom Brett. Im Halbfinale schickte er Bent Larsen mit einem 6:0 nach Hause. Im Kandidatenfinale in Buenos Aires zerschmetterte er den als Defensivstrategen geltenden Weltmeister von 1966, Tigran Petrosjan, mit 6,5:2,5. Bobby Fischer war in der Form seines Lebens. Er war bereit sich den WM-Titel von Boris Spasski zu holen.

Soweit ein ganz kleiner Ausflug von mir in die Schachgeschichte. Jetzt hat das Kino das Thema Bobby Fischer wieder entdeckt. Der Film Pawn Sacrifice läuft im Herbst 2015 in den USA an. Hier der Trailer:

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