Das große Glück von Übungsleiter Löw

[Reblog vom 24. Juli 2012]        

Basketballfan Wulff kann ein Lied davon singen. Ist der Boulevard erst einmal an einer Person dran und strickt die Storys, Schlagzeilen, Kommentare und Leserbriefe in einer unbarmherzigen Art und Weise, können selbstgezogene Verteidigungslinien wie ein Kartenhaus bei starker Zugluft einstürzen.

Übungsleiter Löw galt bis zum Halbfinalspiel durchaus als Liebling der schlagzeilenträchtigen Presse. Wer sollte die Elf nach dem Sieg gegen Griechenland aufhalten? Löw machte alles richtig. Inclusive Kleidung, Auftritt, taktischen Wechselspielen etc. Nach der 1:2 Niederlage gegen Italien brach die Kritik über ihn wie ein verbaler Tsunami herein. Sie war Holzschnittartig. Nun bin ich kein überbordender Freund von Übungsleiter Löw. Doch die Kritik war in weiten Teilen überzogen, fast bösartig und oft fernab einer seriösen Analyse. Das hätten harte mediale Wochen für Löw werden können. Doch er hatte Glück.

Am Montag nach der EM explodierte die Nachricht von der Verpflichtung Matthias Sammers bei Bayern München. Das große Glück von Übungsleiter Löw.

Der bescheidene Titelsammler blieb seither weitestgehend unbehelligt im Schatten der medialen Ereignisse von München um die Personalie Sammer.

Eine Trainerdiskussion wurde so nicht zum köcheln gebracht.

Dabei gibt es durchaus interessante Aspekte. Stichwort Titelbilanz. Es gibt Trainer die sammeln sie wie Briefmarken und es gibt eher bescheidenere Protagonisten an der Seitenlinie.

Joachim Löw ist seit 1994 Trainer im Männerbereich. Das sind lange 18 Jahre. In diesem respektablen Zeitraum gab es für den ehemaligen Freiburg Spieler an zählbaren Erfolgen den DFB-Pokalsieg 1997 mit dem VfB Stuttgart gegen Energie Cottbus. Weiterhin steht die österreichische Meisterschaft mit dem FC Tirol Innsbruck im Jahr 2002 zu Buche. Die Mannschaft von Energie Cottbus spielte damals noch in der drittklassigen Regionalliga. Beim FC Tirol konnte Joachim Löw auf die Arbeit von seinem Vorgänger Kurt Jara aufbauen der bereits 2001 und 2000 mit dem Team Meister in Österreich wurde.

Andere Engagements von Übungsleiter Löw wie beim damaligen zweitklassigen Karlsruher SC in der Saison 99/2000 oder der darauffolgenden Saison bei Adanaspor in der Türkei beinhalteten bittere Erfahrungen. Er stand noch nicht einmal das jeweilige komplette Spieljahr durch. Aufgrund von Erfolglosigkeit kam es bei beiden Vereinen zur Kündigung des Arbeitspapieres.

Natürlich hat sich Joachim Löw seit damals weiterentwickelt. Doch wenn die Trainerbilanz nüchtern auf Zahlen, Daten, Fakten abgeklopft wird ist die Titelausbeute doch sehr mager.

Mein Bauchgefühl sagt mir für 2014 ebenfalls keinen Titel der DFB-Elf mit Löw in Brasilien voraus. Das ist auch kein Beinbruch. In Portugal galt die Mannschaft um Figo als sogenannte goldene Generation. Titellos trat sie ab. Das Leben ging in Portugal trotzdem weiter.

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