Nachdenkenswert #172

,,Bislang haben Bereiche wie Unterhaltung und Sport den teuren Journalismus im Ausland, in der lokalen Tiefebene und den investigativen Journalismus querfinanziert. Das wird in Zukunft nicht mehr funktionieren.“

     Daniel Drepper,  Journalist , in Gedanken: Wie kann sich Journalismus finanzieren?

Dortmunder Wahnsinn: Reportage für die Ewigkeit

Manchmal müssen die Emotionen einfach raus. Ungefiltert. Leidenschaftlich. Mit der Stimme sich überschlagend. Magic Moments in einem großen Hitchcock-Thriller in Dortmund. Dieses hörbare und vibrierende Zeitdokument vom BVB-Netradio wird in jedem Jahresrückblick 2013 auftauchen.

Stefan Schumacher bezeichnet im Interview mit der Stuttgarter Zeitung das Gehaltsgefüge …

Ich habe mich fast daran gewöhnt, wie diese Dopingwelt funktioniert. Im Strafprozess vor dem Landgericht Stuttgart wird am Mittwoch, den 10. April 2013, unter dem Aktenzeichen 16 KLs 211 Js 88929/08 in der Personalie des Radsportlers Stefan Schumacher verhandelt. Auch der ehemalige Teamchef von Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, wird der schwäbischen Landeshauptstadt seine Aufwartung machen.

In der Printausgabe der Stuttgarter Zeitung hat Tobias Schall den meinungsstarken Stefan Schumacher interviewt. Das Gespräch steht auch online zur Verfügung. Es geht um fehlenden Welpenschutz beim einstigen Team Telekom für den damaligen Jungprofi. Es geht um Stimmungsaufheller. Um Kortison für den geschmeidigen Tritt auf dem Rad. Hormone für die muskuläre Power. Teamärzte mit eigenartiger Berufsauffassung. Moralische Verkaufsmethoden nach außen. Es dreht sich um Russisch Roulette. Schumacher erwähnt die Verantwortung für Arbeitsplätze im Team. Natürlich geht es auch um Geld. Um das Gehaltsgefüge …

,,Ich war bereit, für Erfolg vieles zu opfern. Ich wollte immer alles oder nichts. Das Risiko ist der Preis für den Erfolg, für die Anerkennung und natürlich auch für einen großen Vertrag. Als Helfer verdienst du vielleicht 30 000 Euro jährlich, als Superstar unter Umständen Millionen. Das Gehaltsgefüge im Radsport ist absolut krank.

Tief durchatmen.

Finale Schachbundesliga bei DeepChess!!! Media und ein weißer Fleck in der Süddeutschen Zeitung

Sie haben alles in die Print Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung gepackt. Den französischen Nationalspieler mit dem geliehenen Megafon der Bayern München Ultras auf dem Titelblatt. Die Bastian Schweinsteiger Story einer Entwicklung zum reifen Spieler und Menschen auf Seite 3. Die ausführlichen Bundesligaberichte der Königsdisziplin Fußball im Sportteil. Zwei Artikel über die Turbulenzen bei 1860 München. Ein Foto vom Frauen Eishockey.

Zeilen über die aktuelle Formschwäche der Brose Baskets Bamberg und die Niederlage in Bonn. Ein Text über das anstehende DEL Finale der Kölner Haie und den Eisbären Berlin mit dem Blick auf die pragmatischen Seiten von Uwe Krupp. Auch ein Interview mit Frank Mill, ehemaliger Borussia Dortmund Spieler, mit den Sympathien für Bayern München sowie die Großzügigkeit der Kartenvergabe für verdienstvolle Spieler inclusive Trinken und Essen beim Rekordmeister. Mill schwärmt geradezu von dieser Praxis bei Bayern München.

Dazu eine ganze Seite Ergebnisspiegel. Tabellen bis runter zur 4. Fußballliga. ZFC Meuselwitz auf Platz 4 der Regionalliga Nordost. Red Bulls Fußballprojekt RB Leipzig trennt sich von Plauen 2:2. Curling gab es auch im Angebot. Hockey schafft es auch in den erlauchten Kreis. Ein Foto und Zeilen zu den starken Auftritten der Läufer aus Kenia beim Halbmarathon in Berlin. Auch ein kleiner Schwenk im Text zu dem Marathon in Paris. Es ist fast alles vorhanden. Selbst die dopinggeschwängerte Sportbranche Radsport fehlt nicht. Was fehlt, ist die Schachbundesliga. Das Finale. Ein weißer Fleck in der Süddeutschen Zeitung. Zum Glück gibt es auch Online-Angebote. Beispiel DeepChess!!! Media, die Ihre Berichterstattung mit folgenden Text einleiten.

,,Die Schachbundesliga hatte am Wochenende mit einer zentralen Veranstaltung ihr Saisonfinale im Schloß Schwetzingen. Zum achten Mal wurden die Schachfreunde aus Baden-Baden deutscher Meister, was nicht wirklich überrascht hat. Die Badener spielen in ihrer eigenen Liga und dies wird deutlich, wenn man auf die Tabelle schaut. 15 Mal zum Mannschaftskampf angetreten und 15 Mal gewonnen. Kein Verlust und kein Unentschieden. Das war deutlich. DeepChess!!! Media war vor Ort und hat einige Impressionen von diesem Wochenende eingesammelt und in einem Video verarbeitet.  Neben Impressionen und Aufnahmen von der Simultanveranstaltung mit Anatoli Karpov, haben wir auch ein kurzes Interview mit dem Sponsor der OSG, Wolfgang Grenke, und dem Mannschaftführer, Sven Noppes geführt.
Alles im allen, war die vom SV 1930 Hockenheim veranstaltete und geplante Endrunde in Schwetzingen ein echtes Highlight. Sehen Sie selbst.“

Nachlese Schach WM-Kandidatenturnier London 2013

Der Rauch der Schlacht von London ist langsam verzogen. Zeit für eine kleine Nachlese in Form der Bilder von Ray Morris-Hill.

Schauen wir mit etwas Abstand vom Schach WM-Kandidatenturnier London 2013 einfach nochmals auf ein paar schöne Momentaufnahmen, vom genialen Ray Morris-Hill mit der Kamera festgehaltene Sequenzen des spannungsgeladenen Schachevents aus der englischen Metropole. Einfach genießen. Der begnadete Fotograf Ray Morris-Hill ist im Netz unter rmhphotos.eu zu finden. Doch genug der Vorrede. Viel Vergnügen. Ich wiederhole mich da gerne: Einfach genießen.

The Candidates: Standing from left to right, Teimour Radjabov, Magnus Carlsen, Alexander Grischuk, Levon Aronian, Vassily Ivanchuk, sitting from left to right,  Peter Svidler, Vladimir Kramnik and Boris Gelfand

Bayern München und das Prinzip Fernglas

Es war kein gutes Jahr für den FC Bayern München. Anfang des Jahres rumorte es. Die News-Ticker brachten dann die Meldung über den Äther: Trainerentlassung. Spieler sollen daraufhin gar gefeiert haben. Erzählt man sich hinter vorgehaltener Hand. Anschließend heuerte ein Altmeister auf der Trainerbank beim deutschen Rekordmeister an. Es reichte dennoch nur zu einer titellosen Saison. Ungewohnt für Münchner Verhältnisse. Eine Art Majestätsbeleidigung. Die Rede ist vom Jahr 2007. Im Pokalfinale siegte der fränkische Rivale 1. FC Nürnberg gegen den schwäbischen Vertreter VfB Stuttgart. In der Meisterschaft siegte die Mannschaft von Armin Veh. Jener VfB Stuttgart mit einem torhungrigen Mario Gomez konnte sich deutscher Meister 2007 nennen. Schalke 04 hatte fahrlässig den Titel verspielt. Nichts neues in Gelsenkirchen. Doch den größten Ärger gab es in München. Eine Saison ohne Titel: Tief durchatmen. Der wortgewaltige Europameister und Weltmeister aus der goldenen Ära des deutschen Fußballs in den siebzigern, Bayern München Legende Uli Hoeneß, ging unter die Philosophen und haute jene bedeutungsvollen Worte heraus:

,,Nächstes Jahr wird es bei uns eine klare Devise geben – und das vom ersten Spieltag an: Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.“

Bayern München gelang dann in der Saison 2007/2008 jene philosophische Umsetzung des Prinzip Fernglas. Doch noch besser machte es der diesjährige Jahrgang. Zeitweise hatte man als geneigter Beobachter der Fußballszene den Eindruck, dass die Konkurrenz resigniert das Fernglas beiseite gelegt hat.

Fußball-WM 2014: Lesehinweis interpool.tv

Er ist einer, der die Dinge schonungslos beim Namen nennt. Da macht Fred Kowasch auch bei der Frage nach der Sicherheit von Rio auf interpool.tv keine Ausnahme. Unbedingte Leselektüre. Notfalls die Sportschau, die Berichte über die 23. Meisterschaft von Bayern München oder den Wochenendeinkauf sausen lassen. Auf geht´s!

Nachdenkenswert #171

,,Als sich die TSG Hoffenheim im Dezember 2008 zum sogenannten Herbstmeister kürte, war das Gekreische ohrenbetäubend, nicht nur im Kraichgau. Dem Aufsteiger gelang eine famose Hinserie, die Mannschaft war ein Hybrid aus Soldaten und Artisten. Auf den Flanken knallten die Angriffsläufe von Ba und Obasi laut wie Peitschenschläge, Carlos Eduardo rotierte sich wie ein Kreisel durch die Zentrale und ganz vorne stand Ibisevic: das Kanonenfeuer. Hoffenheim war ein feuerwerkähnliches Spektakel – und in der Epoche des Eventmarketings kam das sehr gut an. Kaum einer verschrie den Verein zu diesem Zeitpunkt noch als Retortenklub, weil von dieser Bundesliga-Party alle so begeistert waren. In Fußballdeutschland wichen Missgunst und Ethos der Schwärmerei, der Unterhaltungslust.“

     Søren Feyerabend, Spiritus Rector von kabinentraktate.wordpress.com

     im lesenswerten Text Ein feuerwerkähnliches Spektakel, verpufft

Der Thriller vom Schach WM-Kandidatenturnier London 2013

Ein wenig erinnerte die Schachrunde am Ostermontag in der englischen Metropole an einen Hitchcock Thriller. Spannung pur. Eine Dramaturgie wie in einem Meisterwerk vom britischen Regisseur und Filmproduzent Alfred Hitchcock. Altmeister der inszenierten Nervenkitzel. Klar, Magnus Carlsen und Espen Agdestein hätten sich einen ruhigeren Ausklang des Schach WM-Kandidatenturniers von London im Frühjahr 2013 gewünscht. Am Ende reichte es dennoch für den Schachmozart. Tief durchatmen. Sehr tief durchtamen. Alle Details zum Thriller von London gibt es hier bei chessbase in bewährter Form aufbereitet.

Schauen wir einfach nochmals auf ein paar phantastische, im Bild von Ray Morris-Hill festgehaltene Momente von London. Den begnadeten Fotograf findet der geneigte Schachfreund auch unter rmhphotos.eu.