Dann lieber doch ein Schachbuch …

Mich stören immer diese Bücher, die mit sehr viel Lärm angekündigt werden. Das ist für mich in der Regel immer ein Grund die gedruckten Seiten zwischen zwei Buchdeckeln nicht zu kaufen. Die Skepsis überwiegt. Lautstärke könnte die dünne Inhaltsschicht überdecken. Fehlender Content wird durch eine Marketingmaschinerie ersetzt. Ich mag dann nicht. Nein. Im vergangenen Herbst war das Büchlein eines international noch titellosen deutschen Nationalspielers mit Kapitänsbinde so ein Fall. In meiner Bibliothek war noch Platz. Das Budget für den Bücherkauf 2011 war auch noch nicht ausgereizt. Von den traditionellen Buchschenkungungen meiner Liebsten war auch noch eine Festivität offen. Dazu später mehr. Alleine ich wollte nach dem medialen Gedöns dieses Buch nicht haben.

So geht es mir jetzt wieder mit dem Druckerzeugnis eines Ex-Fußballpräsidenten. Es bedurfte schon besonderer Körperbeherrschung um den größten Schlagzeilen der Buchpromotion aus dem Weg zu gehen. Hat sich jemand bereits gefragt: Was taugt das Werk? Kultblogger Trainer Baade nimmt sich der Thematik unter dem Titel Wann ist ein Narr ein Narr? an:

,,Natürlich ist das Ganze für sich schon eine Narretei, so Vieles an diesem Buch ist falsch: der Zeitpunkt so dicht an seinem Rücktritt, der Vorabdruck in der FOTO, die wenig distanzierte Selbsterhöhung im Titel und das höchst unseriöse Ausplaudern von etlichen Interna rund um Verträge, Planungen und Personal mitten aus der Zentrale des DFB.“

Vor zwei Jahren interviewte ich hier auf dem Blog Schachbuchverleger Jens-Erik Rudolph. Er will auch Bücher verkaufen. Doch wie wohltuend seine bodenständige Art und Sicht der Dinge.  Kein nervöser Hype, keine übertriebene Lautstärke und echte Bücher mit Inhalt. Jener berühmte Content. Wirklich tiefer und hochinteressanter Lesestoff.

Mit Büchern und dem Potenzial zum Bestseller ist es ja immer so eine Sache. Timothy Ferris sein Buch Die 4-Stunden Woche verkaufte sich wie geschnitten Brot. Auf Seite 205 wirft er den Scheinwerfer auf die Buchbranche:

,,Weniger als fünf Prozent der 195 000 Bücher, die jedes Jahr auf den Markt kommen, werden mehr als 5000-mal verkauft. Heerscharen von Verlegern und Lektoren mit zusammen jahrzehntelanger Erfahrung in der Buchbranche landen nur selten einen Treffer, viel häufiger sind Fehlentscheidungen.“

Bestseller hin oder her. Meine Entscheidung für mein nächstes Buch steht. Es wird ein Schachbuch… Meine Jahrhundertliebe fragt immer sensitiv vor den Festivitäten wie Weihnachten, Geburtstag oder Ostern. Ich darf dann Wünsche äußern. Sie hat bisher jedes gewünschte Buch bekommen. Da kann ich mich auf meine Liebste verlassen.

Derweil bietet auch das Internet momentan eine Reihe von interessanten Content. Eine Perle möchte ich meinen geneigten Lesern und Schachfreunden besonders ans Herz legen. DeepChess hat unter dem Titel Historical (2) eine ukrainische unsterbliche Partie aus dem Jahr 1931 oder 1937 in Kiew zwischen Efim Kochmar und Abram Poliak ausgegraben. Sehenswert. Wie gewohnt in äußerst guter Qualiät aufbereitet und die 20 Minuten Videozeit vergehen wie im Flug. Wenn es DeepChess nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Ich bin jedesmal begeistert.

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