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Sabine Küper-Büsch hat einen Tag nach der deutschen Einheit einen lesenswerten Artikel auf Jungle World (Hat-Tip geht an chessbase)  veröffentlicht. Es dreht sich um Facetten der Schacholympiade in Istanbul, die berühmte Schachnovelle von Stefan Zweig, die Schachförderung in der Türkei, die idealen Bedingungen für Elisabeth Pähtz am Bosporus und ihr Fazit über die Rahmenbedingungen in Deutschland sowie die starke Rolle von Judit Polgár am Schachbrett in Istanbul. Sie flechtet der symphatischen Spielerin einen Lorbeerkranz und verheddert sich dann ein wenig in den Details:

,,Den Titel eines Großmeisters der Männer erreichte sie 1992 im Alter von 15 Jahren und vier Monaten und übertraf damit den Rekord von Bobby Fischer. Fischer war von 1972 bis 1975 Schachweltmeister und hatte als 16jähriger den Titel gegen den Russen Boris Spasski gewonnen.“

Nein. Einspruch. Der Tod des Glücks ist der Vergleich. Bobby Fischer erlangte beim Interzonenturnier in Portorož im August/September  1958 den Titel eines Großmeisters. Fischer war da 15 Jahre alt. Sein Geburtsdatum ist der 9. März 1943. Im Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik 1972 im Duell gegen den Leningrader Boris Spasskij war das amerikanische Schachgenie 29 Jahre alt. Diese erbsenzähltechnisch anmutende Geschichte von 15 Monaten und  vier Monaten steht beim wikipedia  Eintrag von Judit Polgár  drin:

,,Den Titel eines Großmeisters der Männer erreichte sie 1992 im Alter von 15 Jahren und 4 Monaten und verbesserte damit den Rekord von Bobby Fischer um einen Monat.[1] Verständlicher gesagt: „Die Altersangabe bezieht sich auf die Erzielung der letzten erforderlichen GM-Norm, um daraufhin Anfang 1992 den Großmeister-Titel von der FIDE verliehen zu bekommen“:“

Im Zeitalter der vergessenen Quellenangaben von Politikern bei ihren Doktorarbeiten gibt es selbstverständlich die Offenlegung des Einzelnachweises auf wikipedia:

[1]

Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 81

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Damit dürften wir in keine Schavanistische Falle gelaufen sein. Schachfeunde erinnern sich noch an das vergangene Jahr. Schachspieler Karl-Theodor zu Guttenberg verlor seinen Titelkampf.

Übrigens trafen sich Boris Spasskij und Bobby Fischer am Schachbrett erstmalig 1960 in Mar del Plata. Königsgambit. Fischer verlor mit den schwarzen Steinen nach 29 Zügen. Nach der Schachpartie verfaßte Bobby Fischer den Aufsatz: The King´s Gambit ist busted.

Das Königsgambit ist erledigt. Nun zumindest der damalige 3. Zug von Fischer mit g7-g5. Er empfahl nach der Verlustpartie mit d7-d6  die richtige Fortsetzung aus seiner Sicht.

Noch ein paar Schachanmerkungen aus der Neuzeit. Das Grand Slam Finale ist durch. Die Nachricht vom Sieg von Magnus Carlsen im Blitz-Tiebreak gegen Fabiano Caruana dürfte sich trotz Hype um Extremsportler Felix Baumgartner und die Red Bull Aufholjagd mit Sebastian Vettel herumgesprochen haben. Wer noch ein wenig Fotos von Eric van Reem und seinem Sohn Dennis vom Bilbao Schachfeinkostevent anschauen mag, inclusive Blick auf die Turniertabelle sowie die Ergebnisse in Ruhe nachlesen will ist bei chesstigers richtig. Die einzelnen Ergebnisse von Schachweltmeister Vishy Anand finden sich dort auch. Er hat sein Meisterwerk dieses Jahr bereits in Moskau bei der erneuten Verteidigung seines WM-Titels geliefert. Alle Schachfreunde erinnern sich noch an den kreativen Blog Mate in Moscow von Eric van Reem, der emotionalen Flankierung von Anands WM-Triumph in Text und Bildern aus der russischen Metropole.

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