Vom Jogging bis zum Marathon, Adidas, Nike, Puma, Messner und warum Schach doch sehr sexy sein kann

Hand aufs Herz: Wer von meinen geneigten Leserinnen und Lesern hat diese Woche seinen Hintern vom Sofa bekommen und ist 6 bis 7 Kilometer gejoggt? Oder gerne auch 10. Nein, ich will jetzt keine Beichte abnehmen, keine Heldengeschichten hören mit Ausreden wie – Es war so warm/kalt/kühler wie gedacht/nächste Woche ist auch noch Zeit und eine gute Gelegenheit die Sache weiter aufzuschieben, außerdem war Fußball im Fernsehen, der Aufwasch stapelte sich in verdächtiger Höhe eines Mount Everest in der Küche oder andere Dinge waren wichtiger -. 

Gemach, Gemach. Ich bin diese Woche auch nicht zum joggen gekommen. Mentalen, in die Tiefe gehenden Trost, kann ich dann immer im Buch von Achim Achilles  Achilles´Verse  Mein Leben als Läufer finden. Einer meiner Lieblingspassagen findet sich dann auf Seite 221:

,,Ich habe die Laufbücher rausgekramt. Die Motivationstricks sind überall gleich schlecht. Tolle Idee: Laufschuhe vors Bett stellen, damit man sie beim Aufstehen gleich sieht. Mir doch egal. Ich gucke sie seit Wochen mit Abscheu an. Man möchte ja wenigstens anspruchsvoll veräppelt werden. Besiegen Sie ihren inneren Schweinehund, schreien die Strunze. Warum soll ich ihm weh tun? Ich mag meinen Schweinehund. Er ist wie ich. Er will auch nicht laufen.“

Dabei gibt es ja mittlerweile fast überall Marathonläufe für Volkssportler in großen, mittleren und kleinen Städten Deutschlands. Berlin, Hamburg, Frankfurt (am Bankenmeer), Lindau (Sparkassen-Marathon der 3 Länder am Bodensee) , Dresden, Oldenburg, München,  um nur einige Namen in die Runde zu werfen. Auf marathon.de gibt es weitere Orte und Veranstaltungen. Wer keinen eigenen gelaufenen Marathon aufzuweisen hat ist fast schon sozialer Außenseiter. Wer es internationaler und mit größerem Image will, findet auch Reiseveranstalter die ihm Wege nach New York weisen.

Ich habe auch schon an Volksläufen teilgenommen. 10 Kilometer in 50 Minuten und 30 Sekunden. Irgendwann bin ich dann mit meiner damaligen kleinen Laufgruppe am Wochenende zum legendären Rennsteiglauf als Besucher gefahren. Hintergrund: Prüfung ob für uns ein Marathon als eigenes persönliches Ziel in Frage kommen würde. Anfahrt im Auto. Problemlos. Wir waren dann die ganze Zeit im Zielbereich. So ein Marathon zieht sich. Dann kamen die ersten. Die ersten 20. Die ersten 50. Die ersten 75. Irgendwann wurden die Laufstile mit späterer Ankunftszeit immer unrunder. Ich sah recht kaputte Menschen, erschöpft, zahlreiche Knieprobleme und im Zelt blutige Zehen, Füße die gar nicht gut aussahen.

Viele Volkssportler sahen im Zieleinlauf nach über 42 Kilometern einfach fertig aus, liefen unrund, die Hüften in das Ziel schleppend. Damals schwor ich mir: Marathon musst Du nicht. Ich jogge gerne aus Spaß oder um die Kondition zum Kieser Training parallel zu erhalten, jedoch will ich mich nie in so einem katastrophalen Zustand hineinlaufen. Ganz vom Trainingsaufwand und den Materialschlachten (Welche Schuhe? Adidas, Puma oder Nike? Wer hat die schönsten Läuferschuhe im ganzen Land?) sowie Eitelkeiten rund um die Laufkleidung abgesehen.

Dabei tauchten alle drei genannten Firmen Adidas, Nike und Puma dieses Jahr auch in den Schlagzeilen im Zusammenhang mit Greenpeace und der Detox-Kampagne auf. Eine kleine Auswahl zur Wochenendlektüre. Schluss mit schmutziger Wäsche bei Adidas titelte Greenpeace am 31. August 2011.

,,Adidas will Textilien mit weniger Schadstoffen herstellen. Das gab der größte deutsche Sportartikelhersteller heute bekannt. Damit folgt nun auch Adidas sieben Wochen nach dem Start der weltweiten Detox-Kampagne der Forderung, auf gefährliche Chemikalien in der Textilproduktion zu verzichten.“

13 Tage davor gab es Zukünftig keine „schmutzige Wäsche“ von Nike mehr auf der Web-Site von Greenpeace zu lesen.    

,,Greenpeace kann einen weiteren Erfolg in der Kampagne gegen „schmutzige Wäsche“ verzeichnen: Nach Puma hat nun auch Nike bekanntgegeben, zukünftig auf gefährliche Chemikalien verzichten zu wollen. Nun muss nur noch Adidas Farbe bekennen.“

Da lobe ich mir den Grenzgänger Reinhold Messner. Er holte sich oft auch beim laufen mit freiem Oberkörper Kondition für seine Extremtouren auf die Gipfel dieser Welt. Diese Laufsequenz in den Schuhen mit den 3 Streifen (für Leser die sich nicht so mit den Marken auskennen – Adidas ist damit zu identifizieren) weiße Laufsocken und eine Turnhose sowie ein  braungebrannter Oberkörper, dichte Haarmähne ist auf Seite 141 des Buchs Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers zu sehen. Ich liebe dieses Foto. Okay, ich bin auch ein Fan vom Freigeist, Bergpionier, Abenteurer, Buchautor und Museumsbesitzer. Reinhold Messner beim Ausdauertraining in 4000 Meter Höhe. Doch jetzt bin ich fast wieder von den müden und erschöpften Marathonläufern im Zielbereich des Rennsteiglaufs abgekommen. Ich habe die Bilder, sie liegen bereits gute 12 Jahre zurück, immer noch plastisch vor Augen. Das Zelt glich einem Lazarett. Oh, diese schlimmen Füße. Es schmerzte beim hinsehen.  

Sexy geht auch anders. Eine gepflegte Partie Schach bei einem Glas Rotwein spielen, über den Schweinehebel philosophieren,  die erotischste Schachszene der Filmgeschichte vor Augen, ein wenig französischen Käse dazu, eine dezente klassische Hintergrundmusik. Funkelnde Augen.

Da will ich mit keinem Marathon-Volkssportler und seinen Knieproblemen sowie den Fußdeformationen tauschen.

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