Hohe Wellen

Hohe Wellen schlägt die lahmsche Buchpräsentation bei Bild. Rudi Völler, Trainer der Vizeweltmeisterelf von 2002, schlägt jetzt in Bild verbal zurück. Die Sätze sind messerscharf. Ein wenig schmunzeln musste ich jedoch bei der Forderung nach Konsequenzen seitens der Nationalmannschafts-Führung. Was soll da von Übungsleiter Löw oder Manager Bierhoff denn kommen? Sie haben doch den Schlingerkurs in der Personalie Lahm kontra Ballack mitgetragen. Lahm mit seiner charakterlich diskussionswürdigen Forderung nach der Kapitänsbinde vor einem entscheidenden WM-Halbfinale nicht in die Schranken gewiesen. Nein, lieber Rudi Völler, da wird es keine schwerwiegenden Konsequenzen wie etwa Ausschluss aus der Nationalelf geben. Warum auch? Jedes Jahr gibt es ca. 80.000 neue Buchveröffentlichungen in Deutschland. Das versendet bzw. verliest sich. In ein paar Wochen haben andere Schlagzeilen wieder die Oberhand gewonnen. Lahm wird mit Bayern München Championsleague spielen und in der Nationalelf weiter nach den Spielen Interviews geben.

Auch für hohe Wellen dieser Tage sorgte die unkonventionelle taz. Die Sportredakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker erklären unter dem Titel Warum wir  Sportwerbung dauerhaft verpixeln die spektakuläre Aktion. Darin heißt es unter anderen:

 ,,Auf einem ganz normalen Sportfoto sind im Schnitt zwei bis drei Logos zu sehen, manchmal auch sieben oder acht. Die werden einfach so abgedruckt. Das geschieht unentgeltlich. Wir wollten aus dieser Verwertungskette ausscheren und sagen: Wir sind nicht mehr bereit, Eure Werbebotschaft auf Trikots und Werbebanden zu verbreiten. Es kann ja auch nicht Aufgabe einer Zeitung sein, die mit kritischer Distanz über Sport berichtet, täglich kostenlose Werbung von Vereinen und deren Sponsoren ins Blatt zu heben. Wir wollen durch die Verpixelung journalistisch noch unabhängiger werden.“

Auch Michael H. Spreng hat sich in seinem Blog Sprengsatz unter dem Titel Parasitäre Werbung Gedanken zur taz Aktion gemacht und plaudert ein wenig aus dem historischen Nähkästchen: 

,,Einmal ist auch mir der Kragen geplatzt – zu meiner Zeit bei “Bild am Sonntag”. Als mir ein Redakteur die Sonderbeilage zur kommenden Bundesliga-Saison vorlegte, waren auf den offiziellen Manschaftsfotos kaum noch die Köpfe der Spieler zu erkennen, weil die Bildfläche mit Werbekoffern und -bannern zugemüllt war.“

Er nahm die Logos von den Koffern und auch an den Werbebannern wurde Hand angelegt. Später knickte Spreng dann wieder ein. Im Jahr darauf wurde der Bild am Sonntag vertraglich verboten Hand an den Fotos mit den Teams und ihren Werbebotschaften anzulegen. Auf die Bundesligabeilage wollte die Bild am Sonntag nicht verzichten. Also kamen jetzt wieder die Fotos komplett bebildert heraus. 

Ich bin gespannt wie lange die taz die Aktion durchhält.  Die unkonventionelle taz ist immer für Schlagzeilen gut. Die Sportfotos mit den Pixeln sehen allerdings wirklich bescheiden aus. Dies hat die Sportredaktionscrew offenbar gemerkt. Seit einigen Tagen ist auf taz online auffällig wie oft Fotos mit Bildschnitten oberhalb der Brustwerbung auf dem Trikot abgebildet werden. Damit entfällt dann auch die Verpixelung.

Nachdenkenswert #105

,,Für uns ist das im Grunde dasselbe. Nur die Anzahl der Anfragen ist gestiegen. Plötzlich tauchen Verwandte von vor 30 Jahren wieder auf, und man hat auf einmal ganz viele Freunde. Aber wir haben in den vergangenen 13 Jahren sehr gut gelernt zu unterscheiden. Allerdings ist es schon erstaunlich, dass ein Deutscher aus einem Fußballland mit ein bisschen Basketball so einen Hype auslösen kann.“

Holger Geschwindner, Entdecker und Förderer von Dirk Nowitzki,

im Interview mit der Stuttgarter Zeitung