Solo für Hope Solo

Sie ist eine charismatische Torhüterin. Sie sieht gut aus. Sie hielt im Elfmeterschießen gegen Brasilien einen Elfmeter und hat vielleicht den interessantesten Lebenslauf aller teilnehmenden Frauen im geplatzten deutschen Sommermärchen-Turnier. Die Rede ist von Hope Solo. Ehrgeizig erzählt sie im Interview auf Zeit Online vor dem WM-Finale von ihrem großen Traum:

,,Dieses Spiel bedeutet alles für mich. Ich träume von diesem Titel seit ich ein kleines Mädchen bin. Jeder träumt in dem Alter von etwas anderem. Einige wollen heiraten, einige wollen Kinder haben. Ich wollte immer eine WM-Goldmedaille und eine Olympia-Goldmedaille.“

Hope Solo kann sich im Finale ihren Traum zusammen mit ihrem Power-Team erfüllen. Die WM-Goldmedaille war eigentlich für die deutsche Frauenfußball Nationalmannschaft reserviert. Was war da eigentlich schief gelaufen? Gab es vorher keine klare Auftragsbestätigung für die Bestellung des Titels? Die ganze Marketingaktion für die Katz. Der Hype wird sich so schnell nicht wiederholen. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 sind die Frauen im DFB Trikot nur Zaungast. Irgendwie wirkte die deutsche Mannschaft nie so mental stark wie die Mannschaft von Hope Solo. Die USA powerten Brasilien weg und zeigten sich auch nervenstark gegen Frankreich. Deutschland dagegen schwächelte und zeigte sich weder kraftvoll noch mental in Top Form. Hartplatzheld Oliver Fritsch ist eine ganz gute Analyse des Dilemmas der Frauen um Birgit Prinz und Co. auf Zeit Online gelungen:

„Silvia Neid verantwortet ein Turnier der spielerischen Armut. Zwar gewann ihr Team alle drei Vorrundenspiele, doch höherem Anspruch genügte nur der Sieg gegen Frankreich. Neid hatte das Team drei Monate zur Vorbereitung, der DFB hatte die Bundesliga viel früher als sonst beendet – ein Zustand für einen Trainer, von dem beispielsweise Joachim Löw nur träumen kann. Diese lange Zeit der Kasernierung verlangt eine kluge Menschenführung. Doch Neid gilt als überstreng und misstrauisch, sie pflegt eine Kultur der Kontrolle, vielleicht sogar der Angst. Kreativität kann sich nur schwer entfalten. Hat sich auch nur eine einzige Spielerin bei dieser WM weiterentwickelt?“

Schwer vorstellbar dass sich Hope Solo kasernieren und in ihrer Meinung deckeln lassen würde. Solo ist ein Freigeist. Sie ist der Star einer Mannschaft mit unglaublicher mentaler Power. Ein Siegeswillen der Stahlrohre verbiegen lassen könnte. Es reichen jedoch Siege. Noch ein entscheidender Sieg steht aus. Der Traum vom WM-Gold ist zum greifen nah.

Die nackte Tour de France

Entzauberungen schmerzen. Dies mussten bei der Frauenfußball-WM die deutschen Frauen deutlich spüren. Das mediale Nachbeben über viele Tage und Halbfinalspiele ohne fest geplante Teilnahme wirken ernüchternd für Sportfunktionäre, Übungsleiterin Neid und die Spielerinnen. Entzaubert. Auch die Tour de France ist entzaubert. Dennoch bleibt eine Restfaszination. Der in New York lebende Journalist Sebastian Moll hat in zahlreichen Sommerwochen früher für Financial Times Deutschland live von der Tour de France berichtet.

Sebastian Moll bleibt seit zwei Jahren der Höllentour fern. Er verfolgt die Frankreichrundfahrt dennoch weiter und hat einen bemerkenswerten Artikel in der Financial Times Deutschland unter dem Titel Darf man sich an der Tour de France erfreuen? geschrieben.

,,Seit wir in den vergangenen Jahren mehr über die Produktionsbedingungen und Hintergründe dieser formidablen Show erfahren haben, als wir je wissen wollten, stellt sich nun aber die Frage, inwiefern man sich den Genuss des Spektakels noch gestatten darf. Kann man einfach ignorieren, dass das gezeigte Leistungsniveau erlogen ist, dass die vermeintlich edlen Helden in Wirklichkeit nicht besser sind als Hedge-Fond-Manager, die sich ein paar Linien Koks reinziehen, damit sie spät in der Nacht fit genug sind, um noch ein paar Millionen mehr scheffeln zu können? Kann man das einfach weiter in sich hineinstopfen wie Hormonfleisch aus industrieller Massentierhaltung?“
Die zahlreichen Dopingskandale, Contadors Fleischstory, die Floyd Landis Soap, der inflationäre Rückzug von Sponsoren aus dem Radbusiness (erinnert sich noch jemand an das Team Gerolsteiner bzw. Telekom oder Phonak) haben dem Mythos der Tour de France bröckeln lassen. In Deutschland ist man ja fast ein sozialer Außenseiter wenn man keine permanente Abstinenz zum größten Radsportspektakel der Welt verkündet.
 
Leser Winfried Timmermanns schrieb hier kürzlich im Blog: 
 

,,Naja, es mag ja Freaks geben, die sich in passendes Out-fit werfen und dann ein paar Kilometer radeln…
Die sind aber in der Minderheit. Minderheitenprogramm ist Nachtprogramm. -Traditionell in Deutschland. Wen sonst interessiert noch die Tour de Spritz?“

Ein paar unverbesserliche (mich mit eingeschlossen) verfolgen die Tour gerne bei Eurosport. Sicherlich nicht mehr so exzessiv wie in den Zeiten der Duelle von Lance Armstrong und Jan Ullrich. Beim Sportsender ist man ob der kürzeren Berichterstattung von ARD und ZDF nicht böse und zeigt sich über die eigenen Zuschauerzahlen erfreut. Auf quotenmeter kommt Werner Starz, Direktor Kommunikation bei Eurosport in Deutschland, zu Wort:

„Für Eurosport war und ist die Tour de France ein TV Top-Event und das spiegeln die Zuschauerzahlen auch wider“

Da wird die Tour ohne Scham tatsächlich als Top-Event bezeichnet. Ohne Wenn und Aber. Die oben gestellte Frage von Sebastian Moll: Darf man sich an der Tour de France erfreuen? unterliegt also keinem kategorischen Nein.

Nachdenkenswert #100

,,Der gesamte Spielplan inklusive Anstoßzeiten war auf einen Durchmarsch des heimischen Teams abgestellt. Nun geht die Weltmeisterschaft weiter, auch ohne Deutschland. Neid, deren Vertrag der DFB schon vor der WM verlängert hatte, kann weiterhin keine „Motivationsprobleme“ bei sich und ihrem Team erkennen (und wurde im Fernsehen von der Rücktrittsfrage verschont). WM-Organisationschefin Steffi Jones trauerte im Deutschland-Trikot auf der Fanmeile, als sei sie nicht Gastgeberin für alle Teams,  Ober-Frauenfußballfan Theo Zwanziger tröstete im Stadion jede Spielerin. Dabei waren es die WM-Organisatoren im Verbund mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die den sonst so sympathisch bescheiden auftretenden Spielerinnen eine überdimensionale WM-Bühne zimmerten und damit die deutsche Frauschaft überforderten.“

Robert Ide, im Tagesspiegel  Artikel Was vom Turnier übrig bleibt

Frauenfußball: Deutschland schaut zu oder Katzenjammer für Favoritenwetter

Deutschlands Sportfunktionäre und Politiker haben eine verheerende Woche an Niederlagen hinter sich. Erst das klare Abstimmungs Nein gegen München 2018 beim Kampf um die monetären Spiele unter den Ringen. Jetzt auch noch das Aus der eigentlich für den WM-Titel vorgesehenen Elf von Übungsleiterin Neid. Der PR-Zirkus hat damit wohl auch ein Ende.

 Die deutschen Frauen sind bei diversen Buchmachern als 1,3 Favorit gehandelt worden. Für alle Nicht-Sportwetter: Für einen Tausender Wetteinsatz hätte es 1300 Euro wieder gegeben. Da dürfte der Katzenjammer bei dem einen oder anderen Favoritenwetter heute nachklingen. Was machen jetzt eigentlich die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem Rest der Fußball-WM? Abschalten? Sich verstärkt der Tour de France widmen? ARD und ZDF werden sich schon etwas einfallen lassen.

Das so oft und unsinnigerweise herbeigeredete Sommermärchen 2.0 oder 2011 ist wie eine Seifenblase gestern Abend zerplatzt. Deutschlands erfolgreichster Frauenfußballtrainer Bernd Schröder dürfte sich mit seinen Aussagen im Zeit Online Interview vor der WM ,,Wir brauchen Persönlichkeiten, keine Barbie Puppen“ bestätigt fühlen.

Allerdings hatte der Kulttrainer von Turbine Potsdam bei der konkreten Vorschau auf das Japan Spiel auch falsch gelegen. In seiner Kolumne bei B.Z. unter der Überschrift Gegen Japan sind wir klar im Vorteil schrieb er unter anderen:

,,Jetzt geht’s also ins erste K.o.-Spiel. Ab dem Viertelfinale gibt es keinen zweiten Versuch mehr. Wir haben dabei formell die besseren Voraussetzungen.“

Ich konnte mit dem Begriff formell noch nie viel anfangen.

Für ein deutsches Sportmärchen im ausstehenden Sommer 2011 bleibt da jetzt eigentlich nur noch ein Tour de France Sieg von Andreas Klöden. Mehr Einzelheiten zur aktuellen Situation bei der Frankreich Rundfahrt gibt es bei eurosport.yahoo unter dem Titel Tour de France – Saint-Flour, sieben Jahre danach.

Nachlese zur Niederlage von München 2018

Natürlich weint der eine oder andere Sportfunktionär und Politiker der klaren Abstimmungsniederlage von Durban nach. Es gibt zahlreiche Gründe für das klare Nein zu Olympia 2018. Sportjournalist und Power-Blogger Jens Weinreich war und ist ein hervorragender Kenner der IOC Thematik. Er war live in Durban vor Ort und fasst auf seinem Qualitätsblog die 18 Gründe für die Niederlage von München 2018 gut und treffend zusammen. Bei dem einen oder anderen Grund konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Besonders Punkt 10, 17 und mit Abstrichen Punkt 18. Bei letzteren musste ich doch glatt instinktiv an meine eigene Geldbörse greifen.

Jonathan Sachse und der Versuch eines Interviews mit Andreas Klöden

Vor einigen Wochen habe ich eine historische Sequenz aus dem Alltag vom Wahlschweizer und Freund von Jan Ullrich unter dem Titel Flauschcontent für alle Freunde und Gegner von Andreas Klöden meinem treuen Publikum offeriert.

Sportjournalist Jonathan Sachse schrieb seinerzeit seinen Kommentar dazu:

,,Damals als sich Andreas noch in der Öffentlichkeit präsentierte und deutsch sprach… Schönes Fundstück!“

Nun, jetzt ist Jonathan Sachse live vor Ort bei der Tour de France und versucht es mit Beharrlichkeit und der Konzentration auf den sportlichen Fragebereich um ein Interview mit Andreas Klöden zu bekommen. Der Sportjournalist Sachse zeigt auf seinem Blog die Bemühungen per twitter an das gewünschte Interview zu kommen:

,,Und Klöden hat geantwortet und ich bleibe dran.“

Mal schauen wie weit Jonathan Sachse kommt. Ich drück ihm die Daumen. 

Was macht eigentlich der Umsatz an Frauentrikots bei Adidas?

Sie ist kein Publikumsmagnet mehr in Deutschland. Die Tour de France.  Irgendwie haben eine Reihe meiner Landsleute auf einmal ihr Faible für den kickenden Mädchensport entdeckt. Reporter Töpperwien erklärte bei Plasberg in der Sendung Hart aber fair den phänomenalen Umsatzschwung bei Adidas. So seien nach seiner Recherche vor zwei Jahren bei der EM in Finnland insgesamt 2.500 Frauentrikots verkauft worden. Jetzt vermeldete das Urgestein der Fußballreporter auf Nachfrage bei den Herzogenaurachern sagenhafte 100.000 verkaufte Leibchen. Die Welle möchte jeder Sportartikelhersteller gerne haben. Adidas hat den Verkauf um das 40-fache gesteigert. Unglaublich.

Wer macht das Rennen – Adidas oder Nike?

Man stelle sich einen Titelgewinn der zwischenzeitlich von Prinz-Rücktrittsgedanken heimgesuchten Neid Elf vor. Es dürften weitere Käufe der Adidas Hemden stattfinden. Brasilien mit der charismatischen und technisch brillanten Weltfußballerin Marta und der Spielkleidung Marke Nike wird doch wohl nicht dazwischenfunken!?

Buchmacher locken mit hoher Quote für WM-Titel Brasiliens

Vor Wochen gab es beim Buchmacher den 6-fachen Einsatz für Wetten auf einen brasilianischen Weltmeistertitel. Kurz habe ich dran gedacht. Die Augen blitzten auf. Packt es Marta? Die Quote ist gut gewesen. Altes Zockerfieber. Natürlich bin ich auch durch meine intensive Zeit auf der Pferderennbahn zwischen meinem 14. und 19. Lebensjahr geprägt (habe ich hier im Blog noch gar nicht thematisiert). Da war ich nah dran mein Leben dem Wetten zu verschreiben.

Buchmacher und alternative Wetteinsätze

 Ich kannte sie alle. Die privaten Buchmacher auf der Tribüne im Scheibenholz, ihre Tabaksbeutel in denen sie Eheringe als Wetteinsatz aufbewahrten. Manch Wetter war halt beim 8. Rennen nicht mehr flüssig. Also wurde der Ring in Zahlung gegeben. Nicht jedesmal wurde er gleich ausgelöst. Ein Wochenende ohne Wetteinsatz war ein verlorenes Wochende. Ich war live dabei in Leipziger Gaststätten – der Rennkurier war die Bibel auf dem Tisch , mein älterer Kumpel M. hatte mich in die Szene eingeführt und lief dann in den Rennpausen mit mir zur Telefonzelle um einen Mittelsmann in Hoppegarten anzurufen. Die Ergebnisse des jeweiligen Einlaufs sowie dann zeitversetzt die Quoten in Erfahrung zu bringen. Ausgezahlt wurde dann vom Buchmacher in der Gaststätte Burgkeller. Jetzt residiert da Mövenpick drin.

Leicht verdientes Geld

Es war damals für mich sehr spannend. Da wurde dann auch manchmal in privaten Wohnungen gewettet. Nebenbei lief noch ein Handballspiel Magdeburg gegen Gummersbach. Da wurde oft auf die schnelle 50 Mark auf einen Sieg für die Mannen um Weltklassetorwart Wieland Schmidt gesetzt. Leicht verdientes Geld. Okay, ich schweife ab. Vielleicht greife ich das Thema Wetten, Pferderennbahn, Buchmacher, Quoten, Dialoge mit Jockeys, sogenannte unverlierbare Tipps (da kannst Du das Sparbuch drauf setzen) oder auch andere spannende Dinge im Umfeld des Pferderennsports zu gegebener Zeit mal intensiv auf.

Nachdenkenswert #99

„Damit bleiben uns in Bayern die schwerwiegenden Folgen einer Ausrichtung erspart: Die einseitige Aufbürdung aller Kosten und Risiken auf die SteuerzahlerInnen, die ökologischen Folgelasten, die Fixierung auf unsinnige Straßenbauprojekte und die mangelhafte Nachhaltigkeit temporär zu errichtender Sportstätten. Normalerweise gratuliert man dem Ausrichter zur Vergabe; ob dies jedoch angesichts der Knebelverträge des IOC und der damit einhergehenden finanziellen und ökologischen Belastungen in diesem Falle angebracht erscheint, sei dahingestellt.”

Ludwig Hartmann, Abgeordneter im Bayerischen Landtag, Organisator von NOlympia und Energie- und klimapolitischer Sprecher Bündnis 90/ Die Grünen in einer Pressemitteilung

Pressespiegel zur Entscheidung Olympia 2018

Das geplante Wintermärchen in München 2018 fällt aus. Die Südkoreanische Stadt Pyeongchang vereint in Durban im ersten Wahlgang geschmeidige 63 Stimmen. Die bayrische Landeshauptstadt kommt auf zarte 25 Wahlstimmen und Frankreichs Bewerber Annecy landet mit notierten 7 Stimmen auf Platz 3.

München weint. Die Südkoreaner jubeln nach den vorangegangenen Niederlagen gegen Vancouver (2010) und Sotschi (2014).

Ein kleiner Blick in den Pressespiegel zur Entscheidung über Olympia 2018:

Das Deutsche Dilemma mit den Bewerbungen um die monetären Spiele unter der Schirmherrschaft der Ringe. Kurz und schmerzlos fasst es der Tagesspiegel im Einleitungstext seines Artikels Olympia in Korea: Fern der Wurzeln zusammen:

,,Die Auswahl der Olympischen Spiele ist ein Wettbewerb zwischen mehreren Kandidaten, und am Ende verlieren immer die Deutschen. Wie Berlin um die Sommerspiele 2000, Leipzig um die Sommerspiele 2012 und jetzt München um die Winterspiele 2018. Man hat sich schon daran gewöhnt, dass bei Abstimmungen um sportliche Großereignisse prinzipiell nicht der Beste gewinnt.“

Welt Online erinnert im Artikel Olympia 2018 in Südkorea, München chancenlos an die letzten Versuche am Tag der Entscheidung das Ruder doch noch herumzureissen: 

,,Bei den Münchnern herrschte Enttäuschung. Dabei hatte der Tag so gut begonnen. Alle drei Bewerberstädte konnten sich noch einmal vorstellen. „Schenken Sie uns Ihr Vertrauen für die Olympischen Winterspiele 2018“, sagte Bundespräsident Christian Wulff und versprach „fröhliche, emotionale und enthusiastische“ Winterspiele. Von der ersten Sekunde der 45-Minuten-Vorstellung an appellierten die Münchner an die Gefühle und die Vernunft der 95 abstimmenden IOC-Mitglieder.“

Auf sueddeutsche.de wird ein Kommentar von Ulrich Schäfer unter dem Titel Gold für den Kommerz vielleicht für ein Stirnrunzeln bei den Südkoreanern und dem einen oder anderen Bundesbürger sorgen. Er bescheinigt Pyeongchang den Charme einer Nicht-Wintersport-Stadt:

,,Und dort ein asiatischer Skiort aus der Retorte, dessen Straßen so heimelig sind wie ein mittelprächtiges Einkaufszentrum; ein Ort, dessen Pisten für Olympia aus dem Boden gestampft wurden, weil im Umkreis von zwei Flugstunden angeblich eine Milliarde Menschen darauf warten, das tun zu können, was die Europäer seit Jahrzehnten machen: Ski fahren.“

Thomas Kistner berichtet aus Durban auf sueddeutsche.de und titelt Mit Hammer und Charme und meint damit die Auftritte von SPD-Parteigenosse Ude, derzeit Oberbürgermeister von München, und der einstigen Eiskunstlaufqueen Katarina Witt am Wahltag:

,,Dann sprach Katarina Witt, im engen schwarzen Kleid, die Haare hochgesteckt, ihren Vortrag beschloss Willy Rehm, ein Garmischer Olympiafreund, der sich im Saal erhob und zu jodeln begann. Filmisch führte Witt durchs verschneite München, ein hochgelaunter Oberbürgermeister Christian Ude zeigte allen, wo der Hammer hängt: Er zog den Schlegel hervor, mit dem er „alljährlich ein kleines Fest, das wir Oktoberfest nennen“, anzapft – und lud zur Siegfeier am Abend ein. Diese fiel aus, gefeiert wurde nur bei den Koreanern.“

Das Hamburger Abendblatt hat unter dem Titel Pyeongchang jubelt, München weint: Reaktionen auf die Entscheidung Stimmen von Dr. Thomas Bach, Martin Zeil, Horst Seehofer, Felix Neureuther und Axel Doering zusammengefasst. Letzterer war ob der klaren Niederlage der deutschen Bewerbung nicht traurig:

,,Axel Doering (Mitinitiator des Garmischer Bürgerbegehrens gegen Olympia): „Der Kelch ist an uns vorübergegangen. Ich bin froh, dass die Entscheidung so gefallen ist. Garmisch-Partenkirchen hat in Wirklichkeit gewonnen. Ich gratuliere Pyeongchang. Dieser Sieg ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Nun ist Pyeongchang in den Fängen des IOC.“

Die FAZ mit Evi Simeoni (in Durban vor Ort) titelt Das IOC sagt nein zu Deutschland und verweist im Einleitungstext auf die humorvolle südkoreanische Ader:

,,Sogar den größten Lacher hat Pyeongchang geerntet. Das war, als Yong Sung-park, der Präsident des koreanischen Olympischen Komitees, sich vom Rednerpult aus an den Flitterwöchner Fürst Albert von Monaco wandte. „Tut mir leid, dass Sie sich ausgerechnet in ihrem Honeymoon zum dritten Mal eine Präsentation von Pyeongchang ansehen müssen“, sagte er.“

Das Handelsblatt titelt Keine Atempause für das Geschäft mit Olympia und sieht Südkorea auch als Nutznießer der Jagd nach neuen Absatzmärkten beim Geschäft mit den Spielen unter den Ringen. Es wird aber auch ein Blick auf die Bewerbergesellschaft München geworfen:

,,Der Bewerbergesellschaft Münchens ist kaum ein Vorwurf zu machen, dass es jetzt nicht geklappt hat. Der Start verlief zwar holprig. Die Sponsorensuche verlief mühsam, der Protest der Grundstückseigentümer wurde unterschätzt. Doch das Team um Bewerbungs-Chefin Kati Witt und IOC-Vize Thomas Bach steigerte sich. Am Ende war es eine professionelle Bewerbung mit Charme, keine Pleite wie frühere Olympiabewerbungen von Berlin und Leipzig.“

Zum Ende der kleinen Rundschau in den Pressespiegel kommt noch eine Protagonistin der deutschen Bewerbung zu Wort. Bild.de titelt Kati Witt weint bittere Tränen und lässt die Einskunstläuferin und einsatzstarke Frontfrau der Bewerbung von München zu Wort kommen:

„Klar, dass man jetzt sehr enttäuscht ist, vor allem nach unserer Präsentation, zu der uns viele IOC-Mitglieder gratuliert haben. Aber wahrscheinlich ist die Entscheidung ja wirklich schon vorher gefallen und wir haben es einfach nicht mehr rumreißen können. Im Moment fehlen mir einfach ein bisschen die Worte.”

Olympia 2018: Herr der Ringe

Es ist angerichtet. In Durban fällt die Entscheidung über die Vergabe der monetären Winterspiele 2018. Im Vorfeld haben alle Bewerberorte geklotzt. Keinen PR-Trommelwirbel ausgelassen. Keine Mühen gescheut. Die deutsche Bewerbung ist mit der bayrischen Landeshauptstadt verbunden. Das Hamburger Abendblatt schreibt unter dem Titel Münchens ersehnter Tag der Ringe:

,,Es ist in diesen letzten Stunden vor der Entscheidung auch ein Wettstreit der Bilder. Wer sein Lächeln verliert, der könnte gleich die Olympischen Winterspiele 2018 verlieren.“

Die Eiskunstläuferinnen Kim Yu-na für  Pyeongchang und Katarina Witt für München sind geübt im Lächeln. Die mediale Inszenierung der Bilder wird offensiv gefahren. Am Ende des Tages wird das IOC eine Entscheidung fällen.

Wer ist eigentlich Favorit? Sportjournalist Jens Weinreich, intimer Kenner der oft intransparenten Vorgänge beim IOC, verweist auf seinem Blog bei 18 Fragen und Antworten auf die Ausdauer und finanzielle Power der Südkoreaner:   

,,Pyeongchang, ein Provinzstädtchen rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Seoul gelegen, bewirbt sich zum dritten Mal in Folge. Für 2010 haben die Südkoreaner gegen Vancouver und für 2014 gegen Sotschi jeweils knapp verloren. Normalerweise belohnt das IOC derartige Ausdauer. Zumal die Südkoreaner dem IOC nun seit zehn Jahren jeden Wünsch erfüllen und bereits Milliarden investiert haben. Sie tun alles für Olympia. Zudem haben sich koreanische Firmen wie Samsung als Sponsoren des IOC und vieler olympischer Sport-Weltverbände in den vergangenen Jahrzehnten unentbehrlich gemacht. Da dürften alles in allem Milliarden an Sponsoring- und anderen Mitteln geflossen sein.“

Jens Weinreich billigt München jedoch eine Außenseiterchance zu. Die Eiskunstlaufolympiasiegerin Witt hat einen guten Job gemacht. Die Präsentationen von München auf diversen Sportkongressen waren professionell und haben einen guten Eindruck hinterlassen. Er attestiert der deutschen Fußballhauptstadt generell einen besseren Auftritt als die doch eher unglücklichen Bewerbungen von Leipzig oder Berchtesgaden in der Vergangenheit. Es fehlt im Interview jedoch auch nicht der Verweis auf die Querelen in Garmisch-Partenkirchen, den Widerstand gegen die Mega-Spiele und die damit verbundene Erklärungsnot von Münchens Bewerbung.

Gebannt werden auch die Nationalen Förderer der Bewerbung von München nach Durban schauen. Adidas, Allianz, Baywa, BMW, Deutsche Bahn, Deutsche Post, Flughafen München, Lufthansa, Metro und Sparkasse sind fein säuberlich auf münchen2018.org aufgeführt.  Dabei sein ist alles.

Doch bei allem PR-Zirkus, bei aller Geldmaschinerie um die Herrschaft der Ringe gab es auch stets die sachlich-kritischen Stimmen.

Da wurden finanzielle Vereinbarungen und Vertragsgestaltungen des IOC hinterfragt, die große Naturbelastung statt Naturschutz bei solchen überdimensionierten Mega-Events in kleinen Schneeorten wie Garmisch-Partenkirchen aufgezeigt. Deshalb sei an dieser Stelle durchaus auch nochmals ein Blick auf Nolympia2018 gestattet. Besonders zu empfehlen zur mentalen Einstimmung in den heutigen Tag ist der Artikel Bisherige Erfahrungen mit olympischen Winterspielen von Wolfgang Zängl (Gesellschaft für ökologische Forschung). Bitte auch bis zum Fazit am Ende durchlesen. Das stimmt nachdenklich.