London 2012: Etwas Trost im Zeitungsacharchiv beim Schach-Echo gefunden

Eigentlich habe ich noch einen ganz schön dicken Hals. Ich muss umdisponieren für 2012. Schade. Die Schach-WM in London wollte ich über die komplette Zeit mit meiner Liebsten in der englischen Metropole verbringen. Doch die FIDE machte uns einen kleinen Strich durch die Rechnung. Ärgerlich. ChessTigers stellt sachlich fest:

,,London sollte 2012 Austragungsort des nächsten WM-Matches sein, aber da sich die FIDE und der hauptverantwortliche Organisator Malcolm Pein (Bild) nicht im gesteckten Zeitrahmen einigen konnten, zog letzterer die Bewerbung der englischen Hauptstadt zurück.“

Malcolm Pein wäre die ideale Person für die Organisation des Schach-WM Kampfes gewesen. Seine beiden London Chess Classic 2009 und 2010 waren vom Feinsten organisiert. Sein Kommentar auf ChessVibes ist hier nachzulesen.

Stefan Löffler hat die Dinge auf der Schachwelt unter dem Titel Verpasste Geschenke zusammengefasst und zeigt sein Unverständnis über die FIDE:

,,Im Juli vorigen Jahres hat Pein der FIDE ein Angebot vorlegt. Das Preisgeld sollte ähnlich hoch liegen wie vor zwei Jahren in Sofia (damals zwei Millionen Euro für die Spieler, 400 000 für die FIDE). Die geplante Inszenierung und der mögliche Werbeeffekt für Schach waren absehbar vielfach besser. Pein hat auch die von der FIDE als Voraussetzung für Verhandlungen verlangten 50 000 Euro eingezahlt. Weltmeister Anand unterstützte die Bewerbung. Selbst als Carlsen das Kandidatenturnier absagte, blieb London am Ball. Alles passte. Nur den FIDE-Unterhändlern passte etwas nicht.“

Verbände wie die FIFA oder die FIDE spielen offenbar nach ihren eigenen Regeln.

Meine Liebste und ich werden trotzdem nächstes Jahr nach London fliegen. Wir werden uns dann ein paar Tage in der Schachmetropole aufhalten und leider keinem WM-Kampf in der Stadt an der Themse beiwohnen. Dabei hatte ich schon mit meiner Jahrhundertliebe kürzlich in einer Nürnberger Buchhandlung in der Innenstadt in einem Bildband von London geschmökert. Die Sache war auf einem guten Weg. Ich habe mir historisches Wissen angeeignet zu Fragen wie: Warum gibt es den Linksverkehr in Großbritannien? Natürlich auch die große Londoner Schachtradition eingeatmet. Die FIDE ist ein echter Spielverderber.

Wie findet man bei einer solchen traurigen Nachricht für alle Schachfreunde der Welt Trost? Ich bin in den Keller. Habe im Zeitungsarchiv der Schach-Echos geblättert. Habe dann ein Exemplar mit nach oben in das Wohnzimmer genommen. Ein wenig gelesen. Zwischendurch schweiften die Gedanken nach London. Meine Liebste und ich wollten uns in einem guten Hotel für die WM-Zeit einquartieren. Da stoße ich doch im 2. Dezemberheft 1975 vom Schach-Echo auf folgende fast tröstlichen Worte von Ute Gerusel in ihrem Bericht über das I. Internationale Schachturnier in Leipzig:

,,Zur Freude der Kiebitze befand sich auch unter den Großmeistern kein Remisschieber, so daß fast jede Runde einen spannenden Verlauf nahm. Die ausgezeichnete Organisation des Turniers mit einer ansprechenden Austragungsstätte in einem der Messehäuser wurde lediglich von einer unbefriedigenden Unterbringung im Hotel (Straßenlärm, kein Warmwasser) getrübt, bedingt durch eine gleichzeitig in Leipzig stattfindende und vorrangige Dokumentarfilmwoche. Im übrigen hatte man sich mit dem Wohlergehen der Teilnehmer – auch an den beiden freien Tagen – viel Mühe gegeben.“

Dann haben meine Liebste und ich noch ein Glas Rotwein getrunken. Der Hals ist jedoch immer noch etwas geschwollen. Verlust des WM-Schachkampfs 2012 in London. So ganz drüber weg sind wir noch nicht.

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