Reinhold Messner Spezial – Teil 1 –

Er ist Grenzgänger.

Er ist Extrembergsteiger. Er ist Bergpionier. Er ist Abenteurer. Er ist Filmautor. Er ist Buchautor. Er ist eine faszinierende Sportpersönlichkeit. Er ist Bergbauer. Er ist Museumsbesitzer. Er ist Lebensphilosoph. Er lotet seit Jahrzehnten die Grenzen aus und sprengt sie. Er ist ein Freigeist. Er ist sich seiner inneren Stärke bewusst. Physisch und psychisch.

Im vergangenen Jahr habe ich mit meiner Liebsten am 1. Oktober 2010 Reinhold Messner im Oberstdorf Haus bei seiner Multivisionsshow – Passion for Limitslive gesehen. Es war ein wunderbarer Abend.

Wir betraten das Veranstaltungshaus und sahen Messner sofort bei der Arbeit. Er signierte Bücher. Die ortsansässige Buchhandlung Edele hat am Buchstand zahlreiche Messner-Bücher und Personal bereitgestellt. Der Grenzgänger ruht in sich. Später in der Pause wird er ebenfalls wieder am Buchstand arbeiten. Ich beobachte die Szenerie. Als Kind habe ich einst nach Fußballspielen mir die Autogramme von Nationalspielern geholt. Fein säuberlich ausgeschnittene Zeitungsausschnitte in einer von mir zusammengestellten Mappe. Die Fußballstars brauchten nur meinem Zeigefinger folgen und zu unterschreiben. Aus dem Alter der Autogrammjagd bin ich jedoch schon längst rausgewachsen. Ich habe auch bewusst auf die Digitalkamera verzichtet. Ich will die Eindrücke pur in mir aufsaugen. Messner ist eigentlich kein Star zum anfassen. Fast habe ich den Eindruck, der ganze Rummel ist ihm etwas zu intensiv. Andererseits sind es seine Kunden die seine Bücher kaufen, seine Veranstaltungen buchen. Am nächsten Abend gehen meine Liebste und ich durch Oberstdorf und bleiben vor dem Schaufenster der Buchhandlung Edele stehen. Ich zähle allein in der Auslage 26 verschiedene Bücher von Reinhold Messner. Ein Vielschreiber.

Meine Jahrhundertliebe und ich geben unsere Garderobe ab. Gehen voller Vorfreude in den Saal. Die Plätze sind nummeriert. Wir haben Glück und sitzen neben einem Paar mit dem wir sofort ins Gespräch kommen. Sie kennen Peter Habeler persönlich. Jenen Peter Habeler, mit dem Messner einst ohne künstlichen Sauerstoff auf den Mount Everest stieg. So vergehen die Minuten bis zum Beginn der Veranstaltung im angeregten Gespräch.

Dann betritt Reinhold Messner die Bühne. Der 66-Jährige hat eine authentische Bühnenpräsenz. Seine Worte sind mit Bedacht gewählt. Er macht nicht den Motivations-Guru. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Extrembergsteiger motivierend. Er ist nicht auf den schnellen und gierig erheischenden Beifall des Publikums im Saal aus. Dann die ersten Bilder. Atemberaubend. Messner steht während der jeweils gezeigten Filme und Fotos fast mediativ auf der Bühne. Der Abenteurer erzählt von der einschneidenden Nanga Parbat Expedition 1970 mit dem tragischen Tod seines Bruders Günther. Tiefe Stille im Saal. Reinhold Messner war danach mehrere Monate in der Gefäßchirurgie in Innsbruck. Viele sogenannte Experten sagten ihm damals voraus, nie wieder einen Berg besteigen zu können. Messner stand wieder auf. Die Zweifler, Skeptiker und Unkenrufer trauten ihren Augen nicht. Zwischen 1970 und 1986 bezwingt er alle 14 Achttausender.

Reinhold Messner erzählt auch von der Antarktis Expedition mit Arved Fuchs. Den Komplikationen. Der Kälte. Den Vorbereitungen. Der Weite. Die Durchquerung über den Südpol zu Fuß. Im Buch Berge versetzen – Das Credo eines Grenzgängers bei BLV attestiert Messner seinem Kompagnon Fuchs Konditionsschwäche. Diesen Seitenhieb verkneift er sich auf der Bühne. Dabei ist das aufeinanderprallen zweier Egomanen immer von Spannungen zwischen den Protagonisten begleitet.

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