Nakamura – Carlsen: Reminiszenz an die Blitz-WM im Schach in Moskau 2010

Für alle Schachfreunde einer gepflegten Blitzpartie gibt es heute eine kleine Reminiszenz an die Blitzschachweltmeisterschaft in Moskau 2010. In der Auftaktpartie in Runde 1 trafen Hikaru Nakamura und Magnus Carlsen aufeinander. Ich wünsche meinen treuen Lesern vergnügliche Minuten und einen guten Start in die Woche. 

 

Nachdenkenswert #77

,,Etwa vier Milliarden Dosen Red Bull wurden 2009 verkauft. Für die Bekanntheit und das Image der Marke sorgt vor allem der Sport. Anfangs sollten Kunstflieger, Wellenreiter, Motorrad-Akrobaten und andere Extremsportler zeigen, dass Red Bull angeblich Flügel verleiht, wie die Werbung verhieß. Je mehr die Brause aber zum Massengetränk wurde, desto stärker reifte die Erkenntnis, dass man auch im Massensport präsent sein müsse. Also im Fußball und in der Formel 1.“

               Uwe Ritzer, in der Süddeutschen Zeitung über    

               die Umsatzpower von Sportsponsor Red Bull

Roman Abramowitsch, Uli Hoeneß, St. Pauli und der Kommerz

Geld und Fußball bilden ein Geschwisterpaar. Das ist keine spektakuläre Aussage. Ob Chelsea London, Bayern München oder St. Pauli. Keiner ist als romantisches Einzelkind ohne Geld unterwegs.

2003 ging ein Raunen durch die Fußballwelt. Ein bis dato in Deutschland fast unbekannter Mann mit dem Namen Roman Abramowitsch kaufte Chelsea London für 60 Millionen Pfund.  Der Vollwaise übernahm außerdem die Schulden des Fußballvereins in Höhe von 80 Millionen Pfund. Jener Selfmade Milliardär sollte Uli Hoeneß später im Jahr 2006 ablösefrei den Mittelfeldstar Michael Ballack abluchsen. Den Werdegang von Roman Abramowitsch haben die beiden Journalisten Dominic Midgley und Chris Hutchins im Buch Der Milliardär aus dem Nichts – Roman Abramowitsch auf 316 Seiten beschrieben. Meine Liebste schenkte mir das Buch auf meinen Wunsch hin zu Weihnachten 2005. 

Eine grandiose Geschichte über den Chelsea Eigner Roman Abramowitsch. Midgley und Hutchins haben intensiv und brilliant Recherche betrieben. Die Autoren zeichnen den Weg vom Vollwaise zum Chelsea Besitzer spannend nach. Roman Abramowitschs taktische Raffinesse im Umgang mit Boris Jelzin und Wladimir Putin wird ebenso aufgezeigt wie seine weitverzweigten Geschäftstätigkeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991. Während einige Oligarchen ins Exil mußten oder wie der einst reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, ins Gefängnis kamen, übernahm Abramowitsch auch gleich noch das Sponsoring des Moskauer Club ZSKA mit 54 Millionen Dollar in 3 Jahren. Roman Abramowitsch hatte realisiert, das Wladimir Putin Herr der Gefängnisse ist.

Bei der Kaufpreissumme von Chelsea handelte es sich, an Abramowitschs Maßstäben gemessen, um Kleingeld. Nach der Besiegelung des Deals wurde mit Evian angestoßen. Das Buch zeigt deutlich das Geld Tore schießt. Chelsea war ja vor dem Kauf von Abramowitsch ein angeschlagener Fußballclub der Arsenal London hoffnungslos hinterhertrabte. Für die Chelsea Fans ist er ein Glücksfall und ein finanziell sehr großzügiger Wohltäter. Das Buch fesselt von Anfang bis Ende wie ein dramatisches Fußballspiel. 

Szenenwechsel. Uli Hoeneß war kürzlich beim Sparkassenforum in Neustadt/Aisch. Die Markgrafenhalle war bis auf den letzten Platz besucht. Der frühere Bayern München Manager und jetzige Präsident sprach Klartext.   Bratwurstfabrikant Hoeneß referierte zum ThemaDer Weg des FC Bayern München von einem Fußballverein zu einem Wirtschaftsunternehmen. Das mag Nostalgiker schmerzen. Dabei ging es in meiner Erinnerung (seit 1973 verfolge ich intensiv das Fußballgeschehen) schon immer auch um Geld. Die Summen waren nur kleiner. Erinnert sei an das erste Jahresgehalt von Günter Netzer bei Real Madrid. Oder die kolportierte Summe vom Werbevertrag von Franz Beckenbauer mit dem Tütensuppenhersteller Knorr. Uli Hoeneß seine Rede wurde übrigens mehrfach von stürmischen Beifall unterbrochen.

Die verstärkte Entwicklung und Durchdringung des Fußball vom Kommerz ist jedoch augenscheinlich und nicht vom Tisch zu wischen. Da macht übrigens auch das kultige St. Pauli keine Ausnahme. Im Merchandising rollt zum Beispiel so richtig der Rubel. Mitglied in der Top Ten der Umsätze im Fanartikelverkauf in Deutschland. Auch bei der Vermarktung der Zuschauerplätze hat der Kommerz längst Einzug gehalten. Das Tages-Séparée kostet stolze 4.500 Euro zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer und inkl. 12 Sitzplätzen. Weitere Sitzplätze können a 350 Euro geordert werden. Bei den Spielen gegen Borussia Dortmund, Schalke 04, Werder Bremen und den FC Bayern München gibt es den geschmeidigen Top-Spiel Aufschlag. Das Tages-Séparée ist dann für 6.000 EURO zzgl. Mehrwertsteuer inkl. 12 Sitzplätzen zu bekommen. Weitere Sitzplätze werden dann für 500 Euro angeboten. Das Geschwisterpaar Fußball und Geld geht auch bei St. Pauli Hand in Hand.

Ungarische Schachspieler sind hart im nehmen

Nur die harten kommen in den Garten. Das ist nichts für Weicheier. Solche oder ähnliche Sprüche kennt ein jeder von uns.  Im harten Geschäft der Schachbundesliga gibt es die smarten ungarischen Spieler der SC Eppingen.  Der deutsche Meister OSG Baden-Baden kam vor einer Woche über ein 4:4 nicht hinaus. Alleine 5 ungarische Schachspieler spielten im Eppinger Schachteam.

Eric Schmidt hat auf stimme.de mit Peter Acs, Juniorenweltmeister von 2001, ein interessantes Interview geführt und auch die Härteverträglichkeit der ungarischen Spieler bei der Anreise zur Schachbundesliga und dem anschließenden Heimweg beleuchtet: 

,,Sie und die anderen Ungarn bilden regelmäßig Fahrgemeinschaften, um nach Eppingen zu kommen…

Acs: Das ist richtig. Wenn wir in Eppingen spielen, fahren wir mit dem Auto. Zoltán Medvegy hat einen Seat Alhambra, da passen wir alle rein. Am Donnerstag sind wir um 9.30 Uhr in Budapest losgefahren und haben unterwegs Csaba Balogh mitgenommen. Er wohnt in Budaörs, ganz in der Nähe der Autobahn.

Ganz schön stressig alles, oder?

Acs: Auf der Hinfahrt geht es. Zurück ist es anstrengend − wenn man erst vier, fünf Stunden Schach spielt und anschließend direkt nach Hause fährt. Dann wird es spät. Aber wir haben alle den Führerschein und wechseln uns ab beim Fahren.“

Respekt meine Herren. Die Entfernung zwischen Budapest und Eppingen beträgt geschmeidige 928 Km und das Navigationssystem wirft auch Zeiten zwischen 8 und 9 Stunden aus. Das alles mit einem Seat Alhambra. Diese Härte der ungarischen Schachspieler relativiert damit auch fast die Anfahrt von Anand nach Sofia zum WM Kampf gegen Topalov. Stammleser meines Blogs erinnern sich an die Umsatzabwehrdienste deutscher Taxiunternehmen und die 2000 Km Anreise vom indischen Champion. Durch die Vulkanasche aus Island gab es keine Flugmöglichkeit. Hier gibt es die komplette Odyssee zum Nachlesen auf chesstigers.

Bei der Blitz-WM 2010 in Moskau wird Levon Aronian Blitzweltmeister

Levon Aronian ging mit 1,5 Punkten Vorsprung vor Magnus Carlsen in den abschließenden 3. Tag der Blitz-WM 2010 in Moskau. Es standen nochmals 10 Runden auf dem Programm. Carlsen hatte 2009 die Blitzschachweltmeisterschaft vor Anand mit 31 Punkten gewonnen. Der indische Schachheld kam auf 28 Punkte. Diesmal war Viswanathan Anand nicht am Start. Ihn sehen wir erst wieder beim London Chess Classic vom 8. bis 15. Dezember am Start. Noch eine kleine Notiz möchte ich nachtragen. Magnus Carlsen erhielt in Moskau rückwirkend für sein Schaffen im vergangenen Schachjahr den Schach-Oscar 2009 von der russischen Zeitschrift 64.

            Turm in der Schlacht

             © Michael Alber: Pixelio

Die Blitz-WM 2010 sah ja nach dem ersten Tag Magnus Carlsen und Levon Aronian mit jeweils 10 Punkten vorn. Am zweiten Tag grüßte Levon Aronian dann ganz alleine von der Tabellenspitze mit 18,5 Punkten. Er hat momentan einen Lauf. Erst am vergangenen Sonntag gewann er zusammen mit Karjakin das Tal-Memorial Turnier durch die Sonneborn-Berger Wertung. Aronian konnte gleich in Moskau bleiben. Nach Moskau ist vor Moskau gewesen.

Levon Aronian gewann am Ende mit 24,5 Punkten vor Teimour Radjabov mit 24 und Magnus Carlsen mit 23,5. Hier die komplette Turniertabelle mit allen Partien. Der Spannungsbogen kann dort nochmals gut rausgelesen werden.

Für alle Freunde der Geschichte der Weltmeisterschaften im Blitzschach gibt es Lesestoff auf Wikipedia. Auch die vor der offiziellen Einführung der Blitz-WM durchgeführten bestbesetzten Weltturniere im Blitzschach fehlen nicht.  Klangvolle Namen wie José Raúl Capablanca, Bobby Fischer, Garri Kasparow oder Michail Tal tauchen dort auf. Da bekomme ich Lust eine kleine Blitzpartie in der Thalia-Buchhandlung am Wochenende in Nürnberg zu spielen.

Ein Dank geht an den russischen Verband und seinen Live Video Stream. Das war ganz großes Kino. Ich liebe das Internet und seine Möglichkeiten.

Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 in Moskau

Heute fällt die Entscheidung bei der Blitz-WM 2010 in der russischen Metropole Moskau. Die aktuelle Tabelle sieht Tal-Memorial Sieger Levon Aronian vorn. Der norwegische Medienstar und Titelverteidiger Magnus Carlsen belegt momentan Rang 2. Kann Carlsen in den heutigen 10 Runden die 1,5 Punkte Rückstand auf Aronian aufholen? Schaun wir mal. 

Der russische Schachverband bietet heute wieder einen Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 an. Am heutigen Donnerstag stehen die Runden 29 bis 38 auf dem Programm. Ab 11.00 Uhr ist das Live Büffet eröffnet.

Bei der Umfrage von Susan Polgar auf Ihrer Website nach dem Champion 2010 bei der Blitz-WM haben bisher 1085 Leser abgestimmt. Magnus Carlsen liegt mit 526 Stimmen weit vor Hikaru Nakamaru mit 233 Stimmen und Levon Aronian mit 168 Stimmen. Stand heute 7.30 Uhr. Ein Großteil der Leser haben ihr Votum vor dem Turnier abgegeben. Mein persönlicher Favorit hört auf den Namen Magnus Carlsen.

Wer denkt mit der Blitz-WM 2010 in Moskau wäre das Schachjahr dann gelaufen, dem sei ein Blick auf das im Dezember anstehende London Chess Classic gegönnt. Vom 8. bis 15. Dezember trifft sich dort die Schachelite mit Schachweltmeister Viswanathan Anand, Magnus Carlsen, Wladimir Kramnik. Aus England sind unter anderen Michael Adams und Nigel Short am Start. Ein ganz feines Turnier kurz vor Weihnachten. Oh, hab ich wirklich schon das Wort Weihnachten gebraucht. Dabei haben wir heute erst den 18. November.    

Noch ein kleiner Blick auf die deutsche Schachszene. Letzten Donnerstag trafen sich ja die Spitzenspieler Gustafsson, Meier, Naiditsch und Fridman mit der Führungscrew des Deutschen Schachbundes. Die Funktionäre und Spieler haben offenbar ein Stillschweigen vereinbart. Selbst der sonst auf seiner Website so mitteilungsfreudige Jan Gustafsson hält sich dezent zurück:

,,So, Bettzeit. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich mich zu den Gerüchten um das Treffen mit dem Deutschen Schachbund und meine Teilnahme bei „Bauer sucht Frau“ erst einmal nicht äußern werde.“

Stefan Löffler hat auf der Schachwelt getitelt: Wende geschafft und kurz über das Treffen geschrieben.  Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch nochmals an den „charmanten“ Brief von Arkadij Naiditsch im Vorfeld der Schacholympiade. Dem einen oder anderen Schachfunktionär werden sich dabei die Nackenhaare aufgestellt haben. Eine durch die Gerüchteküche brutzelnde etwaige Sperrung von Naiditsch ist offenbar vom Tisch. Zukünftig ist laut Löffler sogar die Vermarktung der Nationalmannschaft durch Arkadij Naiditsch angedacht. Man wird sehen.

Was macht eigentlich Georgios Souleidis? Nun, auf seinem eigenen Schachblog Entwicklungsvorsprung nimmt er sich liebevoll der Schachbundesliga an und hat die Gurken des Wochenendes aufbereitet.

Live Video Stream zur Blitz-WM 2010

In meiner Jugend habe ich ebenfalls gerne geblitzt. Mein Schachtrainer sah selbiges gar nicht so gerne. An den Vereinsabenden sagte er immer: Spielt seriös. Ihm war eine tiefe Analyse am Demonstrationsbrett von unseren Punktspielen vom Wochenende für die Entwicklung unserer Spielstärke wichtiger. Alleine das Geräusch der Schachuhren beim Blitzen führte zum heben einer Augenbraue vom Schachtrainer. Er huldigte der langsamen und mit Ruhe gespielten Schachpartie. Ich habe Blitzschach trotzdem immer auch sehr gemocht als Abwechslung zur langen Schachpartie, zum trainieren von schnellen Entscheidungen auf dem Schachbrett.

Jetzt trifft sich in Moskau zur Blitz-WM 2010 ein Großteil der Schachelite. Okay, Anand fehlt. Doch das Feld ist hochkarätig besetzt. Wunderkind, Schachgenie, kommender Weltmeister und andere Etiketten werden gerne Magnus Carlsen angehangen. Der Norweger  erreichte am 1. Tag 10 aus 14 und führt das  Feld mit dem frischen Tal-Memorial Sieger Levon Aronian an. Carlsen ist Titelverteidiger und mein persönlicher Favorit auf die WM Krone im Blitzschach 2010.

Der russische Schachverband bietet wieder einen Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 an. Am heutigen Mittwoch stehen die Runden 15 bis 28 auf dem Programm. Ab 13.00 Uhr ist das Live Büffet eröffnet.

Am Donnerstag werden dann die restlichen 10 Partien geblitzt. Dann beginnen die schnellen Schachzüge bereits ab 11.00 Uhr. Der obige verlinkte Live Video Stream zur Blitz-WM 2010 ist dann auch wieder zu empfehlen. 

Zur aktuellen Turniertabelle vom russischen Schachverband geht es hier entlang. Daraus sind auch die Ansetzungen zu entnehmen und der fortlaufende Turnierstand. Kein großes Schachereignis ohne die Online-Power von Susan Polgar. An ihrem Auftritt können sich alle deutsche Schachspieler und Spielerinnen mit professionellen Ambitionen mindestens 2-3 Scheiben abschneiden. Auf ihrer Website fragt Sie: Who will win this year World Blitz Championship? 

Nach Moskau ist vor Moskau

Zielfotofinish beim Tal-Memorial in Moskau. Am Ende mußte die Wertung nach Sonneborn-Berger zu Rate gezogen werden. Chesstigers seziert den Endkampf in der Turniertabelle.

,,Das erste Kriterium bei Punktgleichheit sollte der direkte Vergleich sein, doch da die drei Spieler allesamt untereinander remisiert hatten, musste das nächste Kriterium – das so genannte „Koya-System“ – angewendet werden. Dort werden die Punkte addiert, die man gegen die Spieler erzielt hat, die im Wettbewerb 50 Prozent oder mehr erzielt haben. Aber auch dort waren alle drei Spieler absolut gleich, also musste Kriterium Nummer 3 – die Sonneborn-Berger-Wertung – bemüht werden, und diese entschied letztlich, dass Aronian und Karjakin gemeinsam das Turnier gewannen, und Mamedyarov nur der dritte Rang blieb.“

            Turm in der Schlacht

             © Michael Alber: Pixelio

Zum Nachlesen für alle Freunde der Feinwertung gibt es hier auf wikipedia die entsprechenden Erklärungen zur Sonneborn-Berger Thematik. Am Ende also teilt sich der Turnierfavorit von Jan Gustafsson, Levon Aronian, den Sieg beim Tal-Memorial mit Sergej Karjakin. Mein persönlicher Favorit Kramnik landet auf einem Platz unter ferner liefen. Soll ich den Mantel des Schweigens drüber hängen? So leicht will ich es Wladimir Kramnik dann auch wieder nicht machen. 2 Niederlagen gegen die Turniersieger und eine Reihe von Remispartien sorgten für Rang 7. Das Wort Enttäuschung trifft es ganz gut. Mit einer Prognose hatte ich jedoch den richtigen Riecher. Vor Beginn der letzten zwei Runden beim Tal-Memorial in Moskau schrieb ich hier:

,,Für jeden Schachspieler gibt es noch zwei volle Punkte zu gewinnen. Angesichts der Remisflut fast nicht zu glauben, dass ein Spieler seine letzten zwei Partien gewinnt. In den letzten 20 Partien in Moskau gab es 17 Remis und nur 3 Siege.“

Es gelang wirklich keinem Spieler in Runde 8 und 9 beide Schachpartien zu gewinnen. Kleines Trostpflaster für meine Fehlprognose mit Kramnik. Jetzt aber Deckel zu. Die Sache wird nicht mehr erwähnt.

Nach Moskau ist vor Moskau. Dem Tal-Memorial schließt sich nahtlos die Blitzschachweltmeisterschaft mit einem illustren Teilnehmerfeld in der russischen Metropole  an. Magnus Carlsen, norwegisches Wunderkind und beliebt bei den Sponsoren, tritt als Titelverteidiger an. 12 Tage vor seinem 19. Geburtstag gewann Carlsen im vergangenen Jahr vor Anand und bekam als Blitzschachweltmeister einen neuen Sponsoring Vertrag. Der Finanzdienstleister Artic Securities sah das Potenzial von Magnus Carlsen und investierte 240 000 Euro in eine auf vorerst 2 Jahre ausgelegte Sponsorpartnerschaft. Erfolg macht sexy. 

Sportinsider Interview mit Martina Berg

In Deutschland erfreut sich Nordic Walking seit Jahren wachsender Beliebtheit. Parks, Seen und Waldwege bieten 365 Tage im Jahr die Möglichkeit sich frei in der Natur zu bewegen.  Im heutigen Interview mit Martina Berg, Nordic Walking Trainerin, gibt es interessante Einblicke in die Technik, das beste Einstiegsalter für die Trendsportart sowie überraschende Erkenntnisse für Männer bei einer Tour mit den Stöcken ins Gebirge.   

sportinsider: Frau Berg, wie wird man in Deutschland Nordic Walking Trainerin?

Martina Berg: Ich habe mir beim Verband der Nordic Walking Schulen (VDNOWAS) eine Schule ausgesucht und mich weiter gebildet. Ich bin seit vielen Jahren im Fitnessstudio gewesen. Bewusst habe ich nach einer sportlichen Bewegung in der Natur Ausschau gehalten. In Herzogenaurach bot dann eine Apotheke Kurse Nordic Walking in Kombination mit Ernährungsberatung an. Ich war beim ersten Nordic Walking Erlebnis sehr begeistert.

sportinsider: Können Sie kurz die entscheidenden Momente der Technik beim Nordic Walking erklären?

Martina Berg: 99% machen es falsch. Der Kick ist die ganze Bewegung des Oberkörpers und die Arme soweit wie möglich nach hinten bewegen, damit die Muskulatur nicht nur vorne die Stöcke spazieren trägt.

sportinsider: Welche Strecken werden absolviert?

Martina Berg: Kurzstrecken von 30 Minuten werden absolviert, wenn die Zeit knapp im Alltag ist. Ansonsten sind mindestens 45 Minuten auf dem Programm. Es dürfen wie beim  BR1-Nordic Walking-Lauf in Landshut mit Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auch gerne einmal 15 Km sein. Ich gebe auch am Tegernsee Kurse in landschaftlich reizvoller Kulisse.

sportinsider: Welche Altersgruppen trainieren Sie. Wann sollten Menschen mit Nordic Walking anfangen?

Martina Berg: In der Regel die Altersgruppe ab 40. Der älteste Kursteilnehmer kann auf 78 Lebensjahre zurückblicken. Den Einstieg in das Nordic Walking Training muß letztendlich jeder selbst entscheiden. Auch für Kinder kann Nordic Walking bereits sinnvoll sein. Übergewichtige Schüler werden in der Schule gehänselt, links liegen gelassen, keine Begabung für Bockspringen etc. Mit Nordic Walking Training stellt sich auch für Kinder mit genannten Problemen schnell das verbesserte  Körpergefühl ein.

Ich trainiere 80% Damen. Die Herren der Schöpfung haben manchmal noch Vorurteile gegenüber Nordic Walking. Ich kann da eine kleine Episode aus dem ALDIANA Ferienclub in Tunesien erzählen. Ich war dort Gasttrainerin. 8 Männer um die 40 Jahre spielten dort regelmäßig Tennis und machten die eine oder andere Bemerkung über Nordic Walking. Nun gut. Ich lud die Männer zu einem straffen Training in das nahe gelegene Gebirge ein. Die Gruppe hat nie wieder über Nordic Walking gelächelt.

sportinsider: Welche Philosophie hegen Sie beim Nordic Walking?

Martina Berg: Das schöne an Nordic Walking ist, daß es draußen stattfindet. Natur pur an 365 Tagen im Jahr. Die Jahreszeiten werden sehr intensiv erlebt. Nordic Walking kann überall ausgeführt werden. Auch bei Schnee. Mit den Stöcken im Schnee sich bewegen hinterlässt jedes mal bei mir ein besonderes Glücksgefühl.

sportinsider: Gibt es für Sie wahrnehmbare Spannungen zwischen Joggern und den Anhängern von Nordic Walking?

Martina Berg: Nein, überhaupt nicht. Ich habe bisher keine Probleme verspürt. Einst habe ich Joggen probiert. Ich habe auch eine große Bewunderung für die 42 Km Läufer. Jeder nach seiner Fasson. Für mich fühlt sich Nordic Walking gut an. Es ist meine Passion.

sportinsider: Was empfehlen Sie Interessierten an Nordic Walking? Einen Schnupperkurs?  Ausrüstung leihen oder gleich kaufen?

Martina Berg: Mein Ratschlag: Erstmal ein Schnupperkurs mit 2-3 Trainingseinheiten. Beim Auftakttraining ist man meistens noch verspannt. Ich plädiere für den Anfang für das Ausleihen von Stöcken. Das Thema Schuhe kann besprochen werden. Der Trainer kann wegen der Stöcke und der Schuhe Empfehlungen geben. Bleibt der Interessierte beim Nordic Walking dabei, sollten dann gute Stöcke gekauft werden. Ich persönlich mag die Leki Stöcke und komme damit sehr gut zurecht.    

sportinsider: Vielen Dank, Frau Berg, für dieses Interview. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Neugierig geworden? Frau Martina Berg ist im Internet unter Ihrer Website www.image50plus.de zu finden.

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