Deutsche Mentalität

Manchmal braucht es den vorgehaltenen Spiegel. Natürlich wird irgendwann Gras über den 64. Platz der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2010 gewachsen sein.  

Turm in der Schlacht

 © Michael Alber: Pixelio

Den eingangs erwähnten Spiegel hält Rustam Kasimdshanow in der Zeitschrift Schach Heft 10/10 dem deutschen Schach vor. Der Schachgroßmeister aus Usbekistan lebt seit Jahren in Deutschland mit seiner Familie in Ruppichteroth. 30 Kilometer vom einstigen Regierungssitz Bonn entfernt. In einem mehrseitigen Interview äußert er sich auch zur deutschen Mentalität und seinen Folgen für das Schach.

,,In einer normalen logischen Welt wäre es für die reichen Länder leichter, das Geld zu haben und zu geben. Deutschland ist immerhin der dritt- oder viertreichste Staat der Welt. Wie lange das noch so bleibt, weiß ich nicht. Aber jetzt ist das schon seit ein paar hundert Jahren. Das Deutschland immer extrem reich war. Aber wenn man hier lebt, hat man nicht das Gefühl, dass die Deutschen reich sind. Die Leute mögen zwar Geld haben, aber die gehen damit extrem sparsam um. Das ist vielleicht auch gut so. ´Altersvorsorge´ ist ein deutsches Wort. Das Wort gibt es im Russischen überhaupt nicht. Denn die Russen denken anders.“

Rustam Kasimdshanow ist einer der wichtigsten Männer im Sekudantenteam von Weltmeister Viswanathan Anand. Kasimdshanow kann selber auf eine erfolgreiche Schachlaufbahn verweisen. Seine beste Elo-Zahl beträgt 2706 aus dem Oktober 2001. Sein Unverständnis über das Dilemma der deutschen Nationalmannschaft in Sachen Schacholympiade bringt er deutlich zum Ausdruck.

,,Aber dass es im dritt- oder viertreichsten Land der Welt nicht möglich ist, 20.000 Euro aufzutreiben, damit die beste deutsche Mannschaft nach Chanty Mansijsk fahren kann, das ist nicht nur unlogisch, das ist katastrophal. Das ist Unsinn. Das kann nicht sein! Wenn die Jungs gesagt hätten: ´Wir haben in Dresden so toll gekämpft. Die Medien waren da, wir sind jetzt mehr wert als damals, wir wollen 200.000 Euro.´ Dann könnte ich verstehen, dass das nicht geht. Aber dass man mit 20.000 Euro zu kämpfen hat, das ist Wahnsinn. Mir ist eigentlich egal, was für bürokratische Gründe es gibt, um das zu erklären. Das ist einfach Wahnsinn!

Soweit der vorgehaltene Spiegel vom in Taschkent geborenen 30-Jährigen Schachgroßmeister Rustam Kasimdshanow.

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