Die Höllentour im Juli – Tour de France

Für die einen ist es die größte rollende Apotheke auf Rädern und für die anderen das faszinierendste Radrennen der Welt. Die Höllentour im Juli. Die Tour der Leiden. Die Tour der Berge. Kaum eine Sportveranstaltung polarisiert so wie die Tour de France. 2004 brachte Pepe Danquart den Film Höllentour in die Kinos.

Meine Liebste und ich haben uns damals diesen Film in Nürnbergs größten Kino angeschaut. Die Bilder sind faszinierend. Ich steh dazu. Im vergangenen Jahr hat Matthias Dell für Der Freitag ein bemerkenswertes Interview mit dem Filmregisseur Pepe Danquart und Theatermacher René Pollesch unter dem Titel Die Moral der Käfer geführt. Danquart zum Mythos der Tour:

,,Für mich ist der Mythos nicht zerstört. Der wurde mir genommen von denjenigen, die glauben, mir ihr verlogenes Moralgehabe mitgeben zu müssen. Dass gedopt wurde in dem legalen und halblegalen Rahmen, war immer bekannt. Das Faszinosum für mich ist der Held, der Gott, auch sein Fall, wenn er wieder Mensch wird.“

In seinem Film ist auch die Szene mit Andreas Klöden aus dem Tourjahr 2003 zu sehen. Schwer angeschlagen besteigt er den Besenwagen. Diese Bilder sieht der Fernsehzuschauer normal bei Eurosport oder den Öffentlich-Rechtlichen nicht.

,,Die wahren Helden sind die, die niemand wahrnimmt, die aussteigen, im Besenwagen weinen, über die keiner berichtet. Darum ging es mir in meinem Film. Natürlich ist der Kampf um die Spitze interessant. Aber die Frage ist doch: Was macht einer, wenn er auf die Fresse fliegt und am nächsten Tag wieder aufs Rad steigen muss? Das kannst du nicht mit Doping erklären. Und es interessiert sich kein Massenmedium, wenn ein Team Telekom immer nur sechster wird.“

Das Thema Doping wird einem beim Radsport immer entgegengebracht. Eigentlich hat Ralf Meutgens in seinem Buch Doping im Radsport fast alles dazu gesagt. Unbedingt Lesen.

Eurosport konnte einst folgende Bilder zeigen. Ein deutscher Radheld im Gelben Trikot. Jan Ullrich auf Platz 1 der  Gesamtwertung mit phänomenalen Abstand zum Zweitplazierten.  Oder die Bilder vom nicht mehr unter unter den Lebenden weilenden italienischen Radprofi Marco Pantani. Oder den einstigen französischen Bergspezialisten Richard Virenque im rot-weiß gepunkteten Bergtrikot.

Heute schreiben wir das Jahr 2010. Der bestplatzierte deutsche Radsportler ist Andreas Klöden. Er fährt im Armstrong Team RadioShack. Der Texaner erlebt bei seiner letzten Tour gerade den Absturz vom Radgott zum Mensch. Alberto Contador fährt wieder im Gelben Trikot. Das deutsche Team Milram wird es nächstes Jahr nicht mehr geben. Radsportler mit bewegter Vergangenheit wie Basso und Winokurow sind ebenfalls wieder munter mit im Peleton. Die Karawane zieht weiter.

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