Hinz und Kunz über die ersten Tage der WM

Hinz: Hallo Kunz. Ich freu mich auf den Plausch mit Dir.

Kunz: Grüß Dich Hinz. Herr Ober, bitte zwei Kaffee und ein Glas Wasser. Danke.

Hinz: Was war gestern denn mit Katrin Müller-Hohenstein los? Ihr Spruch vom ,,inneren Reichsparteitag“ macht ja die große Runde?

Kunz: Leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Jetzt hat sie natürlich einen Imageschaden. Gib Katrin Müller-Hohenstein in den Google Sehschlitz ein und Du bekommst Lesestoff bis zum abwinken. Stefan Niggemeier hat es auf seinem Blog unter Ein innerer Reichsparteitag zusammengefasst. Mich selber stört eigentlich mehr die nicht vorhandene tiefe Sportkompetenz. Sie hat mich noch nie überzeugt. Als sportinteressierter Mensch erwarte ich da einfach mehr.

Hinz: Ich möchte aber noch einmal einhaken. Ich habe nämlich auch den Artikel vom Fußballmagazin 11Freunde gelesen. Dort heißt es:

,,Kurze Geschichtsstunde: Als Reichsparteitage wurden in den zwanziger und dreißiger Jahren die Zusammenkünfte der NSDAP bezeichnet. Heute dient die Redewendung allenfalls noch als Standardvokabular an der Thor-Steinar-Ladentheke oder in Kneipen mit Namen wie »Zum goldenen Adler« oder »Das eiserne Kreuz«. Was haben wir gelacht. Vielleicht sogar noch hinter den Kulissen von grenzdebilen Volksmusiksendungen. Mit inneren Magenschmerzen sei also die Frage erlaubt: Keine Lust mehr auf Südafrika, Frau Müller-Hohenstein?“

Kunz: Unser Kaffee kommt. Danke Herr Ober. Katrin Müller-Hohenstein hat da unbewußt eine Lawine losgetreten. Gefundenes Fressen für die Medien. Fast jeder hatte einen Zwischenruf. Manfred Bleskin schreibt in seinem Zwischenruf auf n-tv:

Um es vorweg zu schicken: Natürlich ist die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein keine Anhängerin der Nazis. Eine studierte Theaterwissenschaftlerin sollte aber wissen, dass es sich bei „Reichsparteitagen“ um Propagandainszenierungen handelte, welche die Deutschen und das Ausland auf Mord, Totschlag und Raubkrieg vorbereiten halfen.

Ich selber verwende oft die Redewendung – Das ist ein innerer Vorbeimarsch – und will damit Freude ausdrücken und hege in dem Augenblick keinerlei Gedanken an die unsägliche Zeit des Nationalsozialismus zwischen1933 und 1945.

Ich würde also die Empörung über die Halbzeitworte von Katrin Müller-Hohenstein nicht  1:1 teilen wollen. 

Ein Verlängerter in Wien

© Rainer Sturm: Pixelio 

Hinz: Authentische Entschuldigungsworte von KMH bei der nächsten Duo Plauderei mit Oliver Kahn wünsche ich mir trotzdem. Wollen wir auch noch ein wenig über Fußball sprechen?

Kunz:  Ja, bis jetzt sind wir noch nicht mal zum Anpfiff gekommen.

Hinz: Was sagst Du zu den ersten Partien?

Kunz: Viel Geplänkel. Kennen wir beide ja von vielen Turnieren. Kannst Du Dich noch an 1982 und die Vorrunde der Italiener erinnern?

Hinz: Ja. Italien gegen Polen 0:0. Gegen Peru 1:1 und gegen Kamerun 1:1. Sie qualifizierten sich ohne Sieg für die 2. Finalrunde.

Kunz: Richtig. Und dann sind sie förmlich explodiert. Nach den gestrigen Erfahrungen der ZDF Halbzeitworte sage ich jetzt lieber – sie haben sich erheblich gesteigert – und besiegen Argentinien 2:1 und Brasilien mit 3:2. Fabelhafter Paolo Rossi trifft dreimal.   Später werden sie Weltmeister. Das wäre nicht nötig gewesen. Nicht bei dem Finalgegner. Die WM fängt eigentlich erst richtig nach der Vorrunde an.

Hinz: Deutschland schlägt zahme und erschreckend schwache Australier. England hat weiter ein Torwartproblem. Messi kontaktet fast bei jedem argentinischen Angriff den Ball. Ghana schlägt Serbien. Slowenien gewinnt gegen Algerien. Südafrika und Mexico trennen sich Unentschieden. Hatten wir ja bei Eröffnungsspielen öfters. Frankreich enttäuscht gegen Uruguay beim torlosen Remis. Die Niederlande gewinnen gegen Dänemark 2:0. Dein erster Eindruck vom Turnier? 

Kunz: Das Turnier ist noch lang. Spannend werden die ersten Auftritte von Brasilien und Spanien. So richtig heiß wird es bei den K.o. Spielen werden. Bis dahin haben wir viel Zeit. Am Ende werden Argentinien, Brasilien und Spanien den Titel unter sich ausmachen.

Hinz: Gibt es denn von Dir ein paar Tipps im Netz für mich?

Kunz: Unbedingt öfters bei Kai Pahl auf allesaussersport vorbeischauen. Sein WM2010-Grundrauschen ist im deutschsprachigen Raum im Netz vielleicht das Beste was es momentan gibt. Seine Mischung zwischen Sportkompetenz und Entertainment ist einfach genial.

Hinz: Was empfiehlst Du noch?

Kunz: Im Stile eines rasenden Reporters ist Jens Weinreich in Südafrika vor Ort. Er berichtet über die Weltmeisterschaft und die Parallelwelt der FIFA. Er legt auch eine ambitionierte Zeitnorm für sich fest: 24/7 und das fünf Wochen am Stück. Respekt.

Hinz: Ich werde heute die Rechnung für den Kaffee übernehmen. Gibt es noch einen dritten Lesetipp. So eine Art Pressespiegel auf den Instant-Blick.

Kunz: Gemach, gemach. Eine Presseschau für den kritischen Fußballfreund gibt es bei indirekter-freistoss.  So, Hinz ich muss und will weiter. Danke für die Übernahme der Rechnung. Du agierst da in letzter Zeit offensiver. Ich wünsche Dir bis zum nächsten Mal eine gute Zeit.

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