Anand und Topalov meiden die Inflation des Remis

Zeit Online berichtet auch kontinuierlich vom Schach-WM Kampf Anand-Topalov aus Sofia. Heute fragt Sie im Artikel Indischer Sieg im bulgarischen Stil, ob es je einen so remisarmen Start einer WM gab: 

,,Was für eine Schachweltmeisterschaft! Die Statistiker müssen jetzt in den Archiven wühlen, ob es je so einen Start gegeben hat. Drei der ersten vier Partien endeten mit Sieg und Niederlage; nur eine endete unentschieden, das war am Dienstag.“

Rückblick. Reykjavik, 1972. In den ersten 3. Partien des Schachmatch des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij gab es gar kein Remis. Spasskij gewinnt die 1. Partie im Nimzoindisch nach 56. Zügen. Zur 2. Partie erscheint Fischer nicht. Die Fernsehkameras hatten den US-Amerikaner während der Auftaktpartie gestört. Die Organisatoren gaben noch nicht nach. Der Herausforderer blieb an diesem Tag im isländischen Hotelzimmer. Spasskij führte damit 2:0. Fischer protestierte. Der Einspruch wurde vom Wettkampfkomitee abgewiesen. In der 3. Partie war dann nur eine Kamera zugelassen. Fischer siegte mit den schwarzen Steinen im 41. Zug und verkürzte auf 1:2. Die 4. Partie endete nach 45 Zügen mit dem ersten Remis des Match. Die 5. und 6. Partie gingen jeweils an das Schachgenie aus den USA. Am Ende gewann Bobby Fischer die Weltmeisterschaft klar mit 12,5 : 8,5. 

Turm in der Schlacht

 © Michael Alber: Pixelio

Ganz ohne Remis kamen 1866 der Österreicher Steinitz und der Deutsche  Anderssen aus. In acht Partien siegte Wilhelm Steinitz und in 6 Spielen behielt Adolf Anderssen die Oberhand. 1876 setzte der österreichische Schachweltmeister noch eins drauf. Er siegte in London gegen den Briten Joseph Henry Blackburne mit 7:0. Remis war Fehlanzeige in dem damaligen Schach-WM-Kampf. Soweit der kleine Ausflug in die Schachgeschichte.  

Die jetzige Turnierführung von Viswanathan Anand deckt sich mit der Umfrage von inside-chess vom Dezember 2009. Vor Turnierbeginn sah ja der österreichische Wettanbieter bwin Anand ebenfalls vorn. 

World Chess Championship 2010  – Stand: 12.00 Uhr am 15.04.10

Schachweltmeister

Viswanathan Anand (IND)  1,65

Veselin Topalov (BUL)         2,10

Aktuell sehen die Quoten bei bwin für den Weltmeistertitel so aus:

World Chess Championship 2010  – Stand: 12.00 Uhr am 29.04.10

Schachweltmeister

Viswanathan Anand (IND) 1,45

Veselin Topalov (BUL) 2,55

Im übrigen ist seit Anfang der Woche der Videotext der ARD ebenfalls mit einer Kurzmeldung über die Schach-WM bestückt. Am Sonntagabend hatte es der Öffentlich-Rechtliche Sender doch wirklich drauf, die Schachweltmeisterschaft mit keiner Silbe im Videotext zu erwähnen. Turnen und Trampolin waren erwähnt. Nichts gegen Europameisterschaften im Turnen und im Trampolin, beide Sportarten sind aller Ehren wert, doch weiß eigentlich jemand bei den Verantwortlichen, dass jeder 4. Deutsche Schach spielen kann. 20 Millionen Bürger können etwas mit der Sportart Schach anfangen. Ich höre immer Quote. Quotendruck. Wettbewerb mit den Privaten. Beim Schach wurden am Wochenende offensichtlich andere Prioritäten gesetzt.

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