Sportinsider Interview mit Laufsau Marc Bischoff

Marc Bischoff ist bekennender Läufer. Nein. Er ist in Deutschland die Laufsau. Marc Bischoff erhielt bereits den Ritterschlag. Der Journalist Hajo Schumacher sitzt nicht nur gelegentlich bei Maybrit Illner im Fernsehstudio, er hat vor Jahren auf Spiegel Online die Kunstfigur Achim Achilles geschaffen. Seine Leseempfehlung an das deutsche Laufvolk:  ,,Mit seinen Laufabenteuern begeistert Laufsau Marc seit Monaten die Achilles-Community. Jetzt gibt es seine besten Geschichten auch als Buch.“

Ich konnte die Laufsau Marc Bischoff zu einem laufstarken Interview gewinnen. Die eine oder andere lächelnde Laufeinheit war dabei. Los gehts!

sportinsider: Marc wie bist Du auf den Namen laufdusau für Dein Laufblog gekommen?

Marc Bischoff: Mein Wunschname

blogeinesmittvierzigersdersichaufseinealtentageeinbildetermüsse unbedingtnochmaleinenmarathonlaufen.de war zu lang.

Nein, im Ernst: Wenn man bloggt, möchte man natürlich auch gelesen werden. Es lag also nahe, einen plakativen, auffälligen Namen zu wählen. Der Motivationsspruch, mit dem Udo Bölts 1997 Jan Ullrich die Vogesen hinauftrieb, „Quäl dich du Sau“, war die Inspiration dafür. Im Prinzip sagt er in 4 Worten alles aus, was Sport, besonders Leistungssport ausmacht. Und ein bisschen von diesem Glanz wollte ich auf meine bescheidenen Beiträge übertragen. Da wusste ich noch nicht, dass die Tour de France, und besonders Jan Ullrich bald in ganz anderem Lichte glänzen würde, und damit möchte man ja dann lieber nicht in Verbindung gebracht werden. Aber da war es schon zu spät. Im Lauf der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass der Name im Internet Gold wert ist. Wer die Laufsau sucht, z.B. über „Laufsau“, oder „Lauf, du Sau!“, der findet mich sofort.

sportinsider: Wie viel Zeit investierst Du wöchentlich in Deine Passion Laufen?

Marc Bischoff: Weniger, als ins Schreiben, befürchte ich. In guten Zeiten drei Stunden, in schlechten eine halbe. Ich glaube, von einer Passion zu sprechen, wäre hier ein bisschen vermessen.

sportinsider: Du hast ein Buch zu Deiner Lauflust unter dem Titel – Lauf, Du Sau! – im AGON Sportverlag veröffentlicht. Wie würdest Du die Zusammenarbeit mit dem Verlagschef Wolfgang  Fuhr skizzieren?

Marc Bischoff: Ohne Wolfgang Fuhr und den AGON Verlag gäbe es dieses Buch schlicht nicht im Buchhandel zu kaufen. Es finden sich zwar Möglichkeiten in Deutschland ein Buch – auch ohne großes finanzielles Risiko und ohne Verlag – selbst zu veröffentlichen, aber das Produkt erreicht in den seltensten Fällen ein größeres Publikum, dazu bedarf es der Infrastruktur eines Verlages und der Verlagsvertreter. Wenn man wirklich das Potential sieht, von einem Buch ein paar tausend Stück zu verkaufen, braucht man auf jeden Fall einen professionellen Verlag. Als neuer Autor ist man natürlich froh um jeden Verlag, der die eigenen Texte zu veröffentlichen bereit ist, aber erst während der Arbeit am Produkt merkt man, wie wichtig eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Beziehung zueinander ist. Der Agon Verlag ist klein, aber sehr bemüht und wir haben noch einiges vor. Und wer, neben Laufliteratur, gute Fussballbücher sucht, der sollte sich dort einmal umsehen.

sportinsider: In Deutschland schreibt ja auch der Journalist Hajo Schumacher alias Achim Achilles bei Spiegel Online mit spitzer Feder über die Schmerzen und das Leid beim Laufen. Seid Ihr Euch schon mal persönlich über den Weg gelaufen?

Marc Bischoff: Wir beide haben in Mallorca mal einen sehr netten Abend miteinander verbracht, erst in der Show von Eckhart von Hirschhausen und dann bei einem guten Roten und einem Essen auf der TUI Party. Hajo Schumacher ist ein sehr sympathischer und offener Typ, vielseitig interessiert und mit einem bissigen Humor ausgestattet, eben genauso wie sein Alter Ego Achim Achilles. Ich bin Hajo zu großem Dank verpflichtet, er hat mich sehr bei der Vermarktung des Buches unterstützt, sei es beim Klappentext für mein Buch, oder bei Verlosungen auf der Achim-Achilles.de website. Dieses völlige Fehlen von „Stutenbissigkeit“ ist nicht selbstverständlich im Medienbereich.

sportinsider: Ein eigenes Buch will promotet sein, wenn es nicht in den Regalen der Buchhandlungen verstauben soll. Welche Buch-Lauf-Verkauf-Aktivitäten sind geplant?

Marc Bischoff: Es wird eventuell eine Lesereise im Frühjahr geben, und wir denken darüber nach, bei der einen oder anderen großen Laufveranstaltung Flyer mit Leseproben des Buches zu verteilen. Und wir hoffen inständig, dass das Buch einmal in einem der großen Medien besprochen wird, nicht nur in den läuferspezifischen. Denn die bisherigen Rückmeldungen zeigen: Wer das Buch kauft, mag es und empfiehlt es in der Regel weiter oder verschenkt es gar.

sportinsider: Wie lange hast Du am Buch gearbeitet, getüftelt, in Erinnerungen geschwelgt?

Marc Bischoff: Den Blog schreibe ich seit August 2008, also hatte ich etwa 9 Monate Vorlauf mit den Geschichten, die ja zuerst im Blog erschienen und dann ins Buch eingingen. Dazu noch etwa 4 Wochen Arbeit für Cover, Lektorat, Korrekturen etc. Das war aber nur mein Aufwand, der Verlag hat ja mindestens noch einmal so viel Aufwand hineingesteckt.

sportinsider: Du hast unlängst für den 100. Follower auf twitter die Sektkorken knallen lassen. Bei welcher Verkaufszahl Deines Buches wirst Du Champagner ordern?

Marc Bischoff: Die Gattin und ich haben schon beim ersten Tausend die Korken knallen lassen, denn dass das innerhalb von 6 Wochen passiert, damit hatte niemand gerechnet. Aber bei 10.000 schmeiße ich eine Party. Und mit Party meine ich eine richtige Party, wie sie der Laufsau würdig ist.

sportinsider: Wie viele Laufschuhe hast Du im Schuhschrank?

Marc Bischoff: 4 Schuhe. Zwei von New Balance und zwei von Asics. Von meinen alten New Balance habe ich mich neulich getrennt, schnüff. Moment, muss mal kurz ein Taschentuch holen…

sportinsider: Welches Zeitpensum investierst Du wöchentlich in das Laufblog?

Marc Bischoff: Etwa 2 Stunden am Sonntag abend. Und dann noch eine halbe Stunde pro Woche für die Recherche nach amüsanten Videos.

sportinsider: Mit welchem Prominenten würdest Du gerne einmal sporteln gehen?

Marc Bischoff: Nicht mit Haile Gebreselassie, denn dem komme ich nicht mal ansatzweise hinterher. Ottfried Fischer? Da hätte ich eine reelle Chance.

sportinsider: Hast Du ein sportliches Idol?

Marc Bischoff: Nein. Es gibt Menschen, bei denen ich einzelne Leistungen bewundere: Den Leiter unseres Lauftreffs, der mit Anfang Fünfzig seinen ersten Ironman bestritt. Die Jungs vom Team Hoyt, da heule ich jedesmal, wenn ich das Video sehe. Ich bewundere vor allem Leute, die ihren Zugang zum Sport über alle Widerstände hinweg (Behinderung, Krankheit etc.) schaffen. Dann frage ich mich immer, worüber ich überhaupt die ganze Zeit meckere.

sportinsider: Das für Dich bewegendste Ereignis der jüngeren Geschichte?

Marc Bischoff: Der Tod von Michael Jackson. Nein. War nur Spaß. Der Fall der Berliner Mauer natürlich. Oder der Tag, an dem die DVD „Robby, Tobby und das Fliewatüüt“ im Haushalt der Laufsau eintraf? Hach, ich kann mich nicht entscheiden…

sportinsider: Welche Sportart würdest Du gerne besser können?

Marc Bischoff: Schach (gilt das?)

sportinsider: Bei welchem sportlichen Großereignis wärst Du gerne als Zuschauer dabei gewesen?

Marc Bischoff: Ich bin nicht so begabt im „Sport-Zuschauen“. Das langweilt mich immer schnell. Vielleicht am ehesten beim Finale des Schlammcatchens der Frauen.

sportinsider: Dein größtes Erfolgserlebnis im Sport?

Marc Bischoff: Zieleinlauf Köln Marathon 2008. Ganz klar.

sportinsider: Welche Macke hast Du beim Laufen?

Mar Bischoff: Ich atme manchmal rhythmisch, zähle mit. „Einsundzweiunddreiundvier – pffffffht“

sportinsider: Bist Du Warm- oder Kaltduscher?

Marc Bischoff: Warm. Immer warm. Ich hab mal kalt probiert. Hat mir nicht gefallen…

sportinsider: Wie sieht der perfekte Lauftag aus?

Mar Bischoff: Es ist warm, aber nicht heiß. Ich laufe am späten Vormittag ca. eine Stunde, oder etwas mehr. Ich weiß nach 10 Minuten, das es super wird. Ich höre Imogen Heap auf dem mp3-Spieler. Ich begegne auf der Strecke jungen, hübschen Frauen mit blonden Haaren. Sie grüßen mich zurück. Ich drehe mich um und sehe ihnen nach. Ich laufe gegen einen Laternenpfahl. Aber ich spüre nichts.

sportinsider: Welche Sportart ist für Dich überflüssig?

Marc Bischoff: Handy-Weitwurf. Minigolf. Formel-1.

sportinsider: Mit welchem Sportler/in würdest Du gerne einen Tag tauschen?

Marc Bischoff: Michael Schumacher. Oder Andre Agassi. Gerade erst 40 und schon in Rente.

sportinsider: Die nächsten sportlichen Laufziele sind in Sicht. St. Pölten ist geplant. Begleitet Dich Deine Frau?

Marc Bischoff: Naja, St. Pölten. Also meinen englischen Kollegen ist irgendwann aufgefallen, dass das in Österreich liegt und man von der Grafschaft Surrey nicht so gut mit dem Auto dahin kommt. Das es teuer werden könnte. Und lange dauern würde. Also im Moment sieht es wohl doch wieder so aus, als ob die Laufsau nach good old england muss. Aber dann kommt die Gattin natürlich mit, und Söhne #1 und #2 ebenfalls.

sportinsider: Auf wie viel Liebe stößt Deine Laufpassion bei Deiner Familie?

Marc Bischoff: Die sind alle voll dabei. Ohne die familiäre Unterstützung ginge es gar nicht. Sohn#2 fragt immer, wenn er mich in Laufklamotten sieht: „Papa, wo bist du hinnedschoggt?“. Dann will er es aber ganz genau wissen.

Marc Bischoff ist Familienvater, Läufer, Buchautor und Spiritus Rector des Blogs laufdusau.

Ich bedanke mich bei Marc Bischoff für das Interview.

2 Gedanken zu “Sportinsider Interview mit Laufsau Marc Bischoff

  1. mayasjourney 1. Dezember 2009 / 21:41

    Hallo sportinsider,

    Danke für deine Worte.
    Natürlich weiß ich, dass das Laufen kein Laufsteg ist. Aber es ging auch nicht um die Kleidung, sondern viel mehr darum, dass die Gesamtsituation nicht so .. angenehm war.
    Laufen werde ich natürlich trotzdem, das Ausgleichsgefühl möchte ich nicht missen.

    Grüße
    Maya

    PS: Klasse, dass du hier ein Interview mit der Laufsau geblogt hast! Die Laufsau gehört nämlich zu einem meiner liebsten Schreibern (bei den Blogs)!

  2. Frank Benedikt 2. Dezember 2009 / 11:15

    Bin ja (hüftgelenksbedingt) eher „lauffaul“, aber das Interview ist doch vergnüglich, da es angenehm von der „Norm“ abweicht und die „Laufsau“ augenscheinlich über einen guten Humor verfügt. Weiter so 😉

    Herzliche Grüße
    Frank

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