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Sportinsider Interview mit Uwe Bekemann

Fernschach ist mehr wie eine faszinierende Facette des königlichen Spiels. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Fernschachspieler. Mit 14 Jahren spielte ich mein erstes Fernschachturnier.  Es war faszinierend aus der Schule zu kommen, in den Briefkasten zu schauen und Fernschachpost aus Moskau, Kassel, Kopenhagen, Turin, Mallorca oder Glasgow vorzufinden.  Schöne Erinnerungen. Wir tauschten nicht nur die Schachzüge aus. Über Hobbys, unsere Familien, Urlaubsreisen etc. wurde auch intensiv geschrieben.

Diese Erinnerungen an meine jugendlichen Fernschacherlebnisse kamen mir dieser Tage wieder in Erinnerung. Was lag näher sich an einen aktiven Protagonisten im deutschen Fernschach zu wenden und einen Blick in die aktuelle Situation zu wagen.

Schachbuchautor Uwe Bekemann führt das Vorstandsamt des PR-Managers im Deutschen Fernschachbund e.V. (BdF) aus. Im Interview spricht er über die Faszination Fernschach, die Mitgliederzahl im BdF, über Fluch und Segen der Schachcomputer, seine Aufgaben beim Fernschachbund sowie über die Arbeit an seinen Schachbüchern mit Jerzy Konikowski. Es fehlt auch nicht ein kleiner Rückblick auf den WM-Kampf Anand gegen Carlsen.

Herr Bekemann, Sie haben mit Jerzy Konikowski das Buch 1. e4 siegt! geschrieben. Angesichts der mit dem Königsbauern erzielten drei Weiß Siege von Weltmeister Carlsen in Sotschi aktueller denn je. Herausforderer Anand wählte zweimal die Antwort e5 und einmal für c5. Welche Schwarz Erwiderung ist Ihnen denn am liebsten?

Uwe Bekemann: In meinen eigenen Partien komme ich mit beiden Antworten zurecht, für beide habe ich mir mehrere Repertoirefelder aufgebaut. Dies gilt auch für andere Möglichkeiten des Nachziehenden. So kann ich sagen, dass ich spezielle Vorlieben und Abneigungen im Spektrum des Gegners mit Schwarz nicht habe.

Wie fällt Ihr Vergleich vom Schach-WM Kampf zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand in Sotschi 2014 und Chennai 2013 aus?

Uwe Bekemann: Für mich liegt der größte Unterschied im Auftreten von Anand. Er hat insgesamt mutiger und selbstbewusster gespielt, auch schien er besser eingestellt oder vorbereitet zu sein. Allerdings möchte ich vorsichtig sein, wenn es um Bewertungen geht. Ich fühle mich viel zu weit weg vom Geschehen, als dass ich mir ein tiefes Urteil erlauben könnte. Zudem bin ich mir als Hobbyspieler meiner Limits bewusst.

Lassen Sie uns über Fernschach sprechen. Was fasziniert Sie persönlich am Fernschach?

Uwe Bekemann: Das lässt sich nicht mit wenigen Sätzen umfassend ausdrücken. Ich konzentriere mich deshalb auf die Aspekte, die mir besonders wichtig sind. So erlaubt mir das Fernschachspiel die tägliche Beschäftigung mit dem Schachspiel selbst. Jeden Tag habe ich auf dem Brett Kontakt zu meinen Spielpartnern, wenn ich es denn möchte. Dabei komme ich viel tiefer in die Geheimnisse des Spiels hinein als im Nahschach. Bei der Analyse muss ich mir nicht alles vorstellen können, ich führe die Züge am Brett aus. Dazu kann ich alles an Hilfsmitteln einsetzen, was für mich greifbar ist. So komme ich zu Partien, die nicht über mehr oder weniger grobe Schnitzer entschieden werden. Die Ablenkung und Zeitdruck spielen kaum eine Rolle, ich kann mich voll auf das Spiel selbst konzentrieren. Und ich treffe auf Spielpartner aus allen Gegenden Deutschlands und der Welt.

Sie sind Vorstandsmitglied im Deutschen Fernschachbund e.V. (BdF). Welche Aufgaben obliegen Ihnen? Welches Zeitbudget bringen Sie dafür monatlich mit?

Uwe Bekemann: Ich führe das Vorstandsamt des PR-Managers aus. Nach dem Geschäftsverteilungsplan und damit offiziell bin ich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit (redaktionelle Beiträge an alle Publikationsmedien, Werbeinserate, sonstige Maßnahmen – insb. über das Internet), die Internetpräsenzen des Vereins (technische Verantwortung und redaktionelle Pflege), Redaktionsleitung und Chefredaktion der Verbandszeitschrift Fernschachpost sowie Serverangelegenheiten. In einem „Fern“-Verband wie dem Deutschen Fernschachbund e.V. ist es aber kaum möglich, die Arbeiten so zu fokussieren und zu lenken. So gibt es nennenswert auch viel laufendes Geschäft, insbesondere Schriftwechsel mit Mitgliedern und anderen Kontaktpartnern. Auch Rezensionen über Schachbücher zählen zu meinen Aufgaben.

Das monatliche Zeitbudget kann ich zahlenmäßig nicht genau in reine Vorstandsarbeit und andere Aufgaben trennen, allerdings sind Dinge wie Vorstandsabstimmungen, Mitwirkung an Beschlüssen etc. einer der kleineren Anteile. Das Zeitbudget hängt von zwei Faktoren ab: Was ist gerade in einer bestimmten zeitlichen Periode zu erfüllen und was möchte und kann ich gerade machen (auch in Abhängigkeit aktueller Buchprojekte), auch wenn es nicht zwingend (jetzt) erledigt werden müsste. Aktuell verrichte ich Arbeiten für den Verband in der Zahl von rund 80 bis rund 120 Stunden im Monat, in Ausnahmemonaten auch mal mehr. Dies mag hoch erscheinen, aber die Arbeit verteilt sich auf fast alle Abende im Monat (ich bin voll berufstätig) und auf die Wochenenden. Wie Sie nachrechnen können, verteilt sie sich damit sehr gut auf viele Tage. Zudem empfinde ich meine Tätigkeit nicht als Arbeit, sondern als eine Beschäftigung nach meinen Neigungen. Die Arbeit für den Deutschen Fernschachbund e.V. hat mir zudem sehr geholfen, mit einem Handicap (Tinnitus) zurecht zu kommen.

Der Deutsche Fernschachbund bietet Fernschach in allen Variationen, Normalschach und Chess960 an. Der BdF hat einen eigenen Schachserver. Es gibt auch separate Engine-freie Fernschachturniere. Mit der Fernschachpost wird darüber hinaus eine eigene Schachzeitschrift angeboten. Diese Angebotsbreite ist bemerkenswert. Hans-Walter Schmitt, seit Jahren an der Seite von Anand und Organisator, Macher und Spiritus Rector von Chess Tigers ist ein großer Verfechter von Chess960. Welche Angebote vom BdF nutzen Sie zum Schachspielen?

Uwe Bekemann: Eigentlich alle, nur nicht alle gleichzeitig. Als Spieler muss ich etwas zurückstecken, aus zeitlichen Gründen. Chess960 bereitet mir auch viel Spaß, wobei dieser mein Leistungsvermögen darin doch recht deutlich übersteigt.

Nachwuchsgewinnung ist bei traditionellen Schachvereinen immer ein großes Thema. Oft auch ein Sorgenkind. Wie sieht es mit der Begeisterung der jungen Generation für das Fernschach aus? Sind vom BdF in den nächsten 12 Monaten konkrete Aktionen zur Mitgliedergewinnung der 18 – 28 jährigen geplant? Wie sieht es generell mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen in den letzten Jahren aus?

Uwe Bekemann: Besondere Aktionen zur Mitgliedergewinnung der 18 – 28 Jährigen sind aktuell nicht geplant. Dies heißt aber nicht, dass es im kommenden Jahr nicht dazu kommen wird. Wir haben einen engagierten Jugend-Turnierleiter, der sich ohnehin fortwährend um die Förderung des Jugend-Fernschachs bemüht. Schon traditionell aber kann man sagen, dass sich Jugendspieler oft nach einiger Zeit des Fernschachspiels vorübergehend zurückziehen und dann so etwa im Alter von 40 Jahren zurückkehren. Dann sind die eigenen Kinder schon recht selbstständig geworden und auch beruflich sind die Sturm- und Drangjahre überschritten. Nun erinnern sie sich an die frühere Bekanntschaft mit dem Fernschachspiel und starten einen neuen Versuch.

Nach einigen Jahren eines erheblichen Mitglieder-Aderlasses sind wir in Deutschland bei so etwas wie einer schwarzen Null angekommen. So bei rund 2500 Mitgliedern scheinen wir eine belastbare Balance gefunden zu haben. Weltweit sieht die Sache weniger gut aus. Rund um den Globus ist die Zahl der Fernschachspieler kontinuierlich gesunken und auch aktuell nimmt die Zahl ab.

Der Einsatz von Schach-Software hat in den letzten Jahren das Spielniveau von Fernschachpartien gesteigert. Im Glarean Magazin Interview vom 14. Dezember 2010 sagte Fernschach-Großmeister Arno Nickel:

,,Die Veränderungen auf dem Durchschnittsniveau sind natürlich dramatisch, vermutlich noch gravierender als an der Fernschachspitze. Spieler, die früher – ohne Computer – einfache taktische Zusammenhänge nicht verstanden oder anfingen merkwürdig zu spielen, wenn ihr Buchwissen erschöpft war, spielen auf einmal mustergültige Partien, die auch ein Anand über weite Strecken kaum besser behandeln könnte. Ihr Pech ist nur, dass viele solcher – ich nenne sie mal: virtuellen – Schachpartien remis ausgehen, weil der Gegner den gleichen Sekundantenstab nutzt.“

Hinter diesem Hintergrund taucht wieder verstärkt der Wunsch nach Engine-freien Schachpartien auf. Der BdF bietet entsprechende Turniere an. Wie sehen Sie die Entwicklung? Was ist Fluch und was ist Segen in Sachen Schachcomputer?

Uwe Bekemann: Zunächst möchte ich zu bedenken geben, dass besonders erfolgreiche Spieler sich auch heute fortwährend als besonders erfolgreiche Spieler behaupten. Würde ein Schachcomputer ausreichen, um erfolgreich Fernschach zu spielen, dann dürfte es keine besonderen Leistungsunterschiede mehr geben und wir müssten ständig wechselnde Sieger in Meisterschaften etc. haben. Dies ist aber nicht so. Also muss es auch heute noch Dinge geben, die den Unterschied machen.

Der auf Dauer erfolgreiche Fernschachspieler muss eine eigene hohe Spielstärke haben, insbesondere im Bereich der Planung im Schach, und seine Hilfsmittel inkl. Computer besonders gut einzusetzen wissen. Die Symbiose macht den Unterschied. Wenn man sich einen tollen Stab zum Stabhochsprung kauft, hievt man sich auch nicht automatisch über die hoch aufgelegte Latte. Ein bisschen so ist es auch im Fernschach.

Ich habe es mir abgewöhnt, die Entwicklung zu bewerten, die über den Siegeszug der Schachcomputer eingetreten ist, weil ich es für müßig halte. Die Rechner sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Also versuchen wir uns die Vorteile daraus zunutze zu machen.

Der Segen der Schachcomputer ist ihr Beitrag zur Entwicklung im Schach. Im Fernschach helfen sie dabei, die Suche nach dem objektiv besten Zug in jeder Stellung zu ermitteln. Ihr Auftreten im Fernschach hat insoweit zu einer echten Bereicherung geführt.

Der Fluch der Schachcomputer liegt darin, dass sie besser rechnen können als wir. Verfällt der Spieler der Versuchung, sich selbst durch den Computer zu ersetzen, wird er auf Dauer verarmen, sowohl hinsichtlich seines Spielspaßes als auch seiner Fähigkeiten und seiner Entwicklung. Fluch und Segen liegen also gewissenmaßen nah beieinander.

Wie hat das Internet Fernschach beeinflusst, verändert und wie sieht ein Ausblick auf die Entwicklung der nächsten 5 Jahre aus Ihrem Blickwinkel aus?

Uwe Bekemann: Das Internet hat über das Serverfernschach und das Onlinespiel unter Nahschachbedingungen Fernschach und Nahschach näher zueinander geführt. Es ist beschleunigt worden, was schon eine Folge der größeren Geschwindigkeit des elektronischen Zugaustausches gegenüber dem Spiel per Normalpost ist. Weiterhin haben die offiziellen Verbände wie der Deutsche Fernschachbund e.V. Konkurrenz durch private Anbieter von Fernschachangeboten bekommen (Server und Klubs mit E-Mail-Schach). Dies wäre organisatorisch im Postkartenzeitalter kaum vorstellbar gewesen.

Ich denke, dass sich der Zugaustausch in den kommenden Jahren fast vollständig auf den Server verlegen wird. Ich denke weiter, dass der Deutsche Fernschachbund e.V. sich weiter behaupten und seine Stellung als Nummer 1 der Fernschachanbieter in Deutschland ausbauen wird, weil er gemeinnützig und damit ohne Gewinnerzielungsabsicht tätig ist. Private Anbieter werden mehr und mehr spüren, dass sich mit Fernschach auf dem Server nicht wirklich Geld verdienen lässt und sich der Aufwand kaum lohnt. Dies wird das private und erwerbswirtschaftlich orientierte Angebot ausdünnen.

Eingangs haben wir über Ihr Buch 1. e4 siegt! mit Jerzy Konikowski gesprochen. Sie haben noch weitere Bücher mit ihm herausgegeben. Italienische Partie – richtig gespielt oder Königsgambit – richtig gespielt. Auch für Freunde des gepflegten Eröffnungszugs mit dem Damenbauern haben Sie mit Jerzy Konikowski ein Werk verfasst. 1. d4 siegt! Welches Buch aus diesem Quartett und warum ist Ihr Lieblingsbuch?

Uwe Bekemann: Ich habe, ganz ehrlich gesagt, kein Lieblingsbuch aus unserem gemeinsamen Schaffen. Mit Jerzy Konikowski zu arbeiten, ist immer eine tolle Sache. Er ist ein unermüdlicher Arbeiter und hat eine unglaublich große Erfahrung, in der Zusammenarbeit läuft es völlig harmonisch und in gegenseitiger Unterstützung. Dies war bei jedem unserer Bücher so. Auch aus den Inhalten heraus kann ich kein Buch bevorzugen. Sie sind alle aus einem Holz und doch alle auch irgendwie etwas anders als die anderen. Mal haben wir eine möglichst bemerkenswerte Variantentiefe und –breite verfolgt, mal wollten wir ein qualifiziertes Repertoire mit Überraschungspotenzial liefern, dann wieder auch mit nebenbei unterhaltsamen Texten arbeiten. Ich könnte nicht dahinterstehen, wenn ich nun eines aus dem Kreis der Bücher als Lieblingsbuch hervorheben sollte.

Wie lange arbeiten Sie im Durschnitt an einem Schachbuch?

Uwe Bekemann: Das hängt in Gemeinschaftswerken von der Art meines Beitrags und der Menge des Materials ab. Zudem kann es immer wieder zu Unterbrechungen kommen. Die Sammlung des erforderlichen Materials müsste man dann auch noch hinzurechnen, wenn ein Buchprojekt vereinbart worden, die echte Arbeit aber noch nicht aufgenommen worden ist. 6 bis 12 Monate als Bearbeitungszeitraum kommt der Realität aber sicher recht nahe.

Internet scheint für viele Schachfreunde wie geschaffen für die Sportart Schach. Andererseits kommt Schach in der Berichterstattung großer Zeitungen im Sportteil nur rudimentär oder temporär zu Weltmeisterschaften vor. Woran liegt dies Ihrer Meinung nach?

Uwe Bekemann: Bei der Ausübung unseres Spiels bewegen wir uns zwar auch, aber seltener und langsamer als Bewegungssportler. Damit können wir nicht so recht mithalten, wenn die Medien explodierende Bilder und die Schilderung packender Kampfszenen suchen.
Leider sind die Schachspieler in den Augen vieler, bis hin in die Reihen der politischen Entscheidungsträger, keine Sportler oder nur solche zweiter Klasse. Die geringe Präsenz des Schachspiels in den großen Zeitungen ist für mich eine nachvollziehbare Konsequenz dieser Umstände.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für den Deutschen Fernschachbund und die Entwicklung im Fernschach generell im Jahr 2015?

Uwe Bekemann: Was wünsche ich mir für den Deutschen Fernschachbund? Ich möchte dies in zwei Dinge unterscheiden. Als Funktionär mit bürokratischer Brille und damit in der Pflicht für alle Mitglieder stehender Verantwortlicher wünsche ich mir, dass es uns gelingen möge, einen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Wichtige Entscheidungen in Vereinsangelegenheiten sind aktuell nur noch in die Hand weniger Mitglieder gelegt, diejenigen nämlich, die es sich finanziell, gesundheitlich und nach weiteren Voraussetzungen leisten können, die jährliche Präsenz-Mitgliederversammlung zu besuchen. In einem Verband von fast 2500 Mitgliedern haben somit, wenn es hoch kommt, 30 Personen die Fäden in der Hand. Im oben beschriebenen Sinn „geschwächte“ Mitglieder sind außen vor. Das ist ein Unding, besonders in einem Fernverband wie dem Deutschen Fernschachbund e.V.

Als selbst spielender Funktionär wünsche ich mir, dass der Deutsche Fernschachbund e.V. sein Standing erhält und die breite Palette an Fernschachmöglichkeiten zum Wohle seiner Mitglieder ohne Beschränkungen aufgrund einer nachlassenden Nachfrage aufrechterhalten kann. Damit habe ich auch meinen Wunsch zur Entwicklung des Fernschachs in 2015 ausgesprochen.

Herr Bekemann vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Weiterführende Websiten zum Thema:

bekemann Private Website von Uwe Bekemann

wikipedia Eintrag Uwe Bekemann

bdf-fernschachbund  Offizielle Website Deutscher Fernschachbund e.V. (BdF)

Sportinsider Interview mit Joe Boden

Schachblogs sind faszinierend. Sie haben von ihrer Anziehungskraft für mich persönlich nichts verloren. Einer dieser Schachblogger mit dem Faible für das einzigartige Königliche Spiel, Durchhaltevermögen für das Medium Blog und tiefer Hingabe zur Detailarbeit ist der Gründer, Organisator und Spiritus Rector von Joe´s Schachblog, Joe Boden. Was lag näher ihn kurz vor Jahresende zu einigen Aspekten seines Schachblogs und der Materie rund um das Geschehen auf den 64 Feldern zu befragen.

Herr Boden, lassen Sie uns über Schachblogs reden. Wann und weshalb haben Sie Ihren Schachblog gegründet?

Joe Boden: Meine ersten Postings gingen im März 2012 online. Ich hatte Spass am Bloggen und wollte rausfinden, ob es mir gelingt, meinen Blog einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Das scheint mir gelungen zu sein. Letzten Monat hatte ich 15000 Besucher, das ist schon etwas in diesem Nischenbereich Schach.

Schachblogs haben ja zwischendurch im Netz eine Durststrecke durchmachen müssen. Stefan Löffler hängte seinen Schachblog an den Nagel. Ilja Schneider schloss die Pforten vom Schachzoo. Der Entwicklungsvorsprung von Georgios Souleidis hat sich größere Auszeiten zwischen den einzelnen Blogbeiträgen genommen. Eine Frage des Durchhaltevermögens? Wie sehen Sie die Schachblogszene im deutschsprachigen Raum?

Joe Boden: Ich kenne mich mit der Szene nicht aus und habe deswegen auch keine Kontakte, Sie ausgenommen, Herr Wiemer. Und an dieser Stelle ein dickes Lob für Ihren ausgezeichneten und gut gemachten Sportblog. Einmal rief mich Franz Jittenmeier vom Schachticker an und wollte, dass ich für ihn schreibe. Er war durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden. Wir hatten ein freundliches Gespräch. Franz ist ja schon etwas älter, aber man merkt immer noch seine Leidenschaft für’s Schach und seinen Schachticker. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich einige interessante Insiderinformationen. Mich interessiert  jedoch in erster Linie nur was ich tue, warum ich es tue und wie ich es tue. Deswegen habe ich auch keine Ahnung, was andere dazu bewogen hat aufzugeben. Wenn man sich mit Schach publizistisch beschäftigt sollte man wissen, dass die Schachspieler eine sehr spezielle Klientel darstellen. Es sind sehr spezielle Menschen mit einem gehörigen Schuss Ego, was für das Schach unerlässlich ist. Von dieser Klientel sollte man keine allzu große Wertschätzung und Anerkennung erwarten. Vielleicht haben die Kollegen, die ihre Blogs nicht weitergeführt haben, das auch erfahren und irgendwann keine Lust mehr gehabt. Es kann natürliche auch ganz andere Gründe gehabt haben, zu wenig Zeit, Motivationsverlust etc. Aber das sind nur Spekulationen.

Gut geführte Blogs benötigen Zeit. Wie viel Zeitbudget investieren Sie monatlich?

Joe Boden: Ich glaube es sind so 20-30 Stunden im Monat.

Der November stand im Blickpunkt der Schachfans. Alles schaute gespannt nach Sotschi. Die Zuschauer vor Ort hielten sich in überschaubaren Grenzen. Dafür boomten die Übertragungen im Internet. Wie sehen sie mit dem Abstand von einigen Wochen das WM-Match zwischen dem norwegischen Schachstar Magnus Carlsen und dem lebenserfahrenen Viswanathan Anand?

Joe Boden: Mein Herz schlug für Anand. Er ist ein Gentleman und besitzt feine Manieren, ist menschlich zugänglich. Zudem ist Anand subtil und sein Spiel besitzt Tiefe. Anands Partien zeigen Kreativität und Eleganz gleichermaßen. Er war nicht ohne Grund Weltmeister. Allerdings zeigte Anand im Match 2014 Nerven trotz seiner langjährigen Turniererfahrenheit. Carlsen präsentiert sich etwas flegelhaft, nicht nur was die Sitzhaltung am Brett anbelangt. Aber Carlsen ist jung, deswegen kann man darüber hinweg sehen. Er ist jedoch auch konzentrationsstark und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Seine Beharrlichkeit erweist sich als effektiv. Für seine Gegner fühlt es sich wohl so an, als würden sie gegen einen alles ausrechnenden Computer spielen, das macht wenig Spaß und macht müde. Auf diese Weise entstehen Fehler und Carlsen macht schließlich den Punkt. Schachlich kann er mich nicht überzeugen. Seine Partien sind meist fehlerfrei, aber ohne jedes Feuer. Er ist ein guter Handwerker. Verstehe nicht, wie man ihn Mozart des Schachs nennen kann. Das muss jemand sich ausgedacht haben, der keine Ahnung von Kunst hat.

Wer und warum hat für Sie die beste Berichterstattung während der Schach-WM 2014 in Deutschland geleistet?

Joe Boden: Ich glaube Chessbase ist bislang immer noch der beste Berichterstatter, was schachliche Ereignisse anbelangt. Vor allen Dingen sind die aktuell. Das ist ziemlich professionelle Arbeit, das kann ein privater Blog aus Zeitgründen einfach nicht leisten. Franz Jittenmeiers Schachticker finde ich ebenfalls ganz gut.

Internet scheint wie geschaffen für die Sportart Schach. Was sind Ihre bevorzugten Quellen im Netz in puncto Schach? Gerne mit kurzer Begründung.

Joe Boden: Wie gesagt, ich schaue gerne bei den Chessbase Nachrichten rein. Und so Blogs wie Der Schachneurotiker von Karl Groß finde ich äusserst unterhaltsam, da Karl seine schachlichen Erlebnisse aus einer sehr persönlichen Sicht darstellt.  Eine Kostprobe davon habe ich auf JOE’S SCHACHBLOG eingebunden unter schachblog.vsud.de/robert-huebner-vs-schachneurotiker/ Ansonsten surfe ich mich quer durchs Netz und picke die eine oder andere Sache für meinen Blog auf.

Joe´s Schachblog beschäftigt sich auch immer wieder mit dem Thema Computerschach. Was fasziniert Sie daran? Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Joe Boden: Ich gehöre zu den Computerschächern der ersten Stunde. Schon Ende der siebziger Jahre hielt ich meinen ersten MK 1 von Novag in den Händen. Es war ein Weihnachtsgeschenk, welches ich mir selber machte. Von da an hat mich das Virus Computerschach infiziert. Die Krankheit ist unheilbar.

Am 31. März 2014 veröffentlichten Sie einen Blogbeitrag unter dem Titel: Schach-Bundesliga soll attraktiver werden – Marketingchef Bernard Verfürden im Interview. Herr Boden, wie sehen Sie die aktuelle Situation in puncto mediale Berichterstattung der Schachbundesliga?

Joe Boden: Herr Verfürden hat mir damals in einem Interview große Ankündigungen bezüglich des Onlineauftrittes der Schachbundesliga gemacht. Danach kam nichts mehr. Inzwischen  werden die Live-Partien über chess24 online gestellt. Ursprünglich sollte eine eigene Softwarelösung in Auftrag gegeben werden. Das ist wohl nicht geschehen. Auch habe ich in den vergangenen Monaten keinerlei Feedback von Herrn Verfürden mehr zu diesem Thema bekommen. Das ist Marketing, wie man es vermeiden sollte. Sich um Multiplikatoren und Kontakte zu kümmern und diese zu pflegen und mit Informationen zu versorgen ist eine der wichtigsten Aufgaben im Marketing. Herr Verfürden hat mich da nicht überzeugt.

Diese Woche posteten Sie einen gut aufgedröselten Artikel zu lichess.org und schrieben:

,,Lichess ist eine hochmoderne und innovative Open-Source-Schach-Server-Software, die in jedem Internetbrowser lauffähig ist und ihres gleichen sucht. Zudem ist die Seite werbefrei und kostenlos. Nach meinem Empfinden mit Abstand die beste Online-Schachseite im Netz.“

Was begeistert Sie an Lichess besonders? Wie intensiv sind Ihre eigenen Kontakte in die Open-Source Schachszene?

Joe Boden: Es ist die Idee, die hinter Lichess steht. Lichess ist Open-Source. Der Code ist offen und frei zugänglich für jedermann. Die Entwickler, speziell der Initiatior Thibault, sind dem Schach leidenschaftlich verbunden. Die Begeisterung ist spürbar und erfasst wie eine Welle jeden, der Schach spielt und irgendwann mal ein paar Partien auf Lichess.org spielt. Lichess wird das Online-Schach, so wie wir es bislang kennen, revolutionieren. Obwohl der Lichess-Server erst seit kurzer Zeit online ist, ist die Resonanz der Spieler weltweit gewaltig. Oft sind mehrere Tausend Spieler online. Fast täglich bauen die Entwickler neue Features ein.  Da warten wohl noch einige Überraschungen auf uns. Das Lichess-Forum ist voll von reger Aktivität und Meinungsaustausch. Ideen, Userwünsche, praktische und schachliche Fragen finden dort viel Raum und viel Resonanz. Lichess macht einfach Spaß. Und das hat nichts damit zu tun, dass es kostenlos ist.

Nehmen wir an es wird eine Schachbloggerweltmeisterschaft veranstaltet und der Organisator lädt Sie ein und möchte vorab von Ihnen ein kurze Personenbeschreibung. Was würden Sie dem Veranstalter über sich mitteilen?

Joe Boden: Ich liebe es Dinge zu gestalten, aufzubauen von null an. Ich stecke voller Ideen, mir fällt immer was ein und mir wird nie langweilig. Zudem macht Bloggen mir großen Spaß. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Wenn ich eine Sache beginne, führe ich sie zu Ende. Ich werde auch stark geleitet von der Vorstellung, anderen Menschen durch mein Tun zu nützen. Den Bierernst, den viele mit dem Schach verbinden, teile ich nicht. Schach ist ein Spiel  und das soll es bleiben. Ich mag Wettbewerb, aber ich lasse mich dadurch weder groß anspornen noch entmutigen. Ich bleibe stets in der Mitte. Erfolg ist schön und tut gut, aber menschlich beweist man dadurch absolut nichts.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für Ihren Schachblog im Jahr 2015?

Joe Boden: Ich habe in der Vergangenheit meinen Blog befüllt, also aufgebaut. Mittlerweile hat sich so viel Stoff angesammelt dort, Downloads, Artikel.usw…..da ist wohl für jeden was dabei. Das allein würde reichen den Blog so lange Zeit im Netz zu lassen, ohne dass der Zulauf aufhört. Ich möchte deswegen versuchen in der nächsten Zeit mehr persönlich zu bloggen. Eigene Partien, Interviews mit Spielern und anderen, die im Schachzirkus mitspielen und/oder was bewegen. Schach hat seine eigene Dynamik und auch eine stark psychische Komponente. Das möchte ich gerne transparenter machen und einen tieferen Blick in die Welt der Schachspieler werfen und meine Leser daran partizipieren lassen. Wer ist der Mensch hinter dem Schachspieler? Was treibt ihn an? Was macht die Faszination des Spiels für ihn aus? Welche Bedeutung haben Sieg und Niederlage für den Schachspieler. Was bringt Schach ihm auf der Ebenen zwischenmenschlicher Begegnung. Wie erlebt er Schönheit im Schach usw…Das ist ein großer Anspruch. Mal schauen, ob ich das umsetzen kann.

Herr Boden, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Sportinsider Interview mit Stefan Kindermann

Schachgroßmeister und Buchautor Stefan Kindermann hat eine bemerkenswerte Laufbahn aufzuweisen. Der am 28. Dezember 1959 in Wien geborene Schachexperte zelebrierte das Königliche Spiel erfolgreich. Sein erster Schachverein war Post SV München. Für Deutschland nahm er im Zeitraum von 1982 bis 1994 an sechs Schacholympiaden teil. Für Österreich spielte er zwei Olympiaden. Mit Bayern München wurde Stefan Kindermann neunfacher deutscher Mannschaftsmeister im Schach. Auch international sorgte der Schachclub aus der bayerischen Landeshauptstadt für Furore. Internationaler Höhepunkt im Mannschaftsschach: 1992 gewann Großmeister Stefan Kindermann mit Bayern München in Solingen den Europapokal.kindermann_stefan_310513_2444-007_b_13x18(1)Foto: Christoph Vohler

Ab 2006 ist Stefan Kindermann Geschäftsführer der Münchener Schachakademie. Im Jahr darauf wurde der Schachenthusiast Stiftungsrat der Münchener Schachstiftung. Er entwickelte das Modell Königsplan mit Professor Robert von Weizsäcker.

Großmeister Stefan Kindermann begleitete die Schach-WM in Sotschi auf dem Onlineportal der Süddeutschen Zeitung mit fachkundigen Video-Kommentaren. Diese Schachexpertise erfreute sich großer Resonanz.

Der Schach-WM Kampf von Sotschi ist bereits wieder Geschichte. Wie schätzen Sie das Duell von Sotschi zwischen dem Weltmeister Magnus Carlsen und seinem Herausforder Viswanathan Anand ein?

Magnus Carlsen war nicht so gut in Form wie im vergangenen Jahr. Anands Formkurve war stärker wie in Chennai. Er konnte letztendlich jedoch den Ausgang nicht verhindern. Carlsen hatte psychologische Vorteile. Die Fehler von Anand in den Partien 2, 6 und 11 hat er nervenstark ausgenutzt.

Zahlreiche Experten hatten vor der Schach-WM 2014 einen noch klareren Erfolg von Carlsen gegen Anand vorhergesagt. Wie war Ihre Prognose?

Es gab von mir keine direkte Prognose in Form eines konkreten Ergebnisses. Die Chancen hatte ich bei der letzten WM mit 80:20 für Carlsen, diesmal mit etwa 70:30 eingeschätzt.

In Norwegen hat das Staatsfernsehen die Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand in epischer Länge übertragen. Analog den Übertragungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im ARD und der ZDF während des Turniers in Brasilien.

Norwegen hat mit Carlsen einen Star im Schach. Diese Situation gibt es in Schachdeutschland nicht. Ohne diesen Star ist Schach als Sport medial schwer zu vermitteln.

Kommen wir zur Münchener Schachakademie. Was war die Motivation der Gründung?

Als Vision und Gründungsidee wollten wir – Roman Krulich, Dijana Dengler, Gerald Hertneck, Ulrich Dir und ich – eine Schachschule auf neuem Niveau etablieren. Einen Gegenpol zu den verräucherten Vereinen schaffen. An dieser Stelle muss unbedingt Roman Krulich, Hauptsponsor und auch Gründer der Münchener Schachstiftung, hervorgehoben werden. Der Immobilienunternehmer hat mit seinem finanziellen Engagement entscheidend zum Erfolg beigetragen. Unsere gemeinsame Vision ist es, über das Medium Schach möglichst vielen Menschen, insbesondere aber Kindern Konzentrationsfähigkeit, Fokus auf eine Sache, spielerische Problemlösung und damit Erfolg und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Aktuell war unsere Vorsitzende der Schachstiftung, Frau Dijana Dengler, beim Kongress Chess and Mathemathics in London .

Wie sieht die Situation aktuell in puncto Förderer und Sponsoren der Münchener Schachakademie aus?

Wir fianzieren uns zu 100% über Spenden. Der Kampf um Förderer ist jährlich neu zu führen, denn wir konnten zwar namhafte Organisationen wie z.B. die Robert Bosch Stiftung, die Stadtsparkassenstiftung oder die Brotzeit e.V. als Unterstützer und Partner gewinnen. Doch diese Förderungen sind zumeist zeitlich begrenzt. Deshalb bedarf es im Bereich des Fundraising unglaublich intensiver Arbeit. Jedes Jahr aufs Neue.

Sie haben als aktiver Spieler selbst die erfolgreichen Jahre in der Schachbundesliga bei Bayern München mitgemacht. Befällt Sie beim aktuellen Blick nicht ein wenig Wehmut? Bayern München hat ja vor einigen Jahren das Projekt Basketball aufgelegt. Wünschten Sie sich da nicht insgeheim einen Teil der Gelder für das Schach?

Ja, die Zeit war mit dem damaligen Sponsor und der Unterstützung von Bayern München sehr erfolgreich. Neunmal Meister, mehrfacher Pokalsieg. Dazu der Europapokalsieg 1992. Nach dem der Sponsor nicht mehr da war entschied sich Bayern München die Profimannschaft nicht weiter zu unterstützen. 1994 wäre der richtige Zeitpunkt gewesen sich für ein perspektivisches Engagement mit profesionellen Zuschnitt zu entscheiden. Die Spieler wechselten. Jetzt ist es eine reine Amateurmannschaft. Das ist auch in Ordnung.

Wie sehen Sie die mediale Berichterstattung der Schachbundesliga?

Schach ist als Sport schwer vermittelbar. Wer nicht die Regeln kennt, kann ihm nicht folgen. Wie ein Theaterstück das in fremder Sprache aufgeführt wird. Der Genuss hält sich da in Grenzen. Hier ist intensive Beschäftigung mit der Materie – oder aber ein guter Kommentator als Übersetzer gefragt! In der Schachakademie und Schachstiftung sehen wir Schach als Bildungsgut und Fördermittel. Neben der Arbeit mit Kindern stehen Vorträge und Seminare für Führungskräfte zum Thema ,,Strategien der Schachgroßmeister für Entscheider“ im Fokus. Die Konzepte dafür sind im Strategiemodell Königsplan enthalten.

Blicken wir noch ein wenig zur Schachberichterstattung der großen Medien in Deutschland. Wie schätzen Sie die Präsenz in den großen überregionalen Zeitungen wie Süddeutsche Zeitung und FAZ ein?

Die SZ ist in ihrem Sportteil nicht sonderlich schachaffin. Sehr erfreulich war die Zusammenarbeit mit SZ online – zur WM haben wir mit dem Videoformaten große und sehr positive Resonanz gehabt. Im Alltag hat es Schach in Deutschland in der Berichterstattung zwischen den Weltmeisterschaften schwer. Die nächste WM ist 2016.

Dabei gibt es durchaus positive Ansätze. Ihr Videoformat lief bei der WM gut. Die Printausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel verkündete am 18. November 2013 mit stolzgeschwellter Brust von 1,5 Millionen Klicks der 4. Partie zwischen Anand und Carlsen. Zeit Online ist kontinuierlich mit dem Schachblog der Autoren Johannes Fischer, Dennes Abel und Ilja Schneider auch zwischen den Weltmeisterschaften präsent und gut unterwegs.

Das ist gut zu wissen. Muss ich bei der Süddeutschen Zeitung direkt ansprechen.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für die Schachakademie im Jahr 2015?

Weitere Spender für die Stiftung. Die kontinuierliche Unterstützung zum Beispiel durch die Stadtsparkasse München, die Robert Bosch Stiftung. Die Gewinnung von Spendern ist eine mühsame Arbeit. Wir sind froh Münchens OB München Dieter Reiter als Schirmherr der Münchener Schachstiftung gewonnen zu haben. Die Zusammenarbeit wollen wir gerne intensivieren. Auch die Entwicklung des Projekts Königsplan liegt uns sehr am Herzen – wir hoffen auf viele Anfragen zu unseren Vorträgen und Seminaren, um dieses Konzept weiter zu verbreiten.

Herr Kindermann, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Auf folgenden Webseiten finden sie weitere Informationen:

www.schachstiftung-muenchen.de – Schachstiftung München

www.koenigsplan.com – Projekt Königsplan – Impulsvorträge und Seminare

www.mucschach.de – Münchener Schachakademie

Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Während der Schachweltmeisterschaft 2014 im olympischen Medienzentrum Sotschi zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Herausforderer Viswanathan Anand machte eine Meldung von der Synapsenzerrung des Norwegers die Runde. Urheber der wie üblich erstklassig informierten und recherchierten Geschichte war Der Postillon. So sollte gute Satire aussehen.

Willkommene Gelegenheit für mich einen Beitrag aus dem intensiv bestückten Blogarchiv von sportinsider zu holen. Magnus Carlsen reizte mich zu einer kleinen Story, die damals im Traffic erhebliche Ausschläge nach oben anzeigte.

Reblog (vom 2. April 2014)

Es kam überraschend. Der Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen. Die abrupte Beendigung seiner Laufbahn erinnerte alle Schachfreunde daran, wie wenig planbar das Leben ist. Es keine Sicherheiten oder Garantien gibt. Okay, ein Motivationsloch hat jeden von uns bereits schon mal getroffen. Zuletzt war Magnus Carlsen in den Niederungen der zweitklassigen Schachliga seines Heimatlandes anzutreffen. Ja, er spielte zuletzt um den Aufstieg in der 2. Liga in Norwegen. Ein Freundschaftsdienst für Stavangers Mannschaftskapitän Petter Fossand. Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat. Der Elo-König verhalf Stavanger mit dem Sieg in einer Spanischen Partie nach 40 Zügen gegen Vladimir Georgiev zum Aufstieg in die Erstklassigkeit. Doch es waren keine konkreten Pläne von Magnus Carlsen für den WM-Kampf gegen den frischen Herausforderer Vishy Anand zu vernehmen. Das war bereits für viele gut vernetzte und informierte Schachexperten bedenklich.

Gerüchte über eine Veränderung im Privatleben, es soll eine bezaubernde Frau im Leben vom 23 Jährigen Schachgenie seit dem Besuch bei Real Madrid an seiner Seite sein, verdichteten sich.

Dabei war Magnus Carlsen immer für überraschende Wendungen gut. Bild am Sonntag stellte den Norweger kurz in 13 Punkten nach dem WM-Sieg gegen Anand unter dem Titel Schach-Genie hat Angst vor dem Intelligenztest vor und verwies auf eine andere Leidenschaft:

,,Nachdem er gewonnen hatte, sprang er in den Hotelpool und spielte danach die ganze Nacht Poker im Internet.​ Um Geld, Herr Carlsen? „Um was denn sonst?“​

Schach war dem Norweger nach dem Titelgewinn nicht mehr so wichtig wie vor dem Match in Chennai. Es war wie eine Erstbesteigung des Mount Everest. Was sollte jetzt noch kommen? Auch die dominante Schwester von Magnus Carlsen, machte kürzlich bei ihrem Besuch in Berlin erste Andeutungen. Während des Länderkampfes Deutschland gegen Norwegen  war Ellen Øen Carlsen eine vielgesuchte Interviewpartnerin. Es könnte Veränderungen im Leben ihres Bruders geben. Freilich vage. Nichts konkretes. Eher beiläufig in einem Nebensatz dahingeworfen. Small Talk. Wir werden zukünftig auf Fotos von Magnus Carlsen aus dem Turniersaal verzichten müssen. Schade. Sehr schade.

Fotos: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Die Schachwelt ist überrascht und traurig zugleich gewesen. Mein E-Mail Fach sprach da eine deutliche Sprache. Auch der eine oder andere Anruf erreichte mich. Doch Halt. Hier an dieser Stelle darf auch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der Nachricht Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn um einen … Nun, schauen wir vielleicht erst rüber zum ehemaligen Handelsblatt Journalisten Thomas Knüwer auf das Kultblog Indiskretion Ehrensache. Er merkt diese Woche an:

,,Ich mag Traditionen. Und ich finde, wir sollten sie erhalten. Dazu gehört dann eben auch der Aprilscherz, bei dem es so unendlich viel schwerer geworden ist, einen guten zu landen. Denn während es früher ganz einfach war, in der Zeitung zu schreiben, dass ein Stadionbauprojekt in eine Nachbargemeinde wandert, wachsen beim Leser des Jahres 2014 sofort Zweifel, wenn er die Meldung nicht an 300 anderen Orten findet.”

Nun, es darf aufgeatmet werden. Magnus Carlsen tritt nicht zurück. Er hat mitnichten seine Schachlaufbahn beendet. Es wird auch keine Pressekonferenz am avisierten Donnerstag um 13.00 Uhr in Norwegen vom Management des Schachweltmeisters geben. Der Aprilscherz ist hiermit ad acta gelegt.

Benjamin Wahlen bemerkenswertes Spox-Interview mit Jan Gustafsson und Ilja Zaragatski

Schach schaffte es einst in das legendäre Buch Wenn Sport Geschichte schreibt von Jan Stradling.Traveler Digital Camera

Auf den Seiten 130 bis 141 gab es das Kapitel Der Bauernraub. Reykjavik, Island, 1972. Die Schachweltmeisterschaft zwischen dem amerikansichen Schachgenie Bobby Fischer und dem amtierenden Leningrader Weltmeister Boris Spasskij. Das Schachmatch des Jahrhunderts.

Der Tod des Glücks ist der Vergleich. Lassen wir also erst gar keine Versuche aufkommen, das Glück zu zerbröseln, in dem wir vergleichend hin und her schwenken zwischen verschiedenen Schachepochen.

Die Schach-WM 2014 im olympischen Medienzentrum in Sotschi ist bereits wieder Geschichte. Während des Kampfes gab es ein bemerkenswertes Spox-Interview von Benjamin Wahlen mit den beiden Großmeistern Jan Gustafsson und Ilja Zaragatski.

Neben Gedanken zur verbesserten Strategie von Anand gegenüber Chennai, den inflationären Elo-Zahlen und dem Blick auf die eigene Karriere ging es auch um Spielsucht. Jan Gustafsson, erfolgreiches Mitglied des Teams der deutschen Schachnationalmannschaft von 2011 bei der Europameisterschaft, die damals sensationell den Titel errang, merkte an:

,,Viele Schachspieler sind echte Zocker, viele spielen auch Poker, gehen oft ins Casino und wetten. Die Affinität zum Glücksspiel ist bekannt, Spielsucht kann für manche zum Problem werdent. Es gibt Spieler, die sich zum Beispiel für Contra-Re-Spiele treffen. Dabei geht um einen Einsatz, der durch die Ansage von Contra und Re jeweils verdoppelt werden kann.”

Pokern ist immer wieder ein Thema bei Schachspieler Gustafsson. Er selber gab einst der FAZ vor 6 Jahren ein Interview unter dem Titel Im Pokern ist mehr zu holen als im Schach. Michael Eder leitete das Interview damals mit folgenden Worten ein:

,,Jan Gustafssons Denkfabrik ist nicht sehr groß, nur ein paar Quadratmeter. Das Arbeitszimmer in seiner Eppendorfer Wohnung ist zugleich sein Wohnzimmer. Ein weißes Ledersofa steht darin, ein Bücherregal, vollgestopft mit Romanen, Schach- und Pokerliteratur. Fernseher, Stereoanlage, Lautsprecher, DVD-Hüllen. Ein Stuhl, ein Schreibtisch, darauf zwei Aschenbecher, zwei Schachteln Gauloises – und Gustafssons Trainingsgeräte: zwei Bildschirme, die ihn per Internet mit der Schach- und Pokerwelt verbinden und ihm Zugriff auf eine Datenbank mit mehreren Millionen Schachpartien bieten.”

Das damalige Interview im November 2008 war im Vorfeld der Schacholympiade Dresden geführt worden. Autor Benjamin Wahlen publizierte sein cooles Spox-Interview am vorigen Mittwoch, den 19.11.2014, dem 4. Ruhetag in Sotschi vor der 9. Partie zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand. Man wünschte sich generell nicht nur zu den faszinierenden Höhepunkten im internationalen Schachkalender, die Berichterstattung in den Sportrubriken der Zeitungen oder den Sportportalen über das königliche Spiel, seine psychologischen Komponenten, den Protagonisten und Begleiterscheinungen sowie Hintergründe.

Hitchcock-Thriller von Sotschi. Schach-WM 2014 Live-Ticker der 11. Partie Carlsen – Anand auf Spiegel Online

Der Hitchcock-Thriller von Sotschi geht in die entscheidende Phase. Ein hauchdünner Vorsprung von 5,5:4,5 für das norwegische Schachgenie Magnus Carlsen gegen den indischen Herausforderer Viswanathan (Vishy) Anand. Knisternde Hochspannung im olympischen Medienzentrum und weltweit am Internet. Es ist für viele Freunde des königlichen Spiels das internationale Sportereignis des 4. Quartals im Terminkalender.

Heute ab 13.00 Uhr deutscher Zeit geht es in die vielleicht entscheidende 11. Partie. Magnus Carlsen hat Anzugsvorteil mit den weißen Figuren. Ein Sieg am Sonntag würde die Wintersportnation Norwegen in einen Freudentaunmel versetzen. Im vergangenen Jahr wurde der Schachchampion zum Sportler des Jahres in seinem Heimatland gewählt. In dem Jahr hatte unter anderen Tora Berger vierfaches Gold bei den Weltmeisterschaften im Biathlon für Norwegen geholt. Das Momentum war auf Seiten von Carlsen. Eine ganze Nation huldigte dem Mozart des Schachs. Genug der Vorrede. Auf geht´s.

++++++++++++++Schach-WM Live-Ticker 11- Partie auf Spiegel-Online++++++++++++++

Kommentator des Live-Ticker auf Spiegel-Online ist der bewährte Bernd Schroller, selbst ein solider Schachspieler, der sich bereits beim WM-Match von Chenaai 2013 bewährte und einen guten Job machte.