Schlagwort-Archive: Veselin Topalov

Magnus Carlsen …

ist heute 22 Jahre jung geworden. Herzlichen Glückwunsch!

Er galt nach seinem Titel bei der Blitz-Schach WM im Jahr 2009 bereits vielen als kommender Schachweltmeister. Nachfolger von Champion Viswanathan Anand. Nun, der indische Berufsschachspieler ist immer noch Weltmeister. Weder Veselin Topalov 2010 in Sofia noch Boris Gelfand 2012 in Moskau konnten den Titelträger entthronen. Der von vielen Schachfreunden erhoffte WM-Kampf Carlsen gegen Anand fand nicht statt. Magnus Carlsen hat in der Zwischenzeit viele Auftritte gehabt. Nicht nur auf der Schachbühne. Erinnert sei an die Jeanskampagne. Zeitweilig hatte ich den Eindruck, dass der Norweger sich mit all seinen außerschachlichen Aktivitäten ein wenig verzettelt. Klar, er ist noch sehr jung. Doch Michail Tal war mit 23 Jahren bereits Schachweltmeister. Er vertrödelte einfach keine Zeit.

Am 7. Dezember im Jahr 2010 schrieb ich hier im Blog:

,,Magnus Carlsen konnte kürzlich seinen Titel bei der Blitzschachweltmeisterschaft in Moskau nicht verteidigen.

Mir fehlte dieses Jahr ein wenig die Konstanz beim norwegischen Jungstar.

Natürlich gab es Werbeauftritte und Carlsen wurde kürzlich erst 20.

Einige Journalisten hatten ihm schon fast die WM-Krone überreicht.”

Vorschußlorbeeren sind für junge Sportler nicht immer gut.

Die Entwicklung des norwegischen Schachgenies ging indess weiter. Carlsen hat sich eine bemerkenswerte Elo-Zahl erarbeitet. In Schlagweite der Bestmarke von Kasparow. Doch vom WM-Titel ist er noch weit entfernt.

Ich will gerne einen WM-Kampf zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand sehen. Der Norweger könnte dann gerne der Schachwelt zeigen aus welchen Holz er geschnitzt ist.

Stammleser wissen, diese Position habe ich bereits einige Male geäußert. Doch ich muss einfach nochmals darauf hinweisen: Der WM-Kampf Viswanathan Anand gegen Magnus Carlsen steht ganz oben auf meiner persönlichen Wunschliste. Ich bin da hartnäckig.

Dabei ist derweil ein neuer junger Himmelsstürmer in der Schachwelt aufgekreuzt. Fabiano Caruana ist erst zarte 20 Jahre alt und belegt aktuell Rang 5 in der Weltrangliste mit einer Elo-Zahl von 2788.

Doch zurück zum Geburtstagskind.

Magnus Carlsen möge sein volles Potenzial die nächsten Jahre den Schachfreunden dieser Welt zeigen und ernsthaft einen WM-Kampf anpeilen und erreichen.

Schach-WM 2012 Viswanathan Anand – Boris Gelfand

Das ganz große Highlight der Schachsaison steht vor der Tür. Der Schach-WM Kampf zwischen dem Weltmeister Viswanathan Anand und Herausforderer Boris Gelfand aus Israel. Der einst in Minsk geborene  und später nach Israel ausgereiste Gelfand versucht sich an der Mission – Sturz des Titelverteidigers -. 2010 gelang dies Veselin Topalov im Schachmatch des Jahrzehnts in Sofia nicht.

Zur Einstimmung auf das Match Anand gegen Gelfand in Moskau sei auf das Interview Boxer sind wir nicht auf Zeit Online verwiesen.  Der unverwechselbare Ulrich Stock stellte Boris Gelfand hochinteressante Fragen. Der Herausforderer ist um keine Antwort verlegen. Da er sich zur Vorbereitung auf das Schachmatch um die Weltmeisterkrone in die österreichischen Alpen zurückgezogen hat, stellte Stock dem Schachprofi die Fragen per E-Mail. Gelfand wollte kein Telefoninterview, keinen Besuch. Die Konzentration auf die Schach-WM 2012 gegen Anand hat Priorität.

Derweil bereitet sich der Schachweltmeister Viswanathan Anand in Bad Soden auf seine Titelverteidigung vor. Kürzlich feierte er als Mitglied der OSG Baden-Baden die erneute deutsche Meisterschaft in der Schachbundesliga. Alle Ansetzungen vom FIDE World Chess Championship 2012 gibt es hier zu sehen auf der Website anand-gelfand. Am 10. Mai 2012 ist in Moskau die offizielle Eröffnung der Schach-WM. Die erste Partie wird am darauffolgenden Tag gespielt. Die Schachfreunde in aller Welt scharren bereits mit den Füßen. Auf geht´s.

Schach im Jahr 2012 würde ein Bobby Fischer gut tun

Jede Sportart braucht charismatische Helden, Protagonisten die aus dem grauen Einerlei herausragen und eigene Meinung mit Weltklasseleistungen verknüpfen. Individualisten, die keinerlei Speichelleckerei gegenüber Funktionären üben und auch unkonventionelle Wege gehen. Mag sich der eine oder andere Sportjournalist auch über nicht bekommene Interviews ärgern. Helden die in keine Schublade passen und das sportliche Tagesgeschäft überdauern. So ein Heroes war der Schachweltmeister Bobby Fischer. Am 24. Dezember 2011 (das ist Einsatzbereitschaft) schrieb ich hier im Blog:

,,Nächstes Jahr steigt das 40. Jahr des Schachmatch des Jahrhunderts. Mal sehen ob eine deutsche Schachzeitung oder eine Schachwebsite den Mut und die Ausdauer hat das Ereignis über 365 Tage zu zelebrieren. Genug Stoff hat Bobby Fischer ja hinterlassen.”

Nun, den von mir hingeworfenen Bauern wollte offenbar keiner in die Hand nehmen. Okay, habe verstanden. Dabei würde dem Schach 2012 ein Bobby Fischer gut tun. Nichts gegen den jungen Magnus Carlsen. Nichts gegen Viswanathan Anand, den indischen Schachweltmeister der Neuzeit. Nichts gegen den Herausforderer Boris Gelfand. Nichts gegen den frisch gekürten Sieger von Wijk aan Zee, Levon Aronian. Nichts gegen den unorthodox spielenden Hikaru Nakumara oder den bulgarischen Vizeweltmeister Veselin Topalov. Doch im Vergleich zu Bobby Fischer alles doch eine Nummer kleiner. Der 40. Jahrestag des Schachmatch des Jahrhunderts wird dieses Jahr noch seine Würdigung erleben. Hier eine 13 minütige Sequenz vom Schachgenie Bobby Fischer. Wer Zeitprobleme hat, lässt heute einfach die Tagesschau ausfallen. Dann ist sogar noch ein wenig Sekundengold übrig. Auf geht´s. Vorhang auf.

Wenn Schachgroßmeister eine Reise tun

… dann können sie was erzählen. Wer erinnert sich nicht an die abenteuerliche Anreise von Viswanathan Anand nach Sofia zum Schach-WM Kampf gegen Veselin Topalov im vergangenen Jahr. Doch auch das neue Jahr hält bereits Reiseerlebnisse der besonderen Art bereit.

Schachgroßmeister Jörg Hickl war auf dem Flug nach Lanzarote. Bei der Flughafenabfertigung gab es für den Macher und Organisator der Schachwelt ein Aha-Erlebnis:

,,Nach Überwinden der 30-Meter-Schlange am Sicherheitscheck ist es wieder soweit: Der Beamte fragt beim Anblick der mechanischen Schachuhr „Was haben Sie denn da – eine Waage?“ Aufgrund des unbekannten Utensils wird der Schachspieler zunächst als potenzieller Bombenleger klassifiziert und das Bomben-SEK alarmiert (nun gut, in Wahrheit war es nur ein einfacher Sprengmitteltest).”

Jörg Hickl durfte dann mit seinen drei mechanischen Schachuhren und dem Videoprojektor die Reise fortsetzen.

Deutschland läuft unter ferner liefen bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk ein

Nein, mit Ruhm hat sich die deutsche Schachnationalmannschaft in Sibirien nicht bekleckert. Bei den Männern gab es einen desillusionierenden Platz 64. Hier geht es zur ernüchternden Tabelle der Herren. Die Frauen belegen Rang 25. Hier geht es zur Übersicht bei den Damen.

Zwischendurch verlor der Präsident des DSB, Robert von Weizsäcker, auch noch die ECU-Wahl deutlich. Der Manager von Vizeweltmeister Topalov, der charismatische Silvio Danailow, erzielte einen souveränen Wahlsieg. Beim WM-Kampf in Sofia hatte er auch seine Stärke in der Akquise von Sponsoren gezeigt. Über die Bemühungen des Deutschen Schachbunds beim Sponsoring seit der Schacholympiade 2008  hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Auch bei der FIDE Abstimmung lief es für Deutschland nicht gut. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Robert von Weizsäcker bekam einen Schwächeanfall. Bei  Zeit Online berichtet Stefan Löffler über die Umstände unter dem Titel Die deutsche Schachkrise. Der vom deutschen Schachbund unterstützte Exweltmeister Anatoli Karpow verlor gegen Kirsan Iljumschinow. Dank des Löwenanteils der Stimmen aus Afrika und Asien bleibt der umstrittene Iljumschinow bis 2014 FIDE-Präsident. Robert von Weizsäcker ist inzwischen gesundheitlich wieder auf  den Beinen.

In Deutschland zählt Stefan Löffler zu den letzten Mohikanern der überschaubar gewordenen kritischen Schachblogger-Szene. Im Blog auf der Schachwelt rät er generell zum Neustart und fasst die Schachkrise zusammen.

,,Welch ein Debakel für den Deutschen Schachbund zwei Jahre nach der Schacholympiade im eigenen Land. Welch ein Niedergang für diesen international lange bewunderten Verband.”

Stefan Löffler benennt die offenen Flanken. Er spricht Klartext. Der gute alte Bertolt Brecht hat ja einst sinngemäß gesagt -Kritik soll immer mit einem Verbesserungsvorschlag einhergehen-. Schachexperte Löffler schlägt rauchende Gehirnzellen vor:

,, Jetzt müssen Köpfe rauchen (für Konzepte) und rollen ausgetauscht werden (für einen Neustart). Baustellen gibt es viele, die prominentesten heißen Nationalteam, Deutsche Meisterschaft, Bundestrainer.”    

Was schreibt eigentlich Georgios Souleidis zum Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2010? Im Blog Schwatt und Weiß auf Der Westen schüttelt er verbal den Kopf und ringt nach Worten:

,,Das deutsche Herren-Team leistete sich in der letzten Runde ein peinliches 1:3 gegen das Team des internationalen Gehörlosenverbands. Damit wurde das gesamte Bild zerstört – Platz 64, knapp hinter Ländern wie Pakistan, Singapur oder Albanien – es fehlen einem fast die Worte. Die deutschen Frauen waren auch nicht wirklich erfolgreicher. Nach Erwartung im Minus und Platz 25 für das junge Team.”

Ich werde die nächsten Tage gemütlich eine Partie Schach in einer Nürnberger Buchhandlung spielen. Die Vorfreude ist da.

Nachdenkenswert #71

,,Das sage ich nicht, weil ich Topalov nicht mag, sondern ich versuche, objektiv zu sein. Sein Markenzeichen sind großartige Resultate, nicht großartige Spiele. Manchmal spielt er auch großartig. Aber im Unterschied zu anderen holt er, wenn er nicht gut spielt, immer noch gute Resultate. Vielleicht weiß er Tricks, die wir Sterblichen nicht kennen.”

         Wladimir Kramnik, im Interview mit Stefan Löffler

         auf Zeit Online am 7.05.2010

Nachklapp Schnellschach-WM

Nachklapp zur Schnellschach-WM in Mainz. Organisator Hans-Walter Schmitt hat wieder ein phantastisches Turnier auf die Beine gestellt.  2010 gewann Gata Kamsky. Die FAZ titelte Improvisieren statt versinken und attestierte dem Turniersieger und neuen Weltmeister im Schnellschach einen souveränen Sieg: 

,,Ein Turnier, in dem Weltklassespieler und Amateure einträchtig miteinander spielen, gibt es nicht in vielen Sportarten. Die Weltmeisterschaft im Schnellschach, die seit vielen Jahren in Mainz ausgetragen wird, ist ein solches Turnier. 700 Teilnehmer, darunter mehr als 40 Großmeister, versammelten sich am Wochenende in der Mainzer Rheingoldhalle, um den Besten zu küren. Den Sieger hatten nicht viele auf der Rechnung: Am Ende der 11 Runden setzte sich ungefährdet der 36 Jahre alte Amerikaner Gata Kamsky durch. Er gewann die ersten neun Partien nacheinander und sicherte seinen Titelgewinn routiniert mit zwei Unentschieden in den Schlussrunden.”

Turnierorganisator Schmitt  konnte trotz Schwierigkeiten an der Wirtschaftsfront bei den Sponsoren ein positives Fazit ziehen. Mainz hat sich im internationalen Turnierkalender etabliert. Hans-Walter Schmitt hatte als Betreuer von Schachweltmeister Viswanathan Anand im April und Mai in Sofia auch großen Anteil am Erfolg des indischen Schachhelden gegen Veselin Topalov.

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Hinz und Kunz über den Sportmonat Juli

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat Juli, wie ich Dich kenne hast Du die Ruhe weg.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in den Rückblick auf den Sportmonat Juli einsteigen?

Kunz: Herr Ober, bitte den gedeckten Schweizer Apfelkuchen aus der Vitrine. Schaut gut aus. Danke. Hinz was steht auf dem Programm?

Hinz: Ich hätte Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel der Fußball WM im Juli anzubieten, die belanglose Makulatur-Platzierung der Truppe von Übungsleiter Löw und der eigenartige Abgang auf dem Flughafen in Frankfurt. Dann wäre da noch die Tour de France, die Dortmunder Schachtage und die Eishockey Personalie Ilya Kovalchuk mit dem Batzen Geld zu besprechen. 

Kunz: Brasilien und Argentinien nahmen sich in den Viertelfinalspielen ihre Melancholie-Auszeit. Spanien kämpft Paraguay nieder. Unser Kuchen und der Kaffee kommt. Danke, Herr Ober.   Der Kulminationspunkt war der gehaltene Elfmeter von Casillas. Doch der Krimi schlechthin war Uruguay gegen Ghana. 120. Minute mit der Hitchcock Komponente. Handspiel von Suarez auf der Linie. Rot. Elfmeter für Ghana. Die Südamerikaner fast 5 Meter unter dem Rasen bereits mausetot. Doch dann die Auferstehung.

Hinz: Im Halbfinale dann die Entzauberung der Löw Truppe durch clevere, technisch starke  und selbstbewußte Spanier. An dem Tag wirkte die Mannschaft ängstlich. Angst vor der eigenen Courage. Eine Meisterleistung in Sachen Coaching war es auch nicht. Holland schlägt Uruguay. Die letzten Minuten wurde es nochmals eng, da waren van Bommel und Co. mental fast schon in der Kabine. Ging nochmal gut. Im überharten Finale dann ein Sieg von Spanien. Deutschland spielte um die Makulatur-Platzierung. Anschließend der seltsame Abgang über den Nebenausgang auf dem Frankfurter Flughafen.

Kunz: Ich hab den Laptop bei. Ich fahr ihn kurz hoch. Der Kuchen schmeckt aber auch. Er ist jedesmal eine Versuchung. Zurück zur deutschen Nationalmannschaft. Es gab Zeiten da wurde der Empfang auf dem Frankfurter Flughafen zelebriert. Ich such noch kurz bei youtube. So lieber Hinz. Schau dir die Sequenz von 1990 einmal an.

Kunz: Das ist jetzt 20 Jahre her. Beckenbauer hatte Männer um sich herum. Da passte alles.  Was für ein Empfang auf dem Frankfurter Flughafen. Keine enttäuschten Fans. Alle in bester Laune. Kein stiller Abgang über den Nebenausgang.  Solche mentalen Bilder hätte der Übungsleiter Löw der Mannschaft vor dem Spiel gegen Spanien zeigen sollen. Die Stimmung in Frankfurt damals war euphorisch.  Hinz, traust Du Löw eigentlich den Titel bei den nächsten Wettkämpfen zu?

Hinz: Er hat ja nach den ganzen Turbulenzen um die geplatzte Vertragsverlängerung im Februar nur eine halbherzige Verlängerung getätigt. Der Vertrag ist nur bis zur EM 2012 in der Ukraine und Polen datiert. Ein Weltmeister-Masterplan für 2014 sieht anders aus. Nein, ich glaube nicht an einen WM-Titel und wie eine Europameisterschaft zu holen ist  hat letztmalig Berti Voigts 1996 gezeigt.

Kunz: Lass uns über die Tour de France sprechen und den einstigen Tourgott Armstrong.

Hinz:   Alberto Contador oder A.C. ist immer suspekt. Bei den Schleck Brüdern gibt es jedoch auch eine Überweisung an Fuentes. Stichwort Armstrong. Also ich gehe da mit Peter Sloterdijk. Er sagte damals in jenem bemerkenswerten Spiegel-Interview im Juli 2008 auf die Frage: Armstrong war vielleicht gedopt?  

,,Wie alle Übrigen, doch das spielte in dieser Szene keine wesentliche Rolle – der Jump war authentisch. Man versteht übrigens sehr gut, warum Barthes im Doping ein Sakrileg sah: Das war für ihn, als stehle man Gott das Vorrecht des Funkens. Dass Barthes letztlich recht hatte, hat man im vorigen Jahr bei der Tour de France grausam erlebt. Plötzlich ist der Schleier hochgezogen, und man sieht keine Kämpfer mehr, nur noch Radproletarier bei einem dubiosen Job. Die Poesie ist dahin, das Erhabene ist eingeebnet, die Fahrer sind plötzlich hundsgewöhnliche Berufstätige, sie leben nicht mehr in der Sphäre des Glanzes, sie sind nur noch Fachidioten für Sprinten, Rollen, Klettern. Noch ärger ist die Vulgarität, mit der ein früherer Tour-de-France-Sieger wie Bjarne Riis seine Enttarnung als Doper kommentierte: “Das Gelbe Trikot liegt in einem Pappkarton in meiner Garage. Ihr könnt es abholen.”"

Das Radsportteam Milram wird es nächstes Jahr nicht mehr geben. Nach Telekom und Gerolsteiner beendet mit Nordmilch ein weiterer deutscher Sponsor sein Engagement im Radsport. Financial Times Deutschland schrieb vor der Tour einen Artikel mit dem Titel Jan-Ullrich Land ist abgebrannt.

,,So geht der Radsport den Bach hinunter – würde man meinen. Und doch sieht man die von ungezählten Skandalen zerzauste Velogemeinschaft frohgemut an den Rotterdamer Quais stehen. In den Niederlanden ist die Begeisterung an der Strecke ungebrochen, ähnlich in Belgien. Da passt es gut, dass das Rennen mit dem Prolog in Rotterdam beginnt und von dort nach Brüssel, Spa und Wanze führt, bevor es in Frankreich weitergeht. Und in ihrem Heimatland steht der Juli unerschütterlich ganz im Zeichen der Tour. Auch für dieses Jahr vermeldet der Veranstalter Amaury Sport Organisation (ASO), dass seine Werbekarawane ausgebucht sei.”
 
Hinz: Eurosport begrüßte aber auch neue Zuschauer.   
                                            
Kunz: Wir beide sind dem Spektakel ja auch seit Jahren verfallen. Diese herrlichen Landschaftsaufnahmen, die Duelle Mann gegen Mann. Die bunte Karawane. Doping wird auch von uns Zuschauern gerne ausgeblendet. Andererseits haben wir auch Jim Morrison, Janis Joplin oder Jimi Hendrix bewundert und ihre Musik gehört. Trotz aller Drogen. Alle 3 starben mit 27 Jahren. Oder Du legst auch gerne noch die Falco CD beim Autofahren ein.                
                                                                                                                                          
Hinz: Ich steh zu meinen Schwächen. Wir haben noch zwei Themen. Kommen wir zuerst zum Schach. Die Dortmunder Schachtage – Wie fällt dein Fazit aus?
 
Kunz: Ruslan Ponomariov gewann das Sparkassen Chess-Meeting von Dortmund 2010 souverän. Ein Teilnehmerfeld von sechs Spielern ist mir jedoch insgesamt etwas dünn. Ich wünsche mir einfach mehr Mut von den Organisatoren. Warum nicht wirklich ein großes Dortmunder Turnier zusammenstellen. Mit Anand, Carlsen, Topalov, Kramnik, Aronian, Grischuk, Nakamura, Naiditsch etc. Durchaus unter Einbindung von Schachmäzenen. Die Weltmeister Anand und Carlsen (Blitz) stehen in der Mannschaft des deutschen Schachmeisters OSG Baden-Baden. Der deutsche Spieler Naiditsch ist ebenfalls Mitglied des Teams des Mannschaftsmeisters der Schachbundesliga. Ein richtiges internationales Top-Turnier. Mit einer Außenwirkung über die Dortmunder Grenzen hinweg.
 
Hinz: Bleibt noch die Monopoly Nummer im Eishockey. Ilya Kovalchuk sollte in 17 Jahren geschmeidige 102 Millionen  bei den New Jersey Devils verdienen. 95 Millionen Dollar sollte er in den ersten 7 Jahren bekommen. Auf dem Eishockey-Blog sind alle Details zum Kovalchuk Monopoly zu lesen.
 
Kunz: Ich habe alles mit großen Interesse verfolgt. Während hier in Deutschland fast der deutsche Meister ausgestiegen wäre und Ratlosigkeit und Traurigkeit in Hannover hinterlassen hätte, scheint Geld andernorts keine Rolle zu spielen. Diese Summen und Eckdaten des Vertragskonstrukt wirken auf den ersten Blick bizarr. Andererseits wurde Schauspieler Tom Cruise vor Jahren gefragt was er denn zu seinen teilweise 20 Millionen Dollar Filmgagen sage. Der Hollywodstar entgegnete in einer Charmeoffensive: -Ich bin es wert, und sollte ich es eines Tages nicht mehr wert sein wird mir auch keiner mehr 20 Millionen Dollar zahlen-. Augen auf bei der Berufswahl.
Ich darf erinnern das Marlon Brando Anfang der 60er Jahre eine Gage von 1 Million Dollar erhielt. Die Frage ist ja eine andere. Wie lange sind Fans bereit die Ticketpreise zu zahlen, ihren Vereinen die Treue zu halten, im Merchandising die neuesten Trikots und all die anderen Artikel zu kaufen.
 
Hinz: Da ist unsere Rechnung ja heute schlank. Ich übernehm sie gerne.
 
Kunz: Dann sage ich Danke und wünsche noch einen schönen Tag.

Ein paar Worte zum Abschied der Schachwelt

Nein, heute kein Fußball. Es sei denn hier, hier und hier. Heute sollen die Schachfreunde zu ihrem Recht kommen. Das königliche Spiel auf 64 Feldern.

vater und sohn

© Mario Heinemann: Pixelio 

Das Magazin Schachwelt stellt seine Printausgabe ein. Im Editorial der letzten Ausgabe vom Verleger und Internationalen Großmeister Jörg Hickl heißt es:

,,Mit Ausgabe 07/2010 erscheint SCHACHWELT zum letzten Mal.
Trotz des sehr positiven Feedbacks auf unser Magazin, gestaltet sich das wirtschaftliche Umfeld derart unfreundlich, dass für neue Schachzeitungen, unabhängig von Qualität und Preis, bedauerlicherweise zu wenig Raum vorhanden ist.
SCHACHWELT konzentriert sich in Zukunft auf den Internetauftritt und plant nach der erfreulichen Resonanz auf die WM-Berichterstattung diesen weiter ausbauen.”

Tief durchatmen. Schade. Es gibt auch noch eine Anleitung zum Verhalten der Abonnenten. Es wird um Mitteilung der Bankverbindung und Abonnentennummer gebeten.

,, Haben Sie ein über die Ausgabe 07/2010 hinauslaufendes Abonnement abgeschlossen, erstatten wir die Differenz bis zum Ende der Laufzeit.”

In Dessert zum Schach-WM-Kampf Anand-Topalov hatte ich die Schachwelt geadelt mit den Worten:

,,Hickl ist erst im vergangenen Jahr mit der Schachwelt auf den Markt gekommen. Mein Kompliment. Die Feuertaufe hat er bei der WM mit seinen Mitstreitern Schneider und Löffler mit Bravour bestanden. In der gedruckten Ausgabe vor der WM war unter anderen ein bemerkenswertes Interview von Stefan Löffler mit Veselin Topalov zu lesen.”

Die Schachwelt bekam von mir die Bestnote:

,,Von den deutschen Schachzeitungen hat die Schachwelt in der Kombination Print und Online ganz klar als Klassenbeste abgeschnitten. Das war schwungvolles Angriffsspiel am Königsflügel.” 

Die Qualität hat sich also nicht in verkauften Exemplaren im gut sortierten Sortiment der Bahnhofsbuchhandlungen niedergeschlagen. Der Kreis der Abbonnenten war offensichtlich auch zu klein. Die Anzeigenkunden aus der Wirtschaft hielten sich offenbar auch zurück. Finanzielle Power war nicht im Überfluss vorhanden. Dabei hatte die Schachwelt das Potenzial für eine Erfolgsstory.

Nun macht Jörg Hickl mit dem Online Auftritt weiter. Ich wünsche viel Erfolg!

Hinz und Kunz über den Sportmonat Mai

Noch einen Kaffee . . .

  © Hans Snoek: Pixelio

Hinz: Hallo Kunz, wir sind spät dran mit dem Rückblick auf den Sportmonat Mai.

Kunz: Gemach, gemach mein Hinz. Erzähle mir erst von Deinen echten Sorgen.

Hinz: Ach, Kunz. Heute wieder sehr angriffslustig. Wollen wir in die Chronologie vom Mai einsteigen?

Kunz: Ja. Sonst laufen uns noch die Leser weg. Herr Ober, zwei Kaffee und den Kirschstreuselkuchen aus der Vitrine. Schaut gut aus. Danke.

Hinz: Der Mai war mit sportlichen Höhepunkten gespickt. Der Schach-WM Kampf von Sofia ging zu Ende, Bayern holt das Double, wir sahen das Duell der Superhirne, Dennis Endras und das deutsche Eishockeyteam werden respektabler Vierter bei der Heim-WM, die Probleme der DEL halten unvermindert an, Tschechien holt sich gegen den Erzrivalen Russland Gold bei der Eishockey-WM und am letzten Mai-Wochenende holt sich der THW Kiel die Champions-League im Handball und Ivan Basso glänzt wieder im Sattel beim Giro d’Italia.

Kunz: Da können wir ja fast aufhören mit dem Rückblick. Herr Ober, Danke. Der Kirschstreuselkuchen sieht verdammt verführerisch aus. 

Hinz: Mit dem Double von Bayern München hattest Du ja gerechnet.

Kunz: Meisterschaft schon, im Pokal bist Du auch immer etwas vom Losglück und der Tagesform abhängig. Diesmal wollten die Möchtegernpokalhelden aus Bremen halt kein echtes Endspiel spielen und kämpfen. Das war nix von Seiten der Schaaf Elf. Umgekehrt musst Du auch erstmal vier Tore gegen Kahn Verschnitt Wiese schießen. Respekt meine Herren.  Die Meisterschale wollte Magath ja auch gerne haben, doch Bayern unter Louis van Gaal hat eine phänomenale Entwicklung genommen. Es sei daran erinnert, das der Meistercoach ja ein “Erbe” vom Vereinstrainer-Novizen Klinsmann  antrat. Altmeister Heynckes hatte die letzten 5 Spiele nach der Klinsmann-Entlassung gerade noch gerettet. Im Rückblick erkennt jeder die große Leistung von Louis van Gaal. Er hat jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser gemacht. Taten statt Worte.

Hinz: Im Duell der Superhirne musste er sich seinem einstigen Schüler beugen.

Kunz: Herr Ober, bitte noch zwei Espresso. Danke. Ja, Mourinho ist sensationell. Inter hatte er bereits im Halbfinale gegen Barcelona taktisch fein eingestellt. Im Finale war die Truppe, die Energie Cottbus nachahmte, die reifere und abgeklärtere Mannschaft.

Hinz: Hilf mir mit Cottbus auf die Sprünge.

Kunz: Ich glaube die Elf aus der Lausitz ist einst in der Bundesliga ohne deutschen Spieler in der Anfangsformation aufgelaufen. Inter Mailand lief in Madrid ohne Italiener auf.

Hinz: Herr Ober, Danke. Der Espresso tut jetzt auch nochmals gut. Wie hast Du die Eishockey-WM erlebt. Rekordzuschauerkulisse beim Spiel Deutschland – USA auf Schalke. Dennis Endras ist der Rückhalt im Tor. Krupp seine Truppe wird vierter und Tschechien gewinnt das Finale gegen den einstigen schier übermächtigen Gegner Russland.

Kunz: Die Schalke Kulisse ist was für das Geschichtsbuch. Phantastischer Auftakt der WM. Dennis Endras hat mich phasenweise an Wladislaw Tretjak erinnert. Den Mann mit den tausend Händen und der Vorliebe für tägliches siebenstündiges Training. Tschechien gewinnt gegen den Favoriten Russland. Altmeister Jaromir Jagr hat es als alter Wolf der jungen Meute nochmals gezeigt. Sein Markenzeichen ist die Rückennummer 68. Sie erinnert an den Aufstand des Prager Frühlings 1968 gegen die sowjetischen bewaffneten Besatzer. Beide Großväter von Jaromir Jagr kamen beim Aufstand ums Leben.

Hinz: (schweigt eine Minute).

Kunz: Seit zwei Jahren spielt Jaromir Jagr in der russischen KHL bei Avantgard Omsk. Er hat seinen Frieden gemacht.

Hinz: Nach der begeisternden Eishockey-WM gab es viel Zustimmung für das deutsche Team. Die Alltagsprobleme der DEL waren aber sofort wieder präsent.

Kunz: Die Problemkinder heißen Kassel Huskies, Frankfurter Lions und Zweitligameister EHC München.  Das Image der DEL braucht jetzt eigentlich einen Zauberer. Schade. Die Eindrücke von der WM verblassen ob der Alltagssorgen und die Stimmung wird deutlich getrübt.

Hinz: Mein lieber Kunz, wir sind immer noch nicht zu einer Schach Partie gekommen. Herr Ober haben sie für uns beim nächsten Besuch ein Schachbrett. Ja, prima. Ich freu mich auf unsere Partie. Was sagst Du zum Schach-WM Kampf Anand gegen Topalov?

Kunz: Es war das Schachmatch des Jahrzehnts. Erfreulich intensiver Kampf. Der bulgarische Löwe Topalov hat den indischen Tiger von Madras herausgefordert und ihm alles abverlangt. Verliert Topalov in der zwölften Partie nicht die Nerven geht das Match in den Tiebreak. Anand konnte den Thron verteidigen. Ich würde gerne ein Duell Viswanathan Anand gegen Magnus Carlsen sehen. Für mich hat Magnus Carlsen das größte Potenzial im Weltschach. Er ist jung, hat Ehrgeiz, ist nervenstark, selbstbewußt, spielt fast fehlerfrei und hat einen starken Mentor in Garri Kasparow. 

Hinz: Was sagst Du zu THW Kiel und Ivan Basso? Beide Namen hatten in der Vergangenheit negative Schlagzeilen.

Kunz: THW Kiel kann offensichtlich auch ohne Manager Schwenker die Champions-League im Handball holen. Großes Kino gegen die beiden spanischen Mannschaften BM Ciudad Real und Barcelona. Die Handballwoche titelt Kiel Krösus – und armer Schlucker. Nur 495 000 Euro bekommt der Champions-League Sieger incl. Prämien der Gruppenspiele. Augen auf bei der Wahl der Sportart. Schwenk zum Radsport. Du sprichst Ivan Basso seinen Sieg beim Giro d’Italia an. Ist er sauber? Nach der epischen Schlammschlacht auf den Straßen der Toskana waren alle Fahrer verschmutzt. Im Gesamtklassement sehe ich doch auf Platz 6 auch einen alten Bekannten. Alexander Winokurow vom Astana Team. Tief durchatmen. Hinz, ich übernehm die Rechnung.