Schlagwort-Archive: Veselin Topalov

Anands abenteuerliche Anreise zum WM-Kampf in Sofia 2010

Heute ist Ruhetag in Khanthy Mansiysk. Gelegenheit eine der interessantesten und logistisch schwierigsten Anreisen zu einem Schach-WM Kampf nochmals in Erinnerung zu rufen. Auf chesstigers ist die ganze Story der damaligen Odyssee im Jahr 2010 aufgezeichnet. Gleichzeitig entpuppten sich deutsche Taxiunternhemen als Kundenabwehrdienst. Interesse an Umsatz? Fehlanzeige. Engagement einen amtierenden Schachweltmeister zum WM-Match zu fahren? Fehlanzeige. Gut, es gab dann doch die Alternative aus dem Nachbarland. Dies ist eine meiner Llieblingssequenzen in dem sehr langen und hochinteressanten Artikel der damaligen abenteuerlichen Anreise von Vishy Anand zum WM-Match gegen Veselin Topalov.

,,Nachdem am 17. April klar wurde, dass in ganz Deutschland kein Flug mehr abheben würden, blieb nur eine Alternative übrig: der Weg über die Straße. Ein Weg über 2000 Kilometer, wobei fünf Länder durchkreuzt werden mussten und der schnellste Weg über Serbien nicht möglich war. Und wo bekommt man ein geeignetes Fahrzeug nebst Fahrer her? Viele Taxiunternehmen im Rhein-Main Gebiet hatten entweder keine Fahrzeuge oder Fahrer mehr, andere Unternehmen weigerten sich schlicht, „mal eben“ nach Bulgarien zu fahren. Nach mehreren Stunden fand sich dennoch ein Taxiunternehmen in Amstelveen in den Niederlanden(!), welches bereit war, die Fahrt mit zwei Spitzenfahrern und einem geeigneten Transportmittel zu organisieren.”

Aber schauen Sie selber in Ruhe hinein, wer obige Verlinkung verpasst hat, hier geht es zur kompletten Ausfahrt (inklusive Bildmaterial).

Der “Presseattaché vom Team Anand”: Eric van Reem mit der 12. Runde auf Chess in Tweets

Fakt ist, wir nähern uns dem Turnierende von Khanty Mansiysk. Habe die heutigen Partien schnell im Kopf mit eingerechnet und die aktuelle Rangfolge erfreut weiter alle Anhänger von Vishy Anand:

Stand nach der zwölften Runde:

1. Viswanathan Anand 7,5 Punkte
2. Levon Aronian 6,5 Punkte
3. Shakhriyar Mamedyarov 6 Punkte
4. Sergey Karjakin 6 Punkte
5. Wladimir Kramnik 5,5 Punkte
6. Dmitry Andreikin 5,5 Punkte
7. Veselin Topalov 5,5 Punkte
8. Peter Svidler 5,5 Punkte

Der “Presseattaché vom Team Anand”, der begnadete niederländische Kultblogger Eric van Reem, hat die 12. Runde wieder schön auf Chees in Tweets aufgedröselt. Einige Sequenzen habe ich mit Fotos von einem traditionellen Laden für Holzwaren und Schachliebhaber in der bayerischen Landeshauptstadt München liebevoll garniert. Dort holte ich mir einst vor dem Chennai Schach-WM Kampf Vishy Anand gegen Magnus Carlsen ein neues Schachbrett.

Traveler Digital Camera

Can Anand win the crucial game vs Andreikin? Twitter is excited: @bennedik: “Anand seems to be winning, but boy, what a scary minefield of tactic”. @olimpiuUrcan: “Anand v Andreikin: the odd feeling of watching a tightrope walking artist trying to pull it off without another accident”. Jonathan Tisdall @GMJtis: ”Can’t tell if Anand is showing great or shaky nerves today. Certainly gutsy to begin with. He deserves the full point, but what a mess.”

Traveler Digital Camera

@vishalsareen: “With 36. Kb3, Anand has sealed the fate of the tournament. And with two rounds to spare! Bravo Vishy”. @Jonathan_Rowson: “Must be nice to confidently play 36.Kb3! in a board full of pieces and know it assures you of tournament victory.”

Traveler Digital Camera

@Chess_anyone:“When one sees Anand’s ease to beat his opponents one can think : either he improved, either Carlsen is super strong,or both.” @asimpereira answers“or probably apart from Carlsen and Anand, the other “Candidates” are not stable/consistent and cannot handle *pressure*. @MarkTWIC:“The return of the Candidates has been the return of high pressure chess which we’re sorely missed.”

Schach Live-Ticker 8. Runde beim WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Ich mag Sportler denen ein Comeback gelingt. Vor Khanty Mansiysk haben ihn die wenigsten auf der Rechnung gehabt. Die Rede ist von Ex-Schachweltmeister Vishy Anand. 2010 und 2012 ging er bei bwin als Wettfavorit in die WM Kämpfe. Im vergangenen Jahr gaben ihm die Buchmacher die Rolle des Außenseiters. Favoritenwetter hielten sich an Magnus Carlsen und sahen sich bestätigt. Bereits nach 10 Runden gab es die Auszahlungen auf die Carlsen-Wettscheine. Der damalige Weltmeister Viswanathan Anand ging im November mit der Außenseiterquote von 3,20 in das C&A Duell. Doch zurück zur aktuellen Situation. Deutschlands Nummer 1 Arkadij Naiditsch prognostizierte vor Beginn des WM-Kandiatenturniers in Sibirien einen Kampf zwischen Topalov, Kramnik und Aronian. Doch wie sagte bereits meine Mutter: – Erstens kommt es anders, zweitens wie man denkt! -.

Also auf in die 8. Runde.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker +++++++++++++++++++++++++++++

Perfekt ist das Comeback von Vishy Anand dann, wenn es zu einer Neuauflage vom Match gegen Magnus Carlsen kommt.anand - carlsen decima partida

So ein 2. WM-Duell hätte durchaus auch seinen Charme. Magnus Carlsen dürfte dann unter Umständen stärkeren Widerstand vorfinden wie in Chennai. Aber wir wollen hier auch nicht zu sehr spekulieren. Jetzt sollen die Jungs in Khanty Mansiysk einfach den Herausforderer von Carlsen ermitteln. Derweil kann auch noch ein wenig Nachlese bei schach-ticker, chessbase, chesstigers und dem niederländischen Kultblogger Eric van Reem auf Chess in Tweets erfolgen.

Live-Stream 6. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Kann Ex-Schachweltmeister Vishy Anand seine Führung heute in der 6. Runde im sibirischen Khanty Mansiysk verteidigen? Er hat heute den Anzugsvorteil gegen Sergey Karjakin.  Topalov spielt gegen Kramnik. Aronian hat Andreikin als Kontrahenten. Mamedyarov beginnt gegen Svidler.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker  +++++++++++++++++++++++++++++++

Soweit ich es überblicke hat der österreichische Sportwettenanbieter bwin keine Quoten für das laufende Schach WM-Kandidatenturnier aufgelegt. Unter der Rubrik Schach läuft zur Zeit eine einzige angebotene Wette. Wer wird 2014 Schachweltmeister?

Magnus Carlsen notiert mit einer Quote von 1,40

Ein anderer Spieler mit 2,80

Zum letzten WM-Schachkampf ging Magnus Carlsen mit einer 1,30 Quote in den Kampf gegen Vishy Anand. Aber bis zum WM-Match ist ja noch etwas Zeit. Der Austragungsort ist noch nicht fest. Der Herausforderer auch noch nicht.

Übrigens die einzige gestrige Gewinnpartie von Khanty Mansiysk zwischen Peter Svidler und Veselin Topalov bekommt wieder aus Spanien eine ganz besondere humorvolle Würdigung. candidatos ronda 5

Ansonsten habe ich die letzten Tage zahlreiche E-Mails bekommen. Hinweise auf Live-Ticker, neue Schachblogs etc. Werde dazu heute hier noch einiges schreiben. Bis später.

So bin wieder da.

Bevor wir uns der E-Mail Post annehmen, möchte ich den neu dazugekommenen Lesern gerne noch einen kurzen Text von mir vom 17. Februar 2011 rebloggen:

Die erotischste Schachszene in der Filmgeschichte

Über Schachspieler gibt es eine Unmenge an Klischees. Einige halten sich davon hartnäckig. Schachspieler sind langweilig. Schachspieler sind Eigenbrötler. Schachspieler sind schlecht angezogen. Schachspieler bekommen keine Freundin ab. Schachspieler haben keine Coolness. Schachspieler sind nicht sexy.

Das kann ich so nicht stehen lassen. Steve McQueen widerlegt in folgender erotischer Schachszene im Film The Thomas Crown Affair mit Faye Dunaway alle obigen Klischees.

_________________________________________________________________________________________________

Doch nun zur frischen elektronischen Post. Der ehemalige Pressereferent beim Deutschen Schachbund, Schachpublizist und Autor Raymund Stolze, gab mir einen Hinweis auf einen Schachblog von Zeit Online mit Ilja Schneider.  Der in Moskau geborene  Schachspieler Schneider selbst hängte einst seinen eigenen Schachblog Schachzoo an den Nagel. Da fehlte das Durchhaltevermögen. Auf Schach-Ticker schrieb ich einst am 17. Oktober 2013 zum Dilemma deutscher Schachblogs:

_________________________________________________________________________________________________

Schön, dann kann es frisch und munter losgehen. Ohne Umwege zur 12. Ausgabe von Im Internet gefunden. Einst hängte er seinen Schachblog am 20. April 2010 nach 1438 Tagen an den Nagel. Schade. Es war immer ein Grundrauschen an vielfältigen Kommentaren zu vernehmen. Manch Artikel wirkte über den schnellen Tag im Netz. Die Rede ist von Stefan Löffler. Im Autorenblog der Schach-Welt blieb er den Schachfreunden mit Online-Affinität erhalten. Sein aktueller Blogbeitrag beschäftigt sich mit einer internationalen Schachpersonalie:

Wer sich gewundert hat, wo der mit großen Plänen angetretene Schachvermarkter und früher in Russland erfolgreiche Medienunternehmer Andrew Paulson seit dem Kandidatenturnier und mehreren verlegten Grandprixturnieren geblieben ist, hat nun die Antwort.

Aus marketingtechnischen Gründen hätte Stefan Löffler aus meiner Sicht durchaus zweigleisig fahren können. Den eigenen Schachblog aufzugeben war vielleicht etwas übereilt. Andererseits war 2010 wohl auch kein gutes Schachbloggerjahr. Ilja Schneider schloss am 30. August den Schachzoo und Frank Große stellte im selben Jahr sein Schachtraining im Netz ein. Ex-Schachblogger Schneider versuchte es später nochmals mit einer Schachzoo light Version. Der letzte Beitrag datiert vom 30. September 2011. Seit über zwei Jahren ist dann auch wieder Ruhe eingekehrt.

Recht ruhig geht es auch auf den Schachblogs von Frank Hoppe und Georgios Souleidis zu. Dabei kommen beide mit selbstbewussten und kraftvoll klingenden Namen im Internet daher. Auf blog.schachbulle.de ist das Blog vom 49-Jährigen Schachfunktionär Hoppe zu finden. Letzter Eintrag datiert vom 3. Mai 2013. Das Schachblog Entwicklungsvorsprung.de von Georgios Souleidis hatte kürzlich eine Beitragspause zwischen dem 24. Juli und 29. September gehabt.

Der meinungsstarke Starblogger Andrew Sullivan fasste einst in seinem Werk  Warum ich blogge auf Seite 104 seine Sicht der Dinge prägnant zusammen:

Ein Reporter kann warten- muss warten-, bis alle Informanten die Ergebnisse seiner Recherche bestätigt haben. Ein Romanautor kann Monate oder Jahre verbringen, bevor er der Welt seine Wörter vorlegt.

Für Blogger ist immer heute der Abgabetermin.

Bloggen verhält sich deshalb zum Schreiben wie Extremsportarten zu Leichtathletik: mehr Freistil, unfallgefährdeter, weniger regelgebunden, lebendiger. Bloggen bedeutet in vielerlei Hinsicht laut herauszuschreiben.

Da will ich Sullivan nicht widersprechen.

____________________________________________________________________________________________

Also, man darf gespannt sein wie intensiv das Durchhaltevermögen von Ilja Schneider auf dem Zeit Online Schachblog ausgeprägt ist.

Post bekam ich dieser Tage auch vom sympathischen niederländischen Kultblogger Eric van Reem und Teamfotograf im A-Team von Vishy Anand in Sachen Eigenmarketing. Er hat einen neuen Schachblog unter dem Titel Chees in Tweets aufgelegt.

Der exzellente Ulrich Stock schrieb zu Eric van Reem bei der letzten Schach-WM auf Zeit Online unter dem Titel Nur aus Liebe zum Schach:

,,Sein Mitstreiter Eric van Reem heißt bei mir “Presseattaché vom Team Anand”, eine Bezeichnung, in der sich das Französische von Attaché und das Englische von Team ein wenig reiben, was insofern lustig ist, als dass van Reem ein Niederländer ist, der in Deutschland lebt. Er arbeitet in Frankfurt bei der Lufthansa und betreut Schachweltmeisterschaften nur im Urlaub. – Ich gebe zu, dass mir dieser Einschub jetzt etwas außer Kontrolle geraten ist.”

Zu guter Letzt war auch noch Post von Bernd Schroller in meinem E-Mail Fach. Er schreibt für Spiegel Online. Auch Schachspieler Schroller betrieb wie Eric van Reem ein wenig Eigenwerbung. Beim Match in Chennai war er mir als sehr sachkundiger und unterhaltsamer Kommentator eines Live-Tickers auf Sportal und Spiegel  Online aufgefallen.

Viel Freude, die eine oder andere entspannte Minute und einen schönen Tag.

Magnus Carlsen …

ist heute 22 Jahre jung geworden. Herzlichen Glückwunsch!

Er galt nach seinem Titel bei der Blitz-Schach WM im Jahr 2009 bereits vielen als kommender Schachweltmeister. Nachfolger von Champion Viswanathan Anand. Nun, der indische Berufsschachspieler ist immer noch Weltmeister. Weder Veselin Topalov 2010 in Sofia noch Boris Gelfand 2012 in Moskau konnten den Titelträger entthronen. Der von vielen Schachfreunden erhoffte WM-Kampf Carlsen gegen Anand fand nicht statt. Magnus Carlsen hat in der Zwischenzeit viele Auftritte gehabt. Nicht nur auf der Schachbühne. Erinnert sei an die Jeanskampagne. Zeitweilig hatte ich den Eindruck, dass der Norweger sich mit all seinen außerschachlichen Aktivitäten ein wenig verzettelt. Klar, er ist noch sehr jung. Doch Michail Tal war mit 23 Jahren bereits Schachweltmeister. Er vertrödelte einfach keine Zeit.

Am 7. Dezember im Jahr 2010 schrieb ich hier im Blog:

,,Magnus Carlsen konnte kürzlich seinen Titel bei der Blitzschachweltmeisterschaft in Moskau nicht verteidigen.

Mir fehlte dieses Jahr ein wenig die Konstanz beim norwegischen Jungstar.

Natürlich gab es Werbeauftritte und Carlsen wurde kürzlich erst 20.

Einige Journalisten hatten ihm schon fast die WM-Krone überreicht.”

Vorschußlorbeeren sind für junge Sportler nicht immer gut.

Die Entwicklung des norwegischen Schachgenies ging indess weiter. Carlsen hat sich eine bemerkenswerte Elo-Zahl erarbeitet. In Schlagweite der Bestmarke von Kasparow. Doch vom WM-Titel ist er noch weit entfernt.

Ich will gerne einen WM-Kampf zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand sehen. Der Norweger könnte dann gerne der Schachwelt zeigen aus welchen Holz er geschnitzt ist.

Stammleser wissen, diese Position habe ich bereits einige Male geäußert. Doch ich muss einfach nochmals darauf hinweisen: Der WM-Kampf Viswanathan Anand gegen Magnus Carlsen steht ganz oben auf meiner persönlichen Wunschliste. Ich bin da hartnäckig.

Dabei ist derweil ein neuer junger Himmelsstürmer in der Schachwelt aufgekreuzt. Fabiano Caruana ist erst zarte 20 Jahre alt und belegt aktuell Rang 5 in der Weltrangliste mit einer Elo-Zahl von 2788.

Doch zurück zum Geburtstagskind.

Magnus Carlsen möge sein volles Potenzial die nächsten Jahre den Schachfreunden dieser Welt zeigen und ernsthaft einen WM-Kampf anpeilen und erreichen.

Schach-WM 2012 Viswanathan Anand – Boris Gelfand

Das ganz große Highlight der Schachsaison steht vor der Tür. Der Schach-WM Kampf zwischen dem Weltmeister Viswanathan Anand und Herausforderer Boris Gelfand aus Israel. Der einst in Minsk geborene  und später nach Israel ausgereiste Gelfand versucht sich an der Mission – Sturz des Titelverteidigers -. 2010 gelang dies Veselin Topalov im Schachmatch des Jahrzehnts in Sofia nicht.

Zur Einstimmung auf das Match Anand gegen Gelfand in Moskau sei auf das Interview Boxer sind wir nicht auf Zeit Online verwiesen.  Der unverwechselbare Ulrich Stock stellte Boris Gelfand hochinteressante Fragen. Der Herausforderer ist um keine Antwort verlegen. Da er sich zur Vorbereitung auf das Schachmatch um die Weltmeisterkrone in die österreichischen Alpen zurückgezogen hat, stellte Stock dem Schachprofi die Fragen per E-Mail. Gelfand wollte kein Telefoninterview, keinen Besuch. Die Konzentration auf die Schach-WM 2012 gegen Anand hat Priorität.

Derweil bereitet sich der Schachweltmeister Viswanathan Anand in Bad Soden auf seine Titelverteidigung vor. Kürzlich feierte er als Mitglied der OSG Baden-Baden die erneute deutsche Meisterschaft in der Schachbundesliga. Alle Ansetzungen vom FIDE World Chess Championship 2012 gibt es hier zu sehen auf der Website anand-gelfand. Am 10. Mai 2012 ist in Moskau die offizielle Eröffnung der Schach-WM. Die erste Partie wird am darauffolgenden Tag gespielt. Die Schachfreunde in aller Welt scharren bereits mit den Füßen. Auf geht´s.

Schach im Jahr 2012 würde ein Bobby Fischer gut tun

Jede Sportart braucht charismatische Helden, Protagonisten die aus dem grauen Einerlei herausragen und eigene Meinung mit Weltklasseleistungen verknüpfen. Individualisten, die keinerlei Speichelleckerei gegenüber Funktionären üben und auch unkonventionelle Wege gehen. Mag sich der eine oder andere Sportjournalist auch über nicht bekommene Interviews ärgern. Helden die in keine Schublade passen und das sportliche Tagesgeschäft überdauern. So ein Heroes war der Schachweltmeister Bobby Fischer. Am 24. Dezember 2011 (das ist Einsatzbereitschaft) schrieb ich hier im Blog:

,,Nächstes Jahr steigt das 40. Jahr des Schachmatch des Jahrhunderts. Mal sehen ob eine deutsche Schachzeitung oder eine Schachwebsite den Mut und die Ausdauer hat das Ereignis über 365 Tage zu zelebrieren. Genug Stoff hat Bobby Fischer ja hinterlassen.”

Nun, den von mir hingeworfenen Bauern wollte offenbar keiner in die Hand nehmen. Okay, habe verstanden. Dabei würde dem Schach 2012 ein Bobby Fischer gut tun. Nichts gegen den jungen Magnus Carlsen. Nichts gegen Viswanathan Anand, den indischen Schachweltmeister der Neuzeit. Nichts gegen den Herausforderer Boris Gelfand. Nichts gegen den frisch gekürten Sieger von Wijk aan Zee, Levon Aronian. Nichts gegen den unorthodox spielenden Hikaru Nakumara oder den bulgarischen Vizeweltmeister Veselin Topalov. Doch im Vergleich zu Bobby Fischer alles doch eine Nummer kleiner. Der 40. Jahrestag des Schachmatch des Jahrhunderts wird dieses Jahr noch seine Würdigung erleben. Hier eine 13 minütige Sequenz vom Schachgenie Bobby Fischer. Wer Zeitprobleme hat, lässt heute einfach die Tagesschau ausfallen. Dann ist sogar noch ein wenig Sekundengold übrig. Auf geht´s. Vorhang auf.

Wenn Schachgroßmeister eine Reise tun

… dann können sie was erzählen. Wer erinnert sich nicht an die abenteuerliche Anreise von Viswanathan Anand nach Sofia zum Schach-WM Kampf gegen Veselin Topalov im vergangenen Jahr. Doch auch das neue Jahr hält bereits Reiseerlebnisse der besonderen Art bereit.

Schachgroßmeister Jörg Hickl war auf dem Flug nach Lanzarote. Bei der Flughafenabfertigung gab es für den Macher und Organisator der Schachwelt ein Aha-Erlebnis:

,,Nach Überwinden der 30-Meter-Schlange am Sicherheitscheck ist es wieder soweit: Der Beamte fragt beim Anblick der mechanischen Schachuhr „Was haben Sie denn da – eine Waage?“ Aufgrund des unbekannten Utensils wird der Schachspieler zunächst als potenzieller Bombenleger klassifiziert und das Bomben-SEK alarmiert (nun gut, in Wahrheit war es nur ein einfacher Sprengmitteltest).”

Jörg Hickl durfte dann mit seinen drei mechanischen Schachuhren und dem Videoprojektor die Reise fortsetzen.

Deutschland läuft unter ferner liefen bei der Schacholympiade 2010 in Khanty Mansijsk ein

Nein, mit Ruhm hat sich die deutsche Schachnationalmannschaft in Sibirien nicht bekleckert. Bei den Männern gab es einen desillusionierenden Platz 64. Hier geht es zur ernüchternden Tabelle der Herren. Die Frauen belegen Rang 25. Hier geht es zur Übersicht bei den Damen.

Zwischendurch verlor der Präsident des DSB, Robert von Weizsäcker, auch noch die ECU-Wahl deutlich. Der Manager von Vizeweltmeister Topalov, der charismatische Silvio Danailow, erzielte einen souveränen Wahlsieg. Beim WM-Kampf in Sofia hatte er auch seine Stärke in der Akquise von Sponsoren gezeigt. Über die Bemühungen des Deutschen Schachbunds beim Sponsoring seit der Schacholympiade 2008  hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Auch bei der FIDE Abstimmung lief es für Deutschland nicht gut. Es wurde mit harten Bandagen gekämpft. Robert von Weizsäcker bekam einen Schwächeanfall. Bei  Zeit Online berichtet Stefan Löffler über die Umstände unter dem Titel Die deutsche Schachkrise. Der vom deutschen Schachbund unterstützte Exweltmeister Anatoli Karpow verlor gegen Kirsan Iljumschinow. Dank des Löwenanteils der Stimmen aus Afrika und Asien bleibt der umstrittene Iljumschinow bis 2014 FIDE-Präsident. Robert von Weizsäcker ist inzwischen gesundheitlich wieder auf  den Beinen.

In Deutschland zählt Stefan Löffler zu den letzten Mohikanern der überschaubar gewordenen kritischen Schachblogger-Szene. Im Blog auf der Schachwelt rät er generell zum Neustart und fasst die Schachkrise zusammen.

,,Welch ein Debakel für den Deutschen Schachbund zwei Jahre nach der Schacholympiade im eigenen Land. Welch ein Niedergang für diesen international lange bewunderten Verband.”

Stefan Löffler benennt die offenen Flanken. Er spricht Klartext. Der gute alte Bertolt Brecht hat ja einst sinngemäß gesagt -Kritik soll immer mit einem Verbesserungsvorschlag einhergehen-. Schachexperte Löffler schlägt rauchende Gehirnzellen vor:

,, Jetzt müssen Köpfe rauchen (für Konzepte) und rollen ausgetauscht werden (für einen Neustart). Baustellen gibt es viele, die prominentesten heißen Nationalteam, Deutsche Meisterschaft, Bundestrainer.”    

Was schreibt eigentlich Georgios Souleidis zum Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade 2010? Im Blog Schwatt und Weiß auf Der Westen schüttelt er verbal den Kopf und ringt nach Worten:

,,Das deutsche Herren-Team leistete sich in der letzten Runde ein peinliches 1:3 gegen das Team des internationalen Gehörlosenverbands. Damit wurde das gesamte Bild zerstört – Platz 64, knapp hinter Ländern wie Pakistan, Singapur oder Albanien – es fehlen einem fast die Worte. Die deutschen Frauen waren auch nicht wirklich erfolgreicher. Nach Erwartung im Minus und Platz 25 für das junge Team.”

Ich werde die nächsten Tage gemütlich eine Partie Schach in einer Nürnberger Buchhandlung spielen. Die Vorfreude ist da.

Nachdenkenswert #71

,,Das sage ich nicht, weil ich Topalov nicht mag, sondern ich versuche, objektiv zu sein. Sein Markenzeichen sind großartige Resultate, nicht großartige Spiele. Manchmal spielt er auch großartig. Aber im Unterschied zu anderen holt er, wenn er nicht gut spielt, immer noch gute Resultate. Vielleicht weiß er Tricks, die wir Sterblichen nicht kennen.”

         Wladimir Kramnik, im Interview mit Stefan Löffler

         auf Zeit Online am 7.05.2010