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Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn

Die Schachwelt überraschte gestern Abend die Nachricht vom überraschenden Rücktritt von Magnus Carlsen. In der Spätausgabe der norwegischen Zeitung Verdens Gang gab das Management an, die näheren Umstände in einer Pressekonferenz diese Woche am Donnerstag um 13.00 Uhr bekanntzugeben.

Foto: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Einst hatte auch Bobby Fischer als amtierender Schachweltmeister seine Laufbahn beendet. Auch Gari Kasparow gab nach Meinung zahlreicher Schachexperten die glanzvolle Karriere am Schachbrett zu zeitig auf.

Update: Siehe auch Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Live-Stream 14. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen septima partida13 Runden liegen hinter den Schachgroßmeistern und den Kiebitzen. Am heutigen Sonntag geht es in die 14. Runde. Der Vorhang geht ein letztes Mal auf in Khanty Mansiysk. Es geht um die Platzierungen und Preisgelder hinter dem Turniersieger Vishy Anand.

Heute ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

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Ich bedanke mich bei meinen Lesern für die Aufmerksamkeit und bleiben Sie mir gewogen.

Live-Stream 13. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen deep game

Der gestrige Ruhetag liegt hinter den Schachspielern. Heute geht es in die 13. Runde.

Darum ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

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Kann der Champagner bereits kaltgestellt werden?

Zeit Online setzt mit Schachblog verstärkt auf das Königliche Spiel

Für alle Freunde des gepflegten Schachblogs gibt es dieser Tage auch gute Nachrichten aus dem Hause von Zeit Online. Sie haben einen Schachblog mit dem Titel Von Hängepartien und Bauernopfern aufgelegt. Zur Zeit wird er vom ehemaligen Schachzoo Blogger Ilja Schneider, Schachfreund Dennes Abel sowie dem von mir sehr geschätzten Schachpublizisten und Übersetzer Johannes Fischer (mit Schöner Schein auch in meiner Blogroll seit geraumer Zeit vertreten) bespielt.

Ich mag die Online Aktivitäten von Zeit Online. Seien es die sachkundigen Kommentare zum Geschehen auf dem Rasen von Fußballexperte und Hartplatzheld Oliver Fritsch oder das vorjährige sagenhafte multimediale Tour de France Dossier. Nun also auch verstärkt Schach. Vielleicht ein paar Kostproben vom neuen Schachblog.

Fangen wir mit Dennes Abel an. Er macht auf das verschwundene Phänomen der Hängepartie aufmerksam:

,,Jedoch verschwanden im Schach die Hängepartien im Zeitalter der Computerprogramme, was für manche Spieler sicherlich bedauerlich ist. An den langen Abenden nach einer Hängepartie entstanden Anekdoten, die im Laufe der Zeit zu Legenden wurden. Ich habe in meinen Bundesligapartien keine Hängepartien mehr erlebt. Dafür hat sich das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und es in die Unterzeile dieses Blogs geschafft.”

Ilja Schneider nahm sich kürzlich der Sache von Anands Glückspullover an und korrigierte dabei auch seine Einschätzung der Chancen vom Ex-Schachweltmeister aus Indien im Bezug auf den Sieg beim Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk.

,,Weil ich Anand vor dem Turnier unterschätzt habe, prophezeie ich nun fünf Runden vor Schluss seinen Sieg. Vor allem, weil seine Konkurrenten bisher alle enttäuscht haben, zu nervös und unkonstant haben sie bisher agiert. Warum sollte sich das in den letzten fünf Runden ändern?”

Derweil hat sich Johannes Fischer der Stärke des aktuellen Weltmeisters angenommen und befindet im Blogbeitrag unter dem Titel Wie Magnus Carlsen das Schach verändert:

,,Bald ändert sich die Stellung dann wie von Zauberhand. Zugunsten von Carlsen. Eben noch sicher stehende Bauern scheinen bedroht, solide Strukturen wirken anfällig, unerwartete Drohungen tauchen auf und überall lauert plötzlich Gefahr. Der Gegner muss Entscheidungen treffen, die immer schwerer werden. Die klare Remisstellung wirkt auf einmal nicht mehr so klar, der halbe Punkt rückt immer weiter in die Ferne. Man bekommt ihn noch, nur, wenn man gut spielt. Stundenlang. In unangenehmer Stellung. Mit dem Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, aber nicht zu wissen, was und wo.”

User HenryEdward adelt den Text von Johannes Fischer in den Kommentaren bei Zeit Online mit folgenden Worten:

,,Umfangreicher, aber trotzdem fesselnder Artikel! Die Hinwendung der Zeit zum Schachspiel ist sehr lobenswert. Nicht nur das Verständnis des Schachspiels kann so vermittelt werden, sondern auch das Verständnis für Schachspieler, einer der breiten Masse doch rätselhafte Truppe.”

Soweit für heute der Hinweis auf den Schachblog von Zeit Online.

Grandioses Interview von Daniel King bei Stuttgarter Nachrichten

Für alle Schachfreunde gibt es noch einen unbedingten zu beachtenden Lesehinweis. Das grandiose Interview vom englischen Schachgroßmeister Daniel King über Vishy Anand und das laufende Kandidatenturnier in der Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Chessbase hat  das PDF vom Interview online gestellt. Sollte es an der fehlenden Zeit liegen, notfalls auf den Mittagsbraten am Wochenende verzichten. Ich habe jede Zeile verschlungen. Einfach großartige Einsichten und Ansichten.

Besonders schön auch die letzten bemerkenswerten Sätze von Daniel King im Interview. Das erinnerte mich spontan an meine Schachpartie gegen Eva Moser beim Simultan im September 2013 im Kunsthaus Bregenz hier am Bodensee. Von meinem Brett aus sah ich auch eine automobile Rarität. Der Citröen La DS Coraline, in kunstvoll abgespeckter Version vom Konzeptkünstler und in New York, Paris sowie Mexiko Stadt lebenden Gabriel Orozco dargeboten. Vielleicht kostete dies mich aber auch die zwei oder drei bis vier Prozent Konzentration, die ich für ein Remis gegen Österreichs stärkste Schachspielerin benötigt hätte. Traveler Digital Camera

Schließen möchte ich für heute mit einem interessanten Hinweis vom “Presseattaché vom Team Anand”, dem sympathischen schachaffinen Niederländer Eric van Reem auf Chess in Tweets in Sachen ungebremster Begeisterung der zahlreichen amerikanischen Schachfans (Wecker hin oder her) sowie die Besucherströme aus dem Iran:

,,It might be interesting  to look at some stats of this blog. I have visitors from no less than 98 (!) countries, and most visitors come from the US. Due to the big time diference to Khanty Mansiysk (UTC/GMT +6) most chess fans in the US get up in the morning, only to see the result of the games.  When the games start in KM at the local time 15:00, it is 05:00 in New York and 02:00 in L.A. You must be a big chess fan to get up in the middle of the night to watch the games live! I was very surpised to see in the stats, that many chess fans from the Islamic Republic of Iran visit the blog. But since Twitter is blocked in Iran, it makes sense.”

Einen schönen Sonnabend wünsche ich allen meinen treuen Lesern. Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr

Michael Wiemer

Blick auf die aktuelle Tabelle nach Runde 11 beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

In meiner Kindheit und Jugend habe ich bei Schachturnieren am Anfang nie auf die Tabelle geschaut. Erst gegen Ende des Turniers schaute ich konzentriert darauf. Vorher wollte ich mich bei einem guten Start nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Bei einem verpatzten Eintritt in ein Schachturnier (kam zuweilen leider auch vor) wollte ich mich nicht in eine melancholische Stimmung versetzen. Zeitsprung. 2014. In Khanty Mansiysk. Langsam lohnt ein stärkerer Blick auf die Turniertabelle. Okay, heute bei der Nullrunde ist nichts gravierendes passiert, aber wir schreiben mittlerweile die 11. Runde. Sie half ganz alleine dem Spitzenreiter Vishy Anand. Mike Rosa fasst es im gut bebilderten Artikel auf chess-tigers treffend zusammen:

,,Diese unblutige Runde kommt nur Anand zu Gute, welcher einen guten Schritt näher am Turniersieg ist. Allerdings warten besonders in den Runden 13 und 14 mit Karjakin und Svidler noch zwei “direkte” Konkurrenten auf den Inder.”

Stand nach Runde 11

Aktuelle Tabelle nach Runde 10 beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Langsam schiebt sich das Schachevent dem Ende zu. Am Sonntag steht die 14. Runde auf dem Plan. Danach sollte der Herausforderer für den Welmeister Magnus Carlsen ermittelt sein. Zur Zeit läuft aktuell die 11. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk.

Der aktuelle Stand in der Turniertabelle nach 10 Runden schaut für Ex-Schachweltmeister Vishy Anand doch sehr moderat aus. Mike Rosa schreibt auf chesstigers:

,,Die allerbesten Aussichten hat natürlich Viswanathan Anand, denn der eine Punkt Vorsprung in der Tabelle auf den Armenier ist im Grunde 1,5 wert. Bei Punktgleichheit wäre Anand nämlich durch den direkten Vergleich der Sieger.”

Stand nach Runde 10

Schach Live-Ticker 9. Runde beim WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Bevor wir gleich in den Live-Ticker hineingehen, noch eine nicht ganz unwesentliche Kleinigkeit. Habe ich das Thema Geld bereits angesprochen? Nein, jetzt keine Angst, am heutigen Sonntag gibt es von mir keinen Klingelbeutel. Dies überlassen wir weiterhin der Katholischen Kirche. Es geht um den Gesamtpreisfonds beim Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt.

Die 420.000 Euro werden wie folgt verteilt:

1. Platz 95.000,-
2. Platz 88.000,-
3. Platz 75.000,-
4. Platz 55.000,-
5. Platz 40.000,-
6. Platz 28.000,-
7. Platz 22.000,-
8. Platz 17.000,-

Bei Punktgleicheit werden die Preisgelder geteilt. Jetzt aber rein in das aktuelle Geschehen.

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Den besten Schachspielern braucht die SPD also nicht mit Mindestlohn zu kommen. las vegas millionaire chess open

An der Stelle sollten allerdings alle Profischachspieler auch eine Gedenkminute in Richtung Bobby Fischer einlegen. Er kämpfte unablässig für höhere Preisgelder. Bobby Fischer scheute keine Auseinandersetzungen um die optimalen finanziellen Rahmenbedingungen am jeweiligen Spielort. Der hartnäckige, selbstbewusste und erfolgreiche Kampf vom amerikanischen Schachweltmeistern Fischer für adäquate Preisfonds, sein intensives Ringen um bessere Spielbedingungen war legendär. Durch Bobby Fischer zog ein anderes Selbstverständnis in die Schachszene ein.

Wer das bisherige WM-Kandidatenturnier von Khanty Mansiysk noch ein wenig Revue passieren lassen möchte, kann bei schach-ticker, chessbase, chesstigers und dem niederländischen Kultblogger Eric van Reem auf Chess in Tweets noch ein wenig hineintauchen.

Live-Stream 7. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk und der Magnus Carlsen Sponsor G-Star

Guten Morgen.

Timing ist alles. Pünktlich zum gestrigen Ruhetag plauderten Schachweltmeister Magnus Carlsen und sein Manager Espen Agdestein über das Schach WM-Kandidatenturnier 2014. Sehr relaxt kamen beide rüber. Auch wenn der kleine Raum von der Möblierung her eher den spröden Charme einer kargen Jugendherbergseinrichtung versprühte. Was mir noch auffiel: Das Label von Magnus Carlsens niederländischen Sponsor, G-Star Raw, kam von den Buchstaben nicht komplett zur Geltung beim norwegischen Schachgenie. Aber vielleicht schaue ich auch zu genau hin. Übrigens hier auf den Fotos der offiziellen Website der Jeans- und Modemarke von G-Star schaut der Schachweltmeister arg düster drein.

Der Tagesspiegel brachte im Juli 2013 Tage ein Interview mit G-Star-Global-Brand-Director Shubhankar Ray. Es ging im Interview mit der Mode-Redakteurin Grit Thönnissen um Markenauftritte, Image, den Kampf um Aufmerksamkeit. Die renommierte Modemarke G-Star hatte sich Jahre zuvor den damals 19-Jährigen norwegischen Schachmozart und frischgebackenen Blitzschachweltmeister von 2009, Magnus Carlsen, als Werbegesicht ausgesucht. Shubhankar Ray offenherzig:

,,Wir wollten nie eine Lifestyle-Marke sein. In den letzten 20 Jahren ist es zu einem Wettbewerbsvorteil geworden, das Image auf eine emotionale Weise rüberzubringen. Mode wird oft mit Emotionen verbunden. Also ist es logisch, dass das Image benutzt wird, um eine starke Identität zu schaffen. Um weltweite Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht man Stars. Wir wählten Liv Tyler. Danach fragten wir die Nummer eins im Schach, Magnus Carlsen, er war 19 und sah aus wie ein Boxer. Wir versuchten, ein Image zu schaffen, dass man nicht so schnell vergisst.”

Das mit dem Nicht-Wollen einer Lifestyle-Marke nehme ich  dem Global-Brand-Director Shubhankar Rayom jedoch nicht ganz ab. Es gibt da ja in dem Kontext mit der Vermarktung von Magnus Carlsen als Modegesicht noch eine andere schöne kleine Geschichte. Ende 2010 gab Magnus Carlsen gegenüber der damals noch existierenden Financial Times Deutschland folgendes Statement in Sachen Mode ab:

,,Wenn ich mal länger zu Hause in Bærum bin, fällt es mir schwer, den Tag zu strukturieren. Ich hänge mit Freunden ab und kaufe Geburtstagsgeschenke im Sandvika Storsenter, dem größten Einkaufscenter Skandinaviens. Kleidung interessiert mich nicht so, vielleicht ändert sich das durch meine Zusammenarbeit mit G-Star. Momentan ziehe ich an, was meine Mutter kauft.”

Ich schrieb damals einen Tag vor Weihnachten 2010, der eigene Tannenbaum war noch nicht aufgebaut, hier auf dem Blog unter dem Titel Magnus Carlsen und die Identifikation mit dem Sponsor zu den Worten über das nicht so ausgeprägte Interesse an Kleidung von Magnus Carlsen:

,,Die Verantwortlichen der Marketingabteilung von der  Modefirma G-Star müssen beim lesen solcher Zeilen eigentlich graue Haare bekommen. Da wird ein junger Mann mit dem Geburtsjahrgang 1990 und dem Potenzial für eine glanzvolle Schachlaufbahn sowie der Chance auf den Weltmeistertitel in naher Zukunft, als cooles Testimonial aufgebaut, und dann wirft Carlsen mit seinen obigen Worten das Image in Sekundenschnelle um.”

Damit beende ich heute das Kapitel Magnus Carlsen. In seiner besten Zeit war übrigens Bobby Fischer immer tadellos angezogen. Hier im Interview mit Dick Cavett im Jahr 1971. So ganz nebenbei sprüht der Schachspieler Fischer seinen ganzen Charme und sein Charisma aus. Das war ein Jahr vor dem Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spasskij.

Von den Champions Fischer und Carlsen zu den Kandidaten, die in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk den Herausforderer vom norwegischen Weltmeister ermitteln. Heute steht die 7. Runde ab 10.00 Uhr deutscher Zeit auf dem Plan.

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Das Formhoch von Vishy Anand beim Schach WM-Kandidatenturnier gestattet mir an dieser Stelle auch einen kleinen Schwenk zu interpool.tv. Fred Kowasch nach dem Kampf von Chennai 2013:

‘Vichy’ Anand: “Ich schlief die ganze Nacht nicht”. Während der eine immer noch grübelt, badet der andere mit Anzug im Hotelpool. Starkes Interview mit einem Ex-Weltmeister. Geführt von Ulrich Stock von der ZEIT, die während des WM-Kampfes im indischen Chennai die beste Arbeit machte.”

Man beachte bitte im Interview mit Vishy Anand die letzte Frage von Ulrich Stock und die darauffolgende Antwort vom Ex-Schachweltmeister.

Der entspannte Magnus Carlsen und Espen Agdestein äußern sich zum Schach-WM Kandidatenturnier

Der eine oder andere wird sich die letzten Tage vielleicht gefragt haben: Was macht eigentlich Magnus Carlsen? Nun, er liefert mit seinem Manager Espen Agdestein frischen Content. Ganz entspannt plaudern die beiden über das laufende Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk.

Buchschwemme

[Reblog vom 8. Oktober 2012]

Ich mag Bücher. Sogar sehr. Mein Vater hatte eine gut sortierte Bibliothek. Sehr schöne Schachbücher. Biografien von Weltmeistern wie Aljechin, Lasker oder Capablanca. Selbstverständlich die Reykjavik Bibel von Gligoric über den Schachkampf des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij. Mit allen Details die ich heute bei Rückblicken auf dieses Match so oft vermisse. Aber auch Erzählungen über die Schachcafeszene in Wien reihten sich in die Buchsammlung meines Vaters. Die Atmosphäre in der Hochzeit des Schachspiels im öffentlichen Raum in Österreich konnte ich dabei förmlich schnuppern. Die entspannten Plaudereien über Zigarren, bärtige Männer, Mäzene, Kiebitze und Schachstellungen mochte ich sehr. Keiner störte mit aufgeklappten Laptop. Hochinteressante Werke über die verschiedenen Eröffnungsvarianten befanden sich ebenfalls hinter Glas in der kleinen privaten Bibliothek. Diese halfen mir oft bei meinen internationalen Fernschachpartien. Auch Bücher fernab des königlichen Spiels von Goethe, Balzac oder Stendhal waren dabei.

Geist und Körper sollen ja eine Einheit bilden. Fußballspiel hatte es mir auch angetan. Erfolgreicher und medaillenträchtiger war meine Schachzeit bei Motor Gohlis Nord in den Siebzigern.. . Ich kaufte mir in der Jugend auch das eine oder andere Fußballbuch, Werke über die olympischen Spiele im Winter und Sommer. Dazu die tägliche Lektüre einer Sportzeitung. Meine Geburtstagswünsche umfassten auch Sportbücher. Zeitweise konnte ich die Weltrekorde in der Leichtathletik der Männer und Frauen aus dem Bauch heraus aufsagen. Bei Wetten dass …? hätte ich alles abgeräumt. Die Verbindung zum Buch habe ich nie verloren. Trotz Internet gibt es bei mir eine ausreichende offline-Lesezeit. Wenngleich es mittlerweile eine Buchschwemme gibt, die selektive Auswahl notwendiger denn je macht. Maria Höfl-Riesch hat ebenfalls ein Buch herausgegeben. Florian Kinast nahm sich in Die Welt der Sache bereits im Einleitungstext seines Artikels kritisch an:

,,Auf dem Buchmarkt erscheinen in diesen Tagen haufenweise spannende Autobiografien. Von Edmund Stoiber (70) etwa, von Neil Young (66), von Salman Rushdie (65). Menschen, die etwas zu erzählen haben aus einem bewegten und langen Leben. Nun veröffentlicht auch Maria Höfl-Riesch eine Autobiografie. Sie ist 27 und meint, etwas erzählen zu müssen.”

Auch der Nachfolger von Michael Ballack in Sachen Träger der Kapitänsbinde, Buchautor Lahm, war vor gut einem Jahr der Meinung sein bisheriges Leben zwischen zwei Buchdeckeln zu präsentieren.

Ich werde das Schachbrett aufbauen und eine Partie Schach spielen.

Ex-Schachweltmeister Vishy Anand beim WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk wieder bissig

Manch einer hatte Ex-Schachweltmeister Vishy Anand nach dem deutlichen Verlust seines Titels gegen den jungen Magnus Carlsen im November in Chennai bereits abgeschrieben. Doch nach 3 Runden des WM-Kandidatenturniers in Khanty Mansiysk führt der Inder die Tabelle an. Siehe auch den ausführlichen Bericht inklusive Tabelle, Fotos etc. auf chessbase.

Vishy Anands gute Form und wiedergewonnene Bissigkleit zeigte sich bereits beim Auftakt. Deutschlands Schachmeister von 2010, Großmeister Niclas Huschenbeth, nahm sich der Partie gegen Levon Aronian an: