Schlagwort-Archive: Nike

Der Fall Oscar Pistorius

Ich habe lange überlegt ob ich etwas zu Oscar Pistorius und dem tragischen Geschehen in der Nacht zum Valentinstag schreibe. Es ist die letzten Tage viel geschrieben und gesendet worden zu dem Kriminalfall. Schuldig oder nicht schuldig? Manches deutet auf einen Mord im Affekt hin. Das Model Reeva Steenkamp weilt nicht mehr unter den Lebenden. Oscar Pistorius wird der Tat verdächtigt. Der Sportler und das Model – Reeva Steenkamp war die Freundin von Oscar Pistorius. Ein Stoff für einen Hollywood-Film. Alle Puzzleteile für eine atemberaubende Story auf der Leinwand scheinen vorhanden.

Medienstar der Paralympics

Der Südafrikaner war der Medienstar der Paralympics. Er sorgte für aufmerksamkeitserheischende Schlagzeilen. Seine Sponsorverträge waren gut dotiert. Nike hatte ihn unter Vertrag. Der amerikanische Sportartikelhersteller setzte das Vertragspapier nach der Verhaftung von Oscar Pistorius aus. Die französische Kosmetikfirma Clarins verzichtet ab sofort auf die Werbung mit dem Olympiasieger. In den südafrikanischen Städten entfernten die Menschen die Plakate vom einstigen Idol von den Häuserwänden. Ein schneller Sturz vom Denkmalsockel.

Körper-Normalität des Models und Pistorius Kaution von 85.000 EURO

In der FAZ hat sich Hans Ulrich Gumprecht der Personalie Pistorius angenommen. Gumbrecht ist 1948 in Würzburg geboren, Professor für Literatur an der Stanford University und amerikanischer Staatsbürger. Er schreibt in seinem bemerkenswerten Artikel unter anderen:

,,Der Status des gewaltsamen Tods seiner Freundin als Kasus wird nun dadurch unterstrichen, dass Reeva Steenkamp ein Model war (ein mehr oder weniger berühmtes Model zu Lebzeiten, aber das wahrscheinlich weltweit berühmteste Model nach ihrem Ableben). Denn der Begriff des “Models” steht ja für eine Körper-Normalität, die angesichts ihrer Vollkommenheit in scheinende Körper-Normativität umschlägt. Auf den gemeinsamen Photographien präsentierte sich Oscar Pistorius immer wieder als das männliche Äquivalent von Reeve Steenkamps scheinender physischer Normativität.”

Seit gestern ist Oscar Pistorius gegen Kaution von umgerechnet 85.000 Euro wieder in Freiheit. Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg, schreibt auf tagesschau.de unter dem Titel Reich, berühmt – und auf Kaution frei auch über die Reaktion auf die Freilassung bis zum Prozess im Juni.

,,Er habe es kommen sehen, sagt der 42-jährige Stanley aus der Innenstadt von Johannesburg. “Erstens, weil Pistorius extra einen PR-Experten aus Großbritannien hat einfliegen lassen.” Zweitens habe Pistorius ein Team aus exzellenten Verteidigern. “Einer, der 500.000 Euro im Jahr verdient, kann doch machen was er will. Wäre das einer ohne Geld gewesen, wäre er nie im Leben auf Kaution rausgekommen”, wettet Stanley.”

Der Fall Oscar Pistorius wird nicht so schnell zu den Akten gelegt werden können.

Ein ganz normaler Bürotag in Deutschland im Februar 2013

08:00 Entspannt mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Büro

08:35 Wintermantel im Büro aufgehangen. E-Mail Eingang checken.

08:45 Kollegen an gewonnene Sportwette HSV Sieg in Dortmund erinnern

08:50 Ersten Kaffee im Büro trinken, Rosinenbrötchen tunken

08:56 Mentale kurze Auszeit mit youtube vorbereiten

08:59 Kultsequenz von Steve McQueen auf der Honda CR250M Elsinore genießen

09:30 Konferenz. Kollegen an ausstehenden Wetteinsatz erinnern

10:00 Zurück im Büro. Ablage. Blick auf´s Kultblog racingblog

10:30 Genüßlicher Blick auf chesstigersontour.

11:05 Blick auf die Uhr. Zweites Frühstück in Sicht. Wird auch Zeit.

11:15  Zweites Frühstück mit Kollegen K.. Austausch über Grenke Classic Baden-Baden

11:45 Kantine. Schach Diskussion fortsetzen. Es dreht sich um Fabiano Caruana

12:40 Eiligen Außentermin vortäuschen: schnell mal rüber zu Kaufhof

13:45 Beim Bereichsleiter Sorge über Zustand von E. äußern

14:30 Am Drucker Powerpoint-Präsentation der Kollegin H. abgreifen

14:55 Druckerpapier und Textmarker Stabilo für daheim einstecken

15:15 Angebote von Adidas, Nike und Puma checken

15:40 Präsentation von H. unter eigenem Namen der Zentrale senden

15:50 Schnell noch ein Blick auf grenkechessclassic und die Tabelle von Baden-Baden

16:10 Auszubildenden (noch Hoffenheim Fan) im Großraumbüro hochnehmen

16:20 Die Sport-Wettgelder für die Woche von den Kollegen einsammeln

17:10 Endlich Feierabend. In der Tiefgarage auf Bereichsleiter warten:

,,So spät noch?“

17:50 Von der Frau wegen aufreibenden Bürotag bedauern lassen

17:55 Gut gekühltes Entspannungsbier von der Frau servieren lassen

Anmerkung

Alles an diesem Büroarbeitstag ist erfunden, das hoffe ich zumindest. Namen der Personen sowie Ablauf in der Firma sind ebenso frei erfunden wie die beschriebenen Situationen und Handlungen.

Ich versichere, dass ein Bezug zu realen Geschehnissen in deutschen Büros nicht beabsichtigt ist, auch wenn sich ein solcher finden sollte.

Die clevere Strategie von Adidas

Bevor ich heute zu Adidas komme, zwei Lesehinweise zu Puma und Nike. Carsten Cramer, Marketingdirektor beim deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund, gibt im Branchenblatt sponsor news ein Interview und äußert sich tiefenentspannt im Gespräch über Sportsponsoring auch zum Herzogenauracher Unternehmen Puma, dem neuen Trikotpartner.

,,Wir sind für Puma – anders als dies bei den anderen Clubs mit Nike und Adidas der Fall ist – die klare Nummer eins im Stall. Auf der einen Seite identifiziert sich Puma ganz stark mit der Marke BvB, auf der anderen Seite profitieren wir natürlich auch im Abverkauf von der Marke Puma. Unser Ausrüster sorgt dafür, dass wir bundesweit im Handel hervorragend gelistet sind. Also dafür, dass unsere Fans auch in der Lage sind, das BvB -Trikot etwa in Füssen oder Flensburg kaufen zu können. (Schon in den beiden vergangenen Saisons legte der BvB bei den Fanartikeln jeweils um 60% zu, auf letztlich schon 24 Mio. Euro Einnahmen, Anm. d. Red.)”

Da Carsten Cramer Nike erwähnte. Da fällt einem doch gleich die Geschichte mit dem Nadelstreifenanzug ein. Nike und Borussia Dortmund? Da war doch was? Stichwort Lars Ricken. Der Dortmunder Spieler schrieb 1997 Geschichte mit dem Nike Werbespot. Im selben Jahr erzielte Lars Ricken auch jenes berühmte Tor gegen Juventus Turin im Champions-League Finale in München.

Nike sponserte ja jahrelang den einstigen Tour de France Sieger Lance Armstrong. Sportjournalist Thomas Kistner nahm sich des gefallenen Helden in der Süddeutschen Zeitung im Artikel Supermann hinterlässt einen Krater an und kann sich einen Seitenhieb auf den amerikanischen Sportartikelhersteller nicht verkneifen.

,,Sponsoren sprangen ab, vorneweg sein treuer Begleiter Nike, der sich ein ,,Jahrzehnt lang in die Irre geführt” sah – als wäre nie ein Verdacht gewesen. Armstrong gab das Chefamt bei ,,Livestrong” ab, schied aus dem Vorstand. Fragen traten auf, ob und wie die Rollen von Stiftung und Werbeheld verwoben waren.”

Doch jetzt zu Adidas. Das Thema Adidas und Sportsponsoring ist ja eine unendliche Geschichte. Der von mir sehr geschätzte Thomas Knüwer, einst beim Handelsblatt, jetzt auf eigene Rechnung unterwegs, beschäftigte sich kürzlich auf seinem Kultblog Indiskretion Ehrensache mit der cleveren Strategie von Adidas am Beispiel von Basketballstar und Werbepartner Derrick Rose von den Chicago Bulls. Der junge Spieler verletzte sich im vergangenen Jahr schwer. Eigentlich ein Dilemma für einen Sportartikelhersteller. Doch Adidas wusste sich zu helfen. Thomas Knüwer zeichnet in seinem Artikel Adidas #TheReturn: Best Practice in Sachen Content Marketing den Einfallsreichtum der Herzogenauracher nach. Der Kultblogger dröselt alles akribisch auf und zeigt wie Adidas aus der Not eine Tugend macht. Pflichtlektüre für alle Marketingexperten im Sportbusiness.

Qualitätsunterschiede

Über Übungsleiter Löw reden wir ein andermal. Auch über seine abgesagten Sponsor Termine am Tag nach dem Torfestival in der Hauptstadt Berlin. Sponsor ist ein gutes Stichwort. Die Treue von Nike zum einstigen Radhelden Armstrong scheint jetzt doch deutliche Risse zu bekommen. Der amerikanische Sportartikelhersteller fühlt sich vom siebenfachen Tour de France Sieger nicht ehrlich informiert. Getäuscht. Enttäuscht. Der Volksmund sagt: – Enttäuschung ist das Ende der Täuschung-. Der erfahrene und kompetente Sportjournalist Thomas Kistner hat in der Süddeutschen Zeitung die Thematik der Zusammenarbeit mit Nike und der Werbe-Ikone unter dem Titel Dopingaffäre um Lance Armstrong -Abruptes Ende der ehernen Treue beleuchtet.

Zu erfreulicheren Themen. Karl hat sein Oktoberheft 3/12 in den gut sortierten Buchhandlungen in den Bahnhöfen der Bundesrepublik ausliegen. Das Heft hat das Schwerpunktthema Schach & Alter. Ich mag Karl – Das kulturelle Schachmagazin. Auf der karlonline Seite gibt es einen Einblick in das aktuelle Magazin. Bei der Printausgabe ist wieder sehr viel Herzblut, Wissen, Recherche und beim lesen spürbare Detailarbeit hineingeflossen. Es gibt sie also noch: Die Qualitätsware auf Papier.

Nike bleibt Armstrong treu

Trotz aller Turbulenzen im Radsport gibt es noch Sponsoren in dieser schwerst angeschlagenen Sportart. In der Causa Lance Armstrong gibt es ein klares Statement von Nike. Auf sportschau.de im Artikel unter dem Titel “Fall Armstrong” – Folgen sind unabsehbar:

,,US-Sportartikelhersteller Nike hat bereits angekündigt, Armstrongs Krebs-Stiftung treu bleiben zu wollen. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie tut es dem Ruf von Sponsoren ohnehin nicht gut, wenn sie sich spontan von überführten Dopingsündern trennen. Interessant wird sein, wie sich die Sponsoren der Profiteams verhalten. Das Team Garmin-Sharp, bei dem die drei geständigen Vandevelde, Zabriskie und Danielson unter Vertrag stehen, wollte sich noch nicht äußern: “Wir können kein Statement abgeben. Wir stehen unter dem Eindruck der veröffentlichten Fakten und müssen darüber nachdenken, wie es weitergeht” wird die Teamleitung zitiert.”

Treue in schwierigen Zeiten ist selten geworden. Gefallene Stars, Ex-Bundespräsidenten oder durch Krankheiten aus der Bahn geworfene Sportler können ein Lied davon singen. Die neuesten Enthüllungen in puncto ausgeklügelter Dopingpraxis aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten konnten dabei nicht wirklich überraschen. Armstrongs Logistigkette war präzise auf den maximalen Erfolg ausgelegt. In jeder Hinsicht. Die Spielregeln sahen jedoch sicher ein anderes Ende vorher.

Ein ganz normaler Bürotag in Deutschland im September 2012

08:00 Entspannt mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Büro

08:35 Jacket im Büro aufgehangen. E-Mail Eingang checken.

08:45 Kollegen an gewonnene Sportwette RB Leipzig Sieg gegen Lok erinnern

08:50 Ersten Kaffee im Büro trinken, Rosinenbrötchen tunken

08:56 Mentale kurze Auszeit mit youtube vorbereiten

08:59 Kultlied – Am Fenster - von City genießen

09:30 Konferenz. Kollegen an ausstehenden Wetteinsatz erinnern

10:00 Zurück im Büro. Ablage. Blick auf´s investigative interpool.tv

10:30 Genüßlicher Blick auf chessbase

11:05 Blick auf die Uhr. Zweites Frühstück in Sicht. Wird auch Zeit.

11:15  Zweites Frühstück mit Kollegen M. Austausch über Schacholympiade

11:45 Kantine. Schach Diskussion fortsetzen. Es dreht sich um die FIDE

12:40 Eiligen Außentermin vortäuschen: schnell mal rüber zu Kaufhof

13:45 Beim Bereichsleiter Sorge über Zustand von R. äußern

14:30 Am Drucker Powerpoint-Präsentation der Kollegin P. abgreifen

14:55 Druckerpapier und Textmarker Stabilo für daheim einstecken

15:15 Angebote von Adidas, Nike und Puma checken

15:40 Präsentation von P. unter eigenem Namen der Zentrale senden

15:50 Schnell noch ein Blick auf chesstigers und die Tabelle von Istanbul 

16:10 Auszubildenden (noch Hoffenheim Fan) im Großraumbüro hochnehmen

16:20 Die Sport-Wettgelder für die Woche von den Kollegen einsammeln

17:10 Endlich Feierabend. In der Tiefgarage auf Bereichsleiter warten:

,,So spät noch?“

17:50 Von der Frau wegen aufreibenden Bürotag bedauern lassen

17:55 Gut gekühltes Entspannungsbier von der Frau servieren lassen

Anmerkung

Alles an diesem Büroarbeitstag ist erfunden, das hoffe ich zumindest. Namen der Personen sowie Ablauf in der Firma sind ebenso frei erfunden wie die beschriebenen Situationen und Handlungen.

Ich versichere, dass ein Bezug zu realen Geschehnissen in deutschen Büros nicht beabsichtigt ist, auch wenn sich ein solcher finden sollte.

Lance Armstrong mit dem Rücken an der Wand

In der Haut von Lance Armstrong möchte ich jetzt nicht stecken. Ein Denkmal stürzt ein. Dabei Hand auf´s Herz: Wer von den Fahrern der TOP 20 fährt sauber? So ganz ohne Zusatzmittel und Stoffe? Lance Armstrong konnte sich über die Jahre immer wieder geschickt verteidigen. Die Dopingjäger waren ihm auf den Fersen. Doch während andere Fahrer aufflogen, ihre Karriere nicht mehr in Schwung bekamen, zeigte der texanische Tourgott seine Zähne. Er hatte über die Jahre ein Netz an Beziehungen zu Funktionären, Politikern, Journalisten, Radsportgeldgebern etc. geknüpft. Die Toursiege stehen in den Geschichtsbüchern. Jetzt soll die Historie umgeschrieben werden.

Jürgen Kalwa schrieb 2009 den bemerkenswerten Text Neues vom Velo-Jesus auf seinem Blog american-arena und beschied dem Radsportheiligen:

,,Natürlich hat so ein Jesus auch seine Apostel. Die mit dem lautesten Megaphon sind die von Nike. Die verstehen viel vom Zuschnitt von Marketing-Botschaften und der Außendarstellung von Kotzbrocken jeder Preisklasse. Das war einst Teil des gesamten Markenauftritts.”

Für eingefleischte Lance Fans ist der siebenmalige Toursieger natürlich wesentlich sympathischer. Markenauftritt, bröckelndes Denkmal und Doping-Schlagzeilen hin oder her.

Die Outdoor Branche und die Sache mit der sozialen Verantwortung

Mit großen Speed ging Spiegel Online am 13.07.2010 in das Thema Outdoor-Hersteller fallen bei sozialer Verantwortung durch hinein. Der Artikel sorgte damals für viel Aufsehen. 106 Kommentare liefen auf und die Diskussion um Produktionsbedingungen, Lohnkosten, Image, Hungerlöhne, Produktion in einer Militärdiktatur wie Birma und kritischen Arbeitsbedingungen in den Fabriken wogte hin und her. Sektkorken dürften damals in den Führungsetagen von Vaude, Jack Wolfskin, Columbia, The North Face, Patagonia, Marmot Mountain oder Schöffel nicht geknallt haben.

Ich renne an solchen Tagen jedoch auch nicht zum Kleiderschrank und fange mit dem aussortieren an. Die Frage der Produktionsbedingungen stellt sich ja auch bei den Turnschuhen von Nike, Puma und Co. oder beim iPhone von Apple. Die unkonventionelle und kritische taz nahm sich im Artikel Blut am Apfel die Produktionsbedingungen in den chinesischen iPhone-Fabriken vor. Danach möchte man nicht mehr telefonieren. Es tröstet dann auch nicht, dass ich kein iPhone besitze (noch nie besessen habe) und meine Kommunikationswerkzeuge aus anderen Herstellerquellen stammen.

Doch zurück zur Outdoor Branche. Der Hersteller Vaude reagierte damals im Jahr 2010 auf den eingangs erwähnten Artikel bei Spiegel Online und gab eine Erklärung raus, in der Stellungnahme war unter anderen zu lesen:

,,Zu unserer Produktionsstätte in Burma, die sehr hohen Ansprüchen in Bezug auf Arbeitsbedingungen gerecht wird und sich gerade zertifizieren lässt nach SA 8000 Standard, möchten wir Ihnen aktuell Folgendes mitteilen: Als mittelständisches deutsches Familienunternehmen können wir nicht abschließend einschätzen, ob und inwieweit die positiven Aspekte unseres Engagements für den einzelnen Menschen vor Ort (Arbeitsplätze etc.) den potentiell negativen Auswirkungen (Stabilisierung eines Unrechtsregimes) überwiegen. Aus diesem Grund haben wir uns vor einigen Monaten dazu entschlossen, uns im Rahmen einer Exit-Strategie Schritt für Schritt aus Burma zurückzuziehen. “

Tief durchatmen. Exit-Strategie für einen Produktionsstandort eines Outdoor Anbieters. Besser wie wegducken, das Thema ignorieren oder auf dem Standort in einer Militärdiktatur beharren.

Nachdenkenswert #129

 ,,Die Verträge mit Vereinen und Sportlern sind heute in der Tat komplizierter und sehr umfangreich geworden. Die ersten Vereinbarungen mit den Bayern vor 30 Jahren wurden auf zwei Seiten Papier geschrieben. Heute sind es 75 Seiten, weil eben nicht nur die Rechte gegenüber dem Klub geregelt werden, sondern auch die Persönlichkeitsrechte der Spieler. Wenn Sie ein Mannschaftsfoto wollen, wird genau festgelegt, was die Spieler an Ausrüstung tragen müssen. Auch ein Profi wie Ribéry, der bei Nike unter Vertrag ist, muss in Adidas-Kleidung auftreten. Ein Mannschaftsfoto zählt zum Vertragsumfeld.”

Herbert Hainer, Adidas-Chef, am 31.05.2010,

über Vertragsfülle im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Bekenntnisse eines Sportbloggers

Ich bin der, der ohne Masterplan bloggt.

In der Regel langweilen mich Dispute über die Meinungshoheit zwischen Sportjournalisten und Sportbloggern. Beide haben ihre Berechtigung. Der Sportjournalist ist nicht zwingend der unterhaltsamere. Okay, einige Cracks gibt es natürlich auch in den Redakteursstuben Deutschlands. Manch einer hat sich auch vom Diktat der Redaktionskonferenzen gelöst und ist freischaffend tätig. Die individuelle Jagd nach Schreibaufträgen ist damit in der Regel eröffnet. Freie Sportjournalisten scheinen oftmals neben der Textarbeit auch noch viel Aufwand für Ihre Vermarktung zu betreiben (müssen). Da sind dicke Bretter zu bohren. In meiner Kindheit wollte ich auch Sportjournalist werden. Zum Glück kam es anders.

Ich mag keinen Apfelmüll. Markenfetischismus erreicht in der Regel mein Herz nicht. Steve Jobs hielt ich nie für einen Arbeitgebergott. Berichte über Arbeitsbedingungen in einer Fabrik in China machen nachdenklich und lassen keinerlei Begeisterung für irgendein Produkt aus dieser Stätte der Angst aufkommen. Da müssen laut einem taz Artikel Blut am Apfel Netze an den Fassaden installiert werden um weitere Selbstmorde zu verhindern.

Doch zurück zum Sport.

Bei den Boxhelden Frazier und Ali galten meine Sympathien immer letzteren. Ich hab einen Faible für Reinhold Messner, Stefan Nestler, Gerlinde Kaltenbrunner, Rumäniens Weltklassetorwart Cornel Penu und seine Szene mit Wolfgang Lakenmacher in Berlin im Handball-WM Endspiel 1974, Wieland Schmidt,  Bayern München, RB Leipzig, Dieter Mateschitz, die Fußballelf von Helmut Schön in München gegen die Niederlande beim WM-Triumph 74, Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Oliver Kahn, Jürgen Klopp,Hans Meyer, die Pferderennbahn im Scheibenholz in den 80igern mit den Jockeys Jürgen Szydzik, Dietmar Hartung, Martin Rölke, Angelika Glodde, Lutz Pyritz, Jochen Potempa, Schachweltmeister Bobby Fischer und die Story vom Schachmatch des Jahrhunderts, Sebastian Vettel, Dirk Bauermann, Wolfgang Heyder und seine Arbeit bei den Brose Baskets Bamberg, Heiner Brand, Jürgen Croy, gut gemachte Schachwebsiten, Sportblogs wie allesaussersport, Trainer Baade, rotebrauseblogger, breitnigge, indirekter-freistoss …. und die vielen anderen guten Sportzeilenmanufakturen (Kleiner Blick auf meine Blogroll zeigt weitere Perlen).

Ich wundere mich über PR-Aktionen mit falsch aufgestellten Schachbrett, wie kürzlich bei den SPD-Genossen Steinbrück und Schmidt zu beobachten. War sie letztendlich vielleicht gewollt, die Aufmerksamkeit um eine Buchveröffentlichung auf Kosten des regulären Schachspiels? Andererseits habe ich in Oberstdorf beim Großschach auch schon falsch aufgestellte Grundstellungen gesehen. Vielleicht überbewertet dies auch ein einst erfolgreicher Jugendschachspieler wie ich.

Stichwort Jugend. In diesen Zeiten damals im sozialistischen Laborversuch der Spießbürger Honecker und Co. holte ich die eine oder andere Medaille beim Turnierschach. Ohne Doping. Bevor Leser jetzt wild bei wikipedia schauen oder in der Google Suchzeile hektisch nach Statistiken suchen, spart Euch die Zeit.

Meine Erfolge waren im Bezirk Leipzig regional beschränkt, zu historischen unvergessenen Zeiten, wo Robotron, ein DVZ (Datenverarbeitungszentrum), Maschinenbaukombinate mit 40.000 Mitarbeitern, Schlangen vor dem örtlichen Gemüseladen, große Zeitungen mit sozialistischen Power-Botschaften, sehr dominante Medaillenspiegel der DDR-Leistungssportler gegenüber den westlichen Athleten aus Frankreich, England oder der BRD (erinnert sei an die Bilanz bei den Olympischen Spiel in Montreal 1976) und vieles andere mehr den Gang des Alltags begleiteten. Das Internet war weit weg. Nein, es wird die nächsten 5 Jahre keine Memoarien von mir geben. Also liebe Verlage, spart Euch bitte die Anfragen.

Manchmal wünsche ich mir Interviews von Sportlern im Stil von Klaus Kinski. Unvergesslich diese Sequenzen des emotionalen und extrovertierten Schauspielers. Aber auch die Interviews von Erfolgscoach Hans Meyer haben Kultcharakter.

Dynamo Dresden oder Hansa Rostock kann ich mir auch gut in der vierten Liga vorstellen. Die Welt würde sich weiter drehen. Es gibt keinen Grund einen Ostbonus zu fordern. Was sollen da Traditionsvereine aus Essen, Braunschweig, Düsseldorf, Saarbrücken, Uerdingen, Unterhaching oder die Kätzchen aus München sagen. Andererseits stellt sich die Frage warum Eintracht Frankfurt recht glimpflich bei Zuschauerauschreitungen davon kommt. Ach, wie war das eigentlich damals mit der Lizenz für Borussia Dortmund als das finanzielle Kartenhaus einzustürzen drohte? Es sollte auch keinen Westbonus, Nordbonus oder Südbonus geben. Thema Gerechtigkeit – Mahatma Ghandi bitte übernehmen Sie.

Schiedsrichter haben es nicht leicht. Gerade in diesen Zeiten. Mein Idol aus der Jugend war Rudi Glöckner. Jener Referee aus Markranstädt pfiff das legendäre Fußball-WM Endspiel Brasilien-Italien in Mexiko 1970. An ihn kam später keiner ran. So ähnlich muss das eigentlich mit der Markenbildung funktionieren. Schuhe x (oder wir können hier ruhig auch Namen nennen: Adidas, Puma, Nike, Reebok etc.) in der Jugend getragen, und später hat es jeder andere Anbieter schwer in den Kopf und das Herz zu kommen. Heute früh bin ich übrigens mit meiner Jahrhundertliebe am Bodensee gejoggt. Ich trug NO-Name Laufschuhe. Dabei habe ich in meinem Leben bereits Adidas Schuhe, Nike-Fußbekleidung und Puma-Treter angehabt und mit Ihnen auch etliche Kilometer zurückgelegt.

Folgende Sportarten habe ich in meinem Leben bereits ohne Profi-Status ausgeführt: Schach, Fußball, Handball, Badminton, Squash, Volleyball, Laufen über gepflegte 10 Kilometer (Stammleser wissen von meiner Meinung zum Thema Marathon), Hallenfußball, Radfahren mit normalen Rädern, Basketball (oh ich erinnere mich schmerzlich, da verfluchte ich immer meine kleine Körpergröße von 178 cm oder hatte ich generell im Schulsport mental nicht die Anthony Robbins Einstellung?), Bergwandern, Berge mit über 1200 Meter Höhenunterschied bestiegen, Couchrelaxen bei Sportsendungen und Live-Übertragungen aller Art, Schwimmen, Wandern, extensives Lesen von Sportartikeln in den verschiedensten Zeitungen und Magazinen, Kraftsport bei Kieser Training und natürlich noch eine ganze Reihe an Übungen aus dem Schulsportunterricht wie Kugelstoßen, Hochsprung, Bocksprung (Turnen habe ich gehasst)… So jetzt ist aber gut. Sonst kommt noch ein Therapeut auf die Idee, er müsste bei mir eine Art Psycho-Klempner Behandlung einleiten. Nix da.

Ich gehe relativ entspannt mit grammatikalischen Fehlern oder dem einen oder anderen Rechtschreibebrüchlein um. Dieser Blog hat bewusst kein Lektorat. Wer mit der Lupe nach Rechtschreibefehlern und grammatikalischen Fehlpässen sucht wird also sicherlich fündig werden. Gemach, gemach. Dabei waren meine Aufsätze oder Noten generell im Deutsch Unterricht an der 35. Polytechnischen Oberschule in Leipzig (Virchowstraße) gar nicht so übel. Doch ich blogge wie eingangs erwähnt ohne Masterplan und konsultiere auch keine ehemalige Deutschlehrer. Okay? Ich bitte daher meine Leser aber vom zusenden eines Exemplars Konrad Duden abzusehen. Ich würde momentan nicht reinsehen. Vielleicht bin ich da auch etwas eigen. Es ist so.

Ein paar Prognosen dürfen zum Ende nicht fehlen. Im deutschen Volleyball wird der VfB Friedrichshafen seinen achten Meistertiel in Serie einfahren. Die Fußball-Bundesliga wird den Rekordmeister Bayern München am Ende der Saison auf Platz 1 sehen. Das Basketballprojekt mit Dirk Bauermann wird dieses Jahr noch keine deutsche Meisterschaft bringen. Im Handball wird THW Kiel vorne sein. Im Fußball wird RB Leipzig, jene Mannschaft mit der Spielstätte im einstigen legendären Zentralstadion, den Aufstieg in die 3. Liga feiern können. 2012 wird es zum 40. Jahrestag vom Schachmatch des Jahrhunderts das eine oder andere neue Buch geben. So weiter lehne ich mich für heute nicht aus dem Fenster. Im deutschen Eishockey mag ich mich nicht festlegen. Noch nicht.

Ich wünsche allen Lesern ein phantastisches Wochenende.