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Gashimov Memorial: Magnus Carlsen hat 2,5 aus 4 und ein neues Buch über ihn

Magnus Carlsen verliert gegen Fabiano Caruana

Die Tabelle bekommt beim Gashimov Memorial weiter Konturen. Schachweltmeister Magnus Carlsen verliert mit schwarz gegen Fabiano Caruana. Auch kürzlich sah Carlsen gegen Caruana nicht so gut aus. Bereits bei der Schnellschachrunde zum krönenden Abschluss der Zürich Chess Challenge 2014 verlief die Sache für den jungen Weltmeister nicht optimal. Der Schachmozart verlor gegen den 21-Jährigen Caruana. Der einst bis zum 20. April 2010 mit eigenem Schachblog 1438 Tage im Universum aktive Stefan Löffler titelte nach dem Zürich Turnier im Februar diesen Jahres auf der Schachwelt offensiv: Warum Caruana dem Kandidatenturnier fehlen wird. In seinen jungen Jahren sammelte Fabiano Caruana bereits Meistertitel im Vereinsschach wie andere Briefmarken. 2009 und 2010 wurde er deutscher Mannschaftsmeister mit der OSG Baden-Baden, neben dem Premieretitel beim Serienmeister der Schachbundesliga in Deutschland gab es 2009 auch mit der SK Husek Wien einen weiteren Titel zu feiern. Mit ShSM 64 Moskau gab es 2010 und 2011 für den heutigen Carlsen Bezwinger den Meistertitel in Russland. Auch alleine kann Fabiano Caruana gewinnen. 2012 gewann er die 40. Jubiläumsausgabe der Dortmunder Schachtage. Doch zurück zum Gashimov Memorial. ChessBase hat gewohnt zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk alle relevanten Fakten der 4. Runde zusammengestellt.

Derweil gibt es seit kurzen ein neues Buch über den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen von Dagobert Kolmeyer auf dem Markt. Amazon hat es im Angebot. Auch auf ebay ist es mir schon über den Weg gelaufen. Hier am Bodensee in Friedrichshafen führt die größte Buchhandlung vor Ort keine Schachbücher. Schade. Komme mir bitte keiner mit Klagen über das ach so böse Internet. Von Schachjournalist und Buchautor Raymund Stolze stammen folgende Worte:

,,Zu meinem Verleger Manfred Olms habe ich einmal gesagt, dass er eigentlich verrückt ist, Schachbüchern den Weg ins Leben zu ermöglichen – reich werden kann man mit den heutigen Auflagen wahrlich nicht.”

Ich mag Schachbücher ja sehr.  Dabei scheint der Markt an Büchern über den amtierenden norwegischen Schachweltmeister zu boomen. Siehe auch den Beitrag von Frank Rieger auf Schachwelt über das Buch von Vassilios Kotronias mit dem Titel Carlsen´s Assault on the Throne. Der beim Gashimov Memorial bis zum gestrigen Tag mit 2,5 aus 3 gut gestartete Schachmozart ist IN. Gar keine Frage. Ein paar Bücher verträgt der Markt schon noch. Dagobert Kohlmeyer stellt sein neues Schachbuch über Magnus Carlsen in Kürze persönlich vor.

                                

Der 1946 in Jena geborene Dagobert Kohlmeyer ist ein fleißiger Autor. Er studierte Germanistik und Slawistik in der DDR und übersetzte über 40 Schachbücher vom russischen ins deutsche. Darunter solche Hochkaräter wie die Arbeiten von Weltmeister Wassili Smyslow, Anatoli Karpow und Garri Kasparow oder Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi, Alexei Suetin, Artur Jussupow etc. Zahlreiche Werke hat er selbst auch geschrieben. Seine Beschreibungen über das Rematch von Bobby Fischer gegen Boris Spasskij 1992 habe ich einst in einem Antiquariat erstanden.

Doch  jetzt ist Carlsen Zeit.

Im Rahmen eines Lasker-Treff der Emanuel Lasker Gesellschaft gibt es am Dienstag, den 29. April 2014 um 18.30 Uhr im Café Sibylle Karl-Marx-Allee 72 in 10243 Berlin-Friedrichshain (U-Bhf. Strausberger Platz) ein Gespräch mit Paul Werner Wagner und dem Schachbuchautor Dagobert Kohlmeyer. Schachpublizist Kohlmeyer wird das Buch Magnus Carlsen … kam, zog und siegte präsentieren und ein wenig über seine zahlreichen Begegnungen mit den Schachgrößen dieser Welt plaudern.

Derweil powert erfreulicherweise das Schachblog von Zeit Online. Die Themenauswahl von Johannes Fischer und Ilja Schneider gefällt mir ausgesprochen gut. Heute gibt es wieder frischen Content vom ehemaligen Schachzooblogger Ilja Schneider. Er hat sich heute die Entmündigung des Schachzuschauers vorgenommen.

Da wir vorhin bei Schachbüchern waren. Johannes Fischer hat ja auch einen eigenen Blog Schöner Schein. Dort hatte er kürzlich einen dieser schönen Texte verfasst, die er mit folgenden Worten einleitete.

,,Früher entdeckte man vergriffene Bücher im Antiquariat, heute sucht man sie im Internet. Man bekommt die Bücher leichter, aber macht weniger Entdeckungen. So weiß ich nicht, ob ich im Internet je über Chess to Enjoy von Andy Soltis gestolpert wäre. Entdeckt habe ich dieses hübsche Buch während einer USA-Reise in einem kleinen Antiquariat in der Nähe von Lexington, der Hauptstadt von Kentucky.”

Morgen gibt es dann auch noch eine ganz schöne Neuigkeit vom “Presseattaché vom Team Anand”, dem Kultblogger Eric van Reem.

Bleiben Sie mir gewogen und einen schönen Abend noch. Es spielt ja heute die Mannschaft von Magnus Carlsen, jenes königliche Real Madrid. Der Norweger wird also einen etwaigen Sieg der Madrilenen anders empfinden wie der einstige Dynamo Dresden Spieler und jetzige Bayern Sportchef Matthias Sammer. Schaun mer mal.

Wer kein Fußball mag, schaut sich vielleicht jenes geschmeidige Interview mit Magnus Carlsen und dem amerikanischen Moderator Charlie Rose an. Gut investierte 26 Minuten. Bisher gab es für das Video auf YouTube 152.759 Abrufe. Der smarte Journalist Rose interviewte bereits Warren Buffett, Larry Ellison, Quentin Tarantino sowie Barack und Michelle Obama.

Gashimov Memorial: Magnus Carlsen hat 2,5 aus 3 und ein Blick auf einen Jugendkampf

Das Gashimov Memorial nimmt weiter Fahrt auf. Alle Augen, der Fanclub von Hikaru Nakamura vielleicht ausgenommen, sind auf den amtierenden Schachweltmeister gerichtet. Magnus Carlsen, bekennender langjähriger Real Madrid Fan, hatte kürzlich im Viertelfinale der Fußball-Champions-League viel Freude. Seine Königlichen um Cristiano Ronaldo kegelten Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb. Das 3:0 aus dem Hinspiel (Das Ding ist doch durch, oder?) konnte vom Wembley-Finalisten 2013 in Dortmund nicht mehr gekippt werden. Zwischen den Pfosten der Madrilenen stand Weltmeisterkeeper Casillas (an dieser Stelle eine Arjen Robben Gedächtnisminute für die vergebene Großchance im Endspiel 2010 in Südafrika einlegen). Mal sehen wieviel Freude Schachchampion Magnus Carlsen diese Woche mit seiner Mannschaft hat. Ach, weil es so schön war, binde ich das Geburtstagsgeschenk vom Real Madrid Präsidenten an den damals frischgebackenen Weltmeister hier nochmals mit ein.

An dieser Stelle sei mir von meinem treuen und schachinteressierten Lesepublikum gestattet, ein paar Momentaufnahmen fernab des Profischachs einzuflechten. Hier am Bodensee gibt es die verdienstvolle Nachwuchsarbeit von Tilo Balzer beim Schachverein Friedrichshafen. Schachfreund Balzer, der mir freundlicherweise auch einige Fotos vom Jugendwettkampf in Markdorf zur Verfügung stellte, schreibt:

,,Es wurde in 2 Gruppen (A- / B-Gruppe nach Spielstärke) mit jeweils 8 Spielern (4 x MA gegen 4 x FN) in 4 Runden gespielt, so dass in jeder Gruppe 4 Fnler gegen 4 Markdorfer in Rotation antraten. Da wir nur 7 Spieler hatten wurden wir durch das Tettnanger Schachtalent Sebastian Roll ergänzt.”

Ju Vgl gegen MA 003

Diese Fotos erinnern mich immer an meine Wettkämpfe in meiner Kindheit und Jugend. Das kribbeln im Bauch. Lampenfieber in Reinkultur. Die Spiellust, gepaart mit Ehrgeiz. Wer mag als Kind oder Jugendlicher schon gerne verlieren? Es ist ein königliches Spiel. Ju Vgl gegen MA 023

 ,,Karla Reif, Martin Böckler (in A) und Ludwig Reif (in B) gewannen alle ihre
4 Partien ! Super toll ! “

Ju Vgl gegen MA 013

,,Aber auch Sebastian Roll (B, 3,5), Richard Reif und Richard Teich (A, jeweils 3) spielten hervorragend.”

Ju Vgl gegen MA 006

,,David Behnke hatte etwas Pech und holte nur einen Punkt. Silas Hofmann spielt erst seit zwei Wochen bei uns und wird bei seiner guten Veranlagung durch Training und Erfahrung sehr bald ein sehr Ernst zu nehmender Spieler werden.”

Ju Vgl gegen MA 015

Ju Vgl gegen MA 011Soweit ein kleiner Ausflug in die faszinierenden Gefilden des Jugendwettkampfs Markdorf gegen Friedrichshafen.

Schachweltmeister Magnus Carlsen hat inzwischen seine heutige Partie gegen Sergey Karjakin auch beendet. Der norwegische Schachmozart, der beizeiten in seiner Kindheit mit dem Schachspiel anfing hat jetzt 2,5 aus 3. ChessBase und Chess-Tigers haben alle relevanten Informationen der heutigen 3. Runde zusammengestellt. Die aktuelle Tabelle schaut so aus:

                                         A-Turnier | Stand nach Runde 3

Gashimov Memorial: Magnus Carlsen hat 2 aus 2 und sein Gepäck wieder

An Feiertagen zeigt sich aus welchen Holz Männer geschnitzt sind. Ausruhen auf dem heimischen Sofa bei Heidelbeereis und Kaffee, Laptoppausen etc. ist eher etwas für die weniger ambitionierten Schachfreunde. Es gibt auch die kontinuierlich engagierten und fleißigen Männer mit Power. Am Ostermontag läuft der von mir sehr geschätzte Mike Rosa auf chess-tigers zu großer Form auf und berichtet schwungvoll über das Gashimov Memorial. Alleine seine Einleitung des aktuellen Textes ist mehr wie offensiv:

,,Unterschiedlicher kann die Stimmung nach einer Schachpartie nicht sein, wie sie heute bei Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura ist. Der norwegische Weltmeister nutzte die weißen Steine erneut für einen ruhigen Aufbau und wartete ab, was dem Amerikaner Schlechtes einfallen würde. Carlsen erkannte die Schwächen des schwarzen Aufbaus und zerlegte die Nr. 9 der Weltrangliste fachgerecht. Wiederum sollte dies der einzige Sieg der Runde bleiben, die beiden anderen Partien hätten selbst ein Fass Redbull zum Einschlafen gebracht. Damit führt Carlsen mit 2/2 und hat auch endlich sein Gepäck zurück, welches am Flughafen in Dubai nicht mit in den Flieger verfrachtet worden war.”

Gewohnt stark bebildert, akribisch die wichtigen Dinge aufbereitet. Ja, Chess Tigers gehört zu den besseren deutschen Qualitätswebsiten in puncto Schach. Kenntnisreich, schachlich fundiert, immer am Puls der Zeit. Keine Ruhepause am Ostermontag.

Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn

Die Schachwelt überraschte gestern Abend die Nachricht vom überraschenden Rücktritt von Magnus Carlsen. In der Spätausgabe der norwegischen Zeitung Verdens Gang gab das Management an, die näheren Umstände in einer Pressekonferenz diese Woche am Donnerstag um 13.00 Uhr bekanntzugeben.

Foto: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Einst hatte auch Bobby Fischer als amtierender Schachweltmeister seine Laufbahn beendet. Auch Gari Kasparow gab nach Meinung zahlreicher Schachexperten die glanzvolle Karriere am Schachbrett zu zeitig auf.

Update: Siehe auch Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Pressespiegel zum Schach WM-Kandidatenturnier 2014 von Vishy Anand

Die Schachfiguren sind verstaut. Die Schachuhren angehalten. Die Live-Ticker über Khanty Mansiysk im März 2014 bereits wieder Geschichte. Nach dem WM-Kandidatenturnier ist vor dem WM-Kampf. Bernd Schroller auf sportal:.

,,Der Ort der kommenden Weltmeisterschaft steht ja noch aus. Anand wird gefragt, wo er gerne spielen würde. Es ist ihm egal, er gibt nur zu Bedenken, dass ausgerechnet in seiner Heimatstadt Chennai sein Schach eher schwach war.”

Vishy Anand war der große Gewinner in der sibirischen Erdölstadt und überraschte zahlreiche Experten mit seinem Comeback. Zur Erinnerung zum Beispiel vielleicht die Einschätzung von Deutschlands Nummer 1, Mannschaftseuropameister von 2011, Großmeister Arkadi Naiditsch auf Schach-Ticker vor Beginn des Turniers:

,,Wahrscheinlich ist „ Vishy“ der beste Spieler der letzte 20 Jahre. Er hat wirklich alles erreicht im Schach, was nur möglich war. Es gab Zeiten, da war Anand zudem, fast unbesiegbar in Schnellschach und Blitz. Was aber seine Leistungen der letzten Jahre angeht, so sind so doch eher bescheiden geworden. So spielt er deutlich langsamer als früher, versucht keine Risiken mehr einzugehen und scheint außerdem sehr glücklich zu sein, wenn die Partie endlich zu Ende ist. Sein WM-Match gegen Carlsen war auch mehr ein Schlachtfeld als ein Duell zwischen Herausforderer und Weltmeister.”

Johannes Fischer bilanziert auf chessbase das Kandidatenturnier und erinnert ebenfalls an die Expertenmeinungen, die Anand gar einen Start ausreden wollten:

,,Kaum einer der Experten hatte Anand vor dem Turnier als möglichen Sieger getippt. Nach für Anands Verhältnisse durchwachsenen Turnierergebnissen in den letzten Jahren, der klaren 3,5:6,5 Niederlage gegen Magnus Carlsen beim WM-Kampf im November 2013 und Anands viertem Platz beim Meisterturnier in Zürich Anfang des Jahres waren einige Experten sogar der Meinung, es wäre das Beste, wenn Anand auf die Teilnahme am Kandidatenturnier verzichten würde, um jüngeren Spielern wie Hikaru Nakamura oder Fabiano Caruana eine Chance zu geben.”

Inwieweit Vishy Anand dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen Paroli bieten kann, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt. Ich erwarte einen durchaus härteren Fight wie in Chennai. Der indische Schachheld präsentierte sich psychisch wie physisch in frischerer Form wie im November 2013 beim C&A Duell. Unter Umständen muss der norwegische Champion im erneuten WM-Schachmatch über die volle Distanztitelbild

Der Eingangs erwähnte Bernd Schroller war auch bei Spiegel Online fleißig und titelt über Vishy Anand Der Altmeister kann es noch.

,,Der Ex-Weltmeister spielte in Chanty-Mansijsk sein bestes Turnier seit Jahren und blieb als einziger Spieler im Feld ohne Niederlage. Nur in der vorletzten Runde gegen Sergej Karjakin musste er etwas zittern, verteidigte aber das Endspiel mit einem Turm gegen zwei Leichtfiguren über 50 Züge sehr geschickt bis zur Punkteteilung. Im Gegensatz zum WM-Kampf gegen Carlsen konnte Anand hier auch wieder mit seinem breiten Eröffnungswissen glänzen.”

Der “Presseattaché vom Team Anand”, der unermüdliche  niederländische Kultblogger Eric van Reem, hat die 14. Runde wieder schön auf Chees in Tweets aufgedröselt. Vishy Anand erzielte bei diesem Kandidatenturnier exakt die gleiche Punktzahl wie Magnus Carlsen in London 2013.

The game did not take very long. After 34 moves and 90 minutes of play,  Anand and Svidler finished their tournament.  @dilipvanaman:Vishy secures 8 1/2 points/14 rounds. Coincidence ? Same points as @MagnusCarlsen in the 2013 Candidates”. @bandrinath: “+3 – 0 = 11. Who would have thought? A polite slap to all those who said “he” is over!!”  @unudurti“In effect, Anand needed only 6 Whites. Respect”.

Einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Kandidatenturnieren von London 2013 und Khanty Mansiysk 2014 gibt es denn doch auf den ersten Blick. Vishy Anand blieb im Gegensatz zu Magnus Carlsen ungeschlagen.

Live-Stream 14. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen septima partida13 Runden liegen hinter den Schachgroßmeistern und den Kiebitzen. Am heutigen Sonntag geht es in die 14. Runde. Der Vorhang geht ein letztes Mal auf in Khanty Mansiysk. Es geht um die Platzierungen und Preisgelder hinter dem Turniersieger Vishy Anand.

Heute ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker  ++++++++++++++++++++++++++++

Ich bedanke mich bei meinen Lesern für die Aufmerksamkeit und bleiben Sie mir gewogen.

Vishy Anand gewinnt das Schach-WM Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk und fordert Magnus Carlsen heraus

Eine Tabelle, die besonders Hans-Walter Schmitt, Eric van Reem, Mike Rosa und allen Vishy Anhängern ein Lächeln in das Gesicht zaubert. Herzlichen Glückwunsch, Vishy!

 

Die 13. Runde brachte bereits die erwartete Vorentscheidung. Vishy Anand ist durch. Er gewinnt am Sonnabend durch das heutige Remis gegen Sergey Karjakin nach 91 Zügen das Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk.

Damit kommt es zur Neuauflage des C&A Duells. Vishy Anand erkämpfte sich heute durch den vorzeitigen Turniersieg das Recht den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen herauszufordern.anand - carlsen quinta partida victoria tecnica de carlsenIn der 1. Auflage im November 2013 stand es nach 10 Partien 6,5 : 3,5 für das norwegische Schachgenie Magnus Carlsen. Vishy Anand musste seinen Titel an den jungen Schachmozart abgeben. Vielleicht Gelegenheit, eine kleine Rückschau von mir auf das Schachmatch des Jahrzehnts zu zeigen.

[Reblog vom 21. Januar 2014]

Schachmatch des Jahrzehnts 2013 in Chennai: Magnus Carlsen – Viswanathan Anand

Nein, der Generationswechsel kam nicht wirklich überraschend. Der Sportwettenanbieter bwin notierte vor Beginn des Schach-WM Kampfes in Chennai eine Favoritenquote von 1,30 für den jungen Norweger Magnus Carlsen. Der amtierende Weltmeister Viswanathan Anand ging mit der Außenseiterquote von 3,20 in das C&A Duell. Im Vorfeld ist viel über die Elo-Dominanz von Carlsen geschrieben worden, auch gab es einen Hype um den ersten Schachspieler aus der „westlichen Hemisphäre“ , der sich nach 41 Jahren wieder für ein WM-Match qualifizieren konnte, seit Bobby Fischers Einzug in das Finale 1972.

Einmalige Konstellation: Schachmatch des Jahrhunderts 1972

Manch einer der Kommentatoren stilisierte im Vorfeld gar die Auseinandersetzung zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen in jene historische Höhe von Reyjkjavik. Das wäre aber doch ein wenig zu viel des Guten. 1972 war eine einmalige Konstellation. 25 Jahre russische Schachvorherschaft (die WM-Kämpfe trugen Spieler aus der Sowjetunion regelmäßig in Moskau untereinander aus) wurden von einem Einzelkämpfer und Schachgenie aus Amerika herausgefordert. Fischer lernte intensiv russisch um in die Schachbücher und Geheimnisse der führenden Nation in Sachen königliches Spiel einzutauchen. Das Charisma von Bobby Fischer zu jener Zeit strahlte in die Wohnzimmer der Schachfreunde aus West und Ost. Auf dem Weg zum Schachmatch des Jahrhunderts zerlegte Bobby Fischer die Stellungen von starken Spielern wie Taimanow oder Petrosjan. Es waren dominante und beeindruckende Siege. Ein Hurrikan auf den 64 Feldern. In der damaligen Form, eine Zeitmaschine vorausgesetzt, würde man gerne Kasparow und Carlsen gegen Fischer spielen lassen. Das russische Schach sah sich herausgefordert durch Bobby Fischer. Kleine Randnotiz: Weder sein Kontrahent Boris Spasskij noch er selber repräsentierten in ihren Charakteren das jeweilige typische Gesellschaftsystem ihrer Heimatländer.

Bobby Fischer kämpfte einst für adäquate Preisgelder und scheute den Vergleich zu Ali nicht

Die Bedingungen, die beinahe zum Abbruch des Schachmatch des Jahrhunderts in der isländischen Hauptstadt geführt hätten, sind legendär und oft beschrieben worden. Bobby Fischer kämpfte um Preisgelder, professionelle Rahmenbedingungen und Respekt wie Manager Uli Hoeneß um den Erfolg von Bayern München. Unerbittlich, selbstbewusst, die Meinung der Mehrheit oft auch ignorierend, ehrgeizig bis in die Zehenspitzen, polarisierend und in der Fischerschen eigenen Logik. Er verglich sich wie selbstverständlich mit dem großen Profiboxer Muhammad Ali und forderte monetäre adäquate Entlohnung für den professionellen Schachsport. Seine hartnäckige Art in Sachen Preisgelder kam allen nachfolgenden Schachgroßmeistern zu gute. Der Berufsschachspieler Bobby Fischer wurde nicht vom amerikanischen Schachverband gehätschelt. Er hatte keinen riesigen Stab an Betreuern oder ein Managementteam um sich. Fischer boxte sich quasi fast alleine durch die Schachwelt. In seiner besten Zeit trug er auch die besten Anzüge. Ein Kennedy Schneider musste es sein. Seine eleganten Schuhe ergänzten das makellose Äußere. Bobby Fischer sah gut aus und konnte auch charmant plaudern, wenn er denn wollte.

Nach 4 Remis zum Auftakt folgt der Doppelschlag von Carlsen

Magnus Carlsen mit Bobby Fischer zu vergleichen wäre nicht fair. Diese Last sollte man dem Norweger, dem die Mutter noch vor 3 Jahren die Sachen zum Anziehen rauslegte, auch nicht aufbürden. Er ist jetzt Weltmeister, übrigens nicht der jüngste wie irrtümlicherweise in der letzten WM-Woche in einem dpa-Artikel in Zeitungen wie der Passauer Presse zu lesen war. Das Privileg hatte sich einst Garri Kasparow gesichert. Nach der großartigen Eröffnungsfeier in Chennai kam es zum lang ersehnten Schach-WM Kampf zwischen dem Champion Anand und seinem Herausforderer Carlsen. Die Eröffnungspartie war auf den 9. November terminiert. Magnus Carlsen begann mit 4 Remis. Die beiden Auftaktspiele waren blutleere Remis. Diese handzahmen und sehr schnellen friedfertigen Remis hatte Bobby Fischer immer bei Kandidatenturnieren zwischen sowjetischen Spielern vehement kritisiert. Die 3. und 4. Partie wurde ausgespielt ohne einen Sieger zu finden.

Nach dem 2. Ruhetag gab es dann den Doppelschlag von Magnus Carlsen. Er profitierte in der 5. und 6. Partie in Endspielen von Fehlern Anands. Dann kam der Sonntag mit dem 3. Ruhetag. Der amtierende Weltmeister hätte sicher auch einen weiteren gebraucht. Die Körpersprache am Brett von Anand nach dem Wochenende gefiel mir nicht.  In der 7. und 8. Partei gab es wieder Punkteteilungen. Fast aufreizend lässig blitzte Carlsen dabei die 8. Partie herunter. Magnus Carlsen schob sich so fast unauffällig mit einem 5:3 Zwischenstand dem WM-Titel näher. Die Hausaufgabe bestand nun darin, 1,5 aus 4 zu holen. Erinnerungen an das volatile Nervenkostüm vom norwegischen Schachgroßmeister beim Kandidatenturnier im Frühjahr  in London 2013 wurden wach. Das Ticket für Chennai wäre beinahe an den ehemaligen Weltmeister Kramnik gegangen. Der 22-Jährige Carlsen kam in der englischen Hauptstadt mit einem blauen Auge davon.

Doch konnte Anand nochmals einen Hitchcock-Thriller inszenieren? Den Rückstand verkürzen? Dafür ging er offensiv und gut präpariert in die 9. Partie.  Er spielte auf Angriff. Doch dann kam der Hardcore-Fehler von Vishy Anand. Der Weg zum WM-Titel war mit 3 Punkten Vorsprung nun für Magnus Carlsen frei.

Der Spiegel verzeichnet 1,15 Millionen Klicks und Schach schafft es in das ARD Morgenmagazin

Schach hatte es in der Zwischenzeit sogar bis in das Morgenmagazin von ARD und ZDF gebracht. Kein Fake. Mit Live-Bildern vom WM-Schachmatch aus Chennai, Bildschnipseln aus einer Sporthalle von einem Basketball spielenden Carlsen und ein paar Zeilen, die aus einer Agenturmeldung stammten. Manch einer der deutschen Schachfreunde rieb sich verwundert die Augen. Schach wird sonst von den öffentlich-rechtlichen Sendern links liegen gelassen. Bei der WM 2010 in Sofia zwischen dem bulgarischen Herausforderer Topalov und Anand haperte selbst der kleine kontinuierliche Nachrichtenfluss beim ARD Videotext. Doch Schach war 2013 im November auf einmal In. Deutschland hat durchaus eine bemerkenswerte Schachtradition aufzuweisen. Weltmeister Emanuel Lasker, Dr. Robert Hübner, Wolfgang Uhlmann seien hier stellvertretend genannt.  Der Spiegel, jenes ehrwürdige Hamburger Nachrichtenmagazin powerte stolz in der Printausgabe vom 18. November 2013 eine Klickrate in Rekordhöhe vom Live-Schachticker der 4. Partie heraus: 1,5 Millionen Klicks. Eine deutsche mediale Randsportart war in aller Munde. Warum gab es eigentlich 2011 in den Medien so verdammt wenig Resonanz? Damals siegte die deutsche Schachmannschaft der Männer überraschend bei der Schacheuropameisterschaft in Griechenland. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Live-Stream 13. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen deep game

Der gestrige Ruhetag liegt hinter den Schachspielern. Heute geht es in die 13. Runde.

Darum ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker  ++++++++++++++++++++++++++++

Kann der Champagner bereits kaltgestellt werden?

Zeit Online setzt mit Schachblog verstärkt auf das Königliche Spiel

Für alle Freunde des gepflegten Schachblogs gibt es dieser Tage auch gute Nachrichten aus dem Hause von Zeit Online. Sie haben einen Schachblog mit dem Titel Von Hängepartien und Bauernopfern aufgelegt. Zur Zeit wird er vom ehemaligen Schachzoo Blogger Ilja Schneider, Schachfreund Dennes Abel sowie dem von mir sehr geschätzten Schachpublizisten und Übersetzer Johannes Fischer (mit Schöner Schein auch in meiner Blogroll seit geraumer Zeit vertreten) bespielt.

Ich mag die Online Aktivitäten von Zeit Online. Seien es die sachkundigen Kommentare zum Geschehen auf dem Rasen von Fußballexperte und Hartplatzheld Oliver Fritsch oder das vorjährige sagenhafte multimediale Tour de France Dossier. Nun also auch verstärkt Schach. Vielleicht ein paar Kostproben vom neuen Schachblog.

Fangen wir mit Dennes Abel an. Er macht auf das verschwundene Phänomen der Hängepartie aufmerksam:

,,Jedoch verschwanden im Schach die Hängepartien im Zeitalter der Computerprogramme, was für manche Spieler sicherlich bedauerlich ist. An den langen Abenden nach einer Hängepartie entstanden Anekdoten, die im Laufe der Zeit zu Legenden wurden. Ich habe in meinen Bundesligapartien keine Hängepartien mehr erlebt. Dafür hat sich das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und es in die Unterzeile dieses Blogs geschafft.”

Ilja Schneider nahm sich kürzlich der Sache von Anands Glückspullover an und korrigierte dabei auch seine Einschätzung der Chancen vom Ex-Schachweltmeister aus Indien im Bezug auf den Sieg beim Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk.

,,Weil ich Anand vor dem Turnier unterschätzt habe, prophezeie ich nun fünf Runden vor Schluss seinen Sieg. Vor allem, weil seine Konkurrenten bisher alle enttäuscht haben, zu nervös und unkonstant haben sie bisher agiert. Warum sollte sich das in den letzten fünf Runden ändern?”

Derweil hat sich Johannes Fischer der Stärke des aktuellen Weltmeisters angenommen und befindet im Blogbeitrag unter dem Titel Wie Magnus Carlsen das Schach verändert:

,,Bald ändert sich die Stellung dann wie von Zauberhand. Zugunsten von Carlsen. Eben noch sicher stehende Bauern scheinen bedroht, solide Strukturen wirken anfällig, unerwartete Drohungen tauchen auf und überall lauert plötzlich Gefahr. Der Gegner muss Entscheidungen treffen, die immer schwerer werden. Die klare Remisstellung wirkt auf einmal nicht mehr so klar, der halbe Punkt rückt immer weiter in die Ferne. Man bekommt ihn noch, nur, wenn man gut spielt. Stundenlang. In unangenehmer Stellung. Mit dem Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, aber nicht zu wissen, was und wo.”

User HenryEdward adelt den Text von Johannes Fischer in den Kommentaren bei Zeit Online mit folgenden Worten:

,,Umfangreicher, aber trotzdem fesselnder Artikel! Die Hinwendung der Zeit zum Schachspiel ist sehr lobenswert. Nicht nur das Verständnis des Schachspiels kann so vermittelt werden, sondern auch das Verständnis für Schachspieler, einer der breiten Masse doch rätselhafte Truppe.”

Soweit für heute der Hinweis auf den Schachblog von Zeit Online.

Grandioses Interview von Daniel King bei Stuttgarter Nachrichten

Für alle Schachfreunde gibt es noch einen unbedingten zu beachtenden Lesehinweis. Das grandiose Interview vom englischen Schachgroßmeister Daniel King über Vishy Anand und das laufende Kandidatenturnier in der Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Chessbase hat  das PDF vom Interview online gestellt. Sollte es an der fehlenden Zeit liegen, notfalls auf den Mittagsbraten am Wochenende verzichten. Ich habe jede Zeile verschlungen. Einfach großartige Einsichten und Ansichten.

Besonders schön auch die letzten bemerkenswerten Sätze von Daniel King im Interview. Das erinnerte mich spontan an meine Schachpartie gegen Eva Moser beim Simultan im September 2013 im Kunsthaus Bregenz hier am Bodensee. Von meinem Brett aus sah ich auch eine automobile Rarität. Der Citröen La DS Coraline, in kunstvoll abgespeckter Version vom Konzeptkünstler und in New York, Paris sowie Mexiko Stadt lebenden Gabriel Orozco dargeboten. Vielleicht kostete dies mich aber auch die zwei oder drei bis vier Prozent Konzentration, die ich für ein Remis gegen Österreichs stärkste Schachspielerin benötigt hätte. Traveler Digital Camera

Schließen möchte ich für heute mit einem interessanten Hinweis vom “Presseattaché vom Team Anand”, dem sympathischen schachaffinen Niederländer Eric van Reem auf Chess in Tweets in Sachen ungebremster Begeisterung der zahlreichen amerikanischen Schachfans (Wecker hin oder her) sowie die Besucherströme aus dem Iran:

,,It might be interesting  to look at some stats of this blog. I have visitors from no less than 98 (!) countries, and most visitors come from the US. Due to the big time diference to Khanty Mansiysk (UTC/GMT +6) most chess fans in the US get up in the morning, only to see the result of the games.  When the games start in KM at the local time 15:00, it is 05:00 in New York and 02:00 in L.A. You must be a big chess fan to get up in the middle of the night to watch the games live! I was very surpised to see in the stats, that many chess fans from the Islamic Republic of Iran visit the blog. But since Twitter is blocked in Iran, it makes sense.”

Einen schönen Sonnabend wünsche ich allen meinen treuen Lesern. Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr

Michael Wiemer

Live-Stream 12. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Heute seht die 12. Runde in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk an. Morgen ist dann der letzte Ruhetag, bevor es am Sonnabend und Sonntag die Runden 13 und 14 geben wird. Da es bis zum Beginn des Live-Ticker um 10.00 Uhr noch etwas Zeit ist, möchte ich gerne an dieser Stelle mein persönliches Schachvideo des Jahres 2013 Ihnen kurz zeigen. Es passierte eine Woche nach dem WM-Sieg von Magnus Carlsen gegen Vishy Anand. Tatort Madrid. Statt Schachbrett ein gepflegter Rasen. Florentino Perez, der Präsident von Real Madrid, hatte zum 23. Geburtstag von Magnus Carlsen ein ganz besonderes Geschenk. Eine Einladung der besonderen Art. Das junge norwegische Schachgenie ist ein begeisterter und bekennender Fan der Mannschaft von Cristiano Ronaldo und Co. Das originelle Geburtstagsgeschenk wurde vom fußballinteressierten  Magnus Carlsen gerne angenommen. Der spanische Fußball und die Schachwelt erlebten eine Premiere. Im Punktspiel Real Madrid gegen Valladolid durfte der junge Schachweltmeister den Anstoß ausführen. Selbstverständlich ist das Video mittlerweile Allgemeingut geworden.

Vielleicht hat Schachweltmeister Magnus Carlsen demnächst viel Spaß, wenn Real Madrid im Viertelfinale der Champions-League auf Borussia Dortmund trifft. Doch nun zum heutigen Schach in Khanty Mansiysk. Vorhang auf für die 12. Runde.

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Wer das bisherige WM-Kandidatenturnier von Khanty Mansiysk noch ein wenig Revue passieren lassen möchte, kann bei schach-ticker, chessbase, chesstigers und dem niederländischen Kultblogger Eric van Reem auf Chess in Tweets gerne ein wenig hineintauchen.