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Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn

Die Schachwelt überraschte gestern Abend die Nachricht vom überraschenden Rücktritt von Magnus Carlsen. In der Spätausgabe der norwegischen Zeitung Verdens Gang gab das Management an, die näheren Umstände in einer Pressekonferenz diese Woche am Donnerstag um 13.00 Uhr bekanntzugeben.

Foto: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Einst hatte auch Bobby Fischer als amtierender Schachweltmeister seine Laufbahn beendet. Auch Gari Kasparow gab nach Meinung zahlreicher Schachexperten die glanzvolle Karriere am Schachbrett zu zeitig auf.

Update: Siehe auch Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Pressespiegel zum Schach WM-Kandidatenturnier 2014 von Vishy Anand

Die Schachfiguren sind verstaut. Die Schachuhren angehalten. Die Live-Ticker über Khanty Mansiysk im März 2014 bereits wieder Geschichte. Nach dem WM-Kandidatenturnier ist vor dem WM-Kampf. Bernd Schroller auf sportal:.

,,Der Ort der kommenden Weltmeisterschaft steht ja noch aus. Anand wird gefragt, wo er gerne spielen würde. Es ist ihm egal, er gibt nur zu Bedenken, dass ausgerechnet in seiner Heimatstadt Chennai sein Schach eher schwach war.”

Vishy Anand war der große Gewinner in der sibirischen Erdölstadt und überraschte zahlreiche Experten mit seinem Comeback. Zur Erinnerung zum Beispiel vielleicht die Einschätzung von Deutschlands Nummer 1, Mannschaftseuropameister von 2011, Großmeister Arkadi Naiditsch auf Schach-Ticker vor Beginn des Turniers:

,,Wahrscheinlich ist „ Vishy“ der beste Spieler der letzte 20 Jahre. Er hat wirklich alles erreicht im Schach, was nur möglich war. Es gab Zeiten, da war Anand zudem, fast unbesiegbar in Schnellschach und Blitz. Was aber seine Leistungen der letzten Jahre angeht, so sind so doch eher bescheiden geworden. So spielt er deutlich langsamer als früher, versucht keine Risiken mehr einzugehen und scheint außerdem sehr glücklich zu sein, wenn die Partie endlich zu Ende ist. Sein WM-Match gegen Carlsen war auch mehr ein Schlachtfeld als ein Duell zwischen Herausforderer und Weltmeister.”

Johannes Fischer bilanziert auf chessbase das Kandidatenturnier und erinnert ebenfalls an die Expertenmeinungen, die Anand gar einen Start ausreden wollten:

,,Kaum einer der Experten hatte Anand vor dem Turnier als möglichen Sieger getippt. Nach für Anands Verhältnisse durchwachsenen Turnierergebnissen in den letzten Jahren, der klaren 3,5:6,5 Niederlage gegen Magnus Carlsen beim WM-Kampf im November 2013 und Anands viertem Platz beim Meisterturnier in Zürich Anfang des Jahres waren einige Experten sogar der Meinung, es wäre das Beste, wenn Anand auf die Teilnahme am Kandidatenturnier verzichten würde, um jüngeren Spielern wie Hikaru Nakamura oder Fabiano Caruana eine Chance zu geben.”

Inwieweit Vishy Anand dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen Paroli bieten kann, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt. Ich erwarte einen durchaus härteren Fight wie in Chennai. Der indische Schachheld präsentierte sich psychisch wie physisch in frischerer Form wie im November 2013 beim C&A Duell. Unter Umständen muss der norwegische Champion im erneuten WM-Schachmatch über die volle Distanztitelbild

Der Eingangs erwähnte Bernd Schroller war auch bei Spiegel Online fleißig und titelt über Vishy Anand Der Altmeister kann es noch.

,,Der Ex-Weltmeister spielte in Chanty-Mansijsk sein bestes Turnier seit Jahren und blieb als einziger Spieler im Feld ohne Niederlage. Nur in der vorletzten Runde gegen Sergej Karjakin musste er etwas zittern, verteidigte aber das Endspiel mit einem Turm gegen zwei Leichtfiguren über 50 Züge sehr geschickt bis zur Punkteteilung. Im Gegensatz zum WM-Kampf gegen Carlsen konnte Anand hier auch wieder mit seinem breiten Eröffnungswissen glänzen.”

Der “Presseattaché vom Team Anand”, der unermüdliche  niederländische Kultblogger Eric van Reem, hat die 14. Runde wieder schön auf Chees in Tweets aufgedröselt. Vishy Anand erzielte bei diesem Kandidatenturnier exakt die gleiche Punktzahl wie Magnus Carlsen in London 2013.

The game did not take very long. After 34 moves and 90 minutes of play,  Anand and Svidler finished their tournament.  @dilipvanaman:Vishy secures 8 1/2 points/14 rounds. Coincidence ? Same points as @MagnusCarlsen in the 2013 Candidates”. @bandrinath: “+3 – 0 = 11. Who would have thought? A polite slap to all those who said “he” is over!!”  @unudurti“In effect, Anand needed only 6 Whites. Respect”.

Einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Kandidatenturnieren von London 2013 und Khanty Mansiysk 2014 gibt es denn doch auf den ersten Blick. Vishy Anand blieb im Gegensatz zu Magnus Carlsen ungeschlagen.

Live-Stream 14. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen septima partida13 Runden liegen hinter den Schachgroßmeistern und den Kiebitzen. Am heutigen Sonntag geht es in die 14. Runde. Der Vorhang geht ein letztes Mal auf in Khanty Mansiysk. Es geht um die Platzierungen und Preisgelder hinter dem Turniersieger Vishy Anand.

Heute ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

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Ich bedanke mich bei meinen Lesern für die Aufmerksamkeit und bleiben Sie mir gewogen.

Vishy Anand gewinnt das Schach-WM Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk und fordert Magnus Carlsen heraus

Eine Tabelle, die besonders Hans-Walter Schmitt, Eric van Reem, Mike Rosa und allen Vishy Anhängern ein Lächeln in das Gesicht zaubert. Herzlichen Glückwunsch, Vishy!

 

Die 13. Runde brachte bereits die erwartete Vorentscheidung. Vishy Anand ist durch. Er gewinnt am Sonnabend durch das heutige Remis gegen Sergey Karjakin nach 91 Zügen das Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk.

Damit kommt es zur Neuauflage des C&A Duells. Vishy Anand erkämpfte sich heute durch den vorzeitigen Turniersieg das Recht den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen herauszufordern.anand - carlsen quinta partida victoria tecnica de carlsenIn der 1. Auflage im November 2013 stand es nach 10 Partien 6,5 : 3,5 für das norwegische Schachgenie Magnus Carlsen. Vishy Anand musste seinen Titel an den jungen Schachmozart abgeben. Vielleicht Gelegenheit, eine kleine Rückschau von mir auf das Schachmatch des Jahrzehnts zu zeigen.

[Reblog vom 21. Januar 2014]

Schachmatch des Jahrzehnts 2013 in Chennai: Magnus Carlsen – Viswanathan Anand

Nein, der Generationswechsel kam nicht wirklich überraschend. Der Sportwettenanbieter bwin notierte vor Beginn des Schach-WM Kampfes in Chennai eine Favoritenquote von 1,30 für den jungen Norweger Magnus Carlsen. Der amtierende Weltmeister Viswanathan Anand ging mit der Außenseiterquote von 3,20 in das C&A Duell. Im Vorfeld ist viel über die Elo-Dominanz von Carlsen geschrieben worden, auch gab es einen Hype um den ersten Schachspieler aus der „westlichen Hemisphäre“ , der sich nach 41 Jahren wieder für ein WM-Match qualifizieren konnte, seit Bobby Fischers Einzug in das Finale 1972.

Einmalige Konstellation: Schachmatch des Jahrhunderts 1972

Manch einer der Kommentatoren stilisierte im Vorfeld gar die Auseinandersetzung zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen in jene historische Höhe von Reyjkjavik. Das wäre aber doch ein wenig zu viel des Guten. 1972 war eine einmalige Konstellation. 25 Jahre russische Schachvorherschaft (die WM-Kämpfe trugen Spieler aus der Sowjetunion regelmäßig in Moskau untereinander aus) wurden von einem Einzelkämpfer und Schachgenie aus Amerika herausgefordert. Fischer lernte intensiv russisch um in die Schachbücher und Geheimnisse der führenden Nation in Sachen königliches Spiel einzutauchen. Das Charisma von Bobby Fischer zu jener Zeit strahlte in die Wohnzimmer der Schachfreunde aus West und Ost. Auf dem Weg zum Schachmatch des Jahrhunderts zerlegte Bobby Fischer die Stellungen von starken Spielern wie Taimanow oder Petrosjan. Es waren dominante und beeindruckende Siege. Ein Hurrikan auf den 64 Feldern. In der damaligen Form, eine Zeitmaschine vorausgesetzt, würde man gerne Kasparow und Carlsen gegen Fischer spielen lassen. Das russische Schach sah sich herausgefordert durch Bobby Fischer. Kleine Randnotiz: Weder sein Kontrahent Boris Spasskij noch er selber repräsentierten in ihren Charakteren das jeweilige typische Gesellschaftsystem ihrer Heimatländer.

Bobby Fischer kämpfte einst für adäquate Preisgelder und scheute den Vergleich zu Ali nicht

Die Bedingungen, die beinahe zum Abbruch des Schachmatch des Jahrhunderts in der isländischen Hauptstadt geführt hätten, sind legendär und oft beschrieben worden. Bobby Fischer kämpfte um Preisgelder, professionelle Rahmenbedingungen und Respekt wie Manager Uli Hoeneß um den Erfolg von Bayern München. Unerbittlich, selbstbewusst, die Meinung der Mehrheit oft auch ignorierend, ehrgeizig bis in die Zehenspitzen, polarisierend und in der Fischerschen eigenen Logik. Er verglich sich wie selbstverständlich mit dem großen Profiboxer Muhammad Ali und forderte monetäre adäquate Entlohnung für den professionellen Schachsport. Seine hartnäckige Art in Sachen Preisgelder kam allen nachfolgenden Schachgroßmeistern zu gute. Der Berufsschachspieler Bobby Fischer wurde nicht vom amerikanischen Schachverband gehätschelt. Er hatte keinen riesigen Stab an Betreuern oder ein Managementteam um sich. Fischer boxte sich quasi fast alleine durch die Schachwelt. In seiner besten Zeit trug er auch die besten Anzüge. Ein Kennedy Schneider musste es sein. Seine eleganten Schuhe ergänzten das makellose Äußere. Bobby Fischer sah gut aus und konnte auch charmant plaudern, wenn er denn wollte.

Nach 4 Remis zum Auftakt folgt der Doppelschlag von Carlsen

Magnus Carlsen mit Bobby Fischer zu vergleichen wäre nicht fair. Diese Last sollte man dem Norweger, dem die Mutter noch vor 3 Jahren die Sachen zum Anziehen rauslegte, auch nicht aufbürden. Er ist jetzt Weltmeister, übrigens nicht der jüngste wie irrtümlicherweise in der letzten WM-Woche in einem dpa-Artikel in Zeitungen wie der Passauer Presse zu lesen war. Das Privileg hatte sich einst Garri Kasparow gesichert. Nach der großartigen Eröffnungsfeier in Chennai kam es zum lang ersehnten Schach-WM Kampf zwischen dem Champion Anand und seinem Herausforderer Carlsen. Die Eröffnungspartie war auf den 9. November terminiert. Magnus Carlsen begann mit 4 Remis. Die beiden Auftaktspiele waren blutleere Remis. Diese handzahmen und sehr schnellen friedfertigen Remis hatte Bobby Fischer immer bei Kandidatenturnieren zwischen sowjetischen Spielern vehement kritisiert. Die 3. und 4. Partie wurde ausgespielt ohne einen Sieger zu finden.

Nach dem 2. Ruhetag gab es dann den Doppelschlag von Magnus Carlsen. Er profitierte in der 5. und 6. Partie in Endspielen von Fehlern Anands. Dann kam der Sonntag mit dem 3. Ruhetag. Der amtierende Weltmeister hätte sicher auch einen weiteren gebraucht. Die Körpersprache am Brett von Anand nach dem Wochenende gefiel mir nicht.  In der 7. und 8. Partei gab es wieder Punkteteilungen. Fast aufreizend lässig blitzte Carlsen dabei die 8. Partie herunter. Magnus Carlsen schob sich so fast unauffällig mit einem 5:3 Zwischenstand dem WM-Titel näher. Die Hausaufgabe bestand nun darin, 1,5 aus 4 zu holen. Erinnerungen an das volatile Nervenkostüm vom norwegischen Schachgroßmeister beim Kandidatenturnier im Frühjahr  in London 2013 wurden wach. Das Ticket für Chennai wäre beinahe an den ehemaligen Weltmeister Kramnik gegangen. Der 22-Jährige Carlsen kam in der englischen Hauptstadt mit einem blauen Auge davon.

Doch konnte Anand nochmals einen Hitchcock-Thriller inszenieren? Den Rückstand verkürzen? Dafür ging er offensiv und gut präpariert in die 9. Partie.  Er spielte auf Angriff. Doch dann kam der Hardcore-Fehler von Vishy Anand. Der Weg zum WM-Titel war mit 3 Punkten Vorsprung nun für Magnus Carlsen frei.

Der Spiegel verzeichnet 1,15 Millionen Klicks und Schach schafft es in das ARD Morgenmagazin

Schach hatte es in der Zwischenzeit sogar bis in das Morgenmagazin von ARD und ZDF gebracht. Kein Fake. Mit Live-Bildern vom WM-Schachmatch aus Chennai, Bildschnipseln aus einer Sporthalle von einem Basketball spielenden Carlsen und ein paar Zeilen, die aus einer Agenturmeldung stammten. Manch einer der deutschen Schachfreunde rieb sich verwundert die Augen. Schach wird sonst von den öffentlich-rechtlichen Sendern links liegen gelassen. Bei der WM 2010 in Sofia zwischen dem bulgarischen Herausforderer Topalov und Anand haperte selbst der kleine kontinuierliche Nachrichtenfluss beim ARD Videotext. Doch Schach war 2013 im November auf einmal In. Deutschland hat durchaus eine bemerkenswerte Schachtradition aufzuweisen. Weltmeister Emanuel Lasker, Dr. Robert Hübner, Wolfgang Uhlmann seien hier stellvertretend genannt.  Der Spiegel, jenes ehrwürdige Hamburger Nachrichtenmagazin powerte stolz in der Printausgabe vom 18. November 2013 eine Klickrate in Rekordhöhe vom Live-Schachticker der 4. Partie heraus: 1,5 Millionen Klicks. Eine deutsche mediale Randsportart war in aller Munde. Warum gab es eigentlich 2011 in den Medien so verdammt wenig Resonanz? Damals siegte die deutsche Schachmannschaft der Männer überraschend bei der Schacheuropameisterschaft in Griechenland. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Live-Stream 13. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

anand - carlsen deep game

Der gestrige Ruhetag liegt hinter den Schachspielern. Heute geht es in die 13. Runde.

Darum ohne lange Vorrede hinein in das Geschehen.

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Kann der Champagner bereits kaltgestellt werden?

Zeit Online setzt mit Schachblog verstärkt auf das Königliche Spiel

Für alle Freunde des gepflegten Schachblogs gibt es dieser Tage auch gute Nachrichten aus dem Hause von Zeit Online. Sie haben einen Schachblog mit dem Titel Von Hängepartien und Bauernopfern aufgelegt. Zur Zeit wird er vom ehemaligen Schachzoo Blogger Ilja Schneider, Schachfreund Dennes Abel sowie dem von mir sehr geschätzten Schachpublizisten und Übersetzer Johannes Fischer (mit Schöner Schein auch in meiner Blogroll seit geraumer Zeit vertreten) bespielt.

Ich mag die Online Aktivitäten von Zeit Online. Seien es die sachkundigen Kommentare zum Geschehen auf dem Rasen von Fußballexperte und Hartplatzheld Oliver Fritsch oder das vorjährige sagenhafte multimediale Tour de France Dossier. Nun also auch verstärkt Schach. Vielleicht ein paar Kostproben vom neuen Schachblog.

Fangen wir mit Dennes Abel an. Er macht auf das verschwundene Phänomen der Hängepartie aufmerksam:

,,Jedoch verschwanden im Schach die Hängepartien im Zeitalter der Computerprogramme, was für manche Spieler sicherlich bedauerlich ist. An den langen Abenden nach einer Hängepartie entstanden Anekdoten, die im Laufe der Zeit zu Legenden wurden. Ich habe in meinen Bundesligapartien keine Hängepartien mehr erlebt. Dafür hat sich das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und es in die Unterzeile dieses Blogs geschafft.”

Ilja Schneider nahm sich kürzlich der Sache von Anands Glückspullover an und korrigierte dabei auch seine Einschätzung der Chancen vom Ex-Schachweltmeister aus Indien im Bezug auf den Sieg beim Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk.

,,Weil ich Anand vor dem Turnier unterschätzt habe, prophezeie ich nun fünf Runden vor Schluss seinen Sieg. Vor allem, weil seine Konkurrenten bisher alle enttäuscht haben, zu nervös und unkonstant haben sie bisher agiert. Warum sollte sich das in den letzten fünf Runden ändern?”

Derweil hat sich Johannes Fischer der Stärke des aktuellen Weltmeisters angenommen und befindet im Blogbeitrag unter dem Titel Wie Magnus Carlsen das Schach verändert:

,,Bald ändert sich die Stellung dann wie von Zauberhand. Zugunsten von Carlsen. Eben noch sicher stehende Bauern scheinen bedroht, solide Strukturen wirken anfällig, unerwartete Drohungen tauchen auf und überall lauert plötzlich Gefahr. Der Gegner muss Entscheidungen treffen, die immer schwerer werden. Die klare Remisstellung wirkt auf einmal nicht mehr so klar, der halbe Punkt rückt immer weiter in die Ferne. Man bekommt ihn noch, nur, wenn man gut spielt. Stundenlang. In unangenehmer Stellung. Mit dem Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, aber nicht zu wissen, was und wo.”

User HenryEdward adelt den Text von Johannes Fischer in den Kommentaren bei Zeit Online mit folgenden Worten:

,,Umfangreicher, aber trotzdem fesselnder Artikel! Die Hinwendung der Zeit zum Schachspiel ist sehr lobenswert. Nicht nur das Verständnis des Schachspiels kann so vermittelt werden, sondern auch das Verständnis für Schachspieler, einer der breiten Masse doch rätselhafte Truppe.”

Soweit für heute der Hinweis auf den Schachblog von Zeit Online.

Grandioses Interview von Daniel King bei Stuttgarter Nachrichten

Für alle Schachfreunde gibt es noch einen unbedingten zu beachtenden Lesehinweis. Das grandiose Interview vom englischen Schachgroßmeister Daniel King über Vishy Anand und das laufende Kandidatenturnier in der Zeitung Stuttgarter Nachrichten. Chessbase hat  das PDF vom Interview online gestellt. Sollte es an der fehlenden Zeit liegen, notfalls auf den Mittagsbraten am Wochenende verzichten. Ich habe jede Zeile verschlungen. Einfach großartige Einsichten und Ansichten.

Besonders schön auch die letzten bemerkenswerten Sätze von Daniel King im Interview. Das erinnerte mich spontan an meine Schachpartie gegen Eva Moser beim Simultan im September 2013 im Kunsthaus Bregenz hier am Bodensee. Von meinem Brett aus sah ich auch eine automobile Rarität. Der Citröen La DS Coraline, in kunstvoll abgespeckter Version vom Konzeptkünstler und in New York, Paris sowie Mexiko Stadt lebenden Gabriel Orozco dargeboten. Vielleicht kostete dies mich aber auch die zwei oder drei bis vier Prozent Konzentration, die ich für ein Remis gegen Österreichs stärkste Schachspielerin benötigt hätte. Traveler Digital Camera

Schließen möchte ich für heute mit einem interessanten Hinweis vom “Presseattaché vom Team Anand”, dem sympathischen schachaffinen Niederländer Eric van Reem auf Chess in Tweets in Sachen ungebremster Begeisterung der zahlreichen amerikanischen Schachfans (Wecker hin oder her) sowie die Besucherströme aus dem Iran:

,,It might be interesting  to look at some stats of this blog. I have visitors from no less than 98 (!) countries, and most visitors come from the US. Due to the big time diference to Khanty Mansiysk (UTC/GMT +6) most chess fans in the US get up in the morning, only to see the result of the games.  When the games start in KM at the local time 15:00, it is 05:00 in New York and 02:00 in L.A. You must be a big chess fan to get up in the middle of the night to watch the games live! I was very surpised to see in the stats, that many chess fans from the Islamic Republic of Iran visit the blog. But since Twitter is blocked in Iran, it makes sense.”

Einen schönen Sonnabend wünsche ich allen meinen treuen Lesern. Bleiben Sie mir gewogen.

Ihr

Michael Wiemer

Live-Stream 12. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Heute seht die 12. Runde in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk an. Morgen ist dann der letzte Ruhetag, bevor es am Sonnabend und Sonntag die Runden 13 und 14 geben wird. Da es bis zum Beginn des Live-Ticker um 10.00 Uhr noch etwas Zeit ist, möchte ich gerne an dieser Stelle mein persönliches Schachvideo des Jahres 2013 Ihnen kurz zeigen. Es passierte eine Woche nach dem WM-Sieg von Magnus Carlsen gegen Vishy Anand. Tatort Madrid. Statt Schachbrett ein gepflegter Rasen. Florentino Perez, der Präsident von Real Madrid, hatte zum 23. Geburtstag von Magnus Carlsen ein ganz besonderes Geschenk. Eine Einladung der besonderen Art. Das junge norwegische Schachgenie ist ein begeisterter und bekennender Fan der Mannschaft von Cristiano Ronaldo und Co. Das originelle Geburtstagsgeschenk wurde vom fußballinteressierten  Magnus Carlsen gerne angenommen. Der spanische Fußball und die Schachwelt erlebten eine Premiere. Im Punktspiel Real Madrid gegen Valladolid durfte der junge Schachweltmeister den Anstoß ausführen. Selbstverständlich ist das Video mittlerweile Allgemeingut geworden.

Vielleicht hat Schachweltmeister Magnus Carlsen demnächst viel Spaß, wenn Real Madrid im Viertelfinale der Champions-League auf Borussia Dortmund trifft. Doch nun zum heutigen Schach in Khanty Mansiysk. Vorhang auf für die 12. Runde.

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Wer das bisherige WM-Kandidatenturnier von Khanty Mansiysk noch ein wenig Revue passieren lassen möchte, kann bei schach-ticker, chessbase, chesstigers und dem niederländischen Kultblogger Eric van Reem auf Chess in Tweets gerne ein wenig hineintauchen.

Live-Stream 11. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Er hat gut Lachen. Ganz entspannt kann er mit seinem smarten Manager Interviews geben, so ganz nebenbei auch noch als punktender Schach-Feuerwehrmann für Stavanger in den norwegischen Niederungen der 2. Liga seinen Teil zum Aufstieg nach 40 Zügen beitragen (siehe den Beitrag bei chessbase). Die Rede ist, die aufmerksamen Leser werden es längst wissen, von Schachweltmeister Magnus Carlsen. Nebenbei wird er auch relaxt abwarten können, wer in Khanty Mansiysk sein Herausforderer wird.candidates tournament 8

Dann wollen wir gemütlich hinüberschauen nach Khanty Mansiysk.

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Wird sich heute der Herausforderer für den norwegischen Schachmozart Magnus Carlsen noch klarer herauskristallisieren?

Khanty Mansiysk: Eric van Reem mit der Twitter-Nachlese der 9. Runde auf Chess in Tweets

Franz Beckenbauer hatte irgendwann sein Label weg. Der Kaiser. Schachweltmeister Magnus Carlsen ebenso. Der Schachmozart. Auch der niederländische Kultblogger Eric van Reem bekam kürzlich ein Label verpasst. Im November 2013. Der für Zeit Online von der WM in Chennai berichtende Ulrich Stock nannte den Niederländer “Presseattaché vom Team Anand”.

Legendär dann auch der Artikel von Schachfreund Stock über ein bemerkenswertes Foto von Eric van Reem in Chennai unter dem Titel Der Geistermeister. Bonushinweis von mir: Wer das Foto noch nicht kennt, sollte den Link nicht auslassen.

,,Carlsen kommt nicht. Stattdessen Espen Agdestein, sein Manager. Er redet eine Weile mit Kasparow, dann geht er, und Kasparow sitzt wieder allein am Tisch. Eric van Reem, Anands Teamfotograf, dessen Blog Mate in Chennai manchen Einblick gewährt, nutzt die Gelegenheit, über seinen Fischteller hinweg ein Paparazzifoto des Exweltmeisters zu schießen, wie man es seit den Tagen der Jagd auf den verschwundenen Bobby Fischer nicht mehr gesehen hat: Geistermeister Kasparow,  in psychedelisches Licht getaucht.”

Eric van Reem legt Schachblogs auf wie angesagte DJs ihre Platten auf Kultpartys und Szenediscos. Der “Presseattaché vom Team Anand” hat bereits bei den letzten WM-Kämpfen von Anand neue Blogs eröffnet. Ich würde ohne Bedenken das Bruttosozialprodukt der Bundesrepublik Deutschland darauf setzen können, wenn es zum erneuten Duell zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand kommt, wird es wieder einen neuen WM-Schachblog vom sympathischen Kultblogger Eric van Reem geben. Da wir gerade bei erstklassigen Leistungen sind… Kult sind auch die Karikaturen auf ajedrezconhumor.blogspot.com.es. Schaut selber rein.a capablanca le hubiera gustado la partida

Doch jetzt leben wir im hier und jetzt. Eric van Reem arbeitet auch leidenschaftlich an seinem neuesten Schachblog am Sonntag. Das königliche Spiel kennt keine sonntägliche Pause. Auf Chess in Tweets hat der Teamfotograf von Anand wieder feinste Twitter-Nachlese unter dem Titel THE Candidates IN TWEETS – ROUND 9 geleistet.

Live-Stream 7. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk und der Magnus Carlsen Sponsor G-Star

Guten Morgen.

Timing ist alles. Pünktlich zum gestrigen Ruhetag plauderten Schachweltmeister Magnus Carlsen und sein Manager Espen Agdestein über das Schach WM-Kandidatenturnier 2014. Sehr relaxt kamen beide rüber. Auch wenn der kleine Raum von der Möblierung her eher den spröden Charme einer kargen Jugendherbergseinrichtung versprühte. Was mir noch auffiel: Das Label von Magnus Carlsens niederländischen Sponsor, G-Star Raw, kam von den Buchstaben nicht komplett zur Geltung beim norwegischen Schachgenie. Aber vielleicht schaue ich auch zu genau hin. Übrigens hier auf den Fotos der offiziellen Website der Jeans- und Modemarke von G-Star schaut der Schachweltmeister arg düster drein.

Der Tagesspiegel brachte im Juli 2013 Tage ein Interview mit G-Star-Global-Brand-Director Shubhankar Ray. Es ging im Interview mit der Mode-Redakteurin Grit Thönnissen um Markenauftritte, Image, den Kampf um Aufmerksamkeit. Die renommierte Modemarke G-Star hatte sich Jahre zuvor den damals 19-Jährigen norwegischen Schachmozart und frischgebackenen Blitzschachweltmeister von 2009, Magnus Carlsen, als Werbegesicht ausgesucht. Shubhankar Ray offenherzig:

,,Wir wollten nie eine Lifestyle-Marke sein. In den letzten 20 Jahren ist es zu einem Wettbewerbsvorteil geworden, das Image auf eine emotionale Weise rüberzubringen. Mode wird oft mit Emotionen verbunden. Also ist es logisch, dass das Image benutzt wird, um eine starke Identität zu schaffen. Um weltweite Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht man Stars. Wir wählten Liv Tyler. Danach fragten wir die Nummer eins im Schach, Magnus Carlsen, er war 19 und sah aus wie ein Boxer. Wir versuchten, ein Image zu schaffen, dass man nicht so schnell vergisst.”

Das mit dem Nicht-Wollen einer Lifestyle-Marke nehme ich  dem Global-Brand-Director Shubhankar Rayom jedoch nicht ganz ab. Es gibt da ja in dem Kontext mit der Vermarktung von Magnus Carlsen als Modegesicht noch eine andere schöne kleine Geschichte. Ende 2010 gab Magnus Carlsen gegenüber der damals noch existierenden Financial Times Deutschland folgendes Statement in Sachen Mode ab:

,,Wenn ich mal länger zu Hause in Bærum bin, fällt es mir schwer, den Tag zu strukturieren. Ich hänge mit Freunden ab und kaufe Geburtstagsgeschenke im Sandvika Storsenter, dem größten Einkaufscenter Skandinaviens. Kleidung interessiert mich nicht so, vielleicht ändert sich das durch meine Zusammenarbeit mit G-Star. Momentan ziehe ich an, was meine Mutter kauft.”

Ich schrieb damals einen Tag vor Weihnachten 2010, der eigene Tannenbaum war noch nicht aufgebaut, hier auf dem Blog unter dem Titel Magnus Carlsen und die Identifikation mit dem Sponsor zu den Worten über das nicht so ausgeprägte Interesse an Kleidung von Magnus Carlsen:

,,Die Verantwortlichen der Marketingabteilung von der  Modefirma G-Star müssen beim lesen solcher Zeilen eigentlich graue Haare bekommen. Da wird ein junger Mann mit dem Geburtsjahrgang 1990 und dem Potenzial für eine glanzvolle Schachlaufbahn sowie der Chance auf den Weltmeistertitel in naher Zukunft, als cooles Testimonial aufgebaut, und dann wirft Carlsen mit seinen obigen Worten das Image in Sekundenschnelle um.”

Damit beende ich heute das Kapitel Magnus Carlsen. In seiner besten Zeit war übrigens Bobby Fischer immer tadellos angezogen. Hier im Interview mit Dick Cavett im Jahr 1971. So ganz nebenbei sprüht der Schachspieler Fischer seinen ganzen Charme und sein Charisma aus. Das war ein Jahr vor dem Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spasskij.

Von den Champions Fischer und Carlsen zu den Kandidaten, die in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk den Herausforderer vom norwegischen Weltmeister ermitteln. Heute steht die 7. Runde ab 10.00 Uhr deutscher Zeit auf dem Plan.

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Das Formhoch von Vishy Anand beim Schach WM-Kandidatenturnier gestattet mir an dieser Stelle auch einen kleinen Schwenk zu interpool.tv. Fred Kowasch nach dem Kampf von Chennai 2013:

‘Vichy’ Anand: “Ich schlief die ganze Nacht nicht”. Während der eine immer noch grübelt, badet der andere mit Anzug im Hotelpool. Starkes Interview mit einem Ex-Weltmeister. Geführt von Ulrich Stock von der ZEIT, die während des WM-Kampfes im indischen Chennai die beste Arbeit machte.”

Man beachte bitte im Interview mit Vishy Anand die letzte Frage von Ulrich Stock und die darauffolgende Antwort vom Ex-Schachweltmeister.