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Kasachstan vor der Brust und eine Erinnerung von Manuel Neuer an Wut über Gegentore

Die Fußball-WM 2014 in Brasilien rückt näher. Jetzt stehen für Übungsleiter Löw  und seine Truppe die Spiele gegen Kasachstan an. 5000 Kilometer Flug von Deutschland bis hinter den Ural liegen hinter der deutschen Mannschaft. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Form des ZDF ist der übertragende Sender. Die Gebühren müssen ja irgendwo bleiben. Manuel Neuer wird nach seiner Pause gegen Frankreich wieder das Tor hüten. Ein großer internationaler Titel fehlt ihm. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung in der heutigen Printausgabe blickt er auch nochmals auf seine Wut ob der 2 Gegentore im Viertelfinale der EM gegen Griechenland zurück.

,,Ich war zornig, weil es unnötig war, total unnötig. Wir haben ordentlich gespielt gegen Griechenland, aber mehr nicht. Wir haben zwar vier Tore geschossen, aber gegen einen gleichwertigen Gegner hätte das nicht geklappt. Da wären wir rausgeflogen – was dann gegen Italien auch passierte. Klar: Man freut sich über das Weiterkommen. Aber der zweite Gedanke ist: Gegen Italien wäre hier Schluss gewesen. Deshalb haben mich die beiden Gegentore aufgeregt.”

Ups, ja so habe ich das Griechenland-Spiel auch gesehen. Mir war unverständlich welch Lobeshymnen über die Mannschaft von Übungsleiter Löw und seiner Mannschaft angestimmt worden waren. Warum werden solche Siege gegen Mannschaften ohne Weltklasseformat immer so hochgejubelt? Ich habe noch einige Schlagzeilen deutscher Medien vor meinem geistigen Auge. Deutschland war da ja praktisch nach einem 4:2 gegen solide griechische Fußballhandwerker bereits Europameister. Nun, es kam anders. Übungsleiter Löw bekam anschließend nicht nur im boulevardesken Teil der deutschen Zeitungen sein Fett weg. Zum Glück kam dann die Personalie Sammer recht schnell ins Spiel. So war die Aufmerksamkeit der Medien sehr zügig auf dem ehemaligen Spieler von Dynamo Dresden gerichtet. Übrigens hat Deutschland letztmalig 1990 mit Teamchef Franz Beckenbauer deutsches Selbstverständnis eingelöst: Den WM-Titel in der Königssportart Fußball.

Der Blick auf den Zwischenstand

Zum obligatorischen Espresso hatte Melinda, Toms Haushälterin, diesmal noch eine Kleinigkeit beigefügt. Aus einer feinen und kleinen Pralinenmanufactur hatte sie handverlesen 6 Kostbarkeiten mitgebracht. Heute gab es Kokostrüffel. In der Beschreibung, die Melinda von der freundlichen Dame in der Confiserie mitbekommen hatte, las sich dies so:

Kokostrüffel. Eine Reise in die Südsee. Vollmilch-Canache mit feinem Kokosgeschmack und leckerem Kokoslikör, eingebettet in zarte Kokosraspeln.

Auf dem kleinen Porzellanteller hatte es auch noch Platz für eine zweite Praline gegeben. Die anderen vier bekommt Tom Dienstag und Mittwoch von Melinda serviert. Er ist ja an seinem PC in Sachen Sportwette immer sehr konzentriert. Für heute hatte die liebenswürdige Haushälterin noch einen Ceylon-Zimttrüffel beigefügt. Der Text war ein Versprechen:

Ceylon-Zimttrüffel. Edler Ceylon-Zimt und etwas aromatischer Jamaikarum geben dieser feinen Vollmilchcanache ihr Aroma. Haselnüsse und Zimt umhüllen dunkle Schokolade.

Tom hatte nicht nur bei der Auswahl der siegbringenden Sportwetten eine glückliche Hand. Melinda hatte er einst aus einer Bewerberschar ausgewählt . Ein Glücksgriff. Doch jetzt tauchte der Wettprofi wieder in seinen Kosmos. Einige Spiele liefen bereits. Zeit für die Zwischenstände. Konzentriert schauen die blauen Augen von Tom auf den Bildschirm gespannt unter Livescore und zufrieden nimmt er die Zwischenergebnisse auf. Alles läuft nach Plan. Später wird es traditionell noch ein paar geschnittene frische Ananas geben, wenn die Türklinke wieder sachte hinunter geht. Solche in den Alltag integrierten Rituale möchte er nicht missen.

Beim 4:2 beschlich Tom ein eigenartiges Gefühl

Selbstverständlich hat Tom auch bereits in seiner langen Laufbahn eine Achterbahn der Ergebnisse mitgemacht. Zwischenstände können erheblich vom Endergebnis abweichen. Erst im vergangenen Herbst. Deutschland gegen Schweden. Eigentlich wieder so ein klares Ergebnis. Sieg auf die Löw-Elf. Tom hatte bei dem Zwischenergebnis von 3:0 das Geld noch nicht auf seinem Konto gesehen. Dafür hatte sein Vater ihm immer eingeimpft, den Schlusspfiff abzuwarten. Doch bei dem 4:0 war Tom guter Dinge. Später kam dann dieser Ibrahimovic zum Torerfolg. Stand 4:1. Tom war die Ruhe in Person.

Als die Löw Truppe förmlich um Gegentore bettelte und es nun bereits 4:2 stand beschlich ihn ein eigenartiges Gefühl. Tom schaute erstmals besorgter auf die Uhr. Irgendwas bahnte sich da vielleicht an. Ein weiterer Blick auf den Zwischenstand gab dann gar ein alarmierendes 4:3 kund. Tom hatte eine dreistellige Summe auf einen Sieg für Deutschland gesetzt. Eigentlich antizyklisch. Denn beim Freundschaftsspiel in Düsseldorf nach der EM gegen Argentinien hatte er gegen die Löw Elf gesetzt und konnte sich auf die Südamerikaner verlassen. Die Gauchos waren nicht zu gefährden. Doch zurück zum Schweden-Spiel. Tom musste beim nächsten Livescore ein 4:4 sehen. In solchen Momenten bekommt Tom seine Emotionen immer sehr schnell in den Griff. Ganz ruhig geht sein Atem. Seine Augen blicken fest. Es gibt dann von ihm keine überhasteten Jetzt-Erst-Recht Wetten.

Tom analysiert dann immer in Ruhe. Mit dieser skandinavischen Effektivität müsste es doch mit dem Teufel hergehen, wenn die Truppe um Ibrahimovic nicht im Spiel gegen England den Sieg davon trägt. So die Gedankengänge im Herbst nach der Berliner 4:4 Nummer. Nun, der Ausgang des Spiels zwischen Schweden und England ist bekannt. Zlatan Ibrahimovic schenkte den Engländern beim 4:2 in Solna alle vier schwedischen Tore ein und zelebrierte einen Hattrick und diesen spektakulären Fallrückzieher aus 25 Metern.

Titellos

Frau Schavan (CDU) und die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Ära unter Übungsleiter Löw haben eins gemeinsam: Kein Titel.

Jetzt auch noch der Rücktritt vom Ministerposten. Für viele Beobachter des politischen Lebens in Berlin war er überfällig. Bereits Mittwoch schrieb der meinungsstarke Politprofi Spreng auf seinem Blog Sprengsatz nach dem 22 Sekunden Statement von Frau Schavan aus Südafrika:

,,Es ist verständlich, dass Angela Merkel – im Gegensatz zum Rauswurf ihres “Parteifreundes” Norbert Röttgen – im Fall Schavan Beißhemmungen hat. Frau Schavan ist ein langjährige politische und persönliche Freundin. Merkel hat ihr viel zu verdanken. Ihr Aufstieg wäre ohne Schavan nicht so glatt verlaufen.

Natürlich ist das jetzt bitter für Frau Schavan. Ihre berufliches und politisches Leben wird mit einem Schlag zerstört. Aber es gibt zum Rücktritt keine Alternative.”

Sozusagen alternativlos.

Nachdenkenswert #156

,,So bleibt zuletzt die bange Frage, wie lange der Verfechter des schönen und risikofreudigen Spiels seinen Weg wohl noch wird gehen können, wenn er nicht bald einen großen Triumph erringt. Titel sind zwar keine ästhetische Kategorie, für einen deutschen Bundestrainer aber irgendwann ein Muss.”

Christoph Bausenwein, Gründungsmitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur, in seinem Buch Joachim Löw und sein Traum vom perfekten Spiel im Jahr 2011 auf Seite 347

Medienecho vom Schach Magazin 64

Guten Morgen. Schon in aller Gemütlichkeit den ersten Kaffee getrunken? Ich mag ja dieses rehbraune Getränk zum Frühstück sehr. Bereits der Duft einer guten Tasse Kaffee ist eine Versuchung. Ein wenig wird gelesen. Heute das Schach Magazin 64. Schau an, mein Blog wird mit der altehrwürdigen Süddeutschen Zeitung in einem Namen genannt. Sowohl in der Printausgabe wie auf der Online-Website:

,,Die deutsche Schachbundesliga gehört zu den bedeutendsten Mannschaftsturnieren der Welt, über einhundert Titelträger kommen dort zum Einsatz, nur erfährt davon außerhalb der Schachkreise kaum jemand etwas. Es sei denn, es gibt etwas Negatives zu melden.

“Die neue Saison in der Schachbundesliga hat ihre ersten unangenehmen Schlagzeilen. Die Causa Falko Bindrich schlägt hohe Wellen”, meldet beispielsweise der Blog Sportinsider (http://sportinsider.wordpress.com/2012/10/24/causa-bindrich-schlagt-hohe-wellen/), und die auflagenstarke “Süddeutsche Zeitung” widmete in ihrer Ausgabe vom 24. Oktober dem gleichen (negativen) Ereignis einen größeren Artikel unter dem Titel “Auffällig oft auf der Toilette”… Weitere Meldungen zu diesem unerfreulichen Thema finden Internet-Suchmaschinen in Windeseile.”

Nun, mittlerweile ist die 3. + 4. Runde in der Schachbundesliga ohne Handyvorfall ordnungsgemäß gelaufen. Wer in Ruhe im Nachklapp die größten Gurken des Schachwochenendes durcharbeiten will findet beim Entwicklungsvorsprung von Mister Schachbundesliga Georgios Souleidis interessante Stellungen und Lernstoff.

Georgios Souleidis wird in der neuen Ausgabe vom Schach Magazin 64 ebenfalls erwähnt. Eric van Reem verweist auf die Fotos von ihm auf der Website Schachbundesliga unter dem Button Emotionen. Eric van Reem werden Stammleser hier auf meinem Blog auch kennen. Während der Schach-WM 2012 zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand hat er freundliche Grüße aus Moskau gesandt.

Übrigens habe ich Eric van Reem am 29. Januar 2011 hier auch bei Eine Frage des Geschmacks erwähnt.

,,Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Oder auch nicht. Der Auftritt der Berufsschachspieler in puncto Kleidung ist sicherlich diskutabel. Bei den Fotos von Eric van Reem vom Tata Steel Chess 2011 in Wijk aan Zee auf chesstigers gibt es einige modische Sünden.  Wir reden hier nicht von einem Amateur Open. Sehnsüchtig schau ich zurück. Was waren das noch für Zeiten als Schachspieler wie Bobby Fischer mit Anzug und Krawatte spielten. Das hatte Klasse. Das war Stil.”

Doch zurück zur neuen Ausgabe vom Schach Magazin 64. Auf dem Titelblatt ein junger hoffnungsvoller deutscher Spieler. Der 15-Jährige Rasmus Svane. Er gewann gegen den Weltmeister von 2004. Historisch interessierte Schachfreunde können den damaligen Titelträger sicher auch Nachts um halb drei aus dem Schlaf gerissen, sofort nennen. Es ist Rustam Kasimdzhanov. Das die Bäume auch für ein hoffnungsvolles Schachtalent nicht in den Himmel wachsen, musste Svane jedoch auch bereits erfahren. Ich berichtete im Oktober hier auf dem Blog bei Schachbundesliga Live am 21.10.2012 darüber:

,,Trier liegt gegen den Hamburger SK mit 3:4 zurück. Wenn mich mein geübtes Schachauge nicht täuscht wird diese Partie mit einem 4:4 enden. Constantin Lupulescu muss die Partie gegen Rasmus Svane eigentlich gewinnen. Es sei denn er schwächelt wie die deutsche Nationalmannschaft im Fußball gegen Schweden.

Emsdetten führt gegen Griesheim mit 5,5:1,5.

Nimmt ein Buchmacher noch Wetten auf Lupulescu an?

Hier die Live Situation.

Auf Lupulescu kann man das komplette Sparbuch setzen. Unverlierbar. Ohne Sieg wird es wohl kein Abendbrot heute Abend für ihn geben.

Constantin Lupulescu gewinnt nach 59 Zügen. Er hat nicht wie die Löw Elf am schwedischen Abend geschwächelt. Trier damit mit einem 4:4 gegen Hamburg.”

Rasmus Svane verlor also nach seinem bemerkenswerten Sieg am Vortag nach 59 Zügen gegen Constantin Lupulescu. Der Ruf  nach einem Wunderkind des Schachs ist ja immer schnell gehört. Gemach, gemach. Der spätere Schachchampion Capablanca (der Legende nach lernte er mit 4 Jahren das königliche Spiel) gewann mit 12 Jahren die kubanische Schachmeisterschaft. Oder einer der spektaktulärsten Schachspieler aus der einstigen UdSSR, Michail Tal, kam auch zeitig zu Meriten. Ich glaube mich zu erinnern, dass Michail Tal mit 23 Jahren Weltmeister war und Ruhm und Ehre für die russische Schachschule erspielte. Zurück nach Deutschland. Doch Rasmus Svane sollte jetzt nicht mit einer überbordenden Erwartungshaltung, die sich leicht zu einem nicht abzuarbeitenden Erwartungsdruck ausbreiten kann, in Beschlag genommen werden. Einfach konzentriert weiterarbeiten.

Schachbundesliga Live

Was war denn eigentlich diese Woche mit der Hintermannschaft der Fußballnationalelf los? Wenn die Abwehr der Löw Truppe ein Auto wäre, käme sie momentan nicht durch den TÜV. Dabei gilt sicherlich auch: Wenn eine Fußballmannschaft in allen Bereichen auch als Team funktioniert, dann verliert sie normalerweise so einen klaren 4:0 Vorsprung nicht.

Derweil hat uns der Bundesligaalltag wieder. Fußball ist durch. Bayern München gewinnt in Düsseldorf sein achtes Spiel hintereinander. Borussia Dortmund dümpelt nach der Niederlage gegen Schalke 04 meilenweit hinter dem Tabellenersten hinterher. Felix Magath und die VW Elf aus Wolfsburg am Tabellenende. Kann eigentlich im Konzern keinem gefallen. Aber die Tabelle sortiert sich ja auch die nächsten Spieltage noch.

Themawechsel. Schachbundesliga Live. Hier geht es auf bundesliga.liveschach.net in die Endphase der heutigen Auftaktpartien.

Schachbundesliga Live via Inernet ist eine feine Sache. Die ersten Begegnungen sind auch durch. Der Serienmeister aus Baden-Baden gewinnt in Hamburg mit 5,5:2,5. Katernberg und Hockenheim trennen sich 4:4.

Wiesbaden schlägt Emsdetten mit 5:3 und Forchheim unterliegt zu Hause der SG Solingen mit 2:6.

Thriller. Navara gegen Bologan. Zeitnot bei Bologan. Bisheriger Stand bei Mülheim gegen SC Eppingen 3:4. Zeit läuft bei Bologan. Unerbittlich. 1 Minute und 45 Sekunden. Bei der SV Müheim drücken alle Navara die Daumen. Er hat noch 10 Minuten auf der Uhr.

Schwenk. SF Berlin verliert zu Hause gegen Wattenscheid 3:5.

Zurück zum Thriller. Viktor Bologan mit dem 90. Zug.

Noch 2 weitere offene Begegnungen. Griesheim gegen Bremen 2,5:4,5 sowie Norderstedt gegen SG Trier 3:4.

Bei Norderstedt gegen Trier auch ein Zeitkrimi. Gonda (SG Trier) in höchster Zeitnot.

Schachbundesliga Live schlägt locker eine Reihe von Tatort Filmen.

Schwenk. Viktor Bologan überlegt in prekärer Zeitnot seinen 96. Zug.

Bei Griesheim gegen Bremen wird ja auch noch eine Partie ausgespielt. Gyula Iszak mit dem 67. Zug gegen den mit den schwarzen Steinen agierenden Zbynek Hracek.

Viktor Bologan von der SC Eppingen hat die nächste Zeitluft bekommen. Jetzt sieht das ganze doch sehr geschmeidig aus. 3 Bauern, Springer gegen Läufer und Doppelbauern mit der Zeit von 13:31. David Navara steht unter Druck. Seine Mülheimer Mannschaft liegt 3:4 zurück und er hat keine Sieg-Performance zu bieten. Bologan jetzt mit dem 99. Schachzug.

Ich liebe dieses Spiel. Warum ist Schach eigentlich kein Schulfach in Deutschland?

Wer ist eigentlich der zuständige Minister oder Ministerin für das Thema Schach als obligatorisches Unterrichtsfach?

Zurück zum Thriller. Viktor Bologan und David Navara mit dem 100. Zug. Es geht hurtig weiter. 101. Zug.

Bologan mit dem 102. Zug. In puncto Ausdauer, Beharrlichkeit und Konzentration ein Musterbeispiel für die Elf von Jogi Löw.

Kahlert und Gonda trennen sich Remis. Damit Endstand bei Norderstedt gegen SG Trier 3,5:4,5.

Iszak verliert gegen Hracek. Damit auch Finish bei Griesheim kontra Bremen mit 2,5:5,5.

Damit alle Augen auf die zwei letzten spielenden Akteure am heutigen Abend. Bologan gegen Navara. Viktor Bologan mit dem 118. Schachzug. Viktor Bologan begann mit 7 Jahren das königliche Spiel auf den 64 Brettern. Mehr über ihn gibt es auf wikipedia.

Das verdiente Abendbrot wartet auf Viktor Bologan und David Navara. Remis nach 119 Zügen.

Damit endet Mülheim gegen SC Eppingen mit 3,5:4,5.

Alfred Hitchcock wird von seiner Wolke genüßlich herunter lächeln.

Einen schönen Abend noch.

Qualitätsunterschiede

Über Übungsleiter Löw reden wir ein andermal. Auch über seine abgesagten Sponsor Termine am Tag nach dem Torfestival in der Hauptstadt Berlin. Sponsor ist ein gutes Stichwort. Die Treue von Nike zum einstigen Radhelden Armstrong scheint jetzt doch deutliche Risse zu bekommen. Der amerikanische Sportartikelhersteller fühlt sich vom siebenfachen Tour de France Sieger nicht ehrlich informiert. Getäuscht. Enttäuscht. Der Volksmund sagt: – Enttäuschung ist das Ende der Täuschung-. Der erfahrene und kompetente Sportjournalist Thomas Kistner hat in der Süddeutschen Zeitung die Thematik der Zusammenarbeit mit Nike und der Werbe-Ikone unter dem Titel Dopingaffäre um Lance Armstrong -Abruptes Ende der ehernen Treue beleuchtet.

Zu erfreulicheren Themen. Karl hat sein Oktoberheft 3/12 in den gut sortierten Buchhandlungen in den Bahnhöfen der Bundesrepublik ausliegen. Das Heft hat das Schwerpunktthema Schach & Alter. Ich mag Karl – Das kulturelle Schachmagazin. Auf der karlonline Seite gibt es einen Einblick in das aktuelle Magazin. Bei der Printausgabe ist wieder sehr viel Herzblut, Wissen, Recherche und beim lesen spürbare Detailarbeit hineingeflossen. Es gibt sie also noch: Die Qualitätsware auf Papier.

Sportinsider gibt Karl-Heinz Rummenigge die Bestnote

Es muss das Jahr 1978 gewesen sein. Meine hübsche Klassenkameradin und bezaubernde Banknachbarin fragte mich Löcher in den Bauch. Sie wollte alles wissen über einen gut aussehenden jungen Mann. Ihr Schwarm war ein blonder Fußballer. Er war Nationalspieler der deutschen Nationalmannschaft. Sein Name: Karl-Heinz Rummenigge. Bereitwillig gab ich Auskunft. Sie zapfte mein Wissen hemmungslos an. Dann kam irgendwann die Frage aller Fragen:

“Können wir Weltmeister werden? Er ist ja mit dabei.”

Nun, wir gingen damals in die 35. Polytechnische Oberschule. Standort Leipzig. Die deutsche Einheit war bereits in unseren Herzen irgendwie vorweggenommen. Natürlich drückten wir der deutschen Fußballnationalmannschaft des Westens, der BRD, der Bundesrepublik oder wie auch immer wir uns im Dschungel der Länderbezeichnung in unserer kleinen Welt  zurechtfanden, beide Daumen.  Die Hoffnung ruhten selbstverständlich auch auf dem Stürmer Karl-Heinz Rummenigge bei der bevorstehenden Fußball-WM 1978 in Argentinien. Der Verlauf und speziell das Ende der WM 1978 mit dem Aus und der ruhmlosen Niederlage gegen Österreich in Cordoba ist ja allseits bekannt.

Später holte er 1980 mit der deutschen Fußballnationalelf den Europameistertitel und wurde Europas Fußballer des Jahres. Rummenigge holte sich diese Auszeichnung auch gleich noch ein Jahr später. Bei der Weltmeisterschaft 1982 und 1986 stand der Stürmer jeweils im Endspiel ohne jedoch den Weltmeistertitel in den Händen halten zu dürfen. Italien war 1982 einfach zu stark. Ja und 1986 gab es da auf der gegnerischen Seite einen Spieler namens Maradona und selbst Rummenigges Anschlußtreffer zum zwischenzeitlichen 1:2 sowie der spätere Ausgleich durch Rudi Völler hielten Argentinien in dem Finale nicht auf.

Karl-Heinz Rummenigge ist in diesen Tagen ein vielbeschäftigter Mann. Erst die Unterschrift auf den Scheck mit den 7 Nullen und dann muss er sich das Gerede vom WM-Titel 2014 anhören. Rummenigge musste auf Sport BILD Plus mit einem Statement einschreiten sowie Kapitän Lahm widersprechen. Dabei ist die Südamerika These von Karl-Heinz Rummenigge nicht neu. Bereits nach dem Scheitern von Übungsleiter Löw mit seiner Elf im Sommer während des europäischen Turniers in der Ukraine und Polen, sprach der dreifache Torschützenkönig der Bundesliga und zweifache Vizeweltmeister Karl-Heinz Rummenigge Klartext am 15. Juli in Bild am Sonntag:

„Wenn ich hingehe und als Ziel vorgebe, Europameister zu werden, aber im Halbfinale rausfliege, dann ist Kritik nachvollziehbar. Philipp Lahm hat es richtig gesagt: Zu jeder großen Mannschaft gehören große Titel. Und diesen großen Titel hat unsere Nationalmannschaft nun schon zum dritten Mal hintereinander nicht geholt“

Er zog den Kreis dann gleich weiter bis 2014. Fußball-WM in Brasilien. In puncto WM-Hoffnung auf den Titel der deutschen Mannschaft bremste Rummenigge die Euphorie ein und wies auf seine Favoriten hin:

„Ich wünsche ihnen, dass sie 2014 in Brasilien besser abschneiden. Aber ich sage voraus: In Südamerika wird eine südamerikanische Mannschaft Weltmeister“.

Während Karl-Heinz Rummenigge die Dinge realistisch einschätzt und wohl auch seine Erfahrung mit der Stärke südamerikanischer Mannschaften aus seiner eigenen WM-Laufbahn einfließen lässt, spricht der neue DFB-Sportdirketor  Robin Dutt von:

,,Diese Generation hat langsam einen Titel verdient. Sie hat eine Entwicklung gemacht in einem rasenden Tempo, und jeder möchte nun auf dieser Endstufe den Titel haben”

Nun, die goldene Generation der exzellenten Fußballer aus Portugal um Figo hatte auch irgendwann eigentlich langsam den Titel verdient. Die Ballkünstler mit der exzellenten Technik mussten auch ohne internationalen Titel bei einer EM oder WM abtreten. Das Leben ging auch in Portugal weiter.

COSMA und die Sehnsucht nach Fußball

Die olympischen Spiele sind durch. Alle Medaillen durch die Sportfunktionäre ausgezählt.

Da hat König Fußball wieder das Zepter in die Hand genommen.

Nein, es war nicht die Woche von Übungsleiter Löw. Auch nicht von Torwart Zieler oder dem Eigentorschützen Khedira.

Da fiel selbst der verschossene Elfmeter von Messi nicht weiter ins Gewicht.

Keine große Zeit zum durchatmen für den Fußballfan.

Die Bundesliga steht vor der Tür. 

Gelegenheit ein hochinteressantes Video der Berliner Band COSMA aus dem Archiv von 2010 zu holen. Vorhang auf! 

Abschied vom Medaillenspiegel

Die olympischen Spiele von London im Jahr 2012 sind auch bereits wieder Geschichte. Sportfunktionäre haben so ihre Schwierigkeiten mit Zielvorgaben, Medaillenprognosen und dem ganzen Kram. Nun der Medaillenspiegel wird total überbewertet. Nasskalt ist hier unten vorbei und es scheint die Sonne in bester Form, der Himmel ist blau, die Temperaturen bei 28 Grad. So fühlt sich Sommer an.

Hier am Bodensee sind die Strandbäder gut gefüllt, es wird geschwommen, Tischtennis gespielt, eine Partie auf dem Großschachfeld mit großer Konzentration und Lust geführt, Volleyball auf sandigen Untergrund gepowert und die Segelboote sind auf dem grandiosen See auch zahlreich unterwegs. Der Medaillenspiegel ist nicht wirklich ein riesiges Thema. Gastronomen erfreuen sich der gut besuchten Freisitze. Einheimische wie Touristen genießen das Panorama auf die Berge. Ob Deutschland jetzt 1. oder 4. oder 6. oder 8. oder gar 12. oder ungeplant 15. der berühmt-berüchtigten Nationenwertung geworden ist, spielt bei den Menschen hier am Bodensee nicht die entscheidende Rolle. Es ist kein Aufreger. Die Schwäbische Zeitung hat ab morgen auf dem Sportteil wieder vermehrt Platz. Es muss keine statistische Aufbereitung der Medaillen mehr gedruckt werden. Die Spiele in London sind einfach durch.

Derweil gibt es auch wieder Lebenszeichen von Übungsleiter Löw. Trainer Baade nimmt sich der Sache unter dem Titel Einen neuen Tiefpunkt erwühlt an. Die Zeiten werden rauher.