Einen habe ich vorgestern glatt vergessen beim Bericht über die 21. Eurobike 2012. Jan Ullrich, der Tourheld von 1997, ist ebenfalls auf der Internationalen Fahrradmesse in Friedrichshafen vor Ort dabei. Er ist nach wie vor gefragt. Am Stand des Häfler Carbon-Spezialisten Lightweight gab er fleißig Autogramme. Jan Ullrich sieht gut aus. Sportliche Figur. Drahtig. Entspannte Gesichtszüge. Eine dezente Sonnenbräune steht ihm prima. Der gebürtige Rostocker scheint mit sich im Reinen zu sein.
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Nachdenkenswert #139
,,Jeder Sieg ist schön und Gelb zu übernehmen ist immer toll. Aber wenn du die Rundfahrt wirklich gewinnen willst, dann hast du anfangs weniger Stress, wenn du zwar gut fährst, aber mit kleinem Rückstand Zweiter, Dritter oder Vierter im Prolog wirst. Dann muss man weder zur Pressekonferenz noch zur zeitaufwändigen Dopingkontrolle. Auch sein Team muss man nicht arbeiten lassen. Ein guter Prolog ist sowohl wichtig fürs Ego als auch zur Formbestätigung. Ideal ist also tatsächlich ein starker Auftakt, nach dem dann aber andere die Arbeit machen müssen.”
Jan Ullrich, Tour de France Sieger 1997, im Interview auf eurosport.yahoo
Exklusives Radtraining mit Tour de France Sieger Jan Ullrich
Auf der Website von Jan Ullrich gab es diese Woche Neuigkeiten zu lesen. Der Tour de France Sieger von 1997 bietet eine Trainingswoche vom 15. bis 22. Juli 2012 an. Mehr dazu gibt es unter Auf den Spuren des “Ötzis” mit dem Tourgott – Exklusives Radtraining mit Jan Ullrich im 5* Central Spa Sölden zu lesen.
Die Teilnehmerzahl ist mit mindestens 6 und maximal 12 Personen festgesetzt. Finanzieller Rahmen liegt bei um 4396,00 Euro pro Teilnehmer und die sportliche Basis sollte 1.500 Kilometer im Jahr auf dem Rennrad betragen.
Ich muss direkt mal meine Kilometer von 2011 am Bodensee zusammenzählen.
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Was macht eigentlich Tour de France Gewinner Jan Ullrich?
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Little Hoffenheim und das Problem
Nein, heute kein Radsport. Es sei denn hier, hier und hier. Wir wollen die Akte Little Hoffenheim nicht so schnell weglegen. Was ist da eigentlich mit dem einstigen Projekt schiefgelaufen? Im Herbst 2008 rockte das Team unter Führung von Coach Rangnick durch die Elite-Etage des deutschen Fußballs. Die Bundesliga wurde aufgemischt. Man wähnte sich auf Augenhöhe mit Bayerrn München. Der erste Herbstmeistertitel wurde gefeiert wie die Entschuldung Griechenlands (wenn sie dann kommt). Bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres kam die Truppe mit auf das Podest. Die Medien überschlugen sich wie einst beim Toursieg von Jan Ullrich 1997.
Das ist alles lange her. Inzwischen ist das Projekt in Richtung graue Maus gestottert. Little Hoffenheim rockt nicht mehr. Die Elf ist austauschbar wie es andere graue Mäuse wie Arminia Bielefeld, VfL Bochum, Hansa Rostock, Eintracht Frankfurt (….. hier nach Belieben die Mannschaft eigenen Desinteresses einsetzen) auch sind. Ein Abstieg wäre für alle Fußballfreunde (die überschaubare Anzahl an Sympathisanten der Kraichgauer Elf ausgenommen) kein Beinbruch. Ein dümpeln in den Untiefen der grauen Mittelfeldzone der Bundesliga auch nicht.
Richtig ärgern dürfte sich eigentlich auch Sportartikelhersteller Puma. Die Trikots mit dem Logo der Herzogenauracher strahlten im Herbst 2008 eine Siegermentalität aus. Das Sponsoring schien eine Erfolgsgeschichte zu sein. Tabellenplatz eins färbt immer auch auf den Hersteller der Trikots ab, in denen die jungen Männer auflaufen. Im Jahr 2012 ist von jenen mentalen Stärken der Elf davon selbst mit einem guten Carl Zeiss Fernglas nicht viel zu sehen.
Indirekter Freistoß hat unter dem Titel Vom Mäzen zum Problem eine kleine Sammlung an interessanten Pressestimmen zusammengestellt und leitet sie mit den Worten ein:
,,In der Presse ist man sich einig: Das Problem in Hoffenheim war nicht Holger Stanislawski. Hoffenheims Problem heißt Dietmar Hopp.”
Es gibt ganze Abhandlungen über die Rolle von Mäzenen in der Kunst oder im Sport. Ich finde es erst einmal gut wenn es Mäzene gibt. Manch Künstler wäre ohne sie verhungert. Manch Fußballverein ohne den Geldfluß immer zwischen den engen Torstangen seines Dorfplatzes geblieben. Monetäre Power ist erstmal nichts unredliches. Wenn ein Mäzen es in eine Sache pumpt soll sich natürlich etwas bewegen. In die richtige Richtung. Das Mäzene oft mangelnde Geduld mit ihren Projekten haben ist bekannt. Der neue Coach Babbel wird sich drauf einstellen müssen.
Was macht eigentlich Jan Ullrich im Februar 2012?
Kann sich noch jemand an das Jahr 1993 erinnern? In Oslo holte sich damals ein Nobody den Straßenweltmeistertitel im Radsport bei den Amateuren. 1997 gewann er die Tour de France. In Uruguay wird der damals 23-Jährige daraufhin im November sogar auf einer Briefmarke verewigt. Ganz Deutschland (vielleicht mit Ausnahme die absoluten Nicht-Sportinteressierten) huldigte dem außergewöhnlichen Radsportler mit den Rostocker Wurzeln. Die Zeitungen überschlugen sich mit großen, begeisterten Schlagzeilen und Lobeshymnen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD und ZDF rockten förmlich in ihrer Euphorie. Radsport war in Deutschland eine Sportart ersten Ranges geworden. Der Held im Scheinwerferlicht war Jan Ullrich. Im Dezember 1997 wird er zum Sportler des Jahres in Deutschland gewählt.
Jahre der Zweikämpfe zweier begnadeter Radsportler sollten folgen. Die einst legendären Duelle zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich sind Sportgeschichte. Die Tour hat diesen Zweikampf in den Bergen und im Zeitfahren jedesmal entgegengefiebert. Die Zuschauer waren in den Bann gezogen. Bereits im Frühjahr wurde mit den Füßen gescharrt. Die Radsportfans wollten Jan und Lance auf dieser besonderen französischen Bühne sehen. Showtime.
Heute schreiben wir das Jahr 2012. Februar. Bitterkalt. Die Wintertemperaturen sind intensiv. Die Heizkosten schnellen in den Haushalten der Bundesbürger nach oben. Basketballfan Christian Wulff ist weiter im Amt. Little Hoffenheim vermeldet nach dem Rauswurf von Trainer Stanislawski eine Neuverpflichtung auf dem Schleuderstuhl. Derweil schreibt Jan Ullrich auf eigener Webseite unter dem Titel Erklärung von Jan Ullrich zum CAS-Urteil – Schlussstrich unter die Vergangenheit seine Sicht der Dinge. Er blickt dabei auch auf 2006 zurück:
,,Kurz vor der Tour 2006 macht es dann einen großen Schlag: Suspendierung, Schlagzeilen, Ächtung, Hausdurchsuchungen, Strafverfahren, Klagen. Ich fühlte mich alleingelassen, wie durch ein Sieb gefallen. Die ganze Welt wollte mich an die Mauer stellen und dann bin ich instinktiv in Deckung gegangen, habe mich erst mal zurückgezogen. Wie gesagt: Ich will mich nicht beklagen, dass alles kam nicht ohne Grund. Ich wollte schon damals, kurz nach meiner Suspendierung, den Fehler, den ich gemacht habe, öffentlich eingestehen, aber mir waren die Hände gebunden. Auf Anraten meiner Anwälte und wie es in solchen Fällen üblich ist, habe ich zu den Vorwürfen geschwiegen.”
Jan Ullrich ist durch ein Wellenbad der Gefühle gegangen. Einst hochgejubelt, spürte er die Ablehnung und Abkehr von Schulterklopfern, Pseudo-Freunden, Radsportfunktionären, Politikern etc. Auf der aktuellen Facebook-Seite vom Tour de France Sieger 1997 sind zahlreiche Fans vertreten. Sie halten weiter zu ihm.
Das Leben geht weiter. Auch morgen wird die Sonne wieder aufgehen. Jan Ullrich hat jetzt natürlich viele Zeilen in den Medien erhalten. Stellvertretend sei hier ein Blick in Der Tagesspiegel empfohlen.
Ein ganz normaler Bürotag im Dezember in Deutschland
08:00 Entspannt mit dem öffentlichen Nahverkehr ins Büro
08:35 Mantel im Büro aufgehangen. E-Mail Eingang checken.
08:45 Kollegen an gewonnene Sportwette auf Schalke 04 erinnern
08:50 Ersten Kaffee im Büro trinken, Rosinenbrötchen tunken
08:59 Entspannungsblues Mama Wilson von Engerling auf youtube hören
09:30 Konferenz. Kollegen an ausstehenden Wetteinsatz erinnern
10:00 Zurück im Büro. Ablage. Blick auf Kultseite von Jens Weinreich
10:30 Genüßlicher Blick auf die Website von Jan Ullrich
11:05 Blick auf die Uhr. Zweites Frühstück in Sicht. Wird auch Zeit.
11:15 Zweites Frühstück mit Kollegen P. Austausch über EM-Auslosung
11:45 Kantine. Sport Diskussion fortsetzen. Es dreht sich um Jogi Löw
12:40 Eiligen Außentermin vortäuschen: schnell mal rüber zu Kaufhof
13:45 Beim Bereichsleiter Sorge über Zustand von S. äußern
14:30 Am Drucker Powerpoint-Präsentation der Kollegin K. abgreifen
14:55 Druckerpapier und Textmarker Stabilo für daheim einstecken
15:15 All-inclusive-Angebote für Ukraine und Polen 2012 checken
15:40 Präsentation von K. unter eigenem Namen der Zentrale senden
16:10 Auszubildenden (Eintracht Fan) im Großraumbüro hochnehmen
16:20 Die Bundesligawettgelder von den Kollegen einsammeln
17:10 Endlich Feierabend. In der Tiefgarage auf Bereichsleiter warten:
,,So spät noch?“
17:50 Von der Frau wegen aufreibenden Bürotag bedauern lassen
17:55 Gut gekühltes Entspannungsbier von der Frau servieren lassen
Anmerkung
Alles an diesem Büroarbeitstag ist erfunden, das hoffe ich zumindest. Namen der Personen sowie Ablauf in der Firma sind ebenso frei erfunden wie die beschriebenen Situationen und Handlungen.
Ich versichere, dass ein Bezug zu realen Geschehnissen in deutschen Büros nicht beabsichtigt ist, auch wenn sich ein solcher finden sollte.
Tour de France Sieger Jan Ullrich steigt bei LOWOXYGEN® ein
Jan Ullrich war einst der Quotenbringer für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. ARD und ZDF erlebten jedesmal einen warmen Sommer voller gebannter Zuschauer vor dem Fernseher. Die Duelle am Berg oder gegen die Zeit vom Rostocker Energiebündel Jan Ullrich waren legendär.
Bei Erfolg sonnen sich immer gerne viele im Rampenlicht. Sportjournalisten suchten seine Nähe. Sponsoren suchten seinen Namen für den Verkauf Ihrer Produkte und zur Steigerung des Imagefaktors. Politiker suchten den Schulterschluss um positive Bilder zu erzeugen. Jan Ullrich war in aller Munde. Dann wurde es ruhiger um ihn. Blieben die Schulterklopfer und Händeschüttler in seiner Nähe? Erfolg ist sexy. Läuft es dagegen einmal weniger gut verkrümeln sich sehr viele. Diese Erfahrung musste auch Jan Ullrich machen.
Wie ein Damoklesschwert gab es dann immer wieder dieses eine Wort mit …. Eine ganze Sportart schien vom Sattel zu fallen. Auf einmal galt der einst so populäre Radsport als Schmuddelkind der Nation.
Filmregisseur Pepe Danquart in jenem spektakulären Interview mit Theatermacher René Pollesch (Dank nochmals an die bemerkenswerten Fragen von Matthias Dell) auf Der Freitag im Jahr 2009, erinnerte an die Anfänge der Tour:
,,Bei der Recherche für meinen Film „Höllentour“ habe ich mir die Entstehungsgeschichte angeguckt. Der erste Fahrer, der auf dem Tourmalet ankam, hat die Organisatoren, die da oben waren, angeschrien: Mörder, Mörder, Mörder. Das sollten wir uns beim Thema Doping in Erinnerung rufen: Es ist mörderisch.”
Den Film Höllentour habe ich einst selber mit meiner Jahrhundertliebe im Kino in Nürnberg gesehen. Beeindruckende Bilder. Faszination Radsport. Dagegen wirkt eine Sportschau mit müden Kicks aus der drittklassigen Liga wie ein Kaffeekränzchen. Danquart hat den Film damals sensationell hingekriegt.
Am 24. Juli 2011 schrieb ich hier im Blog unter dem Titel Jan Ullrich mit neuem Management und Perspektiven unter anderen:
,,Die CHARLYSTEEB GmbH beschäftigt sich mit Vermarktung, Marketing, Klientenmanagement und Eventmanagement. Jan Ullrich will nochmals beruflich durchstarten. Ich finde Lebensläufe mit einem Hoch und einem folgenden Tal und dem sich wieder aufrappeln und aufstehen sehr spannend. Als Reinhold Messner 1970 am Nanga Parbat seinen Bruder Günther verlor und selber sechs Monate in der Innsbrucker Klinik für Gefäßchirurgie zubringen musste, gab keiner der sogenannten Experten noch einen Pfifferling auf den jungen Bergsteiger. Messner bestieg anschließend noch alle Achttausender, durchquerte die Antarktis, gründete ohne staatliche Fördergelder einzigartige Museen und wurde ein erfolgreicher Buchautor und charismatischer Redner.
Doch ich will Jan Ullrich nicht zuviel Last aufbürden. Mich würde es freuen wenn er ein starkes Comeback hinlegen kann.”
Das Comeback nimmt Konturen an. Jan Ullrich will beruflich richtig durchstarten. Auf seiner neu gestalteten Website liest sich das ganze unter der verheißungsvollen Überschrift Jan Ullrich steigt bei zukunftsweisendem Technologie-Unternehmen für Höhenklima ein unter anderen so:
,,Jan Ullrich macht einen weiteren richtungsweisenden Schritt in seine Zukunft und startet als Unternehmer: Der gebürtige Rostocker ist ab sofort als Gesellschafter im Board of Directors der LOWOXYGEN® International mit Sitz in Dubai tätig. LOWOXYGEN® International vereint internationales Know How in der Trainingsmethodik und Patente rund um künstliches Höhenklima. Die zukunftsweisende Technologie LOWOXYGEN® SYSTEMS ermöglicht die Entstehung und Erhaltung von Höhenklima bzw. Atmosphären mit geringerem Sauerstoffpartialdruck, ohne dabei den Luftdruck senken zu müssen. Zu dem Referenzkreis von LOWOXYGEN® Systems zählen zahlreiche Olympiasieger, Welt -und Europameister, sowie Nationalteams.”
Da kann ich doch nur viel Erfolg wünschen, Durchhaltevermögen, gute Ideen, Energie und unternehmerische Toursiege.
Durchhaltevermögen
Es gab eine Phase da hatte jeder Sportler, der etwas auf sich hielt, eine eigene Website. Präsenz zeigen. Content servieren. Imagepflege. Die Zeit rennt. Das Internet ist da erbarmungslos. Die elektronische Visitenkarte vieler Leistungssportler fällt nicht durch permanente Pflege und Füllung mit Content auf. Der eine oder andere Sportler fährt seine Webaktivitäten bereits wieder auf Sparflamme. Die Einträge in der Rubrik Aktuell auf der Website der ehemaligen deutschen Torwarthoffnung Timo Hildebrand sind sporadisch. Okay, er ist auch noch auf dem Gesichtsbuch vertreten.
Auch Jan Ullrich, Tour de France Sieger von 1997, fährt eine etwas kleinere Frequenz. Im Tagebuch auf seiner Website gibt es für den August 3 Einträge. Beim kontinuierlichen pflegen der Website ist Durchhaltevermögen angesagt.
Ich war gespannt wie ausdauernd der deutsche Schachgroßmeister Jan Gustafsson ist. Am 19. August 2010 startete er auf seiner frisch gestalteten Website eine Kolumne. Sein damaliger erster Beitrag A beautiful Mainz war der Auftakt zu einer schnell Kultcharakter annehmenden Kolumne. Fotos, frische und unkonventionelle Kommentare von Gustafsson, ein Blick hinter die Kulissen des Schachbetriebs. Das gefiel nicht nur mir. Die Frequenz war zeitweise sehr intensiv. Er bestückte seine Website mit immer neuen Content. Jetzt ist also ein gutes Jahr vergangen. Im August 2011 füllte der sympathische Großmeister die Kolumne mit zwei Beiträgen. Im September steht er bisher mit einem Beitrag New York, alter Jan zu Buche. Es dürfen wieder gerne intensivere Gustafsson Zeiten anbrechen. Gleiches gilt auch für die oben genannten Timo Hildebrand und Jan Ullrich. Setzt Euch an die Tastatur und haut rein.
Jan Ullrich mit neuem Management und Perspektiven
Die Tour de France 2011 ist durch. Derweil vermeldet der Champion von 1997 ein neues Sportmanagement. Jan Ullrich bedankt sich bei seinem langjährigen Manager Wolfgang Strohband und teilt auf seiner Website mit:
,,Ab sofort werde ich mit dem dreimaligen Davis Cup-‐Sieger und Ex-Tennisprofi Charly Steeb zusammenarbeiten. Charly und das Team seiner Stuttgarter Sportmarketing-Agentur CHARLYSTEEB GmbH übernehmen zukünftig mein Management.”
Die CHARLYSTEEB GmbH beschäftigt sich mit Vermarktung, Marketing, Klientenmanagement und Eventmanagement. Jan Ullrich will nochmals beruflich durchstarten. Ich finde Lebensläufe mit einem Hoch und einem folgenden Tal und dem sich wieder aufrappeln und aufstehen sehr spannend. Als Reinhold Messner 1970 am Nanga Parbat seinen Bruder Günther verlor und selber sechs Monate in der Innsbrucker Klinik für Gefäßchirurgie zubringen musste, gab keiner der sogenannten Experten noch einen Pfifferling auf den jungen Bergsteiger. Messner bestieg anschließend noch alle Achttausender, durchquerte die Antarktis, gründete ohne staatliche Fördergelder einzigartige Museen und wurde ein erfolgreicher Buchautor und charismatischer Redner.
Doch ich will Jan Ullrich nicht zuviel Last aufbürden. Mich würde es freuen wenn er ein starkes Comeback hinlegen kann. Kürzlich schrieb ich hier im Blog zu etwaigen Zukunftsperspektiven vom Tour de France Sieger und einstigen deutschen Vorzeigehelden:
,,Ich finde es gut, dass Jan Ullrich wieder auf dem Rad unterwegs ist. Das war einst seine Passion. Die legt man normalerweise nicht so ohne weiteres ab. In der Perspektive wird er sich vielleicht eine Alternative einfallen (lassen). Manches ist denkbar. Radsportexperte bei Eurosport? Engagierter und kontinuierlicher Kolumnist bei Procycling? Organisator von Radrennen ? Ein Buchprojekt? Geführte Radtouren um den Bodensee? Promotion für ein Tour de France Computerspiel?”
Jan Ullrich wird seinen Weg finden. Ob dies jedem in Deutschland gefällt ist eine ganz andere Frage. Wichtig wird sein, dass er seriös beraten wird, und letztendlich auf sein Bauchgefühl hören wird. Hm. Kopfgesteuerte Menschen werden beim Wort Bauchgefühl vielleicht ihr Haupt schütteln. Doch aus meinen 47 Jahren Lebenserfahrungen ist das Bauchgefühl der beste Ratgeber. Natürlich muss Mensch da genau hinhören, das Bauchgefühl nicht verdrängen oder mit Nebelkerzen tarnen. Die innere Stimme lügt nie. Das dann zur Umsetzung der Verstand auch gebraucht wird ist ebenfalls eine Erfahrung von mir.
Cadel Evans triumphiert bei der Tour de France
Die Entscheidung ist durch. Der Australier Cadel Evans gewinnt die 98. Tour de France. Er darf und wird die Abschlussfahrt nach Paris genießen wie einen Ferienausflug auf dem Rad. Jan Ullrich wurde kürzlich im Interview mit Radsport-News nach dem Tourfavoriten 2011 gefragt und antwortete:
,,Ich glaube, dass es dieses Jahr richtig spannend wird. Neben Contador gibt es so viele gute Leute. Die Schleck-Brüder und Cadel Evans. Ivan Basso steht auch auf meiner Liste. Es sind wirklich viele gute Leute. Andreas Klöden ist auch ein potenzieller Tour-Favorit. Man kann es schwer sagen.”
Die Schleck Brüder, und da insbesondere Andy, waren mein Tipp. Nein, meine Leser müssen sich keine Gedanken über etwaige finanzielle Verluste meinerseits Gedanken machen. Ich habe noch nie den Toursieger bei einem Buchmacher gewettet. Auch zu Zeiten von Tourdominator Lance Armstrong nicht. So eine Höllentour hat etliche Unwägbarkeiten, ein kleiner Sturz, ein Hungerast oder eine Unaufmerksamkeit im falschen Moment und der Tipp ist hin. Wer hätte denn vor der Tour 2011 gedacht, dass Andreas Klöden nicht bis nach Paris durchkommt? Da setzte ich doch demnächst lieber auf den Meisterschaftssieg von Bayern München in der Bundesligasaison 2011/2012. Eine sichere Bank.
Doch zurück zu Cadel Evans. 2007 und 2008 war der Radsportcrack bereits jeweils zweiter der Tour. 2009 wurde Evans Straßenradweltmeister. Der heute 34-Jährige wechselte erst im Jahr 2001 so richtig in den Straßenradsport. Vorher fuhr der Australier intensiv Mountainbike. Angesichts seines Toursiegs bei der Frankreichrundfahrt 2011 darf auch über den Eintrag zum Thema Fahrertypus bei Wikipedia geschmunzelt werden:
,,Cadel Evans ist ein relativ typischer Allrounder. Er ist ein guter Zeitfahrer, insbesondere auf schwierigem Terrain, sowie ein guter Kletterer an gleichmäßigen, langen Anstiegen. Seine Schwächen sind, dass er Tempowechsel am Berg nicht gut mitgehen und er auch für einen Rundfahrer nicht gut sprinten kann. Zudem fährt er sehr defensiv und greift selten selbst an. Seine Stärke ist, dass er sehr konstant fährt und somit eher selten in den hinteren Rängen zu finden ist.”
Cadel Evans war alles andere wie defensiv. Er entreißt Andy Schleck das gelbe Trikot auf der vorletzten Etappe und wird der erste Australier ganz oben auf dem Podium in Paris sein. Evans hatte bis zum entscheidenden Zeitfahren den Vorsprung der Schleck Brüder nicht zu groß werden lassen, war in den Bergen wachsam und spielte seinen Trumpf in Grenoble souverän aus.