Schlagwort-Archive: Franz Beckenbauer

Argentinisches Tagebuch verweist auf die Möglichkeit eines anderen Weltmeisters 2014

Stammleser werden sich vielleicht noch an die 33-teilige kleine Serie Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw erinnern. Den größten Traffic erzielte dabei Teil 22. Im Laufe der Folgen verwies ich hin und wieder auch auf das in Buenos Aires geschriebene Blog Argentinisches Tagebuch hin.

Das Turnier lief ja lange nach Wunsch der Südamerikaner. Eigentlich fehlte dann nur noch der krönende Abschluss im Endspiel. Im Nachgang gibt es auch einen hübschen Artikel mit Verweis auf eine Situation, in der die Titelfrage sich vielleicht entscheidend in die andere Richtung hin entwickelte.

,,Und dass sie doch schon vorher um den WM-Titel beschissen worden seien. So sind sie, die Argentinier. Könnten immer und überall die Besten sein. Wenn die anderen sie nur ließen.”

Gastautor Marc Koch nannte sein ganzes Stück, indem auch der Tod des Funktionärs Grondona abgearbeitet wird, dann auch Nachtstück, beim Schein einer Petroleumlampe zu lesen. Man kann trefflich streiten über jene beschissene Situation, die Koch ansprach. Auch heute noch. Mich erinnerte die Situation stark an Sevilla vor 32 Jahren, im Buch 1982 Spanien in der Reihe der WM-Bibliothek der Süddeutschen Zeitung über das Turnier in Spanien umfassend auf den Seiten 82 bis 91 abgehandelt. Jenem Bericht über ein episches Spiel. Einen gnadenlosen Fight. Es beinhaltete damals alles was einen Fußball-Thriller ausmacht.Traveler Digital CameraDerweil ist der Gründer und Bloginhaber von Argentinisches Tagebuch, Christoph Wesemann, auch wieder in Buenos Aires gelandet. Bei seinem Urlaub in Deutschland wurde er des öfteren nach dem Endspiel von Rio de Janeiro angesprochen.

,,Ich hätte nicht Urlaub in Deutschland machen sollen. Verwandte, Bekannte und sogenannte Freunde wollten mit mir, dem Mann aus Buenos Aires, dauernd über das WM-Finale reden, obwohl ich Schwächen habe was die Analyse betrifft. Bis heute habe ich weder einen Spielbericht gelesen noch Ausschnitte angeschaut, ich verarbeite Argentiniens Niederlage anders und vielleicht auch gar nicht.”

Es war nicht der erhoffte Ausgang des Finals gegen Deutschland wie 1986. Lionel Messi wird weiter im WM-Schatten von Diego Maradona bleiben. Jenem Grenzgänger zwischen Genie und Wahnsinn. Derweil wirbt die Bundesliga im Hinblick auf die beginnende Saison mit Liga der Weltmeister. Okay, kann man machen. Wenngleich zahlreiche Weltmeister wie Kroos,  Khedira (?), Özil, Mertesacker, Podolski und Mustafi im Ausland spielen. Und, so offen darf ich dies anmerken, Deutschland ohne Toni Kroos wahrscheinlich Christoph Wesemann keine unverarbeitete Niederlage beschert hätte.

Florian Haupt erklärt heute auf Die Welt übrigens dann auch Warum Real Khedira und di Maria loswerden will. Ob er in Deutschlands Fußballhauptstadt München landet ist dann nochmal eine ganz andere Geschichte. Plauderer Beckenbauer hin oder her.

Der begnadete Geschichtenerzähler Jürgen Klopp

Jürgen Klopp war dieser Tage bereits wieder mächtig am plaudern. Am Wochenende nach der 0:4 Niederlage gegen den FC Liverpool und einige Tage später nach dem Spiel gegen Bayern München. Eine ganz passable Gelegenheit einen Text aus dem vergangenen Sommer aus dem Archiv zu holen.

Reblog (vom 17. Juni 2013) 

Begnadeten Geschichtenerzählern wird zugehört. Gerade in der Unterhaltungsindustrie Fußball. Einer dieser Plauderer ist Trainer in Dortmund. Jene Mannschaft, die einst den Stadionnamen an eine Versicherung verkaufte, und sich jetzt gegenüber Bayern München als die Guten positioniert. Dabei hat der deutsche Rekordmeister seine Namensrechte für die Sportstätte, die mit einem ungeliebten Ortsrivalen geteilt wird, auch an einen Versicherungskonzern verkauft. Manchmal sind die Unterschiede zwischen Gut und Böse nur marginaler Art. Im Januar 2008 hatte Bayern München einst auch einen Geschichtenerzähler engagiert. Jürgen Klinsmann. Jetzt Nationaltrainer der USA, kürzlich mit einem Prestigesieg gegen den WM-Dritten von 2010, der Mannschaft um Lukas Podolski und Miro Klose. Doch dies ist wieder eine andere Geschichte.

James Bond nebst der Wunderelf von Ungarn und Bayern München

Bei Übungsleiter Klopp musste man nicht genauer hinhören, um vor dem Londoner Finale eine gewisse Unruhe zu spüren. Diese Nervosität führte dann zu verschiedenen Geschichten. Das Publikum lauschte gebannt. Die James Bond Story. Gut und Böse. Der Griff in die historische Mottenkiste von 1954. Dortmund auf einer Ebene mit den Helden von Bern. Gleiche Ausgangslage. Ungarn und Bayern, die Übermannschaften. Deutschland und Dortmund mit jeweils klaren Außenseiterchancen. Wie es 1954 ausging war bekannt. Klopp erzählte die Geschichte charmant, emotional und durchaus auch geschickt. Jeder Motivationstrainer musste aufhorchen. Woher hat er diese magischen Methapern? Von Anthony Robbins, Emile Ratelband oder Jürgen Höller? Laufen die Dortmund Spieler heimlich über glühende Kohlen? Oder springen im Seminarraum bei einer vorbeifahrenden Lok auf die Tische und klopfen sich voller enthusiastischer Begeisterung auf die Brust und signalisieren so: Die Störung durch den Zug wandeln wir um in positive Energie. Bitte schick uns auch morgen wieder eine Lokomotive am Seminarzentrum vorbei. Am besten einen irre langen Güterwaggonzug. Legt bitte jemand nochmals das Tonband mit dem Presslufthammer von der Baustelle auf. Meditation inbegriffen. Die mentale Stärke trainieren.

Story von der China Kopie und die Sache mit dem Arbeiterverein Borussia Dortmund

Doch der für verschiedene Produkte werbende Klopp plaudert eigentlich die ganze Saison über. Hat er in Sachen Werbeverträge eigentlich bereits Franz Beckenbauer eingeholt? Der Kaiser hat ja eine Vielzahl von Produkten beworben. Legendär sein Gesichtsausdruck beim auslöffeln der Knorr Suppe. Oder seine Autowerbung. Wie er die Rolle des Markenbotschafters für Mercedes Benz annahm und dabei einen Rückblick auf Malente warf. Oder die Obsession vom einstigen Weltklasselibero für ein besonderes bayerisches Bier. Doch zurück zum Geschichtenerzähler mit der neuen Frisur. Nach der mutlosen Niederlage im DFB-Pokal im Süden der Republik hatten wir bereits die Geschichte der Raubkopierer mit dem Produkt Spielweise (hatte Dortmund ein Patent laufen?) im Stile der Chinesen gehört. Adressat des Vorwurfs waren die Bösen mit dem Emblem von Bayern München. Wenn ein so ruhiger und erfahrener Trainer wie Jupp Heynckes sich über die Story von Klopp aufregt stimmt die Relation vielleicht nicht. Dazu der immerwährende Vorwurf Bayern würde alles mit Geld regeln. Spieler kaufen. Oh, war Reus vor der Saison ehrenamtlich von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund gewechselt? Ohne Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe? Hatte er auf ein Millionengehalt verzichtet? Dann ist auch noch das Märchen vom Proletariat. Klopps Chef, Herr Watzke, stilisiert Börsenteilnehmer Borussia Dortmund gerne auch im Jahr 2013 als Arbeiterverein. Schmunzeln. Das ist aberwitzig. Auch Jürgen Klopp strickt gerne an dieser Story. Bei aller Sympathie für Tradition, Wurzeln mit einfachen Familienverhältnissen, begeisternde Fußballspiele, Tempo und Dynamik der Borussen und dem verdienten Double Triumph in der Saison 2011/2012 – Arbeiterverein im Jahr 2013 ist so weit weg von der Realität wie ein Kanzlersieg von Honorarkönig Steinbrück im September.

Marketingkampagne Echte Liebe und die Probleme mit der Treue

Borussia Dortmund hat einen Claim Echte Liebe. Auf den ehemaligen Arbeiterverein zugeschneidert. Ausgedacht unter Marketinggesichtspunkten der Neuzeit. Griffiger Slogan. Authentisch soll er sein. Sympathisch rüberkommen. Eine besondere Verbundenheit der Fans, der Region mit dem Fußballteam von Borussia Dortmund signalisieren. Beim Verkauf von Trikots, Schals und anderen Fanartikeln helfen. Die Umsätze im Merchandising steigen. Trikotsponsor Puma ist mit dem Abverkauf der Hemden mit dem Logo einer Raubkatze zufrieden, so ist zu hören. Die Marketingkampagne Echte Liebe hat jedoch auch die ersten Risse bekommen. Mario Götze, in der schönen Stadt Memmingen im Allgäu zur Welt gekommen, mag nicht mehr im Liebeskreis der Dortmunder bleiben. Er spielt in der nächsten Saison nicht mehr im Puma Trikot mit den traditionellen Dortmunder Farben. Sein neues Leibchen trägt drei Streifen. Stichwort Adidas. Einst prangten diese 6 Buchstaben sogar auf der Trikotbrust von Spielern wie Franz Beckenbauer. Halt Tradition. Auch der talentierte polnische Nationalspieler Robert Lewandowski hat Fernweh und will vom CL-Finalisten 2013 weg. Dabei demonstrieren der Stürmer und seine Berater eine besondere Hartnäckigkeit in der Kommunikation des gewünschten Ausbrechens aus dem Kreis der Liebe. Der Held vom Malaga Spiel, Felipe Santana ist bereits weg. Er suchte eine neue Herausforderung bei, bitte festhalten, Schalke 04. Der Revierrivale. Meister der Herzen. In den Jahren zuvor signalisierten Spieler wie Kagawa oder Sahin den Wunsch einen anderen Kultur- und Freundeskreis kennenzulernen. Echte Liebe. Das Leben ist kompliziert. Immerhin Sahin hat es wieder zurück zu seinem Ex-Verein geschafft.

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (29)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (29)

Ich bin noch wie im Trance.

7:1 Auswärtssieg in Belo Horizonte.

Der in Buenos Aires lebende Christoph Wesemann bringt auf Twitter zwei Sätze aus einem argentinischen Radio:

“Nie werdet ihr Brasilianer das 1:7 vergessen. Und falls doch, wird es immer einen Argentinier geben, der euch dran erinnert.”

Andererseits ist es schon blöd, wenn der Höhepunkt vor dem Finale war.

Jetzt also am Sonntag im Estádio do Maracanã in Rio de Janeiro gegen Argentinien. Die Statistik beider Mannschaften in den gegenseitigen Endspielen 1986 und 1990 steht 1:1. Am Wochenausklang wird es eine signifikante Verschiebung der Bilanz geben. Traveler Digital CameraArgentinien hatte 1986 das Finale gegen die Beckenbauer Elf mit 3:2 gewonnen. Es war die WM von Diego Maradona, dem Grenzgänger zwischen Genie und Wahnsinn. Aber er hatte auch eine funktionierende Mannschaft um sich. Sie kam auch mit den komplizierten klimatischen Bedingungen und den infrastrukturellen Gegebenheiten in Mexiko vor 28 Jahren gut zurecht. 1990 spielte Maradona immer noch für Argentinien. Aber die Dynamik, Leidenschaft gepaart mit unglaublichen Toren und dem finalen Biss war nicht mehr da. Der Einzug ins Endspiel gelang über das Elfmeterschießen gegen Italien im Halbfinale. Deutschland siegte dann im Finale von Rom mit 1:0.

Franz Beckenbauer liegt mit einer Prognose daneben

Beckenbauer prognostizierte damals seinem Nachfolger Berti Vogts, mit Blick auf die Wiedervereinigung und dem Reservoir an talentierten Spielern mit DDR Wurzeln, eine Unbesiegbarkeit auf Jahre. Nun, es kam bekanntermaßen etwas anders. Franz irrte ein wenig. Deutschland verlor 1992 gegen Dänemark das EM Halbfinale und schied 1994 und 1998 jeweils im Viertelfinale der WM aus. Gegner waren da Bulgarien und Kroatien. Einzig 1996 konnte die deutsche Elf letztmalig einen Titel bei der EM in England feiern. Über die Auftritte bei der EM 2000 und 2004 decke ich jetzt mal den Mantel des Schweigens.

Argentinien diesmal mit einem Lionel Messi in seinen Reihen

Nun, 24 Jahre nach der Nacht von Rom, hat Deutschland also wieder eine große Chance auf den Weltmeistertitel. Die Sehnsucht ist groß zwischen Rostock und Friedrichshafen. Der Kontrahent kommt wieder aus dem südamerikanischen fußballverrückten Land vom River Plate. Diesmal hat Argentinien einen Lionel Messi in den Reihen. Auch er hat eine funktionierende Mannschaft um sich. In der Vorrunde spielten sie sehr kräftesparend. In den anschließenden K.o. Spielen gegen die europäischen Teams der von Hitzfeld gecoachten Schweiz mit ihren Bundesligalegionären, dem mit vier Siegen hintereinander ins Turnier gestarteten Geheimfavorit Belgien und dem Vizeweltmeister Niederlande mit Robben und Co. ließen sie in 330 Minuten kein Gegentor zu. Wie einst 1990 qualifizierte man sich für das Finale über ein gewonnenes Elfmeterschießen.

Peter Stolterfoht hat sich heute auf der Titelseite der Stuttgarter Zeitung auch mit dem Stil der Elf von Übungsleiter Löw auseinandergesetzt und bescheinigt ihr einen stilvollen Umgang mit dem historischen Sieg gegen Gastgeber Brasilien. Er wirft aber auch einen Blick voraus und schreibt am Ende seines Leitartikels:

,,Wenn die deutsche Nationalmannschaft nach Deutschland zurückkehrt, wird ihr viel Sympathie entgegenschlagen. Das hat maßgeblich mit dem Auftritt in Belo Horizonte zu tun. Und selbst wenn nach dem Finale am Sonntag in Rio der WM-Pokal nicht mit im Flugzeug sein sollte, wird das Team von Joachim Löw zuvor sicher bewiesen haben, dass es nicht nur ein guter Sieger, sondern ein ebensolcher Verlierer ist. Das hätte dann auch wieder Klasse.”

Das Endspiel ist auch aus marketingtechnischer Sicht ein großartiger Coup für Adidas. Der Sportartikelhersteller stattet Deutschland und Argentinien aus. Nach dem frühzeitigen Ausfall ihres Klienten Spanien ist dieses Turnier vom Sportmarketing aus ideal für den Konzern aus Herzogenaurach gelaufen. Im Spiel um Platz 3 stehen sich am Samstag die Nike Teams Brasilien und Niederlande gegenüber. Frühzeitig ohne Chance auf Titelehren war Puma bei dieser Weltmeisterschaft. Vier Teams hatte Puma ins Achtelfinale gebracht. Nur eine Mannschaft weniger wie Nike und Adidas mit jeweils fünf. Doch die Puma Teams Chile, Uruguay, Schweiz und Algerien blieben alle in der ersten K.o. Runde hängen. Wer die Rivalität zwischen den fränkischen Playern Adidas und Puma kennt, kann sich in etwa die aktuelle Stimmungslage ausmalen.Traveler Digital CameraDas Finale wird in der ARD übertragen. Kommentator ist Tom Bartels. In der aktuellen Sport Bild wird er im Interview nach seinem persönlichen Sicherheitsgefühl in Brasilien gefragt. Reporter Bartels:

,,Rund um die Hotels und die Stadien stehen alle 50 Meter Polizei oder Militär. Solche Massen sind surreal. Ich gehe ohne Uhr, Kreditkarten, oft auch ohne Smartphone los. Nur mit etwas Bargeld.”

So, jetzt also noch 3 Tage bis zum Endspiel, dann steht auch der Weltmeister 2014 fest. Aus 32 Mannschaften haben sich zwei Anwärter darauf herauskristallisiert. Tief durchatmen.

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (6)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (6)

Manch begeisterter deutscher Fußballfreund war beim letzten Weltmeistertitel noch gar nicht geboren. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her. Jener Titel 1990 unter der Führung von Teamchef Franz Beckenbauer. Auch am 74er Titel war der einstige Weltklasselibero entscheidend beteiligt. Kapitän einer Mannschaft, die sich nach dem 0:1 gegen die DDR keine Blöße gab. Dank der Umstellungen nach der Niederlage die auch der meinungsstarke Beckenbauer vornahm. Trainer Helmut Schön ließ ihn gewähren. Doch diese Geschichte erzähle ich zu gegebener Zeit in aller Ausführlichkeit. Dann war dann auch noch das Wunder von Bern vor 60 Jahren.Traveler Digital Camera

Heute greifen die letzten vier Mannschaften in die Fußball-WM ein. Belgien, Algerien, Russland und Südkorea in Gruppe H. Kommt Übungsleiter Löw mit Deutschland weiter, die ersten 3 Punkte wurden souverän gegen Portugal eingefahren, wird es im Achtelfinale eine Begegnung mit einer der vier genannten Teams geben. 18.00 Uhr treffen Geheimtipp Belgien und Algerien in Belo Horizonte aufeinander. Der Schauspieler und Fußballfreund Heiner Lauterbach in der gestrigen Montagsausgabe im Südkurier:

,,Ich glaube es gibt sechs, mit Belgien sieben Mannschaften, die Weltmeister werden können.”

Die Belgier haben mit Marc Wilmots einen Trainer, der in der Bundesliga bei Schalke seine Spuren hinterlassen hat. In den diversen Vorschauheften auf die WM wurde Belgien immer wieder genannt, wenn es um das Team ging, welches mit dem größten Überraschungspotenzial ausgestattet ist, die Etablierten zu ärgern. Die Profis spielen bei namhaften europäischen Vereinen, scheinen eine smarte Art drauf zu haben, die in einem Turnier durchaus sehr weit führen kann. Man wird sehen. Mir haben sie in der Vorbereitung beim Sieg gegen Schweden (allerdings ohne Ibrahimovic) gut gefallen. Algerien ärgerte einst Deutschland bei der WM 1982. Der afrikanische Kontinent wartet immer noch auf den ersten Einzug einer Mannschaft in ein WM-Halbfinale.

Auftaktsieger Brasilien und Mexiko treffen aufeinander, hoffentlich mit besserem Schiri

Dann steigt heute auch die zweite Partie von Gastgeber Brasilien. Kontrahent in Fortaleza ist Mexiko. Beide Mannschaften haben ihre Auftaktspiele gewonnen. Der beim vorjährigen Confed-Cup überzeugende WM-Favorit Brasilien brauchte einen Elfmeter gegen Kroatien, den nur sehr wenige Schiedsrichter gepfiffen hätten. Eröffnungsspiele, dies zeigt ein Blick in die Historie, sind selten spielerisch überzeugende Leckerbissen gewesen. Am Ende eines Turnieres fragt keiner mehr groß danach. Manch Weltmeister biss sich in eine WM herein. Bestes Beispiel Italien 1982. In der Vorrunde nur 3 mühsame Unentschieden und sehr glücklich durch das Torverhältnis gegenüber Kamerun weiter. Später Siege gegen Argentinien, Brasilien und Deutschland und der Titel. Brasiliens heutiger Gegner Mexiko bekam zwei Tore durch den wenig überzeugenden Schiri nicht zugesprochen, gewann gegen die Elf aus Kamerun mit Bundesligaurgestein Volker Finke in der afrikanischen Coaching-Zone trotzdem.

Der Ausrichter der WM 2018 trifft auf den Gastgeber der WM 2002

24.00 Uhr messen dann Russland und Südkorea ihre Kräfte. Der russische Fußball hat es durch die geopolitischen Veränderungen nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht einfach gehabt. 1988 stand die Mannschaft noch im Finale der Europameisterschaft gegen das grandiose Team der Niederlande. 2018 richtet Russland die Fußball-WM aus. Putins Akquise-Power, gepaart mit monetärer Wucht beschert dem Land nach den olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi einen weiteren weltsportlichen Höhepunkt. An der Seitenlinie der russischen Elf steht mit Fabio Capello ein renommierter Trainer. In der Qualifikation ließ man Portugal hinter sich und bekam in 10 Spielen nur 5 Gegentore. Gegner Südkorea schaffte es bei der eigenen Heim-WM 2002 bis in das Spiel um Platz 3. Im Halbfinale hatte Deutschland Mühe und Michael Ballack holte sich jene verhängnisvolle gelbe Karte, die ihn nur die Zaungastrolle beim Endspiel gegen Brasilien bescherte. Leverkusens Spieler Heung-Min Son ist einer der Hoffnungsträger in der Mannschaft von Trainer Myung-Bo Hong. Der smarte 45-Jährige Coach ist mit 136 Länderspielen der Rekordnationalspieler Südkoreas und leitet die Geschicke der Mannschaft seit dem 27. Juni 2013.

Belgien – Algerien

Dienstag, 17. Juni, 18.00 Uhr, Belo Horizonte, im ZDF

Brasilien – Mexiko

Dienstag, 17. Juni, 21.00 Uhr, Fortaleza, im ZDF

Russland – Südkorea

Dienstag, 17. Juni, 24.00 Uhr, Cuiaba, im ZDF

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Fußball-WM 2014: Meine Tage mit Übungsleiter Löw (5)

Die degradierte Reporterin des ZDF vermeldete einen tiefenentspannten Joachim Löw. KMH hatte mich schon früher bei ihrer Tätigkeit bei Antenne Bayern nicht überzeugt. Aber es gibt natürlich in Deutschland Fuballexpertise, die fundiert ist. Einer der kompetentesten Fachleute ist Trainer Baade. Er merkt an:

,,Gegen Portugal könnte eine der wenigen Niederlagen der deutschen WM-Geschichte hinzukommen, aber selbst dann würde es für die zweite Runde reichen. Im Halbfinale ist dann wieder Schluss, weil Neuer patzt, weil Boateng pennt und mit Rot vom Platz geht oder weil auch einfach schlicht der Gegner stärker ist und Jogi bei Rückstand wieder wie eingefroren an der Linie steht und seine Gehirnwindungen 25 Minuten brauchen, bis er reagiert.”

Übungsleiter Löw hat durchaus Erfahrungen mit Vorrundenniederlagen. Bei der EM 2008 setzte es eine Niederlage in Klagenfurt gegen Kroatien. Zwei Jahre später setze die deutsche Elf ihr Vorrundenspiel gegen Serbien bei der WM in Südafrika in den Sand. Auch sonst gab es in den letzten Tagen reichlich Gesprächsstoff. Sportspool.tv hat einen lesenswerten WM-Blog: “SAVE FOOTBALL, DESTROY FIFA” aufgelegt:

,,Theo Zwanziger gegen Wolfgang Niersbach. Ex- gegen amtierenden DFB-Präsident. Im deutschen Fußball geht es derzeit ordentlich rund. Und dass, obwohl die DFB-Elf noch keine einzige Minute gespielt hat. Erklärung des DFB-Präsidiums vom 14.06.2014. Deutsche Funktionäre sorgen für eine ordentliche Begleitmusik für eine Fußballweltmeisterschaft.”

Über die FIFA, Funktionär Blatter, Franz Beckenbauer, mediale Schlammschlachten, russische Verbindungen mit krimineller Energie und abgekupferten Content etc. haben wir ein bemerkenswertes Hintergrundstück von Jens Weinreich, in dem die Bild am Sonntag nicht sonderlich gut wegkommt. Unbedingt lesen.

Übungsleiter Löw greift heute in das Geschehen ein, sein ehemaliger Chef auch

Heute greift also Übungsleiter Löw mit seiner Mannschaft in das Geschehen ein. Portugal verlor 2006 im Spiel um Platz 3 gegen Deutschland bei der WM in Stuttgart. Auch 2008 bei der Europameisterschaft musste die Mannschaft um Star Ronaldo eine Niederlage hinnehmen gegen die DFB-Elf. Ebenso bei der EM 2012. Doch grau ist alle Statistik und Bilanzen vergangener Spiele. Heute geht es wieder bei Null für beide Teams los. Iran gegen Nigeria hat auch eine kleine deutsche Komponente. Die iranische Mannschaft wird vom deutschen Unternehmen Uhlsport ausgestattet. Im Vorfeld gab es wegen der Trikos diverse Irritationen. Nigeria läuft in Adidas Trikots auf. Die Afrikaner haben in der Gruppe F mit den weiteren Kontrahenten Argentinien und Bosnien -Herzegowina durchaus ein Weiterkommen im Blick. Dann wäre zur geschmeidigen Uhrzeit von 24.00 Uhr auch noch das Spiel Ghana gegen USA. Boateng, Klinsmann, Vogts. Mehr deutsche Komponente geht fast gar nicht. Jürgen Klinsmann hat das Ziel, die Gruppe zu überstehen, in der ihm arteigenen selbstbewussten Art ausgegeben. Ghana scheiterte bei der letzten WM dramatisch und tragisch an Uruguay im Kampf um den Einzug in das Halbfinale. Sie wären die erste afrikanische Mannschaft gewesen, sich mit dem Einzug ins Halbfinale bei einer WM in die Geschichtsbücher einzutragen. Zu Zeiten eines Roger Milla mit Kamerun bei den grandiosen Auftritten hätte manch Fußballexperte den afrikanischen Mannschaften so ein Erfolgserlebnis durchaus früher zugetraut. Doch die Entwicklung verlief nicht problemlos. Die Probleme, politisch, infrastrukturell, materiell sowie personell, sind auf dem afrikanischen Kontinent vielfältig.

Deutschland – Portugal

Montag, 16. Juni, 18.00 Uhr, Salvador, im ARD

Iran – Nigeria

Montag, 16. Juni, 21.00 Uhr, Curitiba, im ARD

Ghana – USA

Montag, 16. Juni, 24.00 Uhr, Natal, im ARD

Günter Netzer: “Wir lebten in verschiedenen Welten. Helmut Schön hat das respektiert. Das war seine Größe.”

Platzfrage hin oder her. Für gute Fußballwerke wird sich immer noch ein Platz finden lassen. Die Zeit der WM-Bücher ist auch eine Frage der Selektion. Dieser Tage nahm ich aus meinem Regal das Buch Argentinien 1978 aus der Reihe Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek in die Hand. Traveler Digital Camera

Es war das letzte Weltmeisterschaftsturnier von Bundestrainer Helmut Schön, dem erfolgreichsten Nationaltrainer in der Geschichte des DFB. Vizeweltmeister 1966, WM-Dritter 1970, Weltmeister 1974. Dazu kam der EM-Titel 1972 und die Vizeeuropameisterschaft 1976. An dieser Bilanz müssen sich alle seine Nachfolger messen lassen. Am nächsten kam ihr Franz Beckenbauer mit dem Finaleinzug 1986 und dem Weltmeistertitel 1990. Danach erreichte nur Rudi Völler einen WM-Finaleinzug. Weder den oft in den Medien überschwenglich gehypten Jürgen Klinsmann oder Joachim Löw gelang dieses deutsche Klassenziel. Berti Vogts konnte immerhin 1996 die Europameisterschaft gewinnen. Seither auch keine Domäne der DFB-Elf mehr. Das Kapitel Ribbeck lasse ich hier an der Stelle bewusst außen vor.

Im besagten Fußballbuch über die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien aus der WM-Bibliothek der Süddeutschen Zeitung kommt auf Seite 82 und 83 auch Günter Netzer, den ich kürzlich beim SWR UniTalk in Konstanz smart und entspannt auf der Bühne plaudernd erlebte, zu Wort und schreibt über seinen Bundestrainer unter dem Titel “Wir lebten in verschiedenen Welten. Helmut Schön hat das respektiert. Das war seine Größe.”, in höchster Anerkennung:

,,Und das ist es, was mich Frieden schließen ließ mit Helmut Schön: Er hat es erkannt. Er wusste, dass er uns, diese Mannschaft der ersten siebziger Jahre, einfach laufen lassen musste. Und er hatte es nicht nötig, sich auf unsere Kosten zu profilieren. Er wollte gewinnen, wir wollten gewinnen, wir wussten, dass wir dazu unsere Freiräume brauchten und uns taktische Zuordnungen langweilten, er wusste es auch. Er ließ uns gewähren. Ein großer Trainer. Ein großer Mensch.”

Der gebürtige Dresdner Helmut Schön hatte nicht nur ein Händchen im Umgang mit seinen Spielern, ihm gelang auch die Balance zwischen überragenden sportlichen Erfolg mit der Nationalmannschaft und einer schönen Spielweise. Speziell die Europameisterschaft 1972 lässt Fußballkenner immer noch mit der Zunge schnalzen. Das er hin und wieder doch eine taktische Zuordnung vornahm, wie im WM Finale 1974 mit der Manndeckung von Berti Vogts gegen den niederländischen Regisseur und König Johan Cruyff, war nicht zum Schaden der Mannschaft.

Derweil geht es weiter im WM-Fahrplan von Übungsleiter Löw.

Noch ein abschließendes Wort zum Thema Fußballbuch. Jetzt drängeln ja viele Verlage mit Publikationen in diversen Buchhandlungen und Online-Plattformen. Ich mag dabei auch immer Verlage die eine gewisse Kontinuität und Qualität fernab der reinen Massenware vorweisen können. Dieser Tage werde ich auch nochmal beim Verlag Die Werkstatt vorbeischauen. Deren Fußballbücher haben  oft das besondere, die liebevoll aufbereiteten Werke haben mich da auch noch nie enttäuscht. Auch zwischen den WM-Jahren.

Harald Schmidt erzählt die Franz Beckenbauer Story

Mir fehlt er schon. Deutschlands schärfster Intellektueller. Er brachte die Dinge auf den Punkt. Seine Zunge hatte bisweilen die Schärfe eines mit Chili überwürzten Menüs beim Asiaten. Zeit ein wenig in Nostalgie zu machen.

[Reblog vom 26. Februar 2010]

Harald Schmidt ist Entertainer und ausgewiesener Fußballexperte.

Keiner kann Zusammenhänge so prägnant auf den Punkt bringen wie der Adolf-Grimme-Preisträger. Mit Hilfe der Playmobil Figuren erklärt er allen Fußballfreunden die Geschichte von Franz Beckenbauer. Weggefährten wie Uli Hoeneß, Paul Breitner oder Sepp Maier werden dabei nicht vergessen.

Beckenbauers Geschichte braucht einen 2. Teil. Harald Schmidt knüpft spielerisch an Malente an und bringt auch König Johan ins Spiel. Der Niederländer Cruyff war der große Protagonist während der WM 74. Den Weltmeisterpokal hielt jedoch Kaiser Franz in den Armen.

 

Marketing: Sky Go mit den Testimonials Franz Beckenbauer und Jürgen Klopp

Wer kennt ihn nicht, den prägnanten Spruch mit dem Fernglas von Uli Hoeneß. Einst hatte der Rekordmeister im Jahr 2007 etwas irritiert und titellos zusehen müssen wie die Meisterschaft an den VfB Stuttgart und der Pokalsieg an den 1. FC Nürnberg ging. Der damalige Manager Uli Hoeneß formulierte es dann so:

,,Nächstes Jahr wird es bei uns eine klare Devise geben – und das vom ersten Spieltag an: Wir müssen dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder das Wehklagen einsetzt, wenn die anderen uns in der Tabelle mit dem Fernglas anschauen.”

In Anlehnung an die damalige Geschichte taucht jetzt Franz Beckenbauer mit einem Fernrohr im Sky Go Werbespot auf und plaudert mit Jürgen Klopp.

Vor 40 Jahren: BRD – Chile

Übungsleiter Löw bastelt an seiner Stammformation für die WM 2014 herum. Das Testspiel gegen Chile, 2009 aufgrund der tragischen Ereignisse mit dem Suizid von Robert Enke abgesagt, steht auf dem Plan. Die Südamerikaner waren vor 40 Jahren bei der WM 1974 in der Vorrunde der Gruppengegner der BRD. Die deutsche Fußballnationalmannschaft war einer der Titelfavoriten. Damals unter Leitung von Erfolgscoach Helmut Schön. Auf dem Platz agierten selbstbewusst Spieler wie Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Gerd Müller oder Uli Hoeneß. Letzterer lieferte im alten Jahr unschöne Schlagzeilen.Traveler Digital CameraDoch wir wollen uns heute auf das sportliche konzentrieren. Damals gab es einen knappen 1:0 Erfolg der Mannschaft mit dem Bundesadler. Ein präziser Schuß von Paul Breitner sorgte für den Siegestreffer. Ich habe eine Kurzversion und eine Langversion vom Spiel anzubieten. Zuerst die zeitsparende Videosequenz.

Jetzt die lange Version für alle Strohwitwer, Singles und ausdauerstarken Fußballfreunde.

Kann sich noch jemand an das große Glück von Übungsleiter Löw erinnern?

Hier am Bodensee gab es auch schon im Januar wieder phantastische Tage. Fernab vom überhitzten Medienbetrieb der Republik. Das Hitzlsperger Outing ist inzwischen auch medial abgearbeitet. Scheinbar. Oder? Ich warte ja immer noch auf das erste Outing eines deutschen Modeschöpfers als Hetero. Magnus Carlsen greift Ende Januar wieder in den Spielbetrieb ein. Der Schachweltmeister präsentiert sich in Zürich. Die Fußball-WM 2014 kommt auch auf ganz leisen Sohlen. Die Zeit tickt. 12. Juni bis 13. Juli steht im Sportkalender drin. Dick angestrichen. Die Wand hat bei mir bereits den entsprechenden brasilianischen Schmuck durch Fred Kowasch bekommen. Die Post war einer der erfreulichsten Sendungen im bisher frischen neuen Jahr. Was macht eigentlich Übungsleiter Löw? Akribische Vorbereitung der Mission Titelgewinn?Traveler Digital CameraEr ist immer noch mit der Nationalmannschaft titellos. Die Fußballnation Deutschland war bei den Siegerehrungen der letzten Jahre in der Rolle des Gratulanten. Dabei hat Übungsleiter Löw großes Glück gehabt. Die Erinnerung ist noch recht frisch. Traveler Digital CameraHier vom Bodensee kann ich vielleicht noch eine kleine Motivationsspritze mit auf den Weg schicken. Es war ein Tag im Sommer. Wir schreiben den 8. Juli 1990. Verdammt lange 16 Jahre nach München. Tatort ist Rom.

Deuschland – Argentinien 1:0 (0:0)

Deutschland:  Illgner, Berthold (73. Reuter), Augenthaler, Kohler, Buchwald, Brehme, Matthäus, Häßler, Littbarski, Klinsmann, Völler

Teamchef: Franz Beckenbauer

Argentinien: Goycoechea, Ruggeri (46. Monzón), Lorenzo, Sensini, Simón, Serrizuela, Basualdo, Burruchaga (53. Calderón), Maradona, Troglio, Dezotti

Trainer: Carlos Bilardo

Tor: 1:0 Brehme (85. Elfmeter)

Rot: Monzon (65.), Dezotti (87)

Gelb: Völler, Dezotti, Troglio, Maradona

Schiedsrichter: Codesal Méndez (Mexiko)

Zuschauer: 73.600

Alleine mit meiner Motivationsspritze ist es jedoch nicht getan.