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Benjamin Wahlen bemerkenswertes Spox-Interview mit Jan Gustafsson und Ilja Zaragatski

Schach schaffte es einst in das legendäre Buch Wenn Sport Geschichte schreibt von Jan Stradling.Traveler Digital Camera

Auf den Seiten 130 bis 141 gab es das Kapitel Der Bauernraub. Reykjavik, Island, 1972. Die Schachweltmeisterschaft zwischen dem amerikansichen Schachgenie Bobby Fischer und dem amtierenden Leningrader Weltmeister Boris Spasskij. Das Schachmatch des Jahrhunderts.

Der Tod des Glücks ist der Vergleich. Lassen wir also erst gar keine Versuche aufkommen, das Glück zu zerbröseln, in dem wir vergleichend hin und her schwenken zwischen verschiedenen Schachepochen.

Die Schach-WM 2014 im olympischen Medienzentrum in Sotschi ist bereits wieder Geschichte. Während des Kampfes gab es ein bemerkenswertes Spox-Interview von Benjamin Wahlen mit den beiden Großmeistern Jan Gustafsson und Ilja Zaragatski.

Neben Gedanken zur verbesserten Strategie von Anand gegenüber Chennai, den inflationären Elo-Zahlen und dem Blick auf die eigene Karriere ging es auch um Spielsucht. Jan Gustafsson, erfolgreiches Mitglied des Teams der deutschen Schachnationalmannschaft von 2011 bei der Europameisterschaft, die damals sensationell den Titel errang, merkte an:

,,Viele Schachspieler sind echte Zocker, viele spielen auch Poker, gehen oft ins Casino und wetten. Die Affinität zum Glücksspiel ist bekannt, Spielsucht kann für manche zum Problem werdent. Es gibt Spieler, die sich zum Beispiel für Contra-Re-Spiele treffen. Dabei geht um einen Einsatz, der durch die Ansage von Contra und Re jeweils verdoppelt werden kann.”

Pokern ist immer wieder ein Thema bei Schachspieler Gustafsson. Er selber gab einst der FAZ vor 6 Jahren ein Interview unter dem Titel Im Pokern ist mehr zu holen als im Schach. Michael Eder leitete das Interview damals mit folgenden Worten ein:

,,Jan Gustafssons Denkfabrik ist nicht sehr groß, nur ein paar Quadratmeter. Das Arbeitszimmer in seiner Eppendorfer Wohnung ist zugleich sein Wohnzimmer. Ein weißes Ledersofa steht darin, ein Bücherregal, vollgestopft mit Romanen, Schach- und Pokerliteratur. Fernseher, Stereoanlage, Lautsprecher, DVD-Hüllen. Ein Stuhl, ein Schreibtisch, darauf zwei Aschenbecher, zwei Schachteln Gauloises – und Gustafssons Trainingsgeräte: zwei Bildschirme, die ihn per Internet mit der Schach- und Pokerwelt verbinden und ihm Zugriff auf eine Datenbank mit mehreren Millionen Schachpartien bieten.”

Das damalige Interview im November 2008 war im Vorfeld der Schacholympiade Dresden geführt worden. Autor Benjamin Wahlen publizierte sein cooles Spox-Interview am vorigen Mittwoch, den 19.11.2014, dem 4. Ruhetag in Sotschi vor der 9. Partie zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand. Man wünschte sich generell nicht nur zu den faszinierenden Höhepunkten im internationalen Schachkalender, die Berichterstattung in den Sportrubriken der Zeitungen oder den Sportportalen über das königliche Spiel, seine psychologischen Komponenten, den Protagonisten und Begleiterscheinungen sowie Hintergründe.

Rezension von Sport – das Buch

,,Sport – Das Buch” von Jürgen Schmieder und Johannes Aumüller

Das 352 Seiten starke Buch ist seit dem 6. Oktober 2014 in Deutschland auf dem Markt. Der C.Bertelsmann Verlag stellte mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Mein persönlicher Dank geht an Kathrin Arnold, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie kam auf mich schriftlich zu, wir telefonierten miteinander und es erfolgte die prompte Zusendung. Jürgen Schmieder, Reporter sowie Autor für die Süddeutsche Zeitung und derzeit Korrespondent in Los Angeles hatte Lust auf Teamarbeit. Sein kongenialer Partner für Sport – Das Buch war der Sportjournalist Johannes Aumüller. Aumüller arbeitet seit 2008 für die Süddeutsche Zeitung und berichtet vor allem über Sportpolitik und das Sportgeschehen in Osteuropa.Plain black hardback book

104 Sportarten und über 5.000 Fakten werden unterhaltsam aufbereitet und dargeboten. Obligatorisch auch die Frage für Angeber. In der Sportart Fußball kommt sie auf Seite 115 geschmeidig daher:

,,Wie viele deutsche Fußball-Nationalspieler haben in einem EM- oder WM-Finale von außerhalb des Strafraums ein Tor erzielt?”

Klar, Gerd Müller hat sein Siegtor 1974 in München gegen die Niederlande im Strafraum erzielt. Auch Mario Götze erzielte das Siegtor bei der WM 2014 gegen Argentinien innerhalb des Strafraums. 1990 ist eh klar. Das Elfmetertor von Andreas Brehme. Nun, die richtige Antwort ist Horst Hrubesch. Sein 1:0 gegen Belgien im EM-Finale 1980 ist der einzige Treffer in der langen Geschichte von Toren deutscher Fußballer in Endspielen bei einer Europameisterschaft oder einer WM, der von außerhalb des Strafraums erzielt wurde.

Das Buch ist eine Fundgrube für jeden Sportfan. Skurille Sachen werden ans Tageslicht befördert, wissenswertes leicht veranschaulicht dargelegt und man merkt Jürgen Schmieder und Johannes Aumüller den Spaß am Buch an. Dabei werden die einzelnen Sportarten strukturiert abgearbeitet. Nehmen wir einfach zum besseren Verständnis die Sportart Handball auf den Seiten 128 bis 130 heraus. Der Aufbau zieht sich durch das ganze Buch und geht beim Handball so:

Mutterland: Was er war: Wie er wurde: Was er ist: Wettkampf, den man gesehen haben muss: Beeindruckendster Laufweg: Was den Sport einzigartig macht: Dinge, die den Sport grundlegend verändert haben: Typische physische Folge: Tragische Verletzung: Bester Sportler: Schlechteste Sportler: Bester Spruch: Tollster Fachbegriff: Bestes Buch zum Sport: Bester Film: Bestes Lied: Tätigkeit für Sesselsportler: Outfit, das in Erinnerung bleibt: Accessoire, das keinen Einzug in den Mainstream erhalten hat: Athlet, dessen Nachname dem Sport gerecht wird: Bester Spitzname: Beste Regel: Frage für Angeber: Größter Skandal: Lustigste Panne: Größter Gauner: Leistungsfördernd: Die 10 … besten Torschützen (Tore, Siebenmeter, Spiele) in der Geschichte der Handball-Bundesliga, die gemeinhin als stärkste Liga der Welt gilt:

Die jeweiligen Antworten birgen auch für einen belesenen Sportkenner wie mich oft überraschende Erkenntnisse, nachdenkenswertes, Anregung für die Aktivierung des Zwerchfells. Manchmal wird dabei auch das Kopfkino angeknipst. Die Emotionen kommen hoch.

Die Sportjournalisten Schmieder und Aumüller haben sich auch an Sportarten wie Angelsport, Billiard, BMX, Bodybuilding, Bogenschießen, Cheerleading, Computersport, Darts, Frisbee, Karate, Lacrosse, Motorbootsport, Pferderennen, Poker, Polo, Schach, Schachboxen, Segeln, Skeleton, Squash, Tanzsport, Trampolinturnen, Ultimate Fighting, Wasserski und Wushu herangewagt. Das ist dann doch vielfältiger wie die Monokultur der ARD-Sportschau am Sonnabend.

Nicht mehr in das Buch geschafft hat es der WM-Erfolg der polnischen Volleyballer im eigenen Land im September 2014.

Auf den Seiten 322/323 heißt es:

,,Wettkampf, den man gesehen haben muss: Das WM-Finale der Männer 1986. Nach Jahrzehnten, in denne die Weltmeisterschaften ausschließlich osteuropäische Mannschaften Gold gewannen, kam es nun zum direkten Duell zwischen den USA und der Sowjetunion – und die USA siegten. Seitdem gewannen nur noch Italien (dreimal) und Brasilien (ebenfalls dreimal) WM-Gold.”

Selbstverständlich habe ich auch Schach gecheckt. Meine Stammleser im Blog wissen von meinem Faible für das königliche Spiel.

,,Wettkampf, den man gesehen haben muss: Den WM-Kampf im jahr 1972 zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer. Er war die Fortsetzung des Systemkampfs zwischen Ost und West auf dem Schachbrett. Gleich zu Beginn gab es den dilettantischen Fehler des selbst ernannten Genies Bobby Fischer, der auf einen >>vergifteten Bauern<< hereinfiel. Die Gesamtpartie gewann Fischer mit 12,5:8,5.”

Okay, da gehört eigentlich unbedingt der mehr wie verdiente Titel Schachmatch des Jahrhunderts mit hinein. Ja, Fischer hielt sich bereits mehr wie ein Jahrzehnt vor Austragung des Kampfes für den besten Schachspieler der Welt, das er ein Schachgenie in seiner besten Zeit war, ist unbestritten. Zahlreiche Journalisten die in Reykjavik 1972 vor Ort waren, schrieben und plauderten ununterbrochen über das Schachgenie Fischer.

Das Buch hat sehr schöne Illustrationen von Hanni Schmieder. Ja, das Buch bereitete mir viel Lesevergnügen und wertet jede private Sportbibliothek auf. Jürgen Schmieder und Johannes Aumüller ist mit Sport – Das Buch ein guter Wurf gelungen.

Live-Schach Sinquefield Cup 2014

Wird doch wohl kein zweiter Fall Bobby Fischer werden? Er verteidigte seinen im Match des Jahrhunderts 1972 gegen Boris Spasskij errungenen Schachweltmeistertitel nicht. Die Schachwelt war tieftraurig. Der Kampf gegen den jungen Karpow fand nicht statt. Magnus Carlsen ziert sich noch etwas inklusive seines Managements, den Vertrag für den WM-Kampf gegen Viswanathan Anand in Sotschi zu unterschreiben. Derweil spielt der norwegische Schachweltmeister zur Zeit beim erstklassig besetzten Turnier Sinquefield Cup 2014.

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Ich sortiere die Figuren auf meinem im vergangen Herbst neu gekauften Schachspiel.Traveler Digital CameraGrund für den Neuerwerb in München war der anstehende WM-Kampf von Magnus Carlsen und Viswanathan Anand in Chennai. Auch damals moserte das Management des Norwegers über den Spielort inklusive der Rahmenbedingungen etc. Selbstverständlich fighteten sie auch im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung für den Kampf 2013 um das liebe Geld.

Chess: Live-Schach von der Schacholympiade 2014 in Tromsø

Ohne Schacholympiade wäre ich nicht auf der Welt. Ja, dies ist eine spezielle Geschichte. Bevor ich jedoch ins plaudern komme, für alle Schachfreunde mit der Neigung sich sofort in die Live-Übertragung der Schacholympiade Tromsø zu begeben, gibt es den Service an dieser Stelle.

+++++ Live-Schach von der Schacholympiade 2014 in Tromsø ++++++++++++++++++++++

Dies ist die offizielle Website der Schacholympiade.

Ab der geschmeidigen Uhrzeit von 11.00 Uhr (Zentraleuropäische Sommerzeit) gibt es dort heute bei der Schacholympiade 2014 in der letzten Runde die Live-Berichterstattung.

Ruhetage: Am 7. und 13. August.

Noch jemand da? Okay, also wo waren wir stehen geblieben? Richtig. Ohne Schacholympiade wäre ich nicht auf der Welt. Mein Vater reiste einst 1960 nach Leipzig. Frisch rasiert, mit dunklen Haar, breiten Schultern, gut aussehend und voller Vorfreude auf die Schacholympiade 1960 in der Messestadt. Dort traf er dann eine bezaubernde und charmante Frau während einer Schachpause im Cafe. Beide verliebten sich ineinander und zogen alsbald zusammen. Im Oktober 1963 war es dann soweit. Ihr erstes Kind erblickte am 13.10.1963 das Licht der Welt. Damals war noch nicht abzusehen, dass es eines Tages Schach im Internet geben würde, Deutschland wieder vereinigt sei und ich entspannt bloggen würde. Auch das es eine Selbstverständlichkeit ist als Leipziger in München ein Schachbrett zu kaufen.

 Schacholympiade 1960 mit Michail Tal und Bobby Fischer im Ringmessehaus

Mein Vater erlebte damals bei der Schacholympiade 1960 im Ringmessehaus in der Leipziger Innenstadt den jungen, charismatischen, gut gekleideten und ehrgeizigen Bobby Fischer. Sein Duell mit dem damaligen amtierenden Weltmeister Michail Tal endete Remis. Die Sowjetunion wurde Schacholympiadesieger mit dem Team Michail Tal, Michail Botwinnik, Paul Keres, Viktor Kortschnoi, Wassili Smyslow und Tigran Petrosjan. Auf Platz zwei die Mannschaft aus den USA mit ihrem Jungstar Bobby Fischer. Den bronzenen Platz 3 erspielte sich Jugoslawien vor Ungarn, CSSR, Bulgarien, Argentinien, der BRD, DDR und der Niederlande.

Der diesjährige Gastgeber Norwegen erkämpfte sich damals den 19. Platz. Apropos Norwegen. Der Schachboom der Skandinavier in der Neuzeit hängt natürlich mit ihrem Weltmeister Magnus Carlsen zusammen. Es ist übrigens keine Selbstverständlichkeit, dass er seiner Mannschaft zur Verfügung steht. Dieses Jahr steht ja noch der große und mit Spannung erwartete Revanche WM-Kampf gegen Vishy Anand an. Im vergangenen Jahr hatte ich mir extra zum Duell in Chennai zwischen Anand und Carlsen ein neues Schachbrett in München gekauft.Traveler Digital Camera

Gute Schachadressen sind nur einen Link entfernt

Welche Schachseiten kann man in diesen Tagen empfehlen? Nun bei folgenden Adressen liegt man nicht so schlecht:

Renaissance der Schachblogs. Zeit Online ist dabei.

Noch ein Wort zu Schachblogs. Sie sind ja oft totgesagt wurden. Zur Zeit erleben Sie aber eine Renaissance. Mir persönlich gefällt die Art und Weise des Schachblogs von Zeit Online. Da ist Power dahinter, der Content kommt in frisch aufbereiter Schachkost rüber. Aktuell gut gelungen ist der Artikel Das Leben als Schachprofi von Dennes Abel. Nur an der Spitze ist es monetär so richtig lukrativ.

,,Für professionelle Schachspieler gibt es mehrere Einnahmequellen: Die Schwierigste ist die des Spielens selbst. Während die Elite um Magnus Carlsen um Preisgelder im fünf- bis sechsstelligen Bereich kämpft (nur bei der Weltmeisterschaft geht es dann auch mal um Millionenbeträge), muss sich das Gros der sterblichen Profis mit weitaus weniger zufrieden geben. Nicht selten bekommt der Sieger eines offenen Turniers, den Opens, weniger als 1000 Euro.”

Weitere eloquente Blogautoren bei Zeit Online sind Ilja Schneider und Johannes Fischer.

Auch Joe´s Schachblog kommt am Thema der Schacholympiade 2014 in Tromsø nicht vorbei.

Vishy Anand spielt beim Simultan in Baden-Baden in der Trinkhalle

Das große Event in Norwegen hat bisher chesstigers in der Schachberichterstattung komplett ausgelassen, wenn ich nichts übersehen habe. Doch die Hauswebsite von Vishy Anand hat andere Nachrichten dieser Tage auf dem Radar. So berichteten sie mit starken Text und zahlreichen sehenswerten Fotos unter dem Titel Chess Tigers Jugend trifft Weltmeister Vishy Anand zweimal:

,,Im hinteren Raum bereitet sich unser Ehrenmitglied, Viswanathan Anand, der Weltmeister von 2007-2013 auf den Rückkampf gegen den amtierenden Weltmeister, Schnell- und Blitzschachweltmeister Magnus Carlsen mit seinem Team vor! Zu gerne hätten sie ihre Neugierde befriedigt und den “Großen” mal zugeschaut, wie die denn ihr Training betreiben, sie wollten 30 Minuten, vielleicht 5, aber wenigstens 2 Minuten zuschauen und dabei ein Autogramm ergattern. Doch vor 14 Tagen wurden sie vom Hausherrn Hans-Walter Schmitt überrascht mit der Bemerkung: “Ich habe einen viel besseren Plan, ihr könnt gegen ihn spielen!” Aufgeregtes Erstaunen und wo? Beim Simultan in Baden-Baden in der Trinkhalle und gegen viele andere Großmeister. Glaube ich nicht, gibts doch gar nicht, ein Wunder, cool, irre, geil, waren so die Kommentare.”

An dieser Stelle einen ganz großen Dank an Hans-Walter Schmitt. Er hat über Jahre viel Herzblut in die Schachförderung der Kinder und Jugend gesteckt sowie Vishy Anand bei zahlreichen erfolgreichen WM-Schachkämpfen zur Seite gestanden. Es ist mir auch immer eine große Freude gewesen sich mit ihm bei unseren längeren Telefongesprächen auszutauschen.

Schach: Ein paar Anmerkungen zur Mittelstreichung durch das BMI

Nein, der deutsche Schachsport ist nicht auf Rosen gebettet. Die Männer holten 2011 die Europameisterschaft. Einen Titel, der so schnell in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit unterging wie an manchen Dezembertagen die Sonne hier unten am Bodensee in den späten Nachmittagsstunden.Traveler Digital CameraJetzt also die Mittelstreichung durch das BMI. Ein schwerer Königsangriff. Norbert Wallet nimmt sich auf Stuttgarter Nachrichten der Thematik an und leitet seinen Artikel mit folgenden Worten ein:

,,Das deutsche Schach ist in heller Aufregung. Das Bundesinnenministerium (BMI) hat dem Deutschen Schachbund mitgeteilt, dass es dem Verband die Fördermittel streicht. Es geht um jährlich 130 000 Euro. Ein kleiner Betrag – dessen Wegfall aber eine große Wirkung erzeugt. Mit dem Geld finanziert der Schachbund die Stellen des Bundestrainers und des Sportdirektors. Betroffen von der Entscheidung ist ein Verband mit mehr als 90 000 Mitgliedern, der größer ist als der Eishockey- und Hockeyverband, größer auch als der Ruderverband.”

Schach ist Hochleistungssport. Deutschland hat einen Weltmeister wie Emanuel Lasker in seinen historischen Annalen. Wer gesehen hat wie intensiv sich ein Magnus Carlsen im vergangenen Jahr körperlich auf sein Duell gegen Vishy Anand vorbereitete, kann keine Zweifel daran haben. Schach ist psychische und physische Schwerstarbeit im Segment Leistungssport. Ich empfehle jedem der Schach jetzt in die Kulturecke abtun will, ihm jegliche “eigenmotorische Aktivität” abspricht, sich auch die Hochleistungssportliche Vorbereitung von Bobby Fischer auf das Schachmatch des Jahrhunderts 1972 anzusehen. Zu sehen im Dokufilm Zug um Zug in den Wahnsinn von Liz Garbus. Danach kann es keinen Zweifel geben: Schach ist Leistungssport. Am 7. Dezember 2011 schrieb ich nach der Ausstrahlung auf Arte hier im Blog unter dem Titel: Bobby Fischer: Zug um Zug in den Wahnsinn oder der vergebliche Versuch einer objektiven Rezension:

,,Für Bobby Fischer Freunde, Fans, Nostalgiker, Schachspieler  wie mich gab es reichlich bekanntes Bildmaterial und auch einiges neues. Die Sequenzen zum Beispiel von Fischers gnadenlosen Fitnessprogramm vor dem Schachmatch des Jahrhunderts waren spektakulär. Die Aufnahmen im Wasser beim Schwimmen, seine Situps, sein Ehrgeiz bei diesen körperlichen Trainingseinheiten waren intensiv. Leibesübungen unter professioneller Anleitung. Atemtechnik. Mentalpower wie sie auch Boxlegende Ali zeigte.  Dabei sah ich erstmals auch einen nackten Bobby Fischer. Normalität beim Duschen.”

Der Deutsche Schachbund erfährt zur Zeit sehr viel Sympathie aus den verschiedensten Richtungen. Akribisch haben sie auch eine Themenseite zur Mittelstreichung durch das BMI eingerichtet und füllen es permanent mit den neuesten Entwicklungen, Kommentaren und Äußerungen vom Bundestrainer bis zur Schachspielerin. Ein Blick zur Vertiefung der Ereignisse lohnt. Hier geht es zur BMI-Spezialseite.

Gashimov Memorial: Magnus Carlsen hat 2,5 aus 4 und ein neues Buch über ihn

Magnus Carlsen verliert gegen Fabiano Caruana

Die Tabelle bekommt beim Gashimov Memorial weiter Konturen. Schachweltmeister Magnus Carlsen verliert mit schwarz gegen Fabiano Caruana. Auch kürzlich sah Carlsen gegen Caruana nicht so gut aus. Bereits bei der Schnellschachrunde zum krönenden Abschluss der Zürich Chess Challenge 2014 verlief die Sache für den jungen Weltmeister nicht optimal. Der Schachmozart verlor gegen den 21-Jährigen Caruana. Der einst bis zum 20. April 2010 mit eigenem Schachblog 1438 Tage im Universum aktive Stefan Löffler titelte nach dem Zürich Turnier im Februar diesen Jahres auf der Schachwelt offensiv: Warum Caruana dem Kandidatenturnier fehlen wird. In seinen jungen Jahren sammelte Fabiano Caruana bereits Meistertitel im Vereinsschach wie andere Briefmarken. 2009 und 2010 wurde er deutscher Mannschaftsmeister mit der OSG Baden-Baden, neben dem Premieretitel beim Serienmeister der Schachbundesliga in Deutschland gab es 2009 auch mit der SK Husek Wien einen weiteren Titel zu feiern. Mit ShSM 64 Moskau gab es 2010 und 2011 für den heutigen Carlsen Bezwinger den Meistertitel in Russland. Auch alleine kann Fabiano Caruana gewinnen. 2012 gewann er die 40. Jubiläumsausgabe der Dortmunder Schachtage. Doch zurück zum Gashimov Memorial. ChessBase hat gewohnt zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk alle relevanten Fakten der 4. Runde zusammengestellt.

Derweil gibt es seit kurzen ein neues Buch über den amtierenden Schachweltmeister Magnus Carlsen von Dagobert Kolmeyer auf dem Markt. Amazon hat es im Angebot. Auch auf ebay ist es mir schon über den Weg gelaufen. Hier am Bodensee in Friedrichshafen führt die größte Buchhandlung vor Ort keine Schachbücher. Schade. Komme mir bitte keiner mit Klagen über das ach so böse Internet. Von Schachjournalist und Buchautor Raymund Stolze stammen folgende Worte:

,,Zu meinem Verleger Manfred Olms habe ich einmal gesagt, dass er eigentlich verrückt ist, Schachbüchern den Weg ins Leben zu ermöglichen – reich werden kann man mit den heutigen Auflagen wahrlich nicht.”

Ich mag Schachbücher ja sehr.  Dabei scheint der Markt an Büchern über den amtierenden norwegischen Schachweltmeister zu boomen. Siehe auch den Beitrag von Frank Rieger auf Schachwelt über das Buch von Vassilios Kotronias mit dem Titel Carlsen´s Assault on the Throne. Der beim Gashimov Memorial bis zum gestrigen Tag mit 2,5 aus 3 gut gestartete Schachmozart ist IN. Gar keine Frage. Ein paar Bücher verträgt der Markt schon noch. Dagobert Kohlmeyer stellt sein neues Schachbuch über Magnus Carlsen in Kürze persönlich vor.

                                

Der 1946 in Jena geborene Dagobert Kohlmeyer ist ein fleißiger Autor. Er studierte Germanistik und Slawistik in der DDR und übersetzte über 40 Schachbücher vom russischen ins deutsche. Darunter solche Hochkaräter wie die Arbeiten von Weltmeister Wassili Smyslow, Anatoli Karpow und Garri Kasparow oder Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi, Alexei Suetin, Artur Jussupow etc. Zahlreiche Werke hat er selbst auch geschrieben. Seine Beschreibungen über das Rematch von Bobby Fischer gegen Boris Spasskij 1992 habe ich einst in einem Antiquariat erstanden.

Doch  jetzt ist Carlsen Zeit.

Im Rahmen eines Lasker-Treff der Emanuel Lasker Gesellschaft gibt es am Dienstag, den 29. April 2014 um 18.30 Uhr im Café Sibylle Karl-Marx-Allee 72 in 10243 Berlin-Friedrichshain (U-Bhf. Strausberger Platz) ein Gespräch mit Paul Werner Wagner und dem Schachbuchautor Dagobert Kohlmeyer. Schachpublizist Kohlmeyer wird das Buch Magnus Carlsen … kam, zog und siegte präsentieren und ein wenig über seine zahlreichen Begegnungen mit den Schachgrößen dieser Welt plaudern.

Derweil powert erfreulicherweise das Schachblog von Zeit Online. Die Themenauswahl von Johannes Fischer und Ilja Schneider gefällt mir ausgesprochen gut. Heute gibt es wieder frischen Content vom ehemaligen Schachzooblogger Ilja Schneider. Er hat sich heute die Entmündigung des Schachzuschauers vorgenommen.

Da wir vorhin bei Schachbüchern waren. Johannes Fischer hat ja auch einen eigenen Blog Schöner Schein. Dort hatte er kürzlich einen dieser schönen Texte verfasst, die er mit folgenden Worten einleitete.

,,Früher entdeckte man vergriffene Bücher im Antiquariat, heute sucht man sie im Internet. Man bekommt die Bücher leichter, aber macht weniger Entdeckungen. So weiß ich nicht, ob ich im Internet je über Chess to Enjoy von Andy Soltis gestolpert wäre. Entdeckt habe ich dieses hübsche Buch während einer USA-Reise in einem kleinen Antiquariat in der Nähe von Lexington, der Hauptstadt von Kentucky.”

Morgen gibt es dann auch noch eine ganz schöne Neuigkeit vom “Presseattaché vom Team Anand”, dem Kultblogger Eric van Reem.

Bleiben Sie mir gewogen und einen schönen Abend noch. Es spielt ja heute die Mannschaft von Magnus Carlsen, jenes königliche Real Madrid. Der Norweger wird also einen etwaigen Sieg der Madrilenen anders empfinden wie der einstige Dynamo Dresden Spieler und jetzige Bayern Sportchef Matthias Sammer. Schaun mer mal.

Wer kein Fußball mag, schaut sich vielleicht jenes geschmeidige Interview mit Magnus Carlsen und dem amerikanischen Moderator Charlie Rose an. Gut investierte 26 Minuten. Bisher gab es für das Video auf YouTube 152.759 Abrufe. Der smarte Journalist Rose interviewte bereits Warren Buffett, Larry Ellison, Quentin Tarantino sowie Barack und Michelle Obama.

Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn

Die Schachwelt überraschte gestern Abend die Nachricht vom überraschenden Rücktritt von Magnus Carlsen. In der Spätausgabe der norwegischen Zeitung Verdens Gang gab das Management an, die näheren Umstände in einer Pressekonferenz diese Woche am Donnerstag um 13.00 Uhr bekanntzugeben.

Foto: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Einst hatte auch Bobby Fischer als amtierender Schachweltmeister seine Laufbahn beendet. Auch Gari Kasparow gab nach Meinung zahlreicher Schachexperten die glanzvolle Karriere am Schachbrett zu zeitig auf.

Update: Siehe auch Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen