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Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn

Die Schachwelt überraschte gestern Abend die Nachricht vom überraschenden Rücktritt von Magnus Carlsen. In der Spätausgabe der norwegischen Zeitung Verdens Gang gab das Management an, die näheren Umstände in einer Pressekonferenz diese Woche am Donnerstag um 13.00 Uhr bekanntzugeben.

Foto: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Einst hatte auch Bobby Fischer als amtierender Schachweltmeister seine Laufbahn beendet. Auch Gari Kasparow gab nach Meinung zahlreicher Schachexperten die glanzvolle Karriere am Schachbrett zu zeitig auf.

Update: Siehe auch Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Khanty Mansiysk: Eric van Reem mit der Twitter-Nachlese der 9. Runde auf Chess in Tweets

Franz Beckenbauer hatte irgendwann sein Label weg. Der Kaiser. Schachweltmeister Magnus Carlsen ebenso. Der Schachmozart. Auch der niederländische Kultblogger Eric van Reem bekam kürzlich ein Label verpasst. Im November 2013. Der für Zeit Online von der WM in Chennai berichtende Ulrich Stock nannte den Niederländer “Presseattaché vom Team Anand”.

Legendär dann auch der Artikel von Schachfreund Stock über ein bemerkenswertes Foto von Eric van Reem in Chennai unter dem Titel Der Geistermeister. Bonushinweis von mir: Wer das Foto noch nicht kennt, sollte den Link nicht auslassen.

,,Carlsen kommt nicht. Stattdessen Espen Agdestein, sein Manager. Er redet eine Weile mit Kasparow, dann geht er, und Kasparow sitzt wieder allein am Tisch. Eric van Reem, Anands Teamfotograf, dessen Blog Mate in Chennai manchen Einblick gewährt, nutzt die Gelegenheit, über seinen Fischteller hinweg ein Paparazzifoto des Exweltmeisters zu schießen, wie man es seit den Tagen der Jagd auf den verschwundenen Bobby Fischer nicht mehr gesehen hat: Geistermeister Kasparow,  in psychedelisches Licht getaucht.”

Eric van Reem legt Schachblogs auf wie angesagte DJs ihre Platten auf Kultpartys und Szenediscos. Der “Presseattaché vom Team Anand” hat bereits bei den letzten WM-Kämpfen von Anand neue Blogs eröffnet. Ich würde ohne Bedenken das Bruttosozialprodukt der Bundesrepublik Deutschland darauf setzen können, wenn es zum erneuten Duell zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand kommt, wird es wieder einen neuen WM-Schachblog vom sympathischen Kultblogger Eric van Reem geben. Da wir gerade bei erstklassigen Leistungen sind… Kult sind auch die Karikaturen auf ajedrezconhumor.blogspot.com.es. Schaut selber rein.a capablanca le hubiera gustado la partida

Doch jetzt leben wir im hier und jetzt. Eric van Reem arbeitet auch leidenschaftlich an seinem neuesten Schachblog am Sonntag. Das königliche Spiel kennt keine sonntägliche Pause. Auf Chess in Tweets hat der Teamfotograf von Anand wieder feinste Twitter-Nachlese unter dem Titel THE Candidates IN TWEETS – ROUND 9 geleistet.

Schach Live-Ticker 9. Runde beim WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk

Bevor wir gleich in den Live-Ticker hineingehen, noch eine nicht ganz unwesentliche Kleinigkeit. Habe ich das Thema Geld bereits angesprochen? Nein, jetzt keine Angst, am heutigen Sonntag gibt es von mir keinen Klingelbeutel. Dies überlassen wir weiterhin der Katholischen Kirche. Es geht um den Gesamtpreisfonds beim Schach WM-Kandidatenturnier in der sibirischen Erdölstadt.

Die 420.000 Euro werden wie folgt verteilt:

1. Platz 95.000,-
2. Platz 88.000,-
3. Platz 75.000,-
4. Platz 55.000,-
5. Platz 40.000,-
6. Platz 28.000,-
7. Platz 22.000,-
8. Platz 17.000,-

Bei Punktgleicheit werden die Preisgelder geteilt. Jetzt aber rein in das aktuelle Geschehen.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker  ++++++++++++++++++++++++++++

Den besten Schachspielern braucht die SPD also nicht mit Mindestlohn zu kommen. las vegas millionaire chess open

An der Stelle sollten allerdings alle Profischachspieler auch eine Gedenkminute in Richtung Bobby Fischer einlegen. Er kämpfte unablässig für höhere Preisgelder. Bobby Fischer scheute keine Auseinandersetzungen um die optimalen finanziellen Rahmenbedingungen am jeweiligen Spielort. Der hartnäckige, selbstbewusste und erfolgreiche Kampf vom amerikanischen Schachweltmeistern Fischer für adäquate Preisfonds, sein intensives Ringen um bessere Spielbedingungen war legendär. Durch Bobby Fischer zog ein anderes Selbstverständnis in die Schachszene ein.

Wer das bisherige WM-Kandidatenturnier von Khanty Mansiysk noch ein wenig Revue passieren lassen möchte, kann bei schach-ticker, chessbase, chesstigers und dem niederländischen Kultblogger Eric van Reem auf Chess in Tweets noch ein wenig hineintauchen.

Live-Stream 7. Runde beim Schach WM-Kandidatenturnier in Khanty Mansiysk und der Magnus Carlsen Sponsor G-Star

Guten Morgen.

Timing ist alles. Pünktlich zum gestrigen Ruhetag plauderten Schachweltmeister Magnus Carlsen und sein Manager Espen Agdestein über das Schach WM-Kandidatenturnier 2014. Sehr relaxt kamen beide rüber. Auch wenn der kleine Raum von der Möblierung her eher den spröden Charme einer kargen Jugendherbergseinrichtung versprühte. Was mir noch auffiel: Das Label von Magnus Carlsens niederländischen Sponsor, G-Star Raw, kam von den Buchstaben nicht komplett zur Geltung beim norwegischen Schachgenie. Aber vielleicht schaue ich auch zu genau hin. Übrigens hier auf den Fotos der offiziellen Website der Jeans- und Modemarke von G-Star schaut der Schachweltmeister arg düster drein.

Der Tagesspiegel brachte im Juli 2013 Tage ein Interview mit G-Star-Global-Brand-Director Shubhankar Ray. Es ging im Interview mit der Mode-Redakteurin Grit Thönnissen um Markenauftritte, Image, den Kampf um Aufmerksamkeit. Die renommierte Modemarke G-Star hatte sich Jahre zuvor den damals 19-Jährigen norwegischen Schachmozart und frischgebackenen Blitzschachweltmeister von 2009, Magnus Carlsen, als Werbegesicht ausgesucht. Shubhankar Ray offenherzig:

,,Wir wollten nie eine Lifestyle-Marke sein. In den letzten 20 Jahren ist es zu einem Wettbewerbsvorteil geworden, das Image auf eine emotionale Weise rüberzubringen. Mode wird oft mit Emotionen verbunden. Also ist es logisch, dass das Image benutzt wird, um eine starke Identität zu schaffen. Um weltweite Aufmerksamkeit zu bekommen, braucht man Stars. Wir wählten Liv Tyler. Danach fragten wir die Nummer eins im Schach, Magnus Carlsen, er war 19 und sah aus wie ein Boxer. Wir versuchten, ein Image zu schaffen, dass man nicht so schnell vergisst.”

Das mit dem Nicht-Wollen einer Lifestyle-Marke nehme ich  dem Global-Brand-Director Shubhankar Rayom jedoch nicht ganz ab. Es gibt da ja in dem Kontext mit der Vermarktung von Magnus Carlsen als Modegesicht noch eine andere schöne kleine Geschichte. Ende 2010 gab Magnus Carlsen gegenüber der damals noch existierenden Financial Times Deutschland folgendes Statement in Sachen Mode ab:

,,Wenn ich mal länger zu Hause in Bærum bin, fällt es mir schwer, den Tag zu strukturieren. Ich hänge mit Freunden ab und kaufe Geburtstagsgeschenke im Sandvika Storsenter, dem größten Einkaufscenter Skandinaviens. Kleidung interessiert mich nicht so, vielleicht ändert sich das durch meine Zusammenarbeit mit G-Star. Momentan ziehe ich an, was meine Mutter kauft.”

Ich schrieb damals einen Tag vor Weihnachten 2010, der eigene Tannenbaum war noch nicht aufgebaut, hier auf dem Blog unter dem Titel Magnus Carlsen und die Identifikation mit dem Sponsor zu den Worten über das nicht so ausgeprägte Interesse an Kleidung von Magnus Carlsen:

,,Die Verantwortlichen der Marketingabteilung von der  Modefirma G-Star müssen beim lesen solcher Zeilen eigentlich graue Haare bekommen. Da wird ein junger Mann mit dem Geburtsjahrgang 1990 und dem Potenzial für eine glanzvolle Schachlaufbahn sowie der Chance auf den Weltmeistertitel in naher Zukunft, als cooles Testimonial aufgebaut, und dann wirft Carlsen mit seinen obigen Worten das Image in Sekundenschnelle um.”

Damit beende ich heute das Kapitel Magnus Carlsen. In seiner besten Zeit war übrigens Bobby Fischer immer tadellos angezogen. Hier im Interview mit Dick Cavett im Jahr 1971. So ganz nebenbei sprüht der Schachspieler Fischer seinen ganzen Charme und sein Charisma aus. Das war ein Jahr vor dem Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spasskij.

Von den Champions Fischer und Carlsen zu den Kandidaten, die in der sibirischen Erdölstadt Khanty Mansiysk den Herausforderer vom norwegischen Weltmeister ermitteln. Heute steht die 7. Runde ab 10.00 Uhr deutscher Zeit auf dem Plan.

++++++++++++++++++++++Hier geht es zum Live-Ticker  +++++++++++++++++++++++++++++++

Das Formhoch von Vishy Anand beim Schach WM-Kandidatenturnier gestattet mir an dieser Stelle auch einen kleinen Schwenk zu interpool.tv. Fred Kowasch nach dem Kampf von Chennai 2013:

‘Vichy’ Anand: “Ich schlief die ganze Nacht nicht”. Während der eine immer noch grübelt, badet der andere mit Anzug im Hotelpool. Starkes Interview mit einem Ex-Weltmeister. Geführt von Ulrich Stock von der ZEIT, die während des WM-Kampfes im indischen Chennai die beste Arbeit machte.”

Man beachte bitte im Interview mit Vishy Anand die letzte Frage von Ulrich Stock und die darauffolgende Antwort vom Ex-Schachweltmeister.

Buchschwemme

[Reblog vom 8. Oktober 2012]

Ich mag Bücher. Sogar sehr. Mein Vater hatte eine gut sortierte Bibliothek. Sehr schöne Schachbücher. Biografien von Weltmeistern wie Aljechin, Lasker oder Capablanca. Selbstverständlich die Reykjavik Bibel von Gligoric über den Schachkampf des Jahrhunderts zwischen Bobby Fischer und Boris Spasskij. Mit allen Details die ich heute bei Rückblicken auf dieses Match so oft vermisse. Aber auch Erzählungen über die Schachcafeszene in Wien reihten sich in die Buchsammlung meines Vaters. Die Atmosphäre in der Hochzeit des Schachspiels im öffentlichen Raum in Österreich konnte ich dabei förmlich schnuppern. Die entspannten Plaudereien über Zigarren, bärtige Männer, Mäzene, Kiebitze und Schachstellungen mochte ich sehr. Keiner störte mit aufgeklappten Laptop. Hochinteressante Werke über die verschiedenen Eröffnungsvarianten befanden sich ebenfalls hinter Glas in der kleinen privaten Bibliothek. Diese halfen mir oft bei meinen internationalen Fernschachpartien. Auch Bücher fernab des königlichen Spiels von Goethe, Balzac oder Stendhal waren dabei.

Geist und Körper sollen ja eine Einheit bilden. Fußballspiel hatte es mir auch angetan. Erfolgreicher und medaillenträchtiger war meine Schachzeit bei Motor Gohlis Nord in den Siebzigern.. . Ich kaufte mir in der Jugend auch das eine oder andere Fußballbuch, Werke über die olympischen Spiele im Winter und Sommer. Dazu die tägliche Lektüre einer Sportzeitung. Meine Geburtstagswünsche umfassten auch Sportbücher. Zeitweise konnte ich die Weltrekorde in der Leichtathletik der Männer und Frauen aus dem Bauch heraus aufsagen. Bei Wetten dass …? hätte ich alles abgeräumt. Die Verbindung zum Buch habe ich nie verloren. Trotz Internet gibt es bei mir eine ausreichende offline-Lesezeit. Wenngleich es mittlerweile eine Buchschwemme gibt, die selektive Auswahl notwendiger denn je macht. Maria Höfl-Riesch hat ebenfalls ein Buch herausgegeben. Florian Kinast nahm sich in Die Welt der Sache bereits im Einleitungstext seines Artikels kritisch an:

,,Auf dem Buchmarkt erscheinen in diesen Tagen haufenweise spannende Autobiografien. Von Edmund Stoiber (70) etwa, von Neil Young (66), von Salman Rushdie (65). Menschen, die etwas zu erzählen haben aus einem bewegten und langen Leben. Nun veröffentlicht auch Maria Höfl-Riesch eine Autobiografie. Sie ist 27 und meint, etwas erzählen zu müssen.”

Auch der Nachfolger von Michael Ballack in Sachen Träger der Kapitänsbinde, Buchautor Lahm, war vor gut einem Jahr der Meinung sein bisheriges Leben zwischen zwei Buchdeckeln zu präsentieren.

Ich werde das Schachbrett aufbauen und eine Partie Schach spielen.

Post an Michael Wiemer oder Himmlische Züge

Briefträger sind vielleicht die unterschätzteste Berufssparte Deutschlands. Ich mag sie sehr. Wenn die sympathischen Männer oder Frauen ihre Briefe, kleinen und größeren Sendungen in den Briefkasten werfen. Noch besser, wenn es die Gelegenheit ergibt, am Sonnabend dem Empfänger die Post gar persönlich auszuhändigen mit einem kleinen Plausch über Gott und die Welt. Einer guten Tradition folgend zelebriere ich dann die Öffnung der Post. Der Briefträger ist dann bereits weitergefahren auf seiner Tour. Besonders bei unerwarteter Sendung beschleicht mich dann immer ein Gefühl von Neugier und Vorfreude. Traveler Digital CameraDer Absender ist deutlich zu lesen. Der Werkstatt Verlag aus Göttingen. Sie haben eine ganze Reihe lesenswerter Sportbücher in den letzten Jahren herausgebracht.  Erinnert sei an 50 Jahre Bundesliga – Wie ich sie erlebte von Gerhard Delling oder Das Prinzip Uli Hoeneß – Ein Leben für den FC Bayern von Christoph Bausenwein. Aber auch 1000 verrückte Tischtennis-Tatsachen oder Baseball – Kulturgeschichte eines amerikanischen Sports von Claus Melchior seien an dieser Stelle erwähnt. Traveler Digital CameraJetzt ist es an der Zeit die Sendung zu öffnen. Post ist ja nicht zum ungeöffneten herumliegen bestimmt, wenn sie denn an mich adressiert ist. Also nach dem ersten Kaffee am Samstag genüsslich den Umschlag öffnen. Martin Breutigam kommt zum Vorschein. Der Autor von Todesküsse am Brett hat offenbar ein weiteres Buch über das königliche Spiel Schach aufgelegt.Traveler Digital CameraDas neue Schachbuch von Martin Breutigam trägt den Namen Himmlische Züge. Chess-Tigers, die Schachfreunde erinnern sich sofort an den einen oder anderen bemerkenswerten Artikel über Vishy Anand, hatte auch bereits über das neue Kleinod berichtet. Der von mir sehr geschätzte Mike Rosa leitete seinen Artikel über das neue Schachbuch auf der Schachwebsite von Chess-Tigers mit folgenden schönen Worten ein.

,,Wurden im Vorgänger die Gegner noch zu Tode geküsst, so werden sie im neuen Werk von IM Martin Breutigam von himmlischen Zügen zur Strecke gebracht. Nach Todesküssen am Brett folgt gut drei Jahre später Himmlische Züge. Erneut hat der Autor und Journalist seine Schach-Kolumnen (größtenteils aus dem Berliner Tagesspiegel und dem Bremer Weser-Kurier) vom Frühjahr 2010 bis zum Herbst 2013 zu einem kurzweiligen Buch zusammengefasst. 140 Stellungen – zumeist von den besten Spielern der Welt produziert – möchten von Ihnen gelöst werden. Nahezu jedes schachliche Level wird bedient, und zu jeder Position gibt es eine kleine Geschichte / Anekdote, einen oder auch beide Spieler betreffend.”

Traveler Digital CameraIch habe das Buch fast in einem Ruck an jenem Sonnabend verschlungen. Es ist sehr gut aufgedröselt. Die eine oder andere Anekdote brachte mich zum schmunzeln. Auch die Helden Magnus Carlsen oder Bobby Fischer sind darin verankert. Aber auch Levon Aronian, Daniel Fridman, Bent Larsen, Hikaru Nakamura, Markus Ragger oder Hans-Walter Schmitt, Freund von Vishy Anand, finden ihren gebührenden Platz im Buch von Martin Breutigam.Traveler Digital Camera

Selbst vermeintlich verhinderte Schachspieler wie Che Guevara kommen zu Wort. Er sagte einst zu Schachgroßmeister Ludek Pachman, dessen Eröffnungswerke mir einst bei meinen ersten Gehversuchen im internationalen Fernschach 1977 als 14-Jähriger wichtige Unterstützung leisteten, folgende nachdenklich stimmenden Worte:

,,Viel lieber würde ich Schach spielen wie Sie oder eine Revolution in Venezuela anfangen.”

Traveler Digital CameraAuch der Vizeweltmeister von 2012, Boris Gelfand kommt zu Wort. Er musste sich ja damals einiges anhören von dem einen oder anderen Jugendwahn Vertreter. Sein Alter war für ihn nie das Problem. Entsprechend auch sein Argument mit einer Anleihe aus der Geschichte der Schach-WM :

,,Viktor Kortschnoi hat seinen ersten WM-Kampf mit 47 gespielt.”

Traveler Digital CameraIch mag Bücher sehr. Meine Jahrundertliebe freute sich mit mir. Sie sah mir die Freude beim lesen der Schachanekdoten und dem verharren bei den Schachrätseln an. Das Buch bekommt einen schönen Platz in meiner kleinen Bibliothek. Traveler Digital CameraStammleser meines Blogs wissen von meinem Faible für Bobby Fischer. Das Buch Himmlische Züge hat dort auch für mich noch einen Bonus zu bieten. Dem bemerkenswerten Satz von Komponist Pär Lammers, der mit Daniel Schaub für Lena Meier-Landrut komponiert hat, über das amerikanische Schachgenie, ist nichts hinzuzufügen:

,,Er ist für mich der Rockstar unter den Weltmeistern.”

In diesem Sinne. Einen guten und rockigen Start in die Woche wünsche ich allen meinen Lesern.

Live-Schach-Stream Zürich Chess Challenge 2014 mit Magnus Carlsen, Vishy Anand, Levon Aronian und Co.

Es ist ein spektakuläres Turnier. Die Elo-Prominenz der Schachwelt spielt in Zürich. Der Turnierstart ist durch. Nach 2 Runden zeigt die Tabelle durchaus die ersten Konturen. Magnus Carlsen führt vor Levon Aronian und Hikaru Nakamura. Auf Platz 4 folgt Fabiano Caruana vor Boris Gelfand. Gar nicht gut in das Turnier gestartet ist Ex-Weltmeister Vishy Anand. Er liegt nach 2 Auftaktniederlagen auf Platz 6. Ausführlich mit Text und zahlreichen Fotos, aktueller Tabelle und Videoeinbindung mit Daniel King ( er zeigt die Partien Carlsen-Aronian und Anand-Nakamura) kann der geneigte Schachfreund sich auf chessbase informieren. King ist immer wieder die investierte Zeit wert.

Live ist Live. Selbst Magnus Carlsen, der nach der WM-Krönung in Chennai die Turniere in London und Wijk aan Zee ausließ, verfolgte beide hochkarätigen Events per Internet. Jetzt ist er selber wieder mitspielender Akteur. Chessdom hat wieder alles für den Live-Schach-Stream geschmeidig aufbereitet. Sie fragten mich seinerzeit vor dem WM-Kampf 2010 zwischen Vishy Anand und Wesselin Topalov an, ob ich auf Ihre Website verlinken könnte. Menschenskinder, wie die Zeit vergeht. Heute schreiben wir den 1. Februar 2014. Live-Schach ist ein Dauerbrenner geworden.

++++++++++Hier geht es zum Live-Schach Zürich Chess Challenge 2014+++++++++++++++++

Eigentlich müsste ich Magnus Carlsen danken. Sein WM-Kampf inspirierte mich seinerzeit in München am Viktualienmarkt zu einem Kauf eines neuen Schachbretts.Traveler Digital CameraSeine Partien von Chennai gegen Vishy Anand habe ich alle mittlerweile intensiv nachgespielt. Der nächste WM-Kampf findet ja in diesem Jahr statt. Wird es ein Duell gegen Levon Aronian geben? Übrigens der Spielort ist noch nicht bekannt. Das Management vom norwegischen Medienstar und Elo-König wird ein gewisses Wörtchen mitsprechen wollen. Eine WM in Norwegen ist durchaus vorstellbar. Auch Zürich scheint nicht aus der Welt. Oder St. Louis? Auch aus Vermarktungsgründen im Hinblick auf den amerikanischen Markt sehr interessant. Doch auch London würde ich eine Chance geben. Dort ist immerhin der Sitz der WM-Vermarkter Gruppe.Traveler Digital CameraMagnus Carlsen ist der erste Schachspieler aus der westlichen Hemisphäre nach Bobby Fischers Schachmatch des Jahrhunderts gegen Boris Spassskij 1972 mit durchschlagenden Erfolg beim Kampf um den Schachweltmeistertitel. Der mediale Hype ist riesig. Wenn ich mich entschließen würde einen reinen Schachblog zu installieren, wäre die Wahl wahrscheinlich ein Magnus Carlsen Blog. Um ihn herum die Geschichten stricken. Er ist mit 23 Jahren blutjung und ehrgeizig genug sich dort oben länger festzuhalten. Ein renommierter Schachverleger gab mir voriges Jahr den Tipp doch einen reinen Schachblog aufzusetzen. Andererseits sehe ich zahlreiche Versuche in den letzten Jahren, wo mehrere Blogs von einer Person auch zu einer Zerfaserung geführt haben. Der Tag hat, Jahreszeit hin oder her, auch nur geschmeidige 24 Stunden zu bieten.

Neue Zürcher Zeitung Interview mit Magnus Carlsen

Die altehrwürdige Neue Zürcher Zeitung hat sich den Heimvorteil nicht nehmen lassen. Anlässlich vom Zürich Chess Challenge 2014 haben Richard Forster und Anja Knabenhans den frischgebackenen Schachweltmeister Magnus Carlsen interviewt. Der 23-Jährige steht Rede und Antwort und bezog auch Stellung zu den ausgelassenen Turnieren in London und Wijk aan Zee. Das norwegische Schachgenie verfolgte beide Schachevents täglich online. Das Internet ist einfach auch für einen Champion gnadenlos informativ und nützlich.

Schachmozart Carlsen antwortet auch offen auf die Frage:

,,Bobby Fischer ist nach seinem Titelgewinn zurückgetreten, Garri Kasparow hat die Schachwelt für 15 bis 20 Jahre dominiert. Können Sie sich das auch vorstellen?”

Einen Rücktritt schließt der 23-Jährige Weltmeister aus und eine längere Dominanz kann er sich durchaus auch vorstellen.

,,Also ich bin ja hier in Zürich, was bedeutet, dass ich sicher nicht sofort nach dem Weltmeistertitel zurücktrete. Ich werde so lange weiterspielen, wie ich motiviert bin. Gut zu spielen und gute Resultate zu erreichen, ist motivierend. Ich denke also, ich kann vermutlich noch längere Zeit spielen und dominieren. Aber es wird hart, ich bin gespannt auf die Herausforderungen.”

Auf alle Fälle werden die Herausforderungen härter sein wie das Duell vorige Woche in London gegen Microsoft Legende Bill Gates. Der Widerstand vom Softwarepionier hielt sich doch arg in Grenzen.

Als Bobby Fischer Ex-Weltmeister Tigran Petrosjan in Buenos Aires zerlegte

Schach kann gemütlich gespielt werden. Gar keine Frage.Traveler Digital CameraDoch es gibt auch Power-Schach. Wie ein Hurrikan fegte 1971 Bobby Fischer in Buenos Aires den als Defensivkünstler bekannten Ex-Schachweltmeister Tigran Petrosjan im legendären WM-Kandidatenfinale hinweg.

Dies und die Sache mit den 200.000 Euro, die die beste Schachspielerin Deutschlands in einer anderen Schachnation wahrscheinlich für sich beanspruchen könnte, gibt es von mir fein säuberlich beim Schach-Ticker aufbereitet.

Schachmatch des Jahrzehnts: Magnus Carlsen – Vishy Anand

Schachmatch des Jahrzehnts 2013 in Chennai: Magnus Carlsen – Viswanathan Anand

Nein, der Generationswechsel kam nicht wirklich überraschend. Der Sportwettenanbieter bwin notierte vor Beginn des Schach-WM Kampfes in Chennai eine Favoritenquote von 1,30 für den jungen Norweger Magnus Carlsen. Der amtierende Weltmeister Viswanathan Anand ging mit der Außenseiterquote von 3,20 in das C&A Duell. Im Vorfeld ist viel über die Elo-Dominanz von Carlsen geschrieben worden, auch gab es einen Hype um den ersten Schachspieler aus der „westlichen Hemisphäre“ , der sich nach 41 Jahren wieder für ein WM-Match qualifizieren konnte, seit Bobby Fischers Einzug in das Finale 1972.

Einmalige Konstellation: Schachmatch des Jahrhunderts 1972

Manch einer der Kommentatoren stilisierte im Vorfeld gar die Auseinandersetzung zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen in jene historische Höhe von Reyjkjavik. Das wäre aber doch ein wenig zu viel des Guten. 1972 war eine einmalige Konstellation. 25 Jahre russische Schachvorherschaft (die WM-Kämpfe trugen Spieler aus der Sowjetunion regelmäßig in Moskau untereinander aus) wurden von einem Einzelkämpfer und Schachgenie aus Amerika herausgefordert. Fischer lernte intensiv russisch um in die Schachbücher und Geheimnisse der führenden Nation in Sachen königliches Spiel einzutauchen. Das Charisma von Bobby Fischer zu jener Zeit strahlte in die Wohnzimmer der Schachfreunde aus West und Ost. Auf dem Weg zum Schachmatch des Jahrhunderts zerlegte Bobby Fischer die Stellungen von starken Spielern wie Taimanow oder Petrosjan. Es waren dominante und beeindruckende Siege. Ein Hurrikan auf den 64 Feldern. In der damaligen Form, eine Zeitmaschine vorausgesetzt, würde man gerne Kasparow und Carlsen gegen Fischer spielen lassen. Das russische Schach sah sich herausgefordert durch Bobby Fischer. Kleine Randnotiz: Weder sein Kontrahent Boris Spasskij noch er selber repräsentierten in ihren Charakteren das jeweilige typische Gesellschaftsystem ihrer Heimatländer.

Bobby Fischer kämpfte einst für adäquate Preisgelder und scheute den Vergleich zu Ali nicht

Die Bedingungen, die beinahe zum Abbruch des Schachmatch des Jahrhunderts in der isländischen Hauptstadt geführt hätten, sind legendär und oft beschrieben worden. Bobby Fischer kämpfte um Preisgelder, professionelle Rahmenbedingungen und Respekt wie Manager Uli Hoeneß um den Erfolg von Bayern München. Unerbittlich, selbstbewusst, die Meinung der Mehrheit oft auch ignorierend, ehrgeizig bis in die Zehenspitzen, polarisierend und in der Fischerschen eigenen Logik. Er verglich sich wie selbstverständlich mit dem großen Profiboxer Muhammad Ali und forderte monetäre adäquate Entlohnung für den professionellen Schachsport. Seine hartnäckige Art in Sachen Preisgelder kam allen nachfolgenden Schachgroßmeistern zu gute. Der Berufsschachspieler Bobby Fischer wurde nicht vom amerikanischen Schachverband gehätschelt. Er hatte keinen riesigen Stab an Betreuern oder ein Managementteam um sich. Fischer boxte sich quasi fast alleine durch die Schachwelt. In seiner besten Zeit trug er auch die besten Anzüge. Ein Kennedy Schneider musste es sein. Seine eleganten Schuhe ergänzten das makellose Äußere. Bobby Fischer sah gut aus und konnte auch charmant plaudern, wenn er denn wollte.

Nach 4 Remis zum Auftakt folgt der Doppelschlag von Carlsen

Magnus Carlsen mit Bobby Fischer zu vergleichen wäre nicht fair. Diese Last sollte man dem Norweger, dem die Mutter noch vor 3 Jahren die Sachen zum Anziehen rauslegte, auch nicht aufbürden. Er ist jetzt Weltmeister, übrigens nicht der jüngste wie irrtümlicherweise in der letzten WM-Woche in einem dpa-Artikel in Zeitungen wie der Passauer Presse zu lesen war. Das Privileg hatte sich einst Garri Kasparow gesichert. Nach der großartigen Eröffnungsfeier in Chennai kam es zum lang ersehnten Schach-WM Kampf zwischen dem Champion Anand und seinem Herausforderer Carlsen. Die Eröffnungspartie war auf den 9. November terminiert. Magnus Carlsen begann mit 4 Remis. Die beiden Auftaktspiele waren blutleere Remis. Diese handzahmen und sehr schnellen friedfertigen Remis hatte Bobby Fischer immer bei Kandidatenturnieren zwischen sowjetischen Spielern vehement kritisiert. Die 3. und 4. Partie wurde ausgespielt ohne einen Sieger zu finden.

Nach dem 2. Ruhetag gab es dann den Doppelschlag von Magnus Carlsen. Er profitierte in der 5. und 6. Partie in Endspielen von Fehlern Anands. Dann kam der Sonntag mit dem 3. Ruhetag. Der amtierende Weltmeister hätte sicher auch einen weiteren gebraucht. Die Körpersprache am Brett von Anand nach dem Wochenende gefiel mir nicht.  In der 7. und 8. Partei gab es wieder Punkteteilungen. Fast aufreizend lässig blitzte Carlsen dabei die 8. Partie herunter. Magnus Carlsen schob sich so fast unauffällig mit einem 5:3 Zwischenstand dem WM-Titel näher. Die Hausaufgabe bestand nun darin, 1,5 aus 4 zu holen. Erinnerungen an das volatile Nervenkostüm vom norwegischen Schachgroßmeister beim Kandidatenturnier im Frühjahr  in London 2013 wurden wach. Das Ticket für Chennai wäre beinahe an den ehemaligen Weltmeister Kramnik gegangen. Der 22-Jährige Carlsen kam in der englischen Hauptstadt mit einem blauen Auge davon.

Doch konnte Anand nochmals einen Hitchcock-Thriller inszenieren? Den Rückstand verkürzen? Dafür ging er offensiv und gut präpariert in die 9. Partie.  Er spielte auf Angriff. Doch dann kam der Hardcore-Fehler von Vishy Anand. Der Weg zum WM-Titel war mit 3 Punkten Vorsprung nun für Magnus Carlsen frei.

Der Spiegel verzeichnet 1,15 Millionen Klicks und Schach schafft es in das ARD Morgenmagazin

Schach hatte es in der Zwischenzeit sogar bis in das Morgenmagazin von ARD und ZDF gebracht. Kein Fake. Mit Live-Bildern vom WM-Schachmatch aus Chennai, Bildschnipseln aus einer Sporthalle von einem Basketball spielenden Carlsen und ein paar Zeilen, die aus einer Agenturmeldung stammten. Manch einer der deutschen Schachfreunde rieb sich verwundert die Augen. Schach wird sonst von den öffentlich-rechtlichen Sendern links liegen gelassen. Bei der WM 2010 in Sofia zwischen dem bulgarischen Herausforderer Topalov und Anand haperte selbst der kleine kontinuierliche Nachrichtenfluss beim ARD Videotext. Doch Schach war 2013 im November auf einmal In. Deutschland hat durchaus eine bemerkenswerte Schachtradition aufzuweisen. Weltmeister Emanuel Lasker, Dr. Robert Hübner, Wolfgang Uhlmann seien hier stellvertretend genannt.  Der Spiegel, jenes ehrwürdige Hamburger Nachrichtenmagazin powerte stolz in der Printausgabe vom 18. November 2013 eine Klickrate in Rekordhöhe vom Live-Schachticker der 4. Partie heraus: 1,5 Millionen Klicks. Eine deutsche mediale Randsportart war in aller Munde. Warum gab es eigentlich 2011 in den Medien so verdammt wenig Resonanz? Damals siegte die deutsche Schachmannschaft der Männer überraschend bei der Schacheuropameisterschaft in Griechenland. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.