Adidas und das Sportsponsoring

Nach der WM ist der Aktienkurs von Adidas unter die Marke von 60 Euro gerutscht. Dazu vielleicht in den nächsten Wochen etwas mehr davon. Heute möchte ich einfach einen Blogbeitrag aus dem Archiv holen, der sich mit dem Thema Adidas und das Sportsponsoring befasst.

Reblog [vom 3. September 2012]

Es hätte ein großer Tag werden können …

Seoul, 24. Setember 1988. Im 100-Meter Lauf der Männer bei den olympischen Spielen gewann Ben Johnson. Das Adidas Logo auf dem Lauf-Shirt, die markanten drei Streifen an der Seite der Hosen. Sportfotografen aus aller Welt hatten das Motiv des spektakulären Zieleinlaufs eingefangen. Die Zeit blieb bei 9,79 Sekunden stehen. Der muskelbepackte Sprinter verwies den vierfachen Goldmedaillengewinnter von Atlanta, Carl Lewis, auf Rang zwei. Doch die Freude in Herzogenaurach wurde jäh unterbrochen. Der Star-Läufer Ben Johnson wurde des Dopings überführt. Weltrekordzeit und olympisches Gold schmolzen wie die Butter in der glühenden Mittagshitze eines gelungenen Sommers dahin.

Adidas stattete Leichtathleten erstmalig bei den olympischen Spielen 1928 in Amsterdam aus. Der Sportartikelhersteller sollte eine lange Erfolgsgeschichte hinlegen. Adi Dassler betreute in der niederländischen Metropole die Sportler vor Ort höchst persönlich. In der Geschichte der olympischen Spiele unvergessen die Laufleistung von Emil Zátopek. 1952 in Helsinki erläuft er sich Gold über 5.000, 10.000 m und im Marathon. Zeitfenster: Eine Woche. Faszinierend und bis heute unerreicht. 1997 wurde Emil Zátopek in Tschechien zum Sportler des Jahrhunderts gewählt. Hier eine Videosequenz vom Marathonsieg in Helsinki 1952.

Adidas legte in den 90er Jahren auch einen Werbespot mit Zapotek auf. Der Trainingsschuh aus dem Jahr 1950 ist die Härte. Die Werbestrategen haben dabei auch den Prager Frühling 1968 in die Sequenz mit eingebaut.

Reinhold Messner, Grenzgänger, Extrembergsteiger, faszinierende Sportlerpersönlichkeit, einer meiner persönlichen Sporthelden bestieg am 8. Mai 1978 zusammen mit seinem Partner Peter Haberle ohne Sauerstoffgerät den Mount Everest. Den Königsberg. Mythos Mount Everest. Bis zum Basecamp trug Reinhold Messner Adidas Bergstiefel. Die Leicht-Trekking-Schuhe hatten die Franken speziell für den charismatischen 8000er Spezialisten entwickelt. In Kürze kommt ein neuer Messner Film in die Kinos. Ich freu mich drauf.

Der eine oder andere Leser wird vielleicht schon etwas unruhig und sich fragen: Wo bleibt denn der Fußball? Gemach, gemach.

Adidas und Fußball im Jahr 1954 … Da war doch was? Ja, die deutsche Fußballnationalelf gewinnt in Bern die Weltmeisterschaft. Mit dabei Adi Dassler. Der Legende nach werden im Endspiel bei Regenwetter in der Halbzeitpause die Schraubstollen der Adidas-Schuhe den Platzverhältnissen auf dem aufgeweichten und von der 1. Halbzeit durchwühlten Geläuf angepasst. Die hochfavorisierte Nationalmannschaft von Ungarn muss sich am Ende mit 2:3 geschlagen geben. Deutschland ist erstmalig Fußballweltmeister.

20 Jahre später. Fast eine Selbstverständlichkeit, dass die deutsche Elf beim Finalsieg 1974 gegen die Niederlande ebenfalls Adidas Schuhe trug. Franz Beckenbauer führte als Kapitän die Mannschaft durchs Turnier, und selbst nach dem 0:1 gegen die Georg Buschner Elf aus dem damaligen Nachbarland DDR, hielt der Weltklasse-Libero Kurs auf die Mission Weltmeistertitel. Im eigenen Wohnzimmer gab es einen 2:1 Sieg gegen die Mannschaft von König Johan Cruyff.

Bereits 1972 holte sich die erfolgshungrige Mannschaft den EM-Titel. Die Schuhe mit den drei Streifen waren wieder mit von der Partie. Vom damaligen Fußball aus der Kategorie Feinkost schwärmen heute noch viele Fußballfreunde. Schönen Gruß an Netzer, Breitner, Müller, Beckenbbauer, Maier, Hoeneß und Co.

Es bedarf keiner Fähigkeiten eines Hellsehers um auch die Spielkleidung und Besohlung der erfolgreichen deutschen Fußballweltmeister von 1990 sowie der Europameister von 1980 und 1996 bei Adidas zu vermuten.

Doch Adidas kann nicht nur Leichtathletik und Fußball. 3 Jahre vor dem Finalsieg der Helmut Schön Elf gegen die niederländischen Fußballer gab es am 8. März 1971 den Boxkampf des Jahrhunderts. Weltweit beachtet und gesehen. Muhammad Ali und Joe Frazier standen sich in einem unbarmherzigen Duell gegenüber. Beide Boxer trugen Boxstiefel von Adidas.

Doch zurück in das Jahr 2012. Kürzlich wurde während der olympischen Spiele von London die Partnerschaft zwischen dem DOSB und Adidas verlängert. Die Herzogenauracher statten die deutschen Sportler auch in Sotschi 2014 und in Rio de Janeiro 2016 aus. Bei den olympischen Spielen in diesem Sommer sind über 60.000 Produkte für die deutschen Sportler geliefert worden. Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender von Adidas, auf der DOSB Website dazu erfreut:

“Die Olympischen Spiele haben gezeigt, wie der Sport eine junge Generation inspirieren kann. Die Spiele sind die perfekte Bühne für unsere Marke und unsere Innovationen. Die Partnerschaft mit starken Verbänden wie dem DOSB ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie.”

Herbert Hainer ist Medienprofi. In zahlreichen Interviews hat er in den letzten Jahren immer wieder seine Sicht der Dinge dargelegt. Strategische Entscheidungen im Sponsoring versucht zu begründen, die Performance von Adidas herausgestrichen und Fragen nach dem Marketing offensiv beantwortet. Hier eine kleine Auswahl seiner Interviews:

Der Adidas-Chef erläutert die Gewichtung zwischen Europameisterschaft und Weltmeisterschaft im Fußball sowie den olympischen Spielen, monetäre Zusammenhänge, erklärt wie er mit Spielern wie Franck Ribery und der Neigung Nike Schuhe zu tragen, umgeht. Seit 1970 stellt Adidas den WM-Ball. Die Flugfähigkeit des Balls, immer wieder sehr gerne von Torhütern diskutiert, erläutert Hainer medial unterhaltsam aufbereitet.

Die FAZ titelte einst im Jahre 2002 Sponsoring: Sieger trinken Coca-Cola in Adidas Hosen.

,,Sport-Sponsoring ist ein riskantes Unterfangen, kann sich aber für die Konzerne lohnen: Wenn das Image des Siegers zum Image des Sponsors wird.”

Der im Eingang angesprochene Fauxpas mit Ben Johnson ist Geschichte. Tennisqueen Steffi Graf nutzte das Schuhwerk aus Herzogenaurach mit den drei Streifen. Aktuell grüßt Bayern München mit symphatischen Spielern wie Thomas Müller oder dem preisintensiven Neuzugang  Javier Martínez in Adidas Trikots spielend von der Tabellenspitze der Bundesliga. Souverän mit einer breiten Brust. Der Respekt der Konkurrenz ist wieder da. Der amtierende Europameister und Weltmeister Spanien spielt in den Hemden mit den drei Streifen. Champions-League Sieger Chelsea London kleidet sich vor dem Gang auf den Rasen ebenfalls konzentriert und mit Vorfreude auf  Siege mit der Adidas Sportkleidung ein. Okay, des Sieges im Mai in München hätte es jetzt nicht unbedingt bedurft. Schwamm drüber.

Nachdenkenswert #252

,,62 000 Zuschauer sahen sich im Warschauer Nationalstadion den Sieg der polnischen Volleyballer im Eröffnungsspiel gegen Serbien an, die Fahrt des Mannschaftsbusses zur Arena begleiteten Hubschrauber, aus denen Kameras das Ereignis in Millionen-TV Haushalte übertrugen. Die Nationalspieler sind Stars , die auf der Straße erkannt werden, der Verband wurde vom Staat im vergangenen Jahr mit 7,5 Millionen Euro unterstützt, eine in Deutschland illusorische Summe. Auch die Klubs haben potente Sponsoren. All das sind Anreize die ausländische Spieler ins Land locken.”

Sebastian Winter, skizziert in der Süddeutschen Zeitung die Magie von Volleyball in Polen, jener Sportart die im polnischen sportbegeisterten Nachbarland nach Fußball auf Platz 2 kommt. Erst kürzlich wechselte Sebastian Schwarz, starker Außenangreifer bei dem ehemaligen Spitzenverein Generali Unterhaching nach Danzig. In der neuen Saison spielen 6 deutsche Nationalspieler in Polen. Dazu kommt das Trainerengament von Deutschlands Nationaltrainer Vital Heynen in der polnischen Liga.

Natürlich wäre ein WM-Kampf Karjakin gegen Anand auch gegangen …

… doch die Unterschrift von Weltmeister Carlsen unter den Vertrag des WM-Kampf für Sotschi 2014 ist schon okay. Wenn ich es so auf den ersten Blick beim Artikel von Alejandro Ramirez bei ChessBase unter dem Titel Magnus Carlsen unterschreibt WM-Vertrag überblicke, hat das pokern keine signifikanten Vorteile für den jungen Norweger erbracht.

Sinquefield Cup Sieger Fabiano Caruana bei der Ice Bucket Challenge und der Vertragspoker von Carlsen und Agdestein

Überragende Performance wird mit dem vorzeitigen Turniersieg beim Sinquefield Cup 2014 in St. Louis gekrönt. Fabiano Caruana erzielte nach sieben Siegen hintereinander Remis gegen Magnus Carlsen und hat jetzt uneinholbare 7,5 aus 8. Damit hat der 22-Jährige in Miami geborene und für Italien bei der Schacholympiade an den Start gehende Großmeister einen bemerkenswerten Paukenschlag hingelegt. Vor Beginn des vom amerikanischen Multimillionär Rex Sinquefield finanzierten Turniers beteiligte sich der in Miami geborene 22-Jährige Caruana an der Ice Bucket Challenge.

Fabiano Caruana bekommt derweil auch gleich ein paar Lorbeerkränze gebunden. Der FIDE-Meister Hartmut Metz, der auch ein leidenschaftlicher Tischtennisspieler ist, hat in der taz ein paar schöne Zeilen unter dem Titel Kleiner Knochenbrecher geschrieben und verweist auch auf eine geschichtliche Note.

,,Der letzte italienische Schachmeister von Weltrang starb vor 402 Jahren: Giulio Cesare Polerio. Seit 1612 warteten die Denker vom Po vergeblich auf einen legitimen Nachfolger – bis zu Caruanas Föderationswechsel anno 2006. Der schmächtige Jüngling, der in Miami geboren wurde und in New York aufwuchs, schmunzelt ein bisschen, wenn er als Fabiano „Fabulous“ Caruana tituliert wird.”

Auch das deutsche schachjournalistische Urgestein Dagobert Kohlmeyer, der kürzlich ja erst ein Magnus Carlsen Buch herausgab, hat sich dem frischen Sieger vom Sinquefield Cup 2014 angenommen. Auf neues Deutschland titelt der Schachjournalist Fabiano Caruana erobert den Schachsport und verweist auf die Erfolge beim Dortmunder Chess-Meeting sowie die frühen Achtungszeichen wie die Erlangung des Titels Schachgroßmeisters mit 14 Jahren.

Selber habe ich Fabiano Cararuano auch bereits eine Weile auf dem Radar. Am 28. April 2014 schrieb ich hier im Blog unter dem Titel Gashimov Memorial: Magnus Carlsen mit 5 aus 8 und ein Blick auf seinen Angstgegner:

,,Zu großer Form lief am Wochenende Ilja Schneider auf dem Schachblog von Zeit Online auf. Der deutsche Vizemeister im Blitzschach bei der Einzelmeisterschaft im Jahr 2008 hat sich in einen beachtlichen Rhythmus gebloggt. Unter dem Titel Huch, Magnus Carlsen hat verloren! wirft Ilja Schneider einen Blick auf den Schachweltmeister und seinen Angstgegner Fabiano Caruana. Der 29-Jährige Internationale Meister Schneider arbeitet dabei auch die Unterschiede der beiden jungen Profischachspieler heraus.”

Derweil hat Magnus Carlsen die WM-Vertragspapiere immer noch nicht unterschrieben.

Die erste Deadline war ja der 31. August. Carlsen sein Management hatte vorher angekündigt erst nach Beendigung des laufenden Sinquefield Cup in St. Louis sich am 7. September zu äußern. Zwischenzeitlich hat es ein Telefonat zwischen ACP-Präsident Emil Sutovsky und Carlsens Manager Espen Agdestein gegeben. Danach hat Sutovski mit FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov telefoniert. Die Deadline 7. September ist Carlsen dann genehmigt worden. Doch der smarte und verhandlungsstarke Agdestein will jetzt eine Deadline zum 17. September.

Konkret geht es um folgende Dinge:

- Etwaige Verlegung des WM Matches hinsichtlich des Zeitpunktes
- höheres Preisgeld
– anderen Veranstaltungsort als Sotschi
– wenn schon Sotschi, dann die Fernsehberichte in norwegisch statt russisch
– auch um TV-Fernsehrechte will Espen Agdestein generell pokern

Ziemlich viel auf der Agenda. Starker Tobak. Erinnert mich selbstverständlich an den ganzen Bobby Fischer Verhandlungsmarathon vor dem Schachmatch des Jahrhunderts 1972 gegen Boris Spasskij in Reyjkjavik.

Die Ergebnisse bei der heimischen Schacholympiade in Tromsø und jetzt beim Sinquefield Cup in St. Louis zeigen einen Weltmeister Carlsen, der von diesen ganzen Dingen vielleicht nicht ganz unbeeinflusst am Schachbrett bleibt.

Andererseits haben die Norweger bereits im Vorfeld von Chennai ziemlich hart verhandelt, den indischen Austragungsort in Frage gestellt und unter anderen eine sechsstellige Summe für einen eigenen Carlsen Koch herausgehandelt.

FIDE-Präsident Kirsan Ilyumzhinov kann ganz gut mit Putin. Eine Verlegung von Sotschi ist daher aus meiner Sicht schwer vorstellbar.

In russischen Medien steht auch Sergey Karjakin als etwaiger Carlsen Ersatz bereits in den Startlöchern. Er war ja im Frühjahr beim WM-Kandidatenturnier im sibirischen Khanty Mansiysk 2. hinter Anand geworden.

Siehe auch den russischen Artikel bei kommersant.

Das amerikanische Online-Fitness-Magazin Life by DailyBurn mit den 30 besten Marathons der Welt

Mittlerweile ist es fast ein soziales Prestigeobjekt der Städte geworden. Wer keinen Marathon im jährlichen Kalender aufzuweisen hat, läuft Gefahr als City zum Außenseiter zu werden. Auch am Bodensee gibt es Laufevents über die magische Strecke von 42,195 Kilometer. So findet in meiner übernächsten Nachbarortschaft am 20. September der 42. Internationale Bodensee-Marathon in Kressbronn statt. Die Traditionsveranstaltung ist bei vielen fest im Terminkalender verankert. Der liebliche Ort Kressbronn ist die östlichste baden-württembergische Gemeinde am Nordufer des Bodensees.

Imagebewusste Läufer verweisen auch gerne auf Teilnahmen am New-York-City Marathon, dem Paris Marathon, Chicago Marathon, London Marathon, Berlin Marathon, Boston Marathon oder Tokio Marathon. Allen Laufevents in diesen Großstädten ist eines Gemeinsam: Sie können auf über 30.000 Finisher verweisen.

Im 1998 beim Sportverlag Berlin herausgegebenen Buch Laufen Vom Jogging zum Marathon von Manfred Reschke und Hans-Harald Schack heißt es auf Seite 18 und 19 unter Soziales Umfeld:

,,Ob reich oder arm, wir haben es nicht in der Hand, in welches Umfeld wir geboren werden. Deshalb kann es uns passieren, daß uns gewisse Sportarten auf Lebenszeit verwehrt bleiben (sicher, es gibt schwarze Golfer). Fürs Laufen brauchen wir keine speziellen Geräte und keine exklusiven Sportanlagen. Hohe Mitgliedsbeiträge und eventuelle Aufnahmesperren sind uns Läufern fremd. Laufen hat keinen hohen Imagewert. Man kann damit nicht angeben (höchstens mit Marathon-Reisen nach Rio, Hongkong oder New York).”

Aber zurück zum Bodensee. Dort steht nach dem Kressbronner Marathon bereits auch ein nächstes Laufevent auf dem Sportkalender. Termin ist der 5. Oktober 2014. Start ist Lindau. Auf der Insel. Der 8. Sparkasse Marathon der 3 Länder am Bodensee. Das amerikanische Online-Fitness-Magazin Life by DailyBurn stellte dieser Tage ein Ranking auf unter dem Titel The 30 Best Marathons in the Entire World. Die Top Ten sieht so aus:

1. Jungfrau Marathon

2. Marathon du Medoc

3. Patagonian International Marathon

4. BMW Berlin Marathon

5. Rock ´n` Roll Maratona de Lisboa

6. Sparkasse Marathon der 3 Länder  

7. TCS Amsterdam Marathon

8. Niagara Falls International Marathon

9. SSE Airtricity Dublin Marathon

10. TCS New York City Marathon

Ein illustrer Kreis. Ein paar zusätzliche Imagepunkte für jeden Veranstalter. Der 8. Sparkasse Marathon der 3 Länder am Bodensee mit Start auf der Lindauer Insel und Ziel im Casino-Stadion in Bregenz auf Platz 6 im Ranking  von Life by DailyBurn kann sich sehen lassen, wissend das solche Rankings durchaus auch immer einer gewissen Subjektivität unterliegen.

Unter den Gesichtspunkten des Sportmarketings sowie der Sponsorenakquise aber durchaus nicht zu unterschätzen.

Béla Réthy im ZDF: “Pfiffe, nein das macht man nicht bei einem Weltmeister.”

Kaum gibt es ein neues Marketing-Konzept in puncto Bandenwerbung der DFB-Elf, verliert die Mannschaft  von Übungsleiter Löw. Daran lag es natürlich nicht. Eher schon an der Einstellung, der Aufstellung und dem fehlenden Biss. Béla Réthy, 57-Jähriger Sportjournalist, kommentierte in seiner arteigenen Weise das Spiel Deutschland gegen Argentinien in Düsseldorf für das ZDF.  Die Niederlage der Mannschaft von Übungsleiter Löw garnierte er mit dem einen oder anderen prägnanten Satz. Eine kleine Auswahl:

,,Es deutet sich ein Debakel an.”

,,Eigentlich sind die Fans zum Feiern gekommen.”

,,Pfiffe, nein das macht man nicht bei einem Weltmeister.”

,,Schürrle, der mit Chelsea Spitzenreiter in der Premier-League ist. Nach 3 Spieltagen.”

,,Nehmen wir das ganze mal als Aufgalopp.”

,,Er wird Zeit haben jetzt zu basteln.” (über Übungsleiter Löw)

,,Nach 18 unbesiegten Spielen jetzt wieder eine Niederlage der deutschen Elf.”

,,Kroos wird jetzt ernsthaft ermahnt von Kuipers, etwas zurückhaltender zu agieren.”

,,Und es müsste Gelb geben für Lukas Podolski für dieses Foul an Zabaleta.”

,,Beim 0:4 nach 50 Minuten drohte die Feier ins Wasser zu fallen.”

,,Der Auftakt nach der WM hat ein wenig Spaß gemacht, wer Spaß an Toren hat.”

,,Joachim Löw wirkt jetzt regelrecht geschockt.”

,,Aber heute ist keine WM. Heute ist Party.”

,,Di Maria ist nicht einzufangen.”

,,Romero kämpft immer noch mit seiner Wade. Mehr wie mit den deutschen Stürmern.”

,,Und das sind nochmal die Tore der 2. Halbzeit.”

ING-DiBa hat Basketball “fast exklusiv” und rund um das Argentinien Spiel werden erstmalig die Banden auf 11 Unternehmen begrenzt

Dirk Nowitzki ist eine der deutschen Aushängeschilder. Nach der erfolgreichen NBA Saison vor 3 Jahren sagte sein Entdecker und Förderer  Holger Geschwindner im bemerkenswerten Interview mit der Stuttgarter Zeitung:

,,Für uns ist das im Grunde dasselbe. Nur die Anzahl der Anfragen ist gestiegen. Plötzlich tauchen Verwandte von vor 30 Jahren wieder auf, und man hat auf einmal ganz viele Freunde. Aber wir haben in den vergangenen 13 Jahren sehr gut gelernt zu unterscheiden. Allerdings ist es schon erstaunlich, dass ein Deutscher aus einem Fußballland mit ein bisschen Basketball so einen Hype auslösen kann.”

Katharina Herrmann, Vorstand Marketing der ING-DiBa, wurde im Interview mit sponsor news anlässlich der Verlängerung des Sponsoringvertrages mit Basketballstar Dirk Nowitzki gefragt:

,,Wäre die ING-DiBa mit einer Massensportart wie Fußball nicht noch besser aufgestellt als mit Basketball, um den Namen weiter bekannt zu machen?” 

Die 1968 in Wiesbaden geborene Spezialistin für Zielgruppenmarketing, kam einst im Juli 1998 nach Stationen bei der Sparkasse und der Commerzbank zur ING-Diba. Zum Vorstandsmitglied in Deutschland wurde sie zum 1. Januar 2011 bestellt. Ihr klares Votum für die Sportart Basketball und Testimonial Nowitzki :

,,Wir haben uns damals bewusst für Basketball entschieden, da wir so eine wunderbare dynamische Sportart fast exklusiv für uns werblich besetzen konnten. Für Fußball hätten wir weitaus mehr Geld in die Hand nehmen müssen und wären trotzdem nur einer unter vielen Werbetreibenden gewesen. Diese Entscheidung haben wir nicht bereut, im Gegenteil. Die Verlängerung des Sponsoringvertrages mit Dirk und dem DBB sowie dem Deutschen Rollstuhlbasketball ist ein deutlicher Beleg hierfür.”

Wie eng das Gedrängle beim Fußball ist zeigt auch diese Nachricht vom Schweizer Branchenblatt Sponsoring Extra über das neue Marketingkonzept in Sachen Bandenwerbung zwischen dem DFB und dem Vermarktungspartner Infront Sports & Media. Kernaussage ist die Begrenzung auf 11 Unternehmen, die während der Freundschafts- und Qualifikationsspielen der Nationalmannschaft auf Banden werben dürfen.

,,Die Anzahl der Bandenpartner bei jedem Spiel wird künftig auf elf Marken begrenzt, die zirka im 30-Sekunden Rhythmus auf der Bande rotieren werden.”

Im illustren Kreis beim Argentinien-Spiel in Düsseldorf sind dies: Allianz, Bauhaus, Bitburger, Commerzbank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Engelbert Strauss, Flyeralarm, Hörmann, Mercedes und Würth. Das Bandenkonzept wird zukünftig auch bei den Frauen und den DFB-Mannschaften der U21, U20 sowie U19 angewandt.

Im Management von Vermarkter Infront Sport & Media findet sich neben Philippe Blatter auch Günter Netzer. Die einstige Gladbach Fußballikone und Real Madrid Spieler ist Executive Director. Vor 5 Monaten plauderte ein entspannter Netzer beim SWR UniTalk hier am Bodensee in Konstanz auch über Traumgeschäfte im Business Fußball.Traveler Digital CameraGünter Netzer war tiefenentspannt und selbst meiner Jahrhundertliebe, die ihn ob seiner Auftritte mit Sportkamerad Delling in der ARD bis dahin durchaus etwas kritisch sah, gefiel der Abend ausgesprochen gut. Der Hörsaal war proppevoll. Fritz Frey moderierte ebenfalls gut und unverkrampft.Foto (9)

Der Abend verflog wie im Fluge.  An jenem 1. April waren die Temperaturen am Bodensee sehr warm und die Sonne strahlte angenehm den ganzen Tag. Dies hatte Petrus dieser Tage nicht immer zu bieten.

Bliebe noch Repucom für heute. Das Beratungsunternehmen hat unter dem Titel: Neuer Sponsoringtrend im europäischen Fußball: Regionale Partnerschaften einen englischen Verein ausfindig gemacht, der den Bogen raus hat. Manchester United, im vergangenen Jahr nicht gerade mit sportlichen Erfolg von sich reden machend, hat bei den regionalen Sponsorship-Deals die Nase vorn.

,,Der aktuelle European Football Club Income Stream Report von Repucom zeigt, dass der neue Sponsoringtrend – die Vermarktung von regionalen Partnerschaften – bei europäischen Fußballklubs immer mehr im Kommen ist. Manchester United gibt in diesem Zusammenhang den Ton an. Der englische Rekordmeister generierte in der Saison 2013/2014 mit regionalen Partnerschaften über 350 Prozent höhere Einnahmen als der FC Barcelona, der zweitbeste Club in dieser Kategorie.”

 Es gibt bevorzugte Regionen. Wer Asien vermutet liegt nicht daneben.

,,Denn weltweit betrachtet ist Asien für die europäischen Vereine mit insgesamt 47 Deals der beliebteste Kontinent für regionale Partnerschaften. Finanzdienstleistung, Telekommunikation sowie Lebensmittel & Getränke gehören zu den meistvertretenen Branchen.”

Auch die Branchen sind nicht wirklich überraschend.