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Sportinsider Interview mit Uwe Bekemann

Fernschach ist mehr wie eine faszinierende Facette des königlichen Spiels. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Fernschachspieler. Mit 14 Jahren spielte ich mein erstes Fernschachturnier.  Es war faszinierend aus der Schule zu kommen, in den Briefkasten zu schauen und Fernschachpost aus Moskau, Kassel, Kopenhagen, Turin, Mallorca oder Glasgow vorzufinden.  Schöne Erinnerungen. Wir tauschten nicht nur die Schachzüge aus. Über Hobbys, unsere Familien, Urlaubsreisen etc. wurde auch intensiv geschrieben.

Diese Erinnerungen an meine jugendlichen Fernschacherlebnisse kamen mir dieser Tage wieder in Erinnerung. Was lag näher sich an einen aktiven Protagonisten im deutschen Fernschach zu wenden und einen Blick in die aktuelle Situation zu wagen.

Schachbuchautor Uwe Bekemann führt das Vorstandsamt des PR-Managers im Deutschen Fernschachbund e.V. (BdF) aus. Im Interview spricht er über die Faszination Fernschach, die Mitgliederzahl im BdF, über Fluch und Segen der Schachcomputer, seine Aufgaben beim Fernschachbund sowie über die Arbeit an seinen Schachbüchern mit Jerzy Konikowski. Es fehlt auch nicht ein kleiner Rückblick auf den WM-Kampf Anand gegen Carlsen.

Herr Bekemann, Sie haben mit Jerzy Konikowski das Buch 1. e4 siegt! geschrieben. Angesichts der mit dem Königsbauern erzielten drei Weiß Siege von Weltmeister Carlsen in Sotschi aktueller denn je. Herausforderer Anand wählte zweimal die Antwort e5 und einmal für c5. Welche Schwarz Erwiderung ist Ihnen denn am liebsten?

Uwe Bekemann: In meinen eigenen Partien komme ich mit beiden Antworten zurecht, für beide habe ich mir mehrere Repertoirefelder aufgebaut. Dies gilt auch für andere Möglichkeiten des Nachziehenden. So kann ich sagen, dass ich spezielle Vorlieben und Abneigungen im Spektrum des Gegners mit Schwarz nicht habe.

Wie fällt Ihr Vergleich vom Schach-WM Kampf zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand in Sotschi 2014 und Chennai 2013 aus?

Uwe Bekemann: Für mich liegt der größte Unterschied im Auftreten von Anand. Er hat insgesamt mutiger und selbstbewusster gespielt, auch schien er besser eingestellt oder vorbereitet zu sein. Allerdings möchte ich vorsichtig sein, wenn es um Bewertungen geht. Ich fühle mich viel zu weit weg vom Geschehen, als dass ich mir ein tiefes Urteil erlauben könnte. Zudem bin ich mir als Hobbyspieler meiner Limits bewusst.

Lassen Sie uns über Fernschach sprechen. Was fasziniert Sie persönlich am Fernschach?

Uwe Bekemann: Das lässt sich nicht mit wenigen Sätzen umfassend ausdrücken. Ich konzentriere mich deshalb auf die Aspekte, die mir besonders wichtig sind. So erlaubt mir das Fernschachspiel die tägliche Beschäftigung mit dem Schachspiel selbst. Jeden Tag habe ich auf dem Brett Kontakt zu meinen Spielpartnern, wenn ich es denn möchte. Dabei komme ich viel tiefer in die Geheimnisse des Spiels hinein als im Nahschach. Bei der Analyse muss ich mir nicht alles vorstellen können, ich führe die Züge am Brett aus. Dazu kann ich alles an Hilfsmitteln einsetzen, was für mich greifbar ist. So komme ich zu Partien, die nicht über mehr oder weniger grobe Schnitzer entschieden werden. Die Ablenkung und Zeitdruck spielen kaum eine Rolle, ich kann mich voll auf das Spiel selbst konzentrieren. Und ich treffe auf Spielpartner aus allen Gegenden Deutschlands und der Welt.

Sie sind Vorstandsmitglied im Deutschen Fernschachbund e.V. (BdF). Welche Aufgaben obliegen Ihnen? Welches Zeitbudget bringen Sie dafür monatlich mit?

Uwe Bekemann: Ich führe das Vorstandsamt des PR-Managers aus. Nach dem Geschäftsverteilungsplan und damit offiziell bin ich zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit (redaktionelle Beiträge an alle Publikationsmedien, Werbeinserate, sonstige Maßnahmen – insb. über das Internet), die Internetpräsenzen des Vereins (technische Verantwortung und redaktionelle Pflege), Redaktionsleitung und Chefredaktion der Verbandszeitschrift Fernschachpost sowie Serverangelegenheiten. In einem „Fern“-Verband wie dem Deutschen Fernschachbund e.V. ist es aber kaum möglich, die Arbeiten so zu fokussieren und zu lenken. So gibt es nennenswert auch viel laufendes Geschäft, insbesondere Schriftwechsel mit Mitgliedern und anderen Kontaktpartnern. Auch Rezensionen über Schachbücher zählen zu meinen Aufgaben.

Das monatliche Zeitbudget kann ich zahlenmäßig nicht genau in reine Vorstandsarbeit und andere Aufgaben trennen, allerdings sind Dinge wie Vorstandsabstimmungen, Mitwirkung an Beschlüssen etc. einer der kleineren Anteile. Das Zeitbudget hängt von zwei Faktoren ab: Was ist gerade in einer bestimmten zeitlichen Periode zu erfüllen und was möchte und kann ich gerade machen (auch in Abhängigkeit aktueller Buchprojekte), auch wenn es nicht zwingend (jetzt) erledigt werden müsste. Aktuell verrichte ich Arbeiten für den Verband in der Zahl von rund 80 bis rund 120 Stunden im Monat, in Ausnahmemonaten auch mal mehr. Dies mag hoch erscheinen, aber die Arbeit verteilt sich auf fast alle Abende im Monat (ich bin voll berufstätig) und auf die Wochenenden. Wie Sie nachrechnen können, verteilt sie sich damit sehr gut auf viele Tage. Zudem empfinde ich meine Tätigkeit nicht als Arbeit, sondern als eine Beschäftigung nach meinen Neigungen. Die Arbeit für den Deutschen Fernschachbund e.V. hat mir zudem sehr geholfen, mit einem Handicap (Tinnitus) zurecht zu kommen.

Der Deutsche Fernschachbund bietet Fernschach in allen Variationen, Normalschach und Chess960 an. Der BdF hat einen eigenen Schachserver. Es gibt auch separate Engine-freie Fernschachturniere. Mit der Fernschachpost wird darüber hinaus eine eigene Schachzeitschrift angeboten. Diese Angebotsbreite ist bemerkenswert. Hans-Walter Schmitt, seit Jahren an der Seite von Anand und Organisator, Macher und Spiritus Rector von Chess Tigers ist ein großer Verfechter von Chess960. Welche Angebote vom BdF nutzen Sie zum Schachspielen?

Uwe Bekemann: Eigentlich alle, nur nicht alle gleichzeitig. Als Spieler muss ich etwas zurückstecken, aus zeitlichen Gründen. Chess960 bereitet mir auch viel Spaß, wobei dieser mein Leistungsvermögen darin doch recht deutlich übersteigt.

Nachwuchsgewinnung ist bei traditionellen Schachvereinen immer ein großes Thema. Oft auch ein Sorgenkind. Wie sieht es mit der Begeisterung der jungen Generation für das Fernschach aus? Sind vom BdF in den nächsten 12 Monaten konkrete Aktionen zur Mitgliedergewinnung der 18 – 28 jährigen geplant? Wie sieht es generell mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen in den letzten Jahren aus?

Uwe Bekemann: Besondere Aktionen zur Mitgliedergewinnung der 18 – 28 Jährigen sind aktuell nicht geplant. Dies heißt aber nicht, dass es im kommenden Jahr nicht dazu kommen wird. Wir haben einen engagierten Jugend-Turnierleiter, der sich ohnehin fortwährend um die Förderung des Jugend-Fernschachs bemüht. Schon traditionell aber kann man sagen, dass sich Jugendspieler oft nach einiger Zeit des Fernschachspiels vorübergehend zurückziehen und dann so etwa im Alter von 40 Jahren zurückkehren. Dann sind die eigenen Kinder schon recht selbstständig geworden und auch beruflich sind die Sturm- und Drangjahre überschritten. Nun erinnern sie sich an die frühere Bekanntschaft mit dem Fernschachspiel und starten einen neuen Versuch.

Nach einigen Jahren eines erheblichen Mitglieder-Aderlasses sind wir in Deutschland bei so etwas wie einer schwarzen Null angekommen. So bei rund 2500 Mitgliedern scheinen wir eine belastbare Balance gefunden zu haben. Weltweit sieht die Sache weniger gut aus. Rund um den Globus ist die Zahl der Fernschachspieler kontinuierlich gesunken und auch aktuell nimmt die Zahl ab.

Der Einsatz von Schach-Software hat in den letzten Jahren das Spielniveau von Fernschachpartien gesteigert. Im Glarean Magazin Interview vom 14. Dezember 2010 sagte Fernschach-Großmeister Arno Nickel:

,,Die Veränderungen auf dem Durchschnittsniveau sind natürlich dramatisch, vermutlich noch gravierender als an der Fernschachspitze. Spieler, die früher – ohne Computer – einfache taktische Zusammenhänge nicht verstanden oder anfingen merkwürdig zu spielen, wenn ihr Buchwissen erschöpft war, spielen auf einmal mustergültige Partien, die auch ein Anand über weite Strecken kaum besser behandeln könnte. Ihr Pech ist nur, dass viele solcher – ich nenne sie mal: virtuellen – Schachpartien remis ausgehen, weil der Gegner den gleichen Sekundantenstab nutzt.“

Hinter diesem Hintergrund taucht wieder verstärkt der Wunsch nach Engine-freien Schachpartien auf. Der BdF bietet entsprechende Turniere an. Wie sehen Sie die Entwicklung? Was ist Fluch und was ist Segen in Sachen Schachcomputer?

Uwe Bekemann: Zunächst möchte ich zu bedenken geben, dass besonders erfolgreiche Spieler sich auch heute fortwährend als besonders erfolgreiche Spieler behaupten. Würde ein Schachcomputer ausreichen, um erfolgreich Fernschach zu spielen, dann dürfte es keine besonderen Leistungsunterschiede mehr geben und wir müssten ständig wechselnde Sieger in Meisterschaften etc. haben. Dies ist aber nicht so. Also muss es auch heute noch Dinge geben, die den Unterschied machen.

Der auf Dauer erfolgreiche Fernschachspieler muss eine eigene hohe Spielstärke haben, insbesondere im Bereich der Planung im Schach, und seine Hilfsmittel inkl. Computer besonders gut einzusetzen wissen. Die Symbiose macht den Unterschied. Wenn man sich einen tollen Stab zum Stabhochsprung kauft, hievt man sich auch nicht automatisch über die hoch aufgelegte Latte. Ein bisschen so ist es auch im Fernschach.

Ich habe es mir abgewöhnt, die Entwicklung zu bewerten, die über den Siegeszug der Schachcomputer eingetreten ist, weil ich es für müßig halte. Die Rechner sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Also versuchen wir uns die Vorteile daraus zunutze zu machen.

Der Segen der Schachcomputer ist ihr Beitrag zur Entwicklung im Schach. Im Fernschach helfen sie dabei, die Suche nach dem objektiv besten Zug in jeder Stellung zu ermitteln. Ihr Auftreten im Fernschach hat insoweit zu einer echten Bereicherung geführt.

Der Fluch der Schachcomputer liegt darin, dass sie besser rechnen können als wir. Verfällt der Spieler der Versuchung, sich selbst durch den Computer zu ersetzen, wird er auf Dauer verarmen, sowohl hinsichtlich seines Spielspaßes als auch seiner Fähigkeiten und seiner Entwicklung. Fluch und Segen liegen also gewissenmaßen nah beieinander.

Wie hat das Internet Fernschach beeinflusst, verändert und wie sieht ein Ausblick auf die Entwicklung der nächsten 5 Jahre aus Ihrem Blickwinkel aus?

Uwe Bekemann: Das Internet hat über das Serverfernschach und das Onlinespiel unter Nahschachbedingungen Fernschach und Nahschach näher zueinander geführt. Es ist beschleunigt worden, was schon eine Folge der größeren Geschwindigkeit des elektronischen Zugaustausches gegenüber dem Spiel per Normalpost ist. Weiterhin haben die offiziellen Verbände wie der Deutsche Fernschachbund e.V. Konkurrenz durch private Anbieter von Fernschachangeboten bekommen (Server und Klubs mit E-Mail-Schach). Dies wäre organisatorisch im Postkartenzeitalter kaum vorstellbar gewesen.

Ich denke, dass sich der Zugaustausch in den kommenden Jahren fast vollständig auf den Server verlegen wird. Ich denke weiter, dass der Deutsche Fernschachbund e.V. sich weiter behaupten und seine Stellung als Nummer 1 der Fernschachanbieter in Deutschland ausbauen wird, weil er gemeinnützig und damit ohne Gewinnerzielungsabsicht tätig ist. Private Anbieter werden mehr und mehr spüren, dass sich mit Fernschach auf dem Server nicht wirklich Geld verdienen lässt und sich der Aufwand kaum lohnt. Dies wird das private und erwerbswirtschaftlich orientierte Angebot ausdünnen.

Eingangs haben wir über Ihr Buch 1. e4 siegt! mit Jerzy Konikowski gesprochen. Sie haben noch weitere Bücher mit ihm herausgegeben. Italienische Partie – richtig gespielt oder Königsgambit – richtig gespielt. Auch für Freunde des gepflegten Eröffnungszugs mit dem Damenbauern haben Sie mit Jerzy Konikowski ein Werk verfasst. 1. d4 siegt! Welches Buch aus diesem Quartett und warum ist Ihr Lieblingsbuch?

Uwe Bekemann: Ich habe, ganz ehrlich gesagt, kein Lieblingsbuch aus unserem gemeinsamen Schaffen. Mit Jerzy Konikowski zu arbeiten, ist immer eine tolle Sache. Er ist ein unermüdlicher Arbeiter und hat eine unglaublich große Erfahrung, in der Zusammenarbeit läuft es völlig harmonisch und in gegenseitiger Unterstützung. Dies war bei jedem unserer Bücher so. Auch aus den Inhalten heraus kann ich kein Buch bevorzugen. Sie sind alle aus einem Holz und doch alle auch irgendwie etwas anders als die anderen. Mal haben wir eine möglichst bemerkenswerte Variantentiefe und –breite verfolgt, mal wollten wir ein qualifiziertes Repertoire mit Überraschungspotenzial liefern, dann wieder auch mit nebenbei unterhaltsamen Texten arbeiten. Ich könnte nicht dahinterstehen, wenn ich nun eines aus dem Kreis der Bücher als Lieblingsbuch hervorheben sollte.

Wie lange arbeiten Sie im Durschnitt an einem Schachbuch?

Uwe Bekemann: Das hängt in Gemeinschaftswerken von der Art meines Beitrags und der Menge des Materials ab. Zudem kann es immer wieder zu Unterbrechungen kommen. Die Sammlung des erforderlichen Materials müsste man dann auch noch hinzurechnen, wenn ein Buchprojekt vereinbart worden, die echte Arbeit aber noch nicht aufgenommen worden ist. 6 bis 12 Monate als Bearbeitungszeitraum kommt der Realität aber sicher recht nahe.

Internet scheint für viele Schachfreunde wie geschaffen für die Sportart Schach. Andererseits kommt Schach in der Berichterstattung großer Zeitungen im Sportteil nur rudimentär oder temporär zu Weltmeisterschaften vor. Woran liegt dies Ihrer Meinung nach?

Uwe Bekemann: Bei der Ausübung unseres Spiels bewegen wir uns zwar auch, aber seltener und langsamer als Bewegungssportler. Damit können wir nicht so recht mithalten, wenn die Medien explodierende Bilder und die Schilderung packender Kampfszenen suchen.
Leider sind die Schachspieler in den Augen vieler, bis hin in die Reihen der politischen Entscheidungsträger, keine Sportler oder nur solche zweiter Klasse. Die geringe Präsenz des Schachspiels in den großen Zeitungen ist für mich eine nachvollziehbare Konsequenz dieser Umstände.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für den Deutschen Fernschachbund und die Entwicklung im Fernschach generell im Jahr 2015?

Uwe Bekemann: Was wünsche ich mir für den Deutschen Fernschachbund? Ich möchte dies in zwei Dinge unterscheiden. Als Funktionär mit bürokratischer Brille und damit in der Pflicht für alle Mitglieder stehender Verantwortlicher wünsche ich mir, dass es uns gelingen möge, einen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Wichtige Entscheidungen in Vereinsangelegenheiten sind aktuell nur noch in die Hand weniger Mitglieder gelegt, diejenigen nämlich, die es sich finanziell, gesundheitlich und nach weiteren Voraussetzungen leisten können, die jährliche Präsenz-Mitgliederversammlung zu besuchen. In einem Verband von fast 2500 Mitgliedern haben somit, wenn es hoch kommt, 30 Personen die Fäden in der Hand. Im oben beschriebenen Sinn „geschwächte“ Mitglieder sind außen vor. Das ist ein Unding, besonders in einem Fernverband wie dem Deutschen Fernschachbund e.V.

Als selbst spielender Funktionär wünsche ich mir, dass der Deutsche Fernschachbund e.V. sein Standing erhält und die breite Palette an Fernschachmöglichkeiten zum Wohle seiner Mitglieder ohne Beschränkungen aufgrund einer nachlassenden Nachfrage aufrechterhalten kann. Damit habe ich auch meinen Wunsch zur Entwicklung des Fernschachs in 2015 ausgesprochen.

Herr Bekemann vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Weiterführende Websiten zum Thema:

bekemann Private Website von Uwe Bekemann

wikipedia Eintrag Uwe Bekemann

bdf-fernschachbund  Offizielle Website Deutscher Fernschachbund e.V. (BdF)

Sportinsider Interview mit Joe Boden

Schachblogs sind faszinierend. Sie haben von ihrer Anziehungskraft für mich persönlich nichts verloren. Einer dieser Schachblogger mit dem Faible für das einzigartige Königliche Spiel, Durchhaltevermögen für das Medium Blog und tiefer Hingabe zur Detailarbeit ist der Gründer, Organisator und Spiritus Rector von Joe´s Schachblog, Joe Boden. Was lag näher ihn kurz vor Jahresende zu einigen Aspekten seines Schachblogs und der Materie rund um das Geschehen auf den 64 Feldern zu befragen.

Herr Boden, lassen Sie uns über Schachblogs reden. Wann und weshalb haben Sie Ihren Schachblog gegründet?

Joe Boden: Meine ersten Postings gingen im März 2012 online. Ich hatte Spass am Bloggen und wollte rausfinden, ob es mir gelingt, meinen Blog einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Das scheint mir gelungen zu sein. Letzten Monat hatte ich 15000 Besucher, das ist schon etwas in diesem Nischenbereich Schach.

Schachblogs haben ja zwischendurch im Netz eine Durststrecke durchmachen müssen. Stefan Löffler hängte seinen Schachblog an den Nagel. Ilja Schneider schloss die Pforten vom Schachzoo. Der Entwicklungsvorsprung von Georgios Souleidis hat sich größere Auszeiten zwischen den einzelnen Blogbeiträgen genommen. Eine Frage des Durchhaltevermögens? Wie sehen Sie die Schachblogszene im deutschsprachigen Raum?

Joe Boden: Ich kenne mich mit der Szene nicht aus und habe deswegen auch keine Kontakte, Sie ausgenommen, Herr Wiemer. Und an dieser Stelle ein dickes Lob für Ihren ausgezeichneten und gut gemachten Sportblog. Einmal rief mich Franz Jittenmeier vom Schachticker an und wollte, dass ich für ihn schreibe. Er war durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden. Wir hatten ein freundliches Gespräch. Franz ist ja schon etwas älter, aber man merkt immer noch seine Leidenschaft für’s Schach und seinen Schachticker. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich einige interessante Insiderinformationen. Mich interessiert  jedoch in erster Linie nur was ich tue, warum ich es tue und wie ich es tue. Deswegen habe ich auch keine Ahnung, was andere dazu bewogen hat aufzugeben. Wenn man sich mit Schach publizistisch beschäftigt sollte man wissen, dass die Schachspieler eine sehr spezielle Klientel darstellen. Es sind sehr spezielle Menschen mit einem gehörigen Schuss Ego, was für das Schach unerlässlich ist. Von dieser Klientel sollte man keine allzu große Wertschätzung und Anerkennung erwarten. Vielleicht haben die Kollegen, die ihre Blogs nicht weitergeführt haben, das auch erfahren und irgendwann keine Lust mehr gehabt. Es kann natürliche auch ganz andere Gründe gehabt haben, zu wenig Zeit, Motivationsverlust etc. Aber das sind nur Spekulationen.

Gut geführte Blogs benötigen Zeit. Wie viel Zeitbudget investieren Sie monatlich?

Joe Boden: Ich glaube es sind so 20-30 Stunden im Monat.

Der November stand im Blickpunkt der Schachfans. Alles schaute gespannt nach Sotschi. Die Zuschauer vor Ort hielten sich in überschaubaren Grenzen. Dafür boomten die Übertragungen im Internet. Wie sehen sie mit dem Abstand von einigen Wochen das WM-Match zwischen dem norwegischen Schachstar Magnus Carlsen und dem lebenserfahrenen Viswanathan Anand?

Joe Boden: Mein Herz schlug für Anand. Er ist ein Gentleman und besitzt feine Manieren, ist menschlich zugänglich. Zudem ist Anand subtil und sein Spiel besitzt Tiefe. Anands Partien zeigen Kreativität und Eleganz gleichermaßen. Er war nicht ohne Grund Weltmeister. Allerdings zeigte Anand im Match 2014 Nerven trotz seiner langjährigen Turniererfahrenheit. Carlsen präsentiert sich etwas flegelhaft, nicht nur was die Sitzhaltung am Brett anbelangt. Aber Carlsen ist jung, deswegen kann man darüber hinweg sehen. Er ist jedoch auch konzentrationsstark und mit einem unbändigen Willen ausgestattet. Seine Beharrlichkeit erweist sich als effektiv. Für seine Gegner fühlt es sich wohl so an, als würden sie gegen einen alles ausrechnenden Computer spielen, das macht wenig Spaß und macht müde. Auf diese Weise entstehen Fehler und Carlsen macht schließlich den Punkt. Schachlich kann er mich nicht überzeugen. Seine Partien sind meist fehlerfrei, aber ohne jedes Feuer. Er ist ein guter Handwerker. Verstehe nicht, wie man ihn Mozart des Schachs nennen kann. Das muss jemand sich ausgedacht haben, der keine Ahnung von Kunst hat.

Wer und warum hat für Sie die beste Berichterstattung während der Schach-WM 2014 in Deutschland geleistet?

Joe Boden: Ich glaube Chessbase ist bislang immer noch der beste Berichterstatter, was schachliche Ereignisse anbelangt. Vor allen Dingen sind die aktuell. Das ist ziemlich professionelle Arbeit, das kann ein privater Blog aus Zeitgründen einfach nicht leisten. Franz Jittenmeiers Schachticker finde ich ebenfalls ganz gut.

Internet scheint wie geschaffen für die Sportart Schach. Was sind Ihre bevorzugten Quellen im Netz in puncto Schach? Gerne mit kurzer Begründung.

Joe Boden: Wie gesagt, ich schaue gerne bei den Chessbase Nachrichten rein. Und so Blogs wie Der Schachneurotiker von Karl Groß finde ich äusserst unterhaltsam, da Karl seine schachlichen Erlebnisse aus einer sehr persönlichen Sicht darstellt.  Eine Kostprobe davon habe ich auf JOE’S SCHACHBLOG eingebunden unter schachblog.vsud.de/robert-huebner-vs-schachneurotiker/ Ansonsten surfe ich mich quer durchs Netz und picke die eine oder andere Sache für meinen Blog auf.

Joe´s Schachblog beschäftigt sich auch immer wieder mit dem Thema Computerschach. Was fasziniert Sie daran? Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Joe Boden: Ich gehöre zu den Computerschächern der ersten Stunde. Schon Ende der siebziger Jahre hielt ich meinen ersten MK 1 von Novag in den Händen. Es war ein Weihnachtsgeschenk, welches ich mir selber machte. Von da an hat mich das Virus Computerschach infiziert. Die Krankheit ist unheilbar.

Am 31. März 2014 veröffentlichten Sie einen Blogbeitrag unter dem Titel: Schach-Bundesliga soll attraktiver werden – Marketingchef Bernard Verfürden im Interview. Herr Boden, wie sehen Sie die aktuelle Situation in puncto mediale Berichterstattung der Schachbundesliga?

Joe Boden: Herr Verfürden hat mir damals in einem Interview große Ankündigungen bezüglich des Onlineauftrittes der Schachbundesliga gemacht. Danach kam nichts mehr. Inzwischen  werden die Live-Partien über chess24 online gestellt. Ursprünglich sollte eine eigene Softwarelösung in Auftrag gegeben werden. Das ist wohl nicht geschehen. Auch habe ich in den vergangenen Monaten keinerlei Feedback von Herrn Verfürden mehr zu diesem Thema bekommen. Das ist Marketing, wie man es vermeiden sollte. Sich um Multiplikatoren und Kontakte zu kümmern und diese zu pflegen und mit Informationen zu versorgen ist eine der wichtigsten Aufgaben im Marketing. Herr Verfürden hat mich da nicht überzeugt.

Diese Woche posteten Sie einen gut aufgedröselten Artikel zu lichess.org und schrieben:

,,Lichess ist eine hochmoderne und innovative Open-Source-Schach-Server-Software, die in jedem Internetbrowser lauffähig ist und ihres gleichen sucht. Zudem ist die Seite werbefrei und kostenlos. Nach meinem Empfinden mit Abstand die beste Online-Schachseite im Netz.“

Was begeistert Sie an Lichess besonders? Wie intensiv sind Ihre eigenen Kontakte in die Open-Source Schachszene?

Joe Boden: Es ist die Idee, die hinter Lichess steht. Lichess ist Open-Source. Der Code ist offen und frei zugänglich für jedermann. Die Entwickler, speziell der Initiatior Thibault, sind dem Schach leidenschaftlich verbunden. Die Begeisterung ist spürbar und erfasst wie eine Welle jeden, der Schach spielt und irgendwann mal ein paar Partien auf Lichess.org spielt. Lichess wird das Online-Schach, so wie wir es bislang kennen, revolutionieren. Obwohl der Lichess-Server erst seit kurzer Zeit online ist, ist die Resonanz der Spieler weltweit gewaltig. Oft sind mehrere Tausend Spieler online. Fast täglich bauen die Entwickler neue Features ein.  Da warten wohl noch einige Überraschungen auf uns. Das Lichess-Forum ist voll von reger Aktivität und Meinungsaustausch. Ideen, Userwünsche, praktische und schachliche Fragen finden dort viel Raum und viel Resonanz. Lichess macht einfach Spaß. Und das hat nichts damit zu tun, dass es kostenlos ist.

Nehmen wir an es wird eine Schachbloggerweltmeisterschaft veranstaltet und der Organisator lädt Sie ein und möchte vorab von Ihnen ein kurze Personenbeschreibung. Was würden Sie dem Veranstalter über sich mitteilen?

Joe Boden: Ich liebe es Dinge zu gestalten, aufzubauen von null an. Ich stecke voller Ideen, mir fällt immer was ein und mir wird nie langweilig. Zudem macht Bloggen mir großen Spaß. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Wenn ich eine Sache beginne, führe ich sie zu Ende. Ich werde auch stark geleitet von der Vorstellung, anderen Menschen durch mein Tun zu nützen. Den Bierernst, den viele mit dem Schach verbinden, teile ich nicht. Schach ist ein Spiel  und das soll es bleiben. Ich mag Wettbewerb, aber ich lasse mich dadurch weder groß anspornen noch entmutigen. Ich bleibe stets in der Mitte. Erfolg ist schön und tut gut, aber menschlich beweist man dadurch absolut nichts.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für Ihren Schachblog im Jahr 2015?

Joe Boden: Ich habe in der Vergangenheit meinen Blog befüllt, also aufgebaut. Mittlerweile hat sich so viel Stoff angesammelt dort, Downloads, Artikel.usw…..da ist wohl für jeden was dabei. Das allein würde reichen den Blog so lange Zeit im Netz zu lassen, ohne dass der Zulauf aufhört. Ich möchte deswegen versuchen in der nächsten Zeit mehr persönlich zu bloggen. Eigene Partien, Interviews mit Spielern und anderen, die im Schachzirkus mitspielen und/oder was bewegen. Schach hat seine eigene Dynamik und auch eine stark psychische Komponente. Das möchte ich gerne transparenter machen und einen tieferen Blick in die Welt der Schachspieler werfen und meine Leser daran partizipieren lassen. Wer ist der Mensch hinter dem Schachspieler? Was treibt ihn an? Was macht die Faszination des Spiels für ihn aus? Welche Bedeutung haben Sieg und Niederlage für den Schachspieler. Was bringt Schach ihm auf der Ebenen zwischenmenschlicher Begegnung. Wie erlebt er Schönheit im Schach usw…Das ist ein großer Anspruch. Mal schauen, ob ich das umsetzen kann.

Herr Boden, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Sportinsider Interview mit Stefan Kindermann

Schachgroßmeister und Buchautor Stefan Kindermann hat eine bemerkenswerte Laufbahn aufzuweisen. Der am 28. Dezember 1959 in Wien geborene Schachexperte zelebrierte das Königliche Spiel erfolgreich. Sein erster Schachverein war Post SV München. Für Deutschland nahm er im Zeitraum von 1982 bis 1994 an sechs Schacholympiaden teil. Für Österreich spielte er zwei Olympiaden. Mit Bayern München wurde Stefan Kindermann neunfacher deutscher Mannschaftsmeister im Schach. Auch international sorgte der Schachclub aus der bayerischen Landeshauptstadt für Furore. Internationaler Höhepunkt im Mannschaftsschach: 1992 gewann Großmeister Stefan Kindermann mit Bayern München in Solingen den Europapokal.kindermann_stefan_310513_2444-007_b_13x18(1)Foto: Christoph Vohler

Ab 2006 ist Stefan Kindermann Geschäftsführer der Münchener Schachakademie. Im Jahr darauf wurde der Schachenthusiast Stiftungsrat der Münchener Schachstiftung. Er entwickelte das Modell Königsplan mit Professor Robert von Weizsäcker.

Großmeister Stefan Kindermann begleitete die Schach-WM in Sotschi auf dem Onlineportal der Süddeutschen Zeitung mit fachkundigen Video-Kommentaren. Diese Schachexpertise erfreute sich großer Resonanz.

Der Schach-WM Kampf von Sotschi ist bereits wieder Geschichte. Wie schätzen Sie das Duell von Sotschi zwischen dem Weltmeister Magnus Carlsen und seinem Herausforder Viswanathan Anand ein?

Magnus Carlsen war nicht so gut in Form wie im vergangenen Jahr. Anands Formkurve war stärker wie in Chennai. Er konnte letztendlich jedoch den Ausgang nicht verhindern. Carlsen hatte psychologische Vorteile. Die Fehler von Anand in den Partien 2, 6 und 11 hat er nervenstark ausgenutzt.

Zahlreiche Experten hatten vor der Schach-WM 2014 einen noch klareren Erfolg von Carlsen gegen Anand vorhergesagt. Wie war Ihre Prognose?

Es gab von mir keine direkte Prognose in Form eines konkreten Ergebnisses. Die Chancen hatte ich bei der letzten WM mit 80:20 für Carlsen, diesmal mit etwa 70:30 eingeschätzt.

In Norwegen hat das Staatsfernsehen die Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand in epischer Länge übertragen. Analog den Übertragungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im ARD und der ZDF während des Turniers in Brasilien.

Norwegen hat mit Carlsen einen Star im Schach. Diese Situation gibt es in Schachdeutschland nicht. Ohne diesen Star ist Schach als Sport medial schwer zu vermitteln.

Kommen wir zur Münchener Schachakademie. Was war die Motivation der Gründung?

Als Vision und Gründungsidee wollten wir – Roman Krulich, Dijana Dengler, Gerald Hertneck, Ulrich Dir und ich – eine Schachschule auf neuem Niveau etablieren. Einen Gegenpol zu den verräucherten Vereinen schaffen. An dieser Stelle muss unbedingt Roman Krulich, Hauptsponsor und auch Gründer der Münchener Schachstiftung, hervorgehoben werden. Der Immobilienunternehmer hat mit seinem finanziellen Engagement entscheidend zum Erfolg beigetragen. Unsere gemeinsame Vision ist es, über das Medium Schach möglichst vielen Menschen, insbesondere aber Kindern Konzentrationsfähigkeit, Fokus auf eine Sache, spielerische Problemlösung und damit Erfolg und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Aktuell war unsere Vorsitzende der Schachstiftung, Frau Dijana Dengler, beim Kongress Chess and Mathemathics in London .

Wie sieht die Situation aktuell in puncto Förderer und Sponsoren der Münchener Schachakademie aus?

Wir fianzieren uns zu 100% über Spenden. Der Kampf um Förderer ist jährlich neu zu führen, denn wir konnten zwar namhafte Organisationen wie z.B. die Robert Bosch Stiftung, die Stadtsparkassenstiftung oder die Brotzeit e.V. als Unterstützer und Partner gewinnen. Doch diese Förderungen sind zumeist zeitlich begrenzt. Deshalb bedarf es im Bereich des Fundraising unglaublich intensiver Arbeit. Jedes Jahr aufs Neue.

Sie haben als aktiver Spieler selbst die erfolgreichen Jahre in der Schachbundesliga bei Bayern München mitgemacht. Befällt Sie beim aktuellen Blick nicht ein wenig Wehmut? Bayern München hat ja vor einigen Jahren das Projekt Basketball aufgelegt. Wünschten Sie sich da nicht insgeheim einen Teil der Gelder für das Schach?

Ja, die Zeit war mit dem damaligen Sponsor und der Unterstützung von Bayern München sehr erfolgreich. Neunmal Meister, mehrfacher Pokalsieg. Dazu der Europapokalsieg 1992. Nach dem der Sponsor nicht mehr da war entschied sich Bayern München die Profimannschaft nicht weiter zu unterstützen. 1994 wäre der richtige Zeitpunkt gewesen sich für ein perspektivisches Engagement mit profesionellen Zuschnitt zu entscheiden. Die Spieler wechselten. Jetzt ist es eine reine Amateurmannschaft. Das ist auch in Ordnung.

Wie sehen Sie die mediale Berichterstattung der Schachbundesliga?

Schach ist als Sport schwer vermittelbar. Wer nicht die Regeln kennt, kann ihm nicht folgen. Wie ein Theaterstück das in fremder Sprache aufgeführt wird. Der Genuss hält sich da in Grenzen. Hier ist intensive Beschäftigung mit der Materie – oder aber ein guter Kommentator als Übersetzer gefragt! In der Schachakademie und Schachstiftung sehen wir Schach als Bildungsgut und Fördermittel. Neben der Arbeit mit Kindern stehen Vorträge und Seminare für Führungskräfte zum Thema ,,Strategien der Schachgroßmeister für Entscheider“ im Fokus. Die Konzepte dafür sind im Strategiemodell Königsplan enthalten.

Blicken wir noch ein wenig zur Schachberichterstattung der großen Medien in Deutschland. Wie schätzen Sie die Präsenz in den großen überregionalen Zeitungen wie Süddeutsche Zeitung und FAZ ein?

Die SZ ist in ihrem Sportteil nicht sonderlich schachaffin. Sehr erfreulich war die Zusammenarbeit mit SZ online – zur WM haben wir mit dem Videoformaten große und sehr positive Resonanz gehabt. Im Alltag hat es Schach in Deutschland in der Berichterstattung zwischen den Weltmeisterschaften schwer. Die nächste WM ist 2016.

Dabei gibt es durchaus positive Ansätze. Ihr Videoformat lief bei der WM gut. Die Printausgabe des Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel verkündete am 18. November 2013 mit stolzgeschwellter Brust von 1,5 Millionen Klicks der 4. Partie zwischen Anand und Carlsen. Zeit Online ist kontinuierlich mit dem Schachblog der Autoren Johannes Fischer, Dennes Abel und Ilja Schneider auch zwischen den Weltmeisterschaften präsent und gut unterwegs.

Das ist gut zu wissen. Muss ich bei der Süddeutschen Zeitung direkt ansprechen.

Wir nähern uns dem Jahresende 2014. Was wünschen Sie sich für die Schachakademie im Jahr 2015?

Weitere Spender für die Stiftung. Die kontinuierliche Unterstützung zum Beispiel durch die Stadtsparkasse München, die Robert Bosch Stiftung. Die Gewinnung von Spendern ist eine mühsame Arbeit. Wir sind froh Münchens OB München Dieter Reiter als Schirmherr der Münchener Schachstiftung gewonnen zu haben. Die Zusammenarbeit wollen wir gerne intensivieren. Auch die Entwicklung des Projekts Königsplan liegt uns sehr am Herzen – wir hoffen auf viele Anfragen zu unseren Vorträgen und Seminaren, um dieses Konzept weiter zu verbreiten.

Herr Kindermann, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

Auf folgenden Webseiten finden sie weitere Informationen:

www.schachstiftung-muenchen.de – Schachstiftung München

www.koenigsplan.com – Projekt Königsplan – Impulsvorträge und Seminare

www.mucschach.de – Münchener Schachakademie

Sportinsider Interview mit Jürgen Schmieder und Johannes Aumüller

Vor 14 Tagen kam am 6. Oktober 2014 ein neues Sportbuch auf den deutschen Büchermarkt. 352 Seiten gefüllt mit vielen Facetten zahlreicher Sportarten, auch jener die nicht täglich hoch und runter durch die Medien durchdekliniert werden. Der Rezension zu Sport – Das Buch folgt heute das Interview mit den Sportjournalisten Jürgen Schmieder und Johannes Aumüller, die über 5.000 Fakten für ein lesenswertes Nachschlagewerk zusammenstellten und unterhaltsam aufbereiteten.Traveler Digital Camera

Wie sind Sie auf die Idee zum Werk Sport – Das Buch gekommen?

Wir haben uns bei der SZ oft darüber gestritten, wer mehr über Sport weiß. Das ging los mit Kleinigkeiten wie der Frage nach deutschen Tore in WM-Finals bis hin zu: Wer hat die meisten Goldmedaillen im Sportangeln gewonnen? Irgendwann haben wir uns gesagt: Diese verrückten Fakten könnten doch auch noch andere Menschen interessieren. Und tatsächlich: Herr Jacob von C. Bertelsmann war begeistert – und nun hoffen wir, dass es die Leser auch sind.

Sie haben mit viel Akribie 104 Sportarten und mehr als 5.000 Fakten zusammengetragen. Welche 5 Sportarten sind Ihre Lieblingssportarten und warum?

Jürgen Schmieder: Mein ganz persönlicher Favorit ist Wagenrennen, danach kommen Angeln und Darts. Wagenrennen deshalb, weil es einfach verrückt ist und man beim Lesen Tränen lacht. Darts, weil es diesen extra Nutzwert verkörpert, den das Buch haben soll: Wir präsentieren das mathematisch fairste Brett. Und Angeln, weil es für mich persönlich widerspiegelt, was das Buch sein soll: Ich hatte keine Ahnung von dieser Sportart, doch durch die Recherche bin ich klüger geworden – und so soll es dem Leser auch gehen: Er soll sich unterhalten fühlen, aber auch ein bisschen was Neues sehen.

Johannes Aumüller: Wagenrennen ist die Nummer eins, ganz klar, schließlich sollen auch die Lateinlehrer etwas von dem Buch haben. Und überhaupt waren die Sportarten bemerkenswert, die man wenig auf dem Schirm hat: Bridge, Backgammon, solche Sachen. Aber bei denen gibt es oftmals die besten Anekdoten und Fakten.

Wie kam die Zusammenarbeit zum C. Bertelsmann Verlag zustande. Wie stark war die Unterstützung von Verlagsseite in Person von Johannes Jacob sowie Linda Walz und was war die beste Anekdote in der Zusammenarbeit mit dem Verlag?

Jürgen Schmieder: Ich hatte bei C. Bertelsmann schon ein paar Bücher veröffentlicht, deshalb war der Kontakt schon da – und Herr Jacob und Frau Walz waren dabei stets wahnsinnig nett, zuvorkommend und begeistert von Ideen. Die beiden haben uns auch immer unterstützt, auch und vor allem in Zeiten, in denen wir am Verzweifeln waren. Die lustigste Anekdote? Puh, ich glaube, da muss ich die Namensfindung für das Buch nennen, bis wir auf “Sport – Das Buch” kamen – was übrigens die allererste Idee war. Also einmal im Kreis. Die anderen Vorschläge dürfen wir leider nicht nennen, weil Sie uns sonst für verrückt erklären.Traveler Digital Camera

Mir haben die Illustrationen von Hanni Schmieder sehr gut gefallen. Für mich jetzt schon Kult, die Viererbob-Sequenz in der Badewanne auf Seite 54. Gab es Vorschläge von ihr, die ihren Weg erst in eine 2. Auflage schaffen werden?

Haha, eigentlich stammen alle Vorschläge von ihr! Im Ernst: Ohne sie wäre das Buch nicht möglich gewesen, weil die Zusammenarbeit so eng war und wir uns stets austauschen konnten. In der Schublade liegen aber noch verrückte Ideen für eine zweite Auflage – wenn wir dann noch andere Sportarten aufnehmen dürfen…

Sport – Das Buch ist seit dem 6. Oktober 2014 in Deutschland auf dem Büchermarkt. Gibt es persönliche sportive Zielsetzungen in puncto. verkaufter Auflage? Sind Fernseh- und Radioauftritte geplant?

Zielsetzung gibt es keine. Wir freuen uns über jeden, der das Buch kauft – und sich dann freut, dass er es sich gekauft hat. Und wir freuen uns über jeden Journalisten, dem unser Buch gefällt und der uns haben möchte – wie auch über jede Buchhandlung, die uns zu einem lustigen und informativen Abend einlädt.Traveler Digital Camera

Buchverkauf ist heute auch immer wieder ein Thema in den Social Media Gefilden. Wie stark nutzen Sie die Tools selber um das Buch zu promoten?

Schon immens. Wir wissen, wie wichtig Blogs, Facebook und auch Twitter sind – und wir hoffen, den ein oder anderen Leser darüber begeistern zu können.

Die Deadline für das Buch war der 31. Juli 2014. Die Volleyball-WM 2014 hat es so nicht mehr in Sport – Das Buch geschafft. Auf Seite 322 heißt es bei Wettkampf, den man gesehen haben muss: 

,,Das WM-Finale der Männer 1986. Nach Jahrzehnten, in denen bei Weltmeisterschaften ausschließlich osteuropäische Mannschaften Gold gewannen, kam es nun zum direkten Duell zwischen den USA und der Sowjetunion – und die USA siegten. Seitdem gewannen nur noch Italien (dreimal) und Brasilien (ebenfalls dreimal) WM Gold.”  

Jetzt kam Weltmeister Polen dazu. 

Haben Sie die Volleyball-WM  2014 verfolgt, sportdeutschland.tv übertrug ja im Internet alle 103 Spiele.

Jürgen Schmieder: Ja, ich habe das verfolgt – doch so toll die Spiele auch waren: Ich bleibe beim WM-Finale 1986 als Wettkampf, den man in dieser Sportart gesehen haben muss…

Johannes Aumüller: Ja, hätten wir den letzten Satz besser mal weggelassen. Zumal ich als Osteuropa-Freund ohnehin sagen muss, dass jetzt wieder eine Zeit der Osteuropäer kommt: Dieser Dmitrij Muserskij ist einfach unglaublich, und vielleicht schafft er bis zur zehnten Auflage im Jahr 2020 ja auch in die Rubrik “Bester Sportler”.

Da wir gerade bei Volleyball waren. Die aktuelle Volleyball Bundesliga hat unter neuen Namen, Claim, und Webauftritt ein Facelifting hinter sich. Wer wird in der Saison 2014/2015 bei den Männern deutscher Volleyballmeister?

Jürgen Schmieder: Ich bin ja aufgrund meines Wohnortes Los Angeles eher dem Beachvolleyball zugeneigt – gerade waren in Manhattan und Hermosa zwei wunderbare Turniere. Aber okay, hier die Tipps: Bei den Frauen muss ich auf den Titelverteidiger Dresdner SC setzen, auch wegen Louisa Lippmann. Bei den Männern wäre es einfach, nun “Berlin” zu sagen. Aber genau deshalb sage ich: Friedrichshafen.

Johannes Aumüller: Einer der seltenen Fälle rund um dieses Buch, bei denen wir uns einig wären. Normalerweise gab es ja immer heftige Diskussionen, zum Beispiel, ob beim Fußball in die Kategorie “Spiel, das man gesehen haben muss” eher das Jahrhundertspiel von 1970 gehört oder das 7:1 von Deutschland gegen Brasilien bei der WM 2014. Was meinen Sie?

Sportinsider: Nun, nach drei Jahren ohne Meistertitel ist die Mannschaft von Stelian Moculescu reif den Berlinern den Titel abspenstig zu machen. Der VfB Friedrichshafen hat sich gut verstärkt, die Stimmung im Umfeld ist gut und der Hunger auf die Meisterschaft da. Ich lege mich fest: Der VfB Friedrichshafen wird seinen 13. Meistertitel am Ende der Saison 2014/2015 feiern.

Ist Schach eine Passion von Ihnen und wie sehen die Prognosen für den in Sotschi im November beginnenden Schach-WM Kampf zwischen Magnus Carlsen und Viswanathan Anand aus?

Jürgen Schmieder: Wir sind beide Schachbegeistert, wobei Johannes der bessere Spieler ist. Ich bin der Meinung, dass Carlsen derzeit nicht zu besiegen ist – noch nicht einmal von einem Computer, den einer meiner Freunde übrigens gerade programmiert.

Johannes Aumüller: Dafür ist Jürgen der bessere Schachboxer. Meine DWZ hat sich zuletzt auch nicht wirklich verbessert, weil ich so sehr mit der Erstellung dieses Büchleins beschäftigt war. Mein Tipp für Sotschi: Carlsen, noch eindeutiger als beim letzten Mal.

Die Arbeit an Sport – Das Buch hat sicher viel Konzentration gefordert. Wie hoch war der persönliche Kaffeeverbrauch?

Jürgen Schmieder: Viel wichtiger ist die Frage: Wer hat wann Kaffee getrunken? Schließlich gab es entweder neun Stunden Zeitunterschied – oder beim Aufenthalt von Johannes in Teheran noch viel mehr. Es war tatsächlich ein immenser Aufwand, all die Fakten zusammenzutragen. Auf der anderen Seite hat es Spaß gemacht und wir haben selbst viel gelernt, also haben wir gerne Kaffee getrunken und sind wach geblieben.

Johannes Aumüller: Ich hab es geschickterweise verstanden, unsere Treffen so einzurichten, dass meist Jürgen den Kaffee-Part übernommen hat, während ich schon beim Feierabend-Bier war.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsstelle im Buch und warum?

Jürgen Schmieder: Ganz ehrlich: die Danksagung – weil es bedeutete, dass wir endlich fertig waren.

Johannes Aumüller: Die Frage für Angeber in der Kategorie Fußball, weil mit der unser Projekt im Prinzip konkret begann. Wie viele deutsche Spieler haben in einem WM- oder EM-Finale von außerhalb des Strafraums ein Tor geschossen?

sportinsider:  Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit dem Buch, dem aufspüren weiterer interessanter Sportarten und Fakten.

Zu guter Letzt: Wer den Sportjournalisten und Buchautoren per Twitter folgen möchte findet hier Jürgen Schmieder und hier Johannes Aumüller.

Sportinsider Interview mit Hans-Jürgen Dörner

Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 1977. Es war nach einem FDGB-Pokalendspiel in Berlin. Dynamo Dresden gewann gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig mit 3:2. Abends hörte ich im West-Radio den Rückblick-Kommentar eines Sportreporters auf die Finalpartie. Er lobte den Dresdner Libero und attestierte ihm: -Dieser technisch beschlagene Spieler kann in jeder Mannschaft des Westens spielen-. Zahlreiche Fußballfreunde nannten ihn auch den Beckenbauer des Ostens. Er war ein begnadeter Fußballer und schrieb Geschichte. 100 Länderspiele mit der DDR-Nationalmannschaft, inklusive des sportlichen Höhepunktes bei den olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal im atemberaubenden Finale gegen die damalige polnische Weltklassemannschaft. Auch Frankreich mit einem gewissen Michel Platini konnte den Triumph nicht verhindern. Hans-Jürgen Dörner, mit dem Spitznamen Dixie, war dreimaliger DDR-Fußballer des Jahres bei der Wahl der Fachzeitung Die neue Fußballwoche und begeisterte die Fußballfreunde mit zahlreichen exzellenten Partien im Europapokal der Landesmeister. Er war zu seiner aktiven Spielzeit bei Dynamo Dresden bereits eine Legende. Meistertitel und FDGB-Pokalsiege sammelte Hans-Jürgen Dörner mit der DDR-Spitzenmannschaft wie andere Briefmarken oder Münzen. Im Sportinsider Interview gibt der einstige technisch versierte Libero einen Rückblick auf bemerkenswerte Momente seiner langen und erfolgreichen Fußballer-Laufbahn.
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Am 22. Juni 1969 im Magdeburger Ernst-Grube Stadion gaben Sie ihr Länderspieldebüt beim Spiel DDR-Chile. In der 59. Minute wechselte der damalige Trainer Harald Seeger Sie für Henning Frenzel vom 1. FC Lokomotive Leipzig ein. Welche emotionalen Erinnerungen an das Freundschaftspiel sind noch vorhanden?
Es war ein bedeutender Moment für mich, ohne ein Oberligaspiel bestritten zuhaben, das 1.Länderspiel für die DDR zu bestreiten. 
7 Jahre später gab es am 31. Juli 1976 ein denkwürdiges Endspiel bei den olympischen Sommerspielen. Im Fußball traf die DDR gegen die polnische Elf, den WM-Dritten von 1974. Nationaltrainer Georg Buschner peilte mit Ihnen und der Mannschaft die Krönung eines beachtlichen Turnieres an. Auf dem Weg in das Finale mussten der Brasilianner Zico, der Franzose Platini oder Oleg Blochin aus der Sowjetunion die Stärke der DDR-Nationalmannschaft anerkennen. Der Olympiasieg in Montreal 1976 war ein historischer Sieg für die DDR-Nationalmannschaft. Viele Fußballexperten sprachen vom vielleicht besten Spiel der Nationalelf in ihrer Geschichte. Wie sehen Sie dieses Spiel im Rückblick von 37 Jahren?
Die Olympiade 1976 war für mich ein tolles Erlebnis. Das olympische Dorf, die Atmosphäre an sich waren sensationell. Hinzu kamen natürlich die Erfolgsspiele für uns, mit dem Gewinn der Goldmedaille. Das Endspiel gegen Polen war mit Sicherheit eins der besten Länderspiele der Nationalmannschaft.
Mit Dynamo Dresden lieferten Sie unzählige temporeiche Europapokalpartien ab. Die Rolle des Libero interpretierten Sie sehr modern. Oft fehlte nur ein Quentchen zu größeren Erfolgen oder Mannschaften wie der starke FC Liverpool standen im Weg. Aber auch Mannschaften wie der FC Zürich, Austria Wien oder Standard Lüttich versperrten Dynamo den Weg. Welche drei Europapokalpartien blieben für Sie am intensivsten im emotionalen Gedächtnis?
Wir haben in Dresden tolle Europapokalabende erlebt. Es gastierten fast alle europäischen Spitzenmannschaften im Dresdner Stadion und alle hatten es sehr schwer hier zu bestehen. Spiele wie gegen Liverpool, Bayern oder Ajax Amsterdam blieben natürlich extrem in Erinnerung. 
Vor 40 Jahren am 24. Oktober 1973 in München und im Rückspiel am 7. November in Dresden gab es die legendären Spiele gegen Bayern München mit Ihnen in der Mannschaft von Dynamo. Die Mannschaft aus dem Süden der Bundesrepublik war mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Katsche Schwarzenbeck, Uli Hoeneß und Gerd Müller mit 5 späteren Weltmeistern gespickt. Nach der knappen Hinspielniederlage von 3:4 im Münchener Olympiastadion gab es beim Rückspiel durch Reinhard Häfner in der 56. Minute das 3:2. Dynamo Dresden hatte einen schnellen 0:2 Rückstand durch den Hoeneß Doppelpack in den ersten 13 Minuten zu Hause wettgemacht und wäre nach der Arithmetik der geschossenene Auswärtstore weitergewesen. Dann kam jene 58. Minute. Gerd Müller, der Torschützenkönig der WM 1970 und Rekordschütze der Bayern erzielte für die Lattek-Elf das 3:3. 
Wie nah war Dynamo Dresden damals an der europäischen Spitze dran? In der Runde vorher musste Juventus Turin aus dem Land des damaligen Vizeweltmeisters die Dynamo Überlegenheit in puncto Tempo, Torgefährlichkeit und Kombinationsspiel anerkennen.
Ich denke, wir waren von der europäischen Spitze nicht so weit weg. Uns fehlte die Erfahrung und die nötige Cleverness, die man braucht um solche Spiele auch zu gewinnen. 
Manch Fußballexperte meinte, Dynamo Dresden hat in den guten Europapokaljahren ein Torwart der Weltklasse wie Jürgen Croy gefehlt. Dann wäre mehr möglich gewesen. Wie sehen Sie im Rückblick die Torwartpersonalie. Was fehlte aus Ihrer Sicht für den absoluten Sprung in die europäische Spitze?
Dresden war immer auf der Suche nach guten Fußballspielern. Es gab leider in der DDR keine Vereinswechsel, wie das heute im Fußball üblich ist. Sonst hätten wir uns mit Sicherheit punktuell verstärkt. 
Die renommierte Fußballzeitschrift “Die neue Fußballwoche” zeichnete Sie in den Jahren 1977, 1984 und 1985 als Fußballer des Jahres in der DDR aus. Was war aus Ihrer Sicht das persönlich stärkste Fußballjahr der Laufbahn von Dixie Dörner?
Ich bin stolz darauf, diese Auszeichnung 3 x erhalten zu haben. 1977 wird in Erinnerung bleiben, weil es das 1.Mal war. 1984 und 1985 zeigt eigentlich, das man auch mit über 30 Jahren und der nötigen Erfahrung gute Leistungen bringen kann. 
Welche Fußballer inspirierten Sie bei der Interpretation der modernen Liberorolle?
Es gab viele gute Fußballspieler von denen ich profitiert habe. In erster Linie aber habe ich versucht mein Spiel zu interpretieren. 
Sprung in die neue Zeit. Heute haben Sie eine Fußballschule. Der Name Dixie Dörner ist nach wie vor sehr vielen Fußballfreunden ein Qualitätsbegriff. Ihr Manager Torsten Reitz unterstützt Sie. Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit ihm beschreiben. Welche gemeinsamen Ziele und interessante Projekte möchten Sie gerne noch in Angriff nehmen?
Meine eigene Fußballschule besteht nicht mehr. Ich arbeite in der Fußballschule von der SG Dynamo Dresden mit und hoffe, dass die Nachwuchsarbeit dadurch weiter voran kommt. 
Ein Wort zur aktuellen Situation von Dynamo Dresden. Wo sehen Sie den Traditionsverein in 5 Jahren stehen?
Durch kontinuierliche Arbeit kann der Verein sich fest setzen im deutschen Profifußball. Das Potential dafür ist vorhanden. 
Eine Frage zum Abschluss unseres kleinen Interviews: Wie sieht der ideale Tag im Leben von Dixie Dörner aus?
Wie bei anderen Menschen auch, ganz normal.
 
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg, Gesundheit, Freude und noch eine ganze Reihe von schönen Erlebnissen im Fußball.
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Hier geht es zur Website von Hans-Jürgen Dörner: www.dixie-doerner.de

Sportinsider Interview mit Rudi Krafcsik

Bei den olympischen Spielen in London schlugen sich die deutschen Volleyballer sehr achtbar. In einer Zeit wo Basketballer, Handballer oder Fußballer mit der Nichtteilnahme in der englischen Metropole auffielen und damit das Scheinwerferlicht für Volleyball freigaben. Jetzt im Oktober ist die neue Saison für die deutschen Volleyballvereine in der Bundesliga gestartet. Dieses Jahr sind die Häfler die Jäger. Zeit für ein Interview mit dem Fanbeauftragten vom VfB Friedrichshafen. Rudi Krafcsik nennt seine Titelfavoriten, lobt Kulttrainer Stelian Moculescu als außergewöhnlichen Mensch mit enormen Fachwissen und skizziert einen idealen Spieltag aus Sicht des Fanbeauftragten.

sportinsider: Wie schätzen Sie die vergangene Saison mit dem Abstand von einigen Monaten ein?

Rudi Krafcsik: Im großen und ganzen war ich mit dem Verlauf der letzten Saison zufrieden. Die Mannschaft des VfB hat immerhin den Pokal nach FN geholt. In der Meisterschaft bin ich in diesem Jahr wieder zuversichtlicher.

sportinsider: Berlin Recycling Volleys präsentiert sich auffallend selbstbewusst. Wie sehen Sie die Situation in der gerade angelaufenen neuen Saison 2012/2013? Läuft es auf ein Duell der Berliner und Häfler hinaus? Oder können noch andere Teams eingreifen?

Rudi Krafcsik: Das wird mit Sicherheit nicht auf ein Duell Berlin – FN hinauslaufen. Da werden andere noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden, z.B. Unterhaching und Düren.

sportinsider: Zuschauerzahlen sind immer wieder ein Thema. Was für Ideen haben Sie für einen größeren Zulauf in die ZF Arena?

Rudi Krafcsik: Die Zuschauerzahlen in der Arena sind mir persönlich viel zu gering. Der VfB versucht alles um einen attraktiven Abend zu gestalten. Die Fans tragen auch dazu einen nicht unerheblichen Teil dazu bei.

sportinsider: Stelian Moculescu ist ein erfolgreicher Kulttrainer. Welche 3 Dinge fallen Ihnen spontan zum Chefcoach ein?

Rudi Krafcsik:

a) Ein Mensch der alles , aber auch wirklich alles über Volleyball weiß.
b) Der beste Trainer den ich mir vorstellen kann.
c) Ein ganz feiner Mensch mit dem ich gerne zusammen bin und das Beste was dem VfB je passieren konnte.

sportinsider: Wie sieht aus Sicht des Fanbeauftragten des VfB Friedrichshafen ein idealer Spieltag aus?

Rudi Krafcsik: Ein idealer Spieltag ist es wenn alles rechtzeitig aufgebaut ist, die Halle zum Brechen gefüllt und ein Sieg der Mannschaft den Abend abrundet. Danach ein gemütliches Bierchen im Kreise der Mannschaft und der Fans.

Sportinsider Interview mit Jens-Erik Rudolph

Es gibt in Deutschland noch Schachbuchverlage mit individueller Note und Liebe zum Detail. Der Jens-Erik Rudolph Verlag ist längst ein Geheimtipp für Freunde des besonderen Schachbuchs.  Im hart umkämpften Buchmarkt hat der Verleger und Schachenthusiast seine erfolgreiche Nische gefunden. Jens-Erik Rudolph gibt im Interview Einblick in die faszinierende Welt der Schachklassiker und seiner Geschichte. Er erzählt von seiner Liebe zu Büchern, der Arbeit am aktuellen Band 10 und hält eine Laudation auf seine persönliche Schachpersönlichkeit der Geschichte.

sportinsider: Herr Rudolph, wie sahen die ersten Eröffnungszüge beim Rudolph-Verlag aus? Welche Intention spielte bei der Gründung des Verlags die entscheidende Rolle?  

Jens-Erik Rudolph: In der Systematik der Schacheröffnungen würde die Gründung meines Verlages vermutlich als unorthodoxe Flügeleröffnung klassifiziert werden. Das Zentrum (sprich den Buchmarkt)habe ich nämlich erst im Mittelspiel meines Berufslebens besetzt. Die vorhergehenden Entwicklungszüge bestanden u.a. in einer kaufmännischen Ausbildung , einem Informatik-Studium, verschiedenen Berufstätigkeiten, einer 30-jährigen aktiven Schachlaufbahn im Verein und exzessivem Bücherkonsum, dem für lange Zeit einzigen Berührungspunkt zu dieser Branche.

Mich interessierte schon immer die Geschichte des Schachspiels. Die kompromisslosen Wettkämpfe der alten Meister faszinieren mich mehr als computergenerierte eröffnungstheoretische Neuerungen im 25. Zuge. Leider sind viele ältere Schachbücher heutzutage vergriffen oder lediglich als fotomechanische Nachdrucke erhältlich . Das Ziel meines Projektes „Schachklassiker”, welches im Zentrum meiner bisherigen Verlagsaktivitäten steht, ist es daher, Meilensteine der Schachliteratur in einem zeitgemäßen Layout verfügbar zu machen. Dies betrifft Dauerbrenner wie Siegbert Tarraschs „Das Schachspiel”, aber auch zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werke wie z.B. „Anastasia und das Schachspiel” von Wilhelm Heinse aus dem Jahre 1803.

sportinsider: Was und warum ist Ihr Lieblingsbuch aus dem eigenen Verlagsangebot? 
 

Jens-Erik Rudolph: Mein Favorit ist „Die Meister des Schachbretts” von Richard Réti, ein ganz außergewöhnliches Lehrbuch. Persönlich habe ich in schachlicher Hinsicht aus diesem Buch wohl den größten Nutzen gezogen. Ich kann es heutigen Vereinsspielern nur wärmstens ans Herz legen. Réti konzipierte sein Werk vordergründig als Partiensammlung (von Anderssen bis Aljechin) entwickelte aber gleichzeitig eine Ideengeschichte des Schachspiels. Er hatte nämlich bereits frühzeitig erkannt, dass man sich mit der historischen Fortentwicklung des Schachspiels befassen muss, um zu einem besseren Schachverständnis zu gelangen. In seinen hervorragenden Partiekommentaren widmete er sich vor allem den zugrundeliegenden Plänen und Ideen und vermittelte dem Leser so auf verständliche Weise sein tiefes Wissen.  

sportinsider: Herr Rudolph, wie schätzen Sie den Markt für Schachbücher in Deutschland ein? Wo gibt es Potenziale?  

Jens-Erik Rudolph: Der Markt für Schachbücher ist hart umkämpft. Die Buchverlage konkurrieren dabei nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Medien (z.B. Internet, DVD). Die Kunden sind also in der glücklichen Lage, aus einem sehr vielfältigen Angebot wählen zu können. Für die Zukunft bin ich sehr gespannt, ob die viel diskutierten eBooks nun auch den deutschen Schachbuchmarkt erobern können. Erste Versuche mit diesen Formaten sind bereits zu beobachten. Die Verbreitung der entsprechenden Lesegeräte ist hierzulande aber noch ausbaufähig, so dass eine endgültige Prognose schwerfällt. Mein Verlag ist aber für den Fall der Fälle bereits gut vorbereitet.  

sportinsider: In der Vorweihnachtszeit beginnt das nachdenken über Geschenke. Hier dürfen Sie 10 Gründe nennen warum ein gutes Schachbuch zur Zeit des Schenkens eine gute Idee ist?

Jens-Erik Rudolph: Der zehnte Grund erscheint in diesen Tagen. Mit ,,Mein System” von Aaron Nimzowitsch ,,nullt” die Schachklassiker-Reihe erstmals und die Bandzählung wird somit zweistellig. Die anderen neun Gründe können SIe sich nun vermutlich auch schon denken.

sportinsider: Welche Erwartungen knüpfen Sie an Ihren aktuell erscheinenden Band 10? Erzählen Sie ein wenig über die Entstehungsgeschichte, die investierte Zeit und der Freude an der Arbeit daran.  

Jens-Erik Rudolph: Für das erste kleine Verlagsjubiläum habe ich mir natürlich ein ganz besonderes Werk ausgesucht. „Mein System” von Aaron Nimzowitsch ist eines der erfolgreichsten und meistgelesenen Schachbücher aller Zeiten. Ein wahrer Klassiker, der in meiner Reihe natürlich auf keinen Fall fehlen darf. Mit diesem Lehrbuch haben inzwischen Generationen von Schachspielern ihre Spielstärke gesteigert. Ich muss gestehen, dass ich es selbst erst jetzt bei Arbeit an der Neuausgabe studiert habe. Vielleicht hat mich dieser Mangel auf dem Niveau eines durchschnittlichen Vereinsspielers verharren lassen?! Die anstehenden Mannschaftskämpfe werden zeigen, ob sich die intensive Arbeit mit diesem Standardwerk (für die Erstellung der Neuausgabe habe ich übrigens ungefähr 3 Monate benötigt) auch bei meiner eigenen Spielstärke positiv auswirken wird. 

sportinsider: Welche Buchprojekte sind im Rudolph-Verlag für 2011 angedacht? 

Jens-Erik Rudolph: Die Schachklassiker-Reihe wird natürlich auch in 2011 fortgesetzt werden. Geplant sind ca. 6 weitere Bände pro Jahr. Zunächst wird es die Fortsetzung von ,,Mein System” geben. ,,Die Praxis meines Systems” soll als Band 11 bereits im ersten Quartal 2011 erscheinen. Danach wird voraussichtlich eine Biografie über einen der großen alten Meister — Adolf Anderssen den Schöpfer der sogenannten ,,Unsterblichen Partie” — folgen. Es sollen in 2011 aber auch die ersten ,,neuen” Schachbücher in meinem Verlag erscheinen. Außerdem werde ich vielleicht auch eines meiner nichtschachlichen Steckenpferde in das Verlagsprogramm integrieren.

sportinsider: Wer ist Ihr bedeutendster Schachspieler in der Geschichte des Königlichen Spiels? Wie würde Ihre Laudatio auf Ihn lauten? 

Jens-Erik Rudolph: Als Hobbyspieler möchte ich mir eine solche Einschätzung eigentlich nicht erlauben. Ich denke nicht, dass meine bescheidenen Schachkenntnisse für eine qualifizierte Würdigung der großen Schachdenker hinreichend sind. Ich vertraue in diesem Zusammenhang lieber dem Urteil Bobby Fischers, welcher seinen Landsmann Paul Morphy in seiner Liste der besten Spieler aller Zeiten auf Platz 1 gesetzt hat! Würde Morphy heute leben, so vermutete Fischer, würde er ebenfalls alle Kontrahenten überragen. Ich war von der Lebensgeschichte und dem Spiel Paul Morphys auch schon immer besonders fasziniert. Den ersten Hardcover-Band der Schachklassiker-Reihe habe ich aus diesem Grund auch diesem amerikanischen Schachgenie gewidmet. Morphy war, mit seiner auf schnelle Entwicklung ausgerichteten Spielweise, seiner Zeit meilenweit voraus und den anderen Meisterspielern seiner Zeit haushoch überlegen. Fast alle Kontrahenten, zumindest diejenigen, die sich anzutreten trauten, konnte er in direkten Duellen deutlich besiegen.

sportinsider:  Herr Rudolph ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

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Weitere Informationen zum Schachbuchverlag von Jens-Erik Rudolph im Internet gibt es für alle Schachfreunde und Liebhaber des Königlichen Spiels unter:

                              www.schachklassiker.de

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