Archiv der Kategorie: Im Scheinwerferlicht

Glamour Schach

Nichts hält sich hartnäckiger wie überholte Klischees. Da wird Schach eine Randsportart genannt mit dem geduldeten Aufenthalt im Hinterzimmer einer Gastwirtschaft. Schach fehle jeglicher Glamour. Auch so eine Schubladenfertigmeinung. Ilja Schneider weiß dann sogar von einem Beispiel fehlender Etikette auf dem Schachblog von Zeit-Online unter dem Titel Im rosafarbenen Pyjama am Schachbrett zu berichten. Nein, sexy geht anders – gar keine Frage.

Doch es gibt sie noch, die glamourösen Auftritte im Schach. Es wird dort kein Pfefferminztee serviert oder die Stullen selber aus dem Rucksack geholt.

A Champagne Reception

Nein, es darf schon eine Champagner Rezeption sein. Das Personal ist entsprechend gekleidet. Der Augenblick wird zelebriert. Die Trinktemperatur wird von Gourmetkennern gerne im Bereich  zwischen 6 Grad Celsius bis 9 Grad Celsius als ideal empfohlen. Selbstredend wird auf die Details geachtet, die zu einem perfekten und glamourösen Abend gehören.

Dinner with the Masters

Das traditionelle Restaurant bietet jene Stilsicherheit und Etikette, die der sportlichen Leistung der Protagonisten angemessen ist. Im Simpson’s-in-the-Strand, einem der ältesten Londoner Restaurants, ist alles angerichtet für die Genies.

Grand dining at Simpson's-in-the-Strand

Die Schachbretter sind liebevoll mit in die Tischdekoration eingebunden worden. Die Kronleuchter strahlen glanzvoll und der vorweihnachtlichen Stimmung ist mit den grünen Bäumen, dezent festlich geschmückt, auch gedacht wurden.

Guests enjoying drinks before dinner

Guests enjoying drinks before dinner

Die Stimmung unter den entspannten Gästen ist prächtig. Erwartungsvoll wird dem Dinner in London entgegen gesehen.

Malcolm Pein with guests from Barclaycard

Vorher gerne auch noch ein Glas Champagner. Schachorganisator Malcom Pein mit modisch mutiger und auffälliger Krawatte kümmert sich dabei auch um  die Gäste von Barclaycard.

Vishy Anand

Der mehrfache Weltmeister Vishy Anand, frischgebackener Turniersieger vom London Chess Classic 2014, hat auch noch gegen Jahresende viel Freude am königlichen Spiel.

Die Fotos vom Glamour Schach Dinner, anlässlich der beendeten London Chess Classic 2014, hat Ray-Morris-Hill mir wieder in altbewährter Form, dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zu seiner Website: www.rmhphoto.eu

Vishy Anand gewinnt London Classic 2014

Das London Classic 2014 ist auch bereits wieder Geschichte. Wie schrieb ich am 9. Dezember, einen Tag vor Beginn des renommierten Schachturniers in der englischen Metropole:

,,Vishy Anand, stellt sich nach dem WM-Kampf in Sotschi gegen Carlsen. Ein abtauchen kam für ihn nicht in Frage. Es wird interessant werden ob er den Spannungsbogen nach dem Match im November aufrechterhalten konnte. Viswanathan Anand wirkte auf mich mental und körperlich im olympischen Medienzentrum in Sotschi wesentlich stärker wie mit dem psychologischen Rucksack vor eigenem Publikum in Chennai 2013. Gereicht hat es am Ende trotzdem nicht gegen einen nervenstarken Norweger. Jetzt wäre ihm ein guter Jahresabschluss in London zu wünschen. Ich mag den mehrfachen Schachweltmeister.”

Der gute Jahresabschluss ist Vishy Anand gelungen. Er gewinnt das London Classic 2014. Herzlichen Glückwunsch. Punktgleich mit Giri und Kramnik. Die höhere Anzahl an gewonnenen Partien mit Schwarz beschert dem Sotschi Protagonisten den Turniersieg. Ein paar Impressionen von London. Eingefangen vom begnadeten Profifotografen Ray-Morris-Hill.

Die akribisch erarbeiteten Fotos von London Chess Classic hat Ray-Morris-Hill mir wieder in altbewährter Form, dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Hier geht es zu seiner Website: www.rmhphoto.eu

Round 5: Anish Giri vs Vladimir KramnikRound 5: Fabiano Caruana vs Hikaru NakamuraRound 5Round 5: Michael Adams vs Vishy AnandAnish GiriRound 4: Vishy Anand vs Anish GiriRound 4: Hikaru Nakamura vs Michael AdamsRound 3 under wayRound 4

London Chess Classic 2014 mit Anand, Kramnik, Caruana, Giri, Adams und Nakamura

Das Jahr ist noch nicht durch. In London gibt es zum Ausklang eines hochinteressanten  und abwechslungsreichen Schachjahres 2014 nochmals Feinkost. Ein auserlesenes Teilnehmerfeld stellt sich dem Kampf auf den 64 Feldern. Es ist ein Sextett am Start. Schauen wir in die Gesichter, aufmerksam und sensibel vom englischen Profifotografen Ray Morris-Hill mit seiner Kamera festgehalten.

Vishy Anand

Vishy Anand, stellt sich nach dem WM-Kampf in Sotschi gegen Carlsen. Ein abtauchen kam für ihn nicht in Frage. Es wird interessant werden ob er den Spannungsbogen nach dem Match im November aufrechterhalten konnte. Viswanathan Anand wirkte auf mich mental und körperlich im olympischen Medienzentrum in Sotschi wesentlich stärker wie mit dem psychologischen Rucksack vor eigenem Publikum in Chennai 2013. Gereicht hat es am Ende trotzdem nicht gegen einen nervenstarken Norweger. Jetzt wäre ihm ein guter Jahresabschluss in London zu wünschen. Ich mag den mehrfachen Schachweltmeister.

Anish Giri

Anish Gari, ein Talent. Wie stark ist er im direkten Duell mit dem anderen Jungstar? Doch zu Caruana kommen wir gleich. Bleiben wir noch etwas bei Anish Giri. Er wurde in St. Petersburg am 28. Juni 1994 geboren. Mit 20 Jahren ist  er das Nesthäkchen in London. Sein Vater ist nepalesischer Hydrologe. Die Mutter von Giri hat russische Wurzeln. Das Schachtalent spielt für die Niederlande. Ein Schachspieler seines Alters verzichtet selbstverständlich auch nicht auf eine eigene Website.

Fabiano Caruana

Fabiano Caruana ist der andere Jungstar. Er zerlegte in St. Louis Magnus Carlsen. Manch einer der zahlreichen Schachexperten, rief den sympathischen und auf den ersten Blick schüchtern wirkenden Shootingstar bereits zum logischen, kommenden Herausforderer vom norwegischen Schachweltmeister Carlsen aus. In St. Louis beim Sinquefield Cup erreichte er faszinierende 8,5 aus 10. Sein phänomenaler Turniersieg wies einen Abstand von 3 Punkten auf Magnus Carlsen aus. Kann er diese Form in London nur annähernd abrufen wird der Turniersieg nur über ihn gehen.

Vladimir Kramnik

Vorfreude: London Chess Classic 2014 Impressionen von Ray Morris-Hill

Traditionell hat mir der begnadete Profifotograf Ray Morris-Hill wieder Fotos vom London Chess Classic zur Verfügung gestellt. Da sage noch jemand Schachsport wäre nicht zu vermitteln. Auftakt bildete am Wochenende das London Rapidplay. Sieger war Hikaru Nakamura. Am Mittwoch steigt dann das mit Spannung erwartete hochkarätige Rundenturnier. Im Blickpunkt: Super Six. Kramnik, Anand, Caruana, Nakamura, Giri und Adams. Schachkenner schnalzen jetzt schon die Zunge vor Vorfreude.

Ray Morris-Hill seine Website www.rmhphoto.eu

Board 1, Final Round Hikaru Nakamura vs Vishy Anand

Vladimir Kramnik vs Matthew Sadler

The Final Round of the Rapidplay Open is underway

Matthew Sadler vs Hikaru NakamuraHikaru Nakamura hat offensichtlich auch das passende Energie-Getränk für sich gefunden. Das Wochenende war für ihn ja mit dem Sieg beim London Rapidplay ein guter Einstieg in das bevorstehende Turnier. Vom Selbstbewusstsein müsste er eigentlich irgendwann ein WM-Duell mit Carlsen ausfechten. Aber gemach, gemach.

Magnus Carlsen zelebriert Marketing auch nach der WM

Magnus Carlsen ist zweifacher Schachweltmeister. Er ist ein begnadetes Schachgenie. Der norwegische Sportler des Jahres 2013 ist aber auch flankierend mit seinem Management in Sachen Marketing bestens aufgestellt. Er wird immer wieder geschickt in Szene gesetzt. Der junge Profischachspieler wird in die Medien lanciert. Die Social Media Kanäle werden geschickt bespielt. Hier sein neuestes Video, per Twitter-Account in Umlauf gebracht.

Nach der Schach-WM haben sich auch die Protagonisten des Schachblogs von Zeit-Online zusammengefunden. Christian Spiller stellte in einer lockeren Plauderrunde Fragen zu Sotschi an Johannes Fischer, Ilja Schneider, Dennes Abel und den meiner Meinung nach besten deutschen Schachreporter Ulrich Stock. Ulrich Stock stellt dann auch mit Blick auf Carlsen und Anand fest:

,,Ich möchte den Erfolg von Carlsen nicht schmälern. Er hat unglaublich konstant gespielt, das ist ja auch eines seiner Markenzeichen. Anand hat diesen Kampf psychologisch verloren. Er hat in der sechsten Partie einen Gewinnzug, den ich als Vereinsspieler sehen würde, übersehen. Und in der elften Partie hat er sich, ich sag das mal etwas grob, aus dem Nichts heraus mit Schwarz eine vielversprechende Stellung erarbeitet und danach alles weggeschmissen.”

Interessant war dann auch noch der Geburtstag dieser Tage von Magnus Carlsen. Im vergangenen Jahr gab es ja die Einladung von Real Madrid Präsident Florentino Perez. Weil die Real Sequenz mit Schachweltmeister Magnus Carlsen unmittelbar nach seinem WM-Sieg ein so schönes Geburtstagsgeschenk 2013 von Präsident Florentino Perez an den Champion war, hier nochmals zum genießen.

Dieses Jahr machte sich das norwegische Fernsehen um ein Geburtstagsgeschenk für Magnus Carlsen stark. Sie zelebrierten es ebenfalls.

Carlsens Geburtstagsshow im Fernsehen titelt ChessBase und merkt an:

,,Das deutsche Fernsehen kennt viele Jubiläumsshows, aber dass ein deutscher Sportler mit einer Live-Show zu seinem Geburtstag beglückwünscht wird, kommt eher nicht vor. In Norwegen ist das anders.”

Medienstar Magnus Carlsen hat ja ein insgesamt erfolgreiches Jahr hinter sich. Der Fan von Real Madrid durfte sich über den Champions-League Erfolg der Königlichen freuen. Im Sommer gewann er in Dubai die WM im Schnellschach und auch die Titelkämpfe im Blitzschach. Dazu kam im November die Verteidigung der Schachkrone gegen Viswanathan Anand.  Sportlicher Erfolg geht Hand in Hand mit der erfolgreichen Vermarktung von Carlsen.

Nach der Schach-WM: Eric van Reem mit Twitter Statistiken auf Chess in Tweets

Der niederländische Kultblogger Eric van Reem, jahrelang Mitglied des A-Team von Viswanathan Anand, führte auch bei der WM in Sotschi das Blog Chess in Tweets. Immer einen Besuch wert.

Jetzt hat Eric van Reem nach dem Ende der Schachweltmeisterschaft 2014 im olympischen Medienzentrum unter dem Titel CARLSEN – ANAND IN TWEETS TWITTER DATA interessante Statistiken zusammengetragen.

Also schaut´s rein.

Manchmal wird ja über die Dynamik von Follower Zahlen philosophiert. Man frage bei Social Media Beratern in Berlin nach.Traveler Digital CameraSo sah die kleine Geschichte auf Twitter einige Wochen vor dem Match in Sotschi 2014 beim norwegischen Schachgenie aus.

Derweil marschiert die Follower Zahl von Magnus Carlsens seinem  Twitter-Account genüßlich auf die von mir prognostizierte Schallmauer von 100.000. Am heutigen Freitagabend, 20.15 Uhr, sind es 90.400.

Ein paar Worte zum Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen

Während der Schachweltmeisterschaft 2014 im olympischen Medienzentrum Sotschi zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Herausforderer Viswanathan Anand machte eine Meldung von der Synapsenzerrung des Norwegers die Runde. Urheber der wie üblich erstklassig informierten und recherchierten Geschichte war Der Postillon. So sollte gute Satire aussehen.

Willkommene Gelegenheit für mich einen Beitrag aus dem intensiv bestückten Blogarchiv von sportinsider zu holen. Magnus Carlsen reizte mich zu einer kleinen Story, die damals im Traffic erhebliche Ausschläge nach oben anzeigte.

Reblog (vom 2. April 2014)

Es kam überraschend. Der Rücktritt von Schachweltmeister Magnus Carlsen. Die abrupte Beendigung seiner Laufbahn erinnerte alle Schachfreunde daran, wie wenig planbar das Leben ist. Es keine Sicherheiten oder Garantien gibt. Okay, ein Motivationsloch hat jeden von uns bereits schon mal getroffen. Zuletzt war Magnus Carlsen in den Niederungen der zweitklassigen Schachliga seines Heimatlandes anzutreffen. Ja, er spielte zuletzt um den Aufstieg in der 2. Liga in Norwegen. Ein Freundschaftsdienst für Stavangers Mannschaftskapitän Petter Fossand. Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat. Der Elo-König verhalf Stavanger mit dem Sieg in einer Spanischen Partie nach 40 Zügen gegen Vladimir Georgiev zum Aufstieg in die Erstklassigkeit. Doch es waren keine konkreten Pläne von Magnus Carlsen für den WM-Kampf gegen den frischen Herausforderer Vishy Anand zu vernehmen. Das war bereits für viele gut vernetzte und informierte Schachexperten bedenklich.

Gerüchte über eine Veränderung im Privatleben, es soll eine bezaubernde Frau im Leben vom 23 Jährigen Schachgenie seit dem Besuch bei Real Madrid an seiner Seite sein, verdichteten sich.

Dabei war Magnus Carlsen immer für überraschende Wendungen gut. Bild am Sonntag stellte den Norweger kurz in 13 Punkten nach dem WM-Sieg gegen Anand unter dem Titel Schach-Genie hat Angst vor dem Intelligenztest vor und verwies auf eine andere Leidenschaft:

,,Nachdem er gewonnen hatte, sprang er in den Hotelpool und spielte danach die ganze Nacht Poker im Internet.​ Um Geld, Herr Carlsen? „Um was denn sonst?“​

Schach war dem Norweger nach dem Titelgewinn nicht mehr so wichtig wie vor dem Match in Chennai. Es war wie eine Erstbesteigung des Mount Everest. Was sollte jetzt noch kommen? Auch die dominante Schwester von Magnus Carlsen, machte kürzlich bei ihrem Besuch in Berlin erste Andeutungen. Während des Länderkampfes Deutschland gegen Norwegen  war Ellen Øen Carlsen eine vielgesuchte Interviewpartnerin. Es könnte Veränderungen im Leben ihres Bruders geben. Freilich vage. Nichts konkretes. Eher beiläufig in einem Nebensatz dahingeworfen. Small Talk. Wir werden zukünftig auf Fotos von Magnus Carlsen aus dem Turniersaal verzichten müssen. Schade. Sehr schade.

Fotos: Ray Morris-Hill rmhphotos.eu

Die Schachwelt ist überrascht und traurig zugleich gewesen. Mein E-Mail Fach sprach da eine deutliche Sprache. Auch der eine oder andere Anruf erreichte mich. Doch Halt. Hier an dieser Stelle darf auch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der Nachricht Schachweltmeister Magnus Carlsen beendet überraschend seine Laufbahn um einen … Nun, schauen wir vielleicht erst rüber zum ehemaligen Handelsblatt Journalisten Thomas Knüwer auf das Kultblog Indiskretion Ehrensache. Er merkt diese Woche an:

,,Ich mag Traditionen. Und ich finde, wir sollten sie erhalten. Dazu gehört dann eben auch der Aprilscherz, bei dem es so unendlich viel schwerer geworden ist, einen guten zu landen. Denn während es früher ganz einfach war, in der Zeitung zu schreiben, dass ein Stadionbauprojekt in eine Nachbargemeinde wandert, wachsen beim Leser des Jahres 2014 sofort Zweifel, wenn er die Meldung nicht an 300 anderen Orten findet.”

Nun, es darf aufgeatmet werden. Magnus Carlsen tritt nicht zurück. Er hat mitnichten seine Schachlaufbahn beendet. Es wird auch keine Pressekonferenz am avisierten Donnerstag um 13.00 Uhr in Norwegen vom Management des Schachweltmeisters geben. Der Aprilscherz ist hiermit ad acta gelegt.