Sportinsider Interview mit Laufsau Marc Bischoff

1. Dezember 2009

On The Road I

 © Martina Taylor:  Pixelio

Marc Bischoff ist bekennender Läufer. Nein. Er ist in Deutschland die Laufsau. Marc Bischoff erhielt bereits den Ritterschlag. Der Journalist Hajo Schumacher sitzt nicht nur gelegentlich bei Maybrit Illner im Fernsehstudio, er hat vor Jahren auf Spiegel Online die Kunstfigur Achim Achilles geschaffen. Seine Leseempfehlung an das deutsche Laufvolk:  ,,Mit seinen Laufabenteuern begeistert Laufsau Marc seit Monaten die Achilles-Community. Jetzt gibt es seine besten Geschichten auch als Buch.“

Ich konnte die Laufsau Marc Bischoff zu einem laufstarken Interview gewinnen. Die eine oder andere lächelnde Laufeinheit war dabei. Los gehts!

sportinsider: Marc wie bist Du auf den Namen laufdusau für Dein Laufblog gekommen?

Marc Bischoff: Mein Wunschname 

blogeinesmittvierzigersdersichaufseinealtentageeinbildetermüsseunbedingtnochmaleinenmarathonlaufen.de unbedingtnochmaleinenmarathonlaufen.de war zu lang.

Nein, im Ernst: Wenn man bloggt, möchte man natürlich auch gelesen werden. Es lag also nahe, einen plakativen, auffälligen Namen zu wählen. Der Motivationsspruch, mit dem Udo Bölts 1997 Jan Ullrich die Vogesen hinauftrieb, „Quäl dich du Sau“, war die Inspiration dafür. Im Prinzip sagt er in 4 Worten alles aus, was Sport, besonders Leistungssport ausmacht. Und ein bisschen von diesem Glanz wollte ich auf meine bescheidenen Beiträge übertragen. Da wusste ich noch nicht, dass die Tour de France, und besonders Jan Ullrich bald in ganz anderem Lichte glänzen würde, und damit möchte man ja dann lieber nicht in Verbindung gebracht werden. Aber da war es schon zu spät. Im Lauf der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass der Name im Internet Gold wert ist. Wer die Laufsau sucht, z.B. über „Laufsau“, oder „Lauf, du Sau!“, der findet mich sofort.

sportinsider: Wie viel Zeit investierst Du wöchentlich in Deine Passion Laufen?

Marc Bischoff: Weniger, als ins Schreiben, befürchte ich. In guten Zeiten drei Stunden, in schlechten eine halbe. Ich glaube, von einer Passion zu sprechen, wäre hier ein bisschen vermessen.

sportinsider: Du hast ein Buch zu Deiner Lauflust unter dem Titel – Lauf, Du Sau! – im AGON Sportverlag veröffentlicht. Wie würdest Du die Zusammenarbeit mit dem Verlagschef Wolfgang  Fuhr skizzieren?

Marc Bischoff: Ohne Wolfgang Fuhr und den AGON Verlag gäbe es dieses Buch schlicht nicht im Buchhandel zu kaufen. Es finden sich zwar Möglichkeiten in Deutschland ein Buch – auch ohne großes finanzielles Risiko und ohne Verlag – selbst zu veröffentlichen, aber das Produkt erreicht in den seltensten Fällen ein größeres Publikum, dazu bedarf es der Infrastruktur eines Verlages und der Verlagsvertreter. Wenn man wirklich das Potential sieht, von einem Buch ein paar tausend Stück zu verkaufen, braucht man auf jeden Fall einen professionellen Verlag. Als neuer Autor ist man natürlich froh um jeden Verlag, der die eigenen Texte zu veröffentlichen bereit ist, aber erst während der Arbeit am Produkt merkt man, wie wichtig eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Beziehung zueinander ist. Der Agon Verlag ist klein, aber sehr bemüht und wir haben noch einiges vor. Und wer, neben Laufliteratur, gute Fussballbücher sucht, der sollte sich dort einmal umsehen.

sportinsider: In Deutschland schreibt ja auch der Journalist Hajo Schumacher alias Achim Achilles bei Spiegel Online mit spitzer Feder über die Schmerzen und das Leid beim Laufen. Seid Ihr Euch schon mal persönlich über den Weg gelaufen?

Marc Bischoff: Wir beide haben in Mallorca mal einen sehr netten Abend miteinander verbracht, erst in der Show von Eckhart von Hirschhausen und dann bei einem guten Roten und einem Essen auf der TUI Party. Hajo Schumacher ist ein sehr sympathischer und offener Typ, vielseitig interessiert und mit einem bissigen Humor ausgestattet, eben genauso wie sein Alter Ego Achim Achilles. Ich bin Hajo zu großem Dank verpflichtet, er hat mich sehr bei der Vermarktung des Buches unterstützt, sei es beim Klappentext für mein Buch, oder bei Verlosungen auf der Achim-Achilles.de website. Dieses völlige Fehlen von „Stutenbissigkeit“ ist nicht selbstverständlich im Medienbereich.

sportinsider: Ein eigenes Buch will promotet sein, wenn es nicht in den Regalen der Buchhandlungen verstauben soll. Welche Buch-Lauf-Verkauf-Aktivitäten sind geplant?

Marc Bischoff: Es wird eventuell eine Lesereise im Frühjahr geben, und wir denken darüber nach, bei der einen oder anderen großen Laufveranstaltung Flyer mit Leseproben des Buches zu verteilen. Und wir hoffen inständig, dass das Buch einmal in einem der großen Medien besprochen wird, nicht nur in den läuferspezifischen. Denn die bisherigen Rückmeldungen zeigen: Wer das Buch kauft, mag es und empfiehlt es in der Regel weiter oder verschenkt es gar.

sportinsider: Wie lange hast Du am Buch gearbeitet, getüftelt, in Erinnerungen geschwelgt?

Marc Bischoff: Den Blog schreibe ich seit August 2008, also hatte ich etwa 9 Monate Vorlauf mit den Geschichten, die ja zuerst im Blog erschienen und dann ins Buch eingingen. Dazu noch etwa 4 Wochen Arbeit für Cover, Lektorat, Korrekturen etc. Das war aber nur mein Aufwand, der Verlag hat ja mindestens noch einmal so viel Aufwand hineingesteckt.

sportinsider: Du hast unlängst für den 100. Follower auf twitter die Sektkorken knallen lassen. Bei welcher Verkaufszahl Deines Buches wirst Du Champagner ordern?

Marc Bischoff: Die Gattin und ich haben schon beim ersten Tausend die Korken knallen lassen, denn dass das innerhalb von 6 Wochen passiert, damit hatte niemand gerechnet. Aber bei 10.000 schmeiße ich eine Party. Und mit Party meine ich eine richtige Party, wie sie der Laufsau würdig ist.

sportinsider: Wie viele Laufschuhe hast Du im Schuhschrank?

Marc Bischoff: 4 Schuhe. Zwei von New Balance und zwei von Asics. Von meinen alten New Balance habe ich mich neulich getrennt, schnüff. Moment, muss mal kurz ein Taschentuch holen…

sportinsider: Welches Zeitpensum investierst Du wöchentlich in das Laufblog?

Marc Bischoff: Etwa 2 Stunden am Sonntag abend. Und dann noch eine halbe Stunde pro Woche für die Recherche nach amüsanten Videos. 

sportinsider: Mit welchem Prominenten würdest Du gerne einmal sporteln gehen?

Marc Bischoff: Nicht mit Haile Gebreselassie, denn dem komme ich nicht mal ansatzweise hinterher. Ottfried Fischer? Da hätte ich eine reelle Chance.

sportinsider: Hast Du ein sportliches Idol?

Marc Bischoff: Nein. Es gibt Menschen, bei denen ich einzelne Leistungen bewundere: Den Leiter unseres Lauftreffs, der mit Anfang Fünfzig seinen ersten Ironman bestritt. Die Jungs vom Team Hoyt, da heule ich jedesmal, wenn ich das Video sehe. Ich bewundere vor allem Leute, die ihren Zugang zum Sport über alle Widerstände hinweg (Behinderung, Krankheit etc.) schaffen. Dann frage ich mich immer, worüber ich überhaupt die ganze Zeit meckere.

sportinsider: Das für Dich bewegendste Ereignis der jüngeren Geschichte?

Marc Bischoff: Der Tod von Michael Jackson. Nein. War nur Spaß. Der Fall der Berliner Mauer natürlich. Oder der Tag, an dem die DVD „Robby, Tobby und das Fliewatüüt“ im Haushalt der Laufsau eintraf? Hach, ich kann mich nicht entscheiden…

sportinsider: Welche Sportart würdest Du gerne besser können?

Marc Bischoff: Schach (gilt das?)

sportinsider: Bei welchem sportlichen Großereignis wärst Du gerne als Zuschauer dabei gewesen?

Marc Bischoff: Ich bin nicht so begabt im „Sport-Zuschauen“. Das langweilt mich immer schnell. Vielleicht am ehesten beim Finale des Schlammcatchens der Frauen. 

sportinsider: Dein größtes Erfolgserlebnis im Sport?

Marc Bischoff: Zieleinlauf Köln Marathon 2008. Ganz klar.

sportinsider: Welche Macke hast Du beim Laufen?

Mar Bischoff: Ich atme manchmal rhythmisch, zähle mit. „Einsundzweiunddreiundvier – pffffffht“

sportinsider: Bist Du Warm- oder Kaltduscher?

Marc Bischoff: Warm. Immer warm. Ich hab mal kalt probiert. Hat mir nicht gefallen…

sportinsider: Wie sieht der perfekte Lauftag aus?

Mar Bischoff: Es ist warm, aber nicht heiß. Ich laufe am späten Vormittag ca. eine Stunde, oder etwas mehr. Ich weiß nach 10 Minuten, das es super wird. Ich höre Imogen Heap auf dem mp3-Spieler. Ich begegne auf der Strecke jungen, hübschen Frauen mit blonden Haaren. Sie grüßen mich zurück. Ich drehe mich um und sehe ihnen nach. Ich laufe gegen einen Laternenpfahl. Aber ich spüre nichts. 

sportinsider: Welche Sportart ist für Dich überflüssig?

Marc Bischoff: Handy-Weitwurf. Minigolf. Formel-1.

sportinsider: Mit welchem Sportler/in würdest Du gerne einen Tag tauschen?

Marc Bischoff: Michael Schumacher. Oder Andre Agassi. Gerade erst 40 und schon in Rente.

sportinsider: Die nächsten sportlichen Laufziele sind in Sicht. St. Pölten ist geplant. Begleitet Dich Deine Frau?

Marc Bischoff: Naja, St. Pölten. Also meinen englischen Kollegen ist irgendwann aufgefallen, dass das in Österreich liegt und man von der Grafschaft Surrey nicht so gut mit dem Auto dahin kommt. Das es teuer werden könnte. Und lange dauern würde. Also im Moment sieht es wohl doch wieder so aus, als ob die Laufsau nach good old england muss. Aber dann kommt die Gattin natürlich mit, und Söhne #1 und #2 ebenfalls.

sportinsider: Auf wie viel Liebe stößt Deine Laufpassion bei Deiner Familie?

Marc Bischoff: Die sind alle voll dabei. Ohne die familiäre Unterstützung ginge es gar nicht. Sohn#2 fragt immer, wenn er mich in Laufklamotten sieht: „Papa, wo bist du hinnedschoggt?“. Dann will er es aber ganz genau wissen.

Berlin Marathon 03

  © Jutta Wieland:  Pixelio

Marc Bischoff ist Familienvater, Läufer, Buchautor und Spiritus Rector des Blogs laufdusau.

Ich bedanke mich bei Marc Bischoff für das Interview.


Schuhkrise !? Die alten Joggingschuhe tuns noch!

1. Dezember 2009

Hand aufs Herz. Wann haben meine geneigten Leserinnen und Leser die letzten paar Laufschuhe gekauft? In Zeiten von wirtschaftlichen turbulenten Zeiten wird ja gerne der eine oder andere Kauf nach hinten verschoben. Was macht da eigentlich die Sportartikelindustrie ? Das Handelsblatt schrieb unlängst:

,,Als bei Mercedes und BMW schon längst die Bänder stillstanden, haben sich die Sportkonzerne noch Mut gemacht nach dem Motto: Ein gesunder Lebenswandel liegt weltweit im Trend. Doch je länger die Flaute andauert, desto mehr zeigt sich, dass die Kunden ihre alte Ausrüstung einfach länger benutzen. Da wird der Kickstiefel eben nicht mehr jedes Jahr ausgetauscht, und die Yogamatte muss auch mal zwei Kurse bei der Volkshochschule halten.“

Wie viele Laufschuhe hat eigentlich der gemeine Läufer im Schuhschrank? Ist nicht auch schon längst eine Sättigung eingetreten? Markenschuhe liegen beim Kaufpreis seit Jahren ja teilweise im dreistelligen Euro Bereich. Natürlich werden riesige Marketingkampagnen gefahren. Branchenführer Nike oder die Herzogenauracher Anbieter Adidas und Puma spielen auf der ganzen Klaviatur des Marketings. Lifestyle soll transportiert werden. Funktionalität und Design. Das perfekte Geschwisterpaar.

Ich habe meine letzten Laufschuhe 2008 gekauft. Asics. Ich habe bereits in meiner Läuferzeit verschiedene Fabrikate gehabt. Auch Nike, Puma, Adidas und No-Name Schuhe. Ich selber bin da kein Markenfetischist oder Treuepunkte Sammler. Die Schuhe müssen mir bei der Anprobe ein spontanes gutes Laufgefühl geben. Der Verkäufer sollte fit sein. Servicementalität eingeatmet haben. Möglichst selber laufen. Dann macht mir auch der Einkauf von Joggingschuhen Spaß.


Laufen – etwas für Einzelgänger?

30. November 2009

Der spätere Sieger

 © Norbert Schmitz: Pixelio

Alan Sillitoe schrieb einst einen Roman über die Einsamkeit des Laufens. Heute gibt es Volksläufe oder Marathons in namhaften Städten mit teilweise fünfstelligen Teilnehmerzahlen. Auch ich selber habe gerne an Volksläufen mit riesiger Menschenschaar am Start und Ziel teilgenommen.

Im Training laufe ich jedoch am liebsten mit meiner Liebsten oder alleine. Der Kopf wird frei. Die Nasenflügel saugen die pure Natur ein. Das grün entspannt die Augen. Vögelgezwitschere ist Musik in meinen Ohren. Natürlich ist auch manchmal der Schweinehund dabei. Vor dem Laufen. Oder mitten drin im Lauf. Dann gilt es ihn zum verstummen zu bringen.

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly ist auch ein bekennender Jogger. Beim Interview im Post-SV Magazin gab er unlängst folgendes Statement ab:

,,Ich laufe aus ganz persönlichen Gründen – also nicht um Wettbewerbe zu gewinnen oder mit besonders edlen Muskelpaketen protzen zu können. Es ist schlicht die Bewegung als Gegensatz zum überwiegenden Sitzen im Dienstbetrieb. Und es ist vielleicht auch die Bewegung, die dann die eine oder andere Sünde beim Essen und Trinken erlaubt, ohne dass man die klassische bayerische Bürgermeister-Figur annimmt.“  

Laufen hat sich als Volkssport etabliert. Für die Fortbewegung auf den eigenen Beinen brauchen wir keine Spezial-Geräte und keine exklusiven Sportanlagen. Vierstellige Mitgliedsbeiträge oder Aufnahmesperren sind uns Läufern fremd. Was zählt ist die eigene Lauflust.  Ab bestimmten Strecken natürlich auch der Wille sich zu quälen.

Mir persönlich gefallen ja immer sehr die Ausführungen der Laufsau Marc Bischoff  zum Schmerz, Leid und Lust beim Laufen. Wer ein paar Kostproben seiner feinen Texte lesen will schaut einfach bei ihm im Blog vorbei. Eine ganz spitze Feder.


Nachdenkenswert #8

30. November 2009

„Ihr wollt die Champions League, aber kosten darf es nix – das ist unser Problem in diesem Land!“

Uli Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung 2007 des FC Bayern


Sportjobs vom Trainer bis zum Praktikum mit Schwerpunkt WM-Events

29. November 2009

Es ist nicht die Regel, dass Sportjobs eines namhaften Bundesligisten per offenen Brief offeriert werden. Der Champions League Sieger im Handball von 2002 geht diesen Weg. Der Vizepräsident des SC Magdeburg, Rene Bethke, schreibt in einem offenen Brief des Präsidums über die Herausforderungen des Vereins und die Suche nach neuen Personal.

,,Neben mehreren strukturellen Veränderungen, die ich gleich näher beschreibe, müssen wir in erster Linie zwei Positionen besetzen: Die Position des Trainers/Sportlichen Leiters und die Position des Geschäftsführers Marketing/Finanzen.“

Der SC Magdeburg steht unter Zeitdruck. Dies verdeutlicht folgende Passage:

,,Uns ist vollkommen klar, dass die Geduld der Fans am Ende ist. Wir fühlen uns in der Pflicht, dem gesamten Umfeld innerhalb der nächsten drei Monate sowohl den Trainer als auch den Finanzgeschäftsführer und eine zukunftsfähige Struktur zu präsentieren.“

Das Präsidum sieht auch erhebliches Potenzial in der Kommuniklation. Ergo wird auch ein Profi für die Medienarbeit gesucht.

,,Wenn ich über Struktur spreche, dann geht es unter anderem darum, einen Verantwortlichen für die Medienarbeit zu gewinnen, ein Team aufzubauen, das sich um die Sponsorenbetreuung und -akquise kümmert, natürlich geht es auch darum, den Dialog mit den Fans zu intensivieren, in jedem Fall die Transparenz zu erhöhen und Teile der Mannschaft stärker in den Entwicklungsprozess mit einzubinden.“

Auch andernorts wird Verstärkung gesucht. Ich habe einige interessante Praktikumsplätze aufgespürt. Der Volksmund spricht ja auch gerne von Generation P. Ein Praktikum in einem Fußballverein oder in einem namhaften Fußballverlag sind jedoch sicherlich weiter sehr begehrt.

Greuther Fürth sucht zur Unterstützung der Organisation in der Verwaltung kurzfristig eine/n engagierte/n Praktikantin/Praktikanten. Zum Aufgabenspektrum gehören:

  • Beantwortung allgemeiner Fananfragen
  • Unterstützung Teamassistenz
  • Mithilfe bei Heimspielen
  • tägliche Botengänge
  • Telefondienst

Der Sport-Informations-Dienst (SID) aus Neuss ist das Bayern München der Sport-Nachrichtenagenturen.Täglich gehen über 30.000 Wörter über den Ticker. Der SID wurde 1945 in Düsseldorf von Alfons Gerz gegründet. Der WDR war der erste Kunde. Dabei halfen britische Militär-Telefonleitungen. Jetzt im Jahr 2009 wird konkret ein Praktikant/in Multimedia-Redaktion für den Standort Neuss gesucht. Das Aufgabengebiet umfasst diese Themen:

  • Redaktionelle Mitarbeit in der Produktion
  • Aufbereitung von Sportberichten und -meldungen für multimediale Produkte
  • Bildbearbeitung
  • Ergebniserfassung

Zum heutigen Abschluss zwei Praktikumsplätze im Fußballmagazin 11 Freunde. Es wird ab 1. Januar 2010 ein Praktikum IT/Programmierung angeboten mit folgenden Aufgaben:

  • Unterstützung bei der Programmierung (PHP, HTML, Javascript)
  • Mitarbeit an dem Ausbau der Website www.11freunde.de
  • Community-Support
  • Videoschnitt

Das zweite Angebot ist ein Verlagspraktikum mit Schwerpunkt WM-Events. Folgende Aufgaben wollen gelöst werden:

  • Mitarbeit bei der Organisation von 11 FREUNDE Events
  • Mitarbeit bei redaktionellen Teilaufgaben
  • Administrative Tätigkeiten
  • Assistenz im Verlagsmanagement
  • Unterstützung bei Verlosungsaktionen+Veröffentlichungsterminen
  • News- und Themenrecherche

Hommage an Uli Hoeneß

28. November 2009

Münchner

 © Jürgen Klein: Pixelio

Die 2005 eingeweihte Allianz Arena und ihre Finanzierung ist die vielleicht größte Herausforderung für Uli Hoeneß gewesen. Seine gesamten Erfolge als Spieler und Manager für Bayern München aufzählen, hieße Eulen nach Athen tragen. Er ist in den letzten Tagen von den Zeitungen und Magazinen der Republik mit Lorbeeren und Rückblicken auf sein Lebenswerk bedacht worden. Auch seine größten Kritiker nehmen innerlich Haltung an.

Ich habe Uli Hoeneß das erste mal als 10-jähriger Junge 1973 live im Europapokal der Landesmeister gegen Dynamo Dresden spielen sehen. 1976 habe ich mir beim verschossenen Elfmeter von Belgrad im EM Finale die Haare gerauft. Er war und ist für mich der beste Fußballmanager über Jahrzehnte gewesen. Seine Leidenschaft und sein Feuer waren immer stark. Natürlich musste er auch einiges austeilen. Einstecken auch.

Uli Hoeneß hat Bayern München geprägt. Den Verein groß gemacht. Nicht alleine. Das geht auch gar nicht. Doch er war über 30 Jahre lang Lokomotive. Er hat auch stets im Erfolgsfall an die Spieler gedacht die sich mit Verletzungen rumgeschlagen haben, denen es zwischenzeitlich dreckig ging und persönliche Lebenskrisen hatten. Er hat dort immer ein sehr großes Herz gehabt. Mir fallen da spontan seine Unterstützung für Gerd Müller am Krankenbett ein. Seine Hilfe für Alexander Zickler, die Anerkennung für Jens Jeremies seinen körperlichen und gesundheitlichen Einsatz in der Champions-League Saison 2000/20001, die Bemühungen um Sebastian Deisler oder das einstige auffangen von Mehmet Scholl in einer schwierigen Lebensphase. Uli Hoeneß hat immer alles gegeben.

Im Exklusiv-Interview auf eurosport.yahoo gab sein langjähriger Weggefährte Paul Breitner Antwort auf die Frage, ob Uli Hoeneß – von seinem Lebenswerk FC Bayern loslassen kann-, folgende Antwort:

,,Wenn Uli nicht loslassen könnte, hätte er nicht vor längerer Zeit schon Rückzugsgedanken gehabt, diese mit Franz Beckenbauer und einigen anderen Leuten besprochen und das zu seiner ganz klaren Linie gemacht. Uli war immer einer, der ganz klare Vorstellungen hatte, was, wann, wie passieren sollte – wenn es irgendwie machbar ist. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er gewisse Dinge jetzt geregelt haben will. Er sagt eben nicht wie so mancher Aktive: Ich trete als Manager dann zurück, wenn ich irgendetwas gewonnen habe. Davon ist er Gott sei Dank weit entfernt.“

Fankurve München

 © Oliver Weber: Pixelio

Uli Hoeneß ist immer seinem Lebensmotto treu geblieben. Leben und leben lassen. Seine Eigenschaften gibt er mit geradlinig, zuverlässig und sozial an. In der Sonderedition 30 Jahre Leidenschaft heißt es treffend:

,,Uli Hoeneß hat auf seinem Weg nach oben die meisten hinter sich gelassen, weggeschaut hat er nie.“

Der ehemalige Manager ist jetzt der neue Präsident von Bayern München. 

Herzlichen Glückwunsch!

Weitere Gratulationen ….

1. Bundesliga-Servus! Die Liga zieht den Hut vor Hoeneß 

2. Nach 30 Jahren geht eine Legende in den Ruhestand 

3. Der Helmut Kohl des Fußballs

4. Leider nicht die Deutsche Bank

5. Er war wie ein Tier


Nachdenkenswert #7

28. November 2009

,,Wer dopt betrügt. Der Sportler verschafft sich nicht nur einen unrechtmäßigen Vorteil im sportlichen Wettkampf, sondern auch, indem er Prämien, Sponsoren- und Preisgelder erhält.“

            Norbert Darabos, Sportminister von Österreich


Sponsorspiegel 27.11.09

27. November 2009

Audi TT 2006

 © Peter Kirchhoff: Pixelio

Es war bereits angekündigt. Die Entscheidung sollte vor der Hauptversammlung von Bayern München erfolgen. Nun ist es offiziell: Der Automobilkonzern Audi beteiligt sich mit 9,09 Prozent an der FC Bayern München AG. Zudem wurde auch der seit 2002 bestehende Sponsoringvertrag langfristig verlängert und bringt dem deutschen Rekordmeister zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe.

Bayern München hatte bereits vor der Verkündung der strategischen Partnerschaft mit dem Autobauer aus Ingolstadt einen Sponsorenvertrag abgeschlossen. Er hat eine Laufzeit bis 2019. Die monetäre Unterstützung und die Sachleistungen sollen sich in einer Größenordnung von jährlich 10 Millionen Euro betragen. Insgesamt ergeben sich für den erfolgreichsten deutschen Fußballverein dadurch Einnahmen von knapp 200 Millionen Euro. Die Gelder werden vor allem in die Tilgung des Kredits für die knapp 340 Millionen Euro teure Spielstätte in Fröttmanning fließen.

Der Essener Anlagenbauer Ferrostaal wird Sponsor des englischen Fußballvereins Manchester City. Bereits ab dem nächsten Spieltag am kommenden Wochende werde das Logo in der Heimspielstätte im City of Manchester Stadium zu sehen sein, bestätigte der Vorstandschef Matthias Mitscherlich dem Handelsblatt.

Die Versicherungsgruppe Ergo nimmt ihre Traditionsmarken Hamburg-Mannheimer, KarstadtQuelle und Victoria vom Markt. Die Töchter sollen zukünftig unter dem Namen Ergo firmieren. Das bedeutet auch Änderungen im Sponsoring. Der Vorstandsvorsitzende der KarstadtQuelle Versicherung, Peter M. Endres, gibt zum Thema auf der Homepage von Greuther Fürth ein Interview :

,,Herr Endres, im nächsten Jahr werden die KarstadtQuelle Versicherungen in ERGO Direkt Versicherungen unbenannt. Was hat das für Auswirkungen auf das Sponsoring bei der SpVgg?

Endres: Gar keine. Die Verträge bestehen natürlich weiter. Denn wenn Sie sich erinnern haben wir erst zu Jahresbeginn die Zusammenarbeit um neun Jahre verlängert. Daran ändert sich nichts. Lediglich das Erscheinungsbild wird sich ein wenig verändern.

Was heißt das konkret?

Endres: Wir werden bereits zum Start der Rückrunde die Banden und Werbemaßnahmen im Stadion anpassen und mit unserem neuen Logo versehen. Auf den Trikots wird dann der neue Schriftzug ebenfalls zu sehen sein. Auch die Spots im Rahmen der Sportschau laufen ab der Rückrunde unter dem Namen ERGO Direkt Versicherungen.“

Szenenwechsel. Reitsport. Das Finanzinstitut Deutsche Bank wird weiterhin als Hauptsponsor des Reitsport-Mannschaftsturniers CHIO Aachen auftreten. Der Vertrag wurde um weitere drei Jahre, bis 2012, verlängert. Die Deutsche Bank unterstützt das welteit renommierte Turnier im Pferdesport seit 52 Jahren. Zufrieden über die weitere Zusammenarbeit im Sponsoring zeigte sich Michael Mronz, Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH.

„Die Vertragsverlängerung zeigt, dass es gemeinsam gelungen ist, das Erlebnis CHIO Aachen stetig weiter zu entwickeln.“

Am 13. Oktober 2007 schenkte meine Liebste mir zum Geburtstag einen Laufanzug. Das Material war fürs Joggen ideal. Der Namenszug des Herstellers war Odlo. Seitdem verfolge ich mit verstärkten Interesse die Aktivitäten des Produzenten. Mit besonderer Freude vernahm ich daher folgende Meldung über das Sponsorengagement:

Der Schweizer Sportbekleidungshersteller Odlo wird für die nächsten drei Jahre neuer Namensgeber der Biathlon World Team Challenge (WTC) in der Veltins Arena auf Schalke. Die Veranstaltung war seinerseits eine Idee von Manager Rudi Assauer. Sie gehört zu den Höhepunkten in Gelsenkirchen und hat einen festen Platz im Sportkalender.

Die größten deutschen Profisportligen DFL, HBL, BBL und DEL haben eine gemeinsame Interessensvertretung gegründet. Die „Initiative Profisport Deutschland“ (IPD) soll als gemeinsames Sprachrohr die Interessen des Sports in der Politik durchsetzen. Auch die Sponsorenvereinigung S20 begrüßt den neuen „Superverband“.  

Die Initiative repräsentiert die Fußball-Bundesliga, die Basketball-Bundesliga, die Deutsche Eishockey-Liga und die Handball-Bundesliga und soll die Interessen des Sports in Bund und Ländern besser durchsetzen. Auch die Liberalisierung des Wettmarktes ist ein Schwerpunktthema. Sprecher der IPD wird Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sein Stellvertreter kommt vom Basketball. Jan Pommer ist Geschäftsführer der Basketballbundesliga.

Ich habe diese Woche eine kleine Stimmensammlung zum Fall Claudia Pechstein gebracht. Jetzt gibt es auch negative Nachrichten aus der Sponsorwelt der Eisschnellläuferin. Sie verliert den Sponsor DKB. Die Bank kündigte die seit 2002 bestehende Partnerschaft mit der erfolgreichsten Winterolympionikin Deutschlands. Die DKB ist auch Hauptsponsor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Dafür verlängert jedoch der Sponsor Grabower Süßwaren demonstrativ den Vertrag mit Claudia Pechstein.


Das Paradies der kleinen Wettsünder

26. November 2009

Der aktuelle Wettskandal im Fußball wäre ohne die Mithilfe von manipulativen Spielern nicht denkbar. Im entscheidenden Augenblick den gegnerischen Stürmer alleine zum Kopfball steigen lassen, fällt doch nicht weiter auf. Oder eine 100% Großchance neben den Pfosten setzen. Passiert doch jedes Wochenende. Wer sollte da auch Verdacht schöpfen. Ja, und Torhüterfehler passieren auch permanent. Bei einem haltbaren Ball ein wenig verspätet abspringen und die Finger nicht optimal strecken. Das gewünschte gewettete Ergebnis stellt sich ein. Der Geldregen rieselt lauwarm.

Wie geraten Sportler da eigentlich hinein? Gibt es ein Muster ? Im Film Die Mafia spielt mit von Benjamin Best und Fred Kowasch kommt auch ein hochrangiger ehemaliger Ex-Mafia-Boss zu Wort. Er wurde einst wegen Betrug und Erpressung zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Manipulieren von Wetten in verschiedenen Sportarten gehörte zu seinen „geschäftlichen Aktivitäten“ .

,,Oft machen die Sportler die Fehler von ganz alleine, sie Wetten und verstricken sich immer tiefer in Wettschulden. Dann können sie nicht mehr zahlen oder wollen nicht, dass die Öffentlichkeit von ihrer Spielsucht erfährt. Und dann wird ihnen gesagt: OK, entweder zahlst Du uns eine bestimmte Summe jede Woche, jeden Monat, oder Du bezahlst Deine Schulden durch Match-Fixing. Natürlich ist auch Einschüchterung eine Maßnahme. Selbst wenn die Spieler sagen sollten, sie wenden sich an die Behörden, wird ihnen gesagt: Du kannst Dich verstecken aber wir finden Dich.“

              Michael Franzese, ehemaliger Mafia Boss

Geldsegen

 © Peter Kirchhoff: Pixelio

Der wegen Manipulationsverdacht suspendierte Kapitän des Regionalligisten SC Verl, Patrick Neumann, will bei der Staatsanwaltschaft Bochum aussagen. „Er wird gegenüber den Bochumer Ermittlern alles sagen, was er weiß“, kündigte sein Anwalt Lutz Klose im Westfalen-Blatt an. Dabei gebe es allerdings „nicht so viel zu gestehen“.

Kapitän Neumann sei in „diese Sache hineingedrückt worden“. Rechtsanwalt Klose sagte weiter: „Nach dem gewonnenen Spiel gegen Gladbach II ist mein Mandant von einer Person außerhalb des Vereins massiv psychisch unter Druck gesetzt worden“.

Der große Fjodor Dostojewski schrieb in seinem Roman Der Spieler  im Jahr 1866 über Spieltrieb und Gewinnsucht . Dostojewski kannte die Spielsucht aus eigener Erfahrung. Im Roman beschreibt er sehr eindringlich und im Detail die Symptome der unheilvollen Sogwirkung. Der tragische Romanheld Aleksej trägt alles Geld zum Roulette.

Flurin Clalüna schreibt in der NZZ über die bedenkliche Entwicklung im Sport und verweist auch auf die Aushöhlung des Fußballs.

,,Formel-1-Autos werden absichtlich gegen die Wand gefahren, Doping zersetzt den Radsport, Pferdebeine werden eingesalbt, um sie schmerzempfindlicher zu machen, wenn sie gegen die Stangen schlagen. Aber im Fussball geht es bei Spielmanipulationen um den innersten Kern: Wenn der Fussball die Unvorhersehbarkeit verliert, verliert er alles.“

Beim aktuellen Wettskandal setzt Flurin Clalüna auch den Hebel der Kritik bei den Funktionären an.

,,Im Zug des Wettskandals dringen nun staatliche Ermittler in den Fussball ein; die Fussball-Funktionäre haben ihre Parallelwelt immer gegen Einflussnahmen von aussen zu schützen versucht, aber ihr Versagen ist offensichtlich.“

Im Zusammenhang mit möglichem Wettbetrug bei Fußballspielen in China sind 16 Personen festgenommen worden, wie staatliche Medien berichteten. Unter den Festgenommenen seien ehemalige Spieler, Vereins- und Ligafunktionäre. Der Vizepräsident des Chinesischen Fußballverbandes, Nan Yong, nannte den Wettbetrug laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua “ein Krebsgeschwür“, das ausgemerzt werden müsse.

Wer weiter in die Materie – Sport und seine Schattenseiten- einsteigen will, findet auf sportspool.tv sicherlich interessante Hintergrundinformationen. Empfehlenswerte Leselektüre! 

Weiterführende Artikel zum Thema Wettskandal 

1. das Sportmagazin ´sport inside´ – „Die Mafia spielt mit“

2. Wettskandal: Festnahmen in ganz Deutschland

Anmerkung: Ein herzlicher Dank von mir geht an Fred Kowasch von sportspool.tv für die Nutzung des obigen Zitats von Michael Franzese.

 


Stimmen zum Fall Claudia Pechstein

26. November 2009

Nach dem Urteil des Sportgerichts gab es viele Stimmen zur Personalie Claudia Pechstein. Eine kleine Stimmensammlung.

Die erfolgreichste Winterolympionikin Deutschlands meldet sich auf ihrer Webseite zu Wort:

Claudia Pechstein:,,Der Alptraum geht weiter. Mit Urteil vom 25. November 2009 hat der Internationale Sportgerichtshof CAS die Sperre gegen mich bestätigt. Demnach kann ich bis auf  Weiteres nicht bei Wettkämpfen starten und meine sechste Teilnahme an den Olympischen Spielen im Februar 2010 in Vancouver ist damit weiter ungewisser denn je.

Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Erst die ISU, jetzt der CAS. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fair Play gibt. Ich habe nie gedopt und ein reines Gewissen.“

Joachim Franke (langjähriger Trainer von Claudia Pechstein):,,Es ist eine Katastrophe, ein absolutes Fehlurteil. Sie hat nie eine Leistung manipuliert. Insofern ist die Entscheidung nicht nachzuvollziehen.“

Fritz Sörgel (Pharmakologe, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung): ,,Ich denke, dass von Anfang an klar war, dass es in diese Richtung laufen musste. Ich habe gleich gesagt, dass es sehr schwierig werden wird, hier Gegenargumente zu finden. Es ist immer eine gewisse Unsicherheit mit drin, aber die ist im Fall Pechstein sehr klein.“

Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln: ,,Ich bin sicher, dass der indirekte Nachweis von Doping-Missbrauch aufgewertet wird und die Entscheidung eine positive Stimmung bei den Verbänden erzeugt. Nicht wohl ist mir aber, dass das Urteil nur auf einen Parameter, die erhöhte Anzahl von Retikulozyten im Körper, beruht.“

Detlef Thieme, Leiter des Instituts für Dopinganalytik und Sportbiochemie in Kreischa: ,,Das Prinzip ist bestätigt. Individuelle Blutprofile und Blutpässe werden an Bedeutung gewinnen. Wichtig ist, wie sind die Details beschaffen, was wird uns für die Praxis mit an die Hand gegeben.“

Helge Jasch (Teamchef Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft): ,,Mir verschlägt es die Sprache, ich bin platt. Jetzt ist das Urteil da, es schwächt sportlich unser Team. Wir haben schließlich nicht 20 Leute, die Medaillen gewinnen können.“

Udo Sprenger (Vizepräsident Bund Deutscher Radfahrer): ,,Ich denke, die indirekte Beweisführung müssen und sollten wir zulassen. Ansonsten ist das ganze Prozedere mit Blutpassprogramm etc. hinfällig.“

Clemens Prokop, Präsident Deutscher Leichtathletik-Verband (DLV): ,,Die Entscheidung dürfte die Qualität der Doping-Bekämpfung spürbar verändern. Sie wird in Zukunft nicht mehr isoliert nur auf die Kontrollen abgestellt. Nun wird die Summe der Fakten ein Gleichgewicht erhalten.“

Thomas de Maiziere (Bundesinnenminister): „Das Urteil ist für Claudia Pechstein menschlich bitter. Sie war bis zum heutigen Tag für viele Sportbegeisterte, auch für mich, ein großes Vorbild. Das Disziplinarverfahren gegen Claudia Pechstein als Bundespolizistin wird wieder aufgenommen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Für den internationalen Sport ist das Urteil wegweisend. Es lässt den Indizienbeweis zum Nachweis von Doping zu. Der Nachweis eines einzelnen Dopings im konkreten Fall ist nicht mehr notwendig. Damit kann der internationale Sport sauberer werden. Als deutscher Innenminister erwarte ich allerdings, dass solche strengen Maßstäbe nicht nur gegenüber unseren Athleten, sondern weltweit angewandt werden.“

Weiterführende Artikel zum CAS-Urteil gegen Claudia Pechstein

1. Ein wertvoller Umweg

2. 63 Seiten, zwei Jahre, eine Verliererin

3. Pechsteins düsteres Ende

4. Im Zweifel gedopt

5. „Ich fühle mich unwohl mit dem Urteil“