Nachdenkenswert #183

,,Uns werden nie alle lieben, das ist auch okay.”

Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig, lässt die wiederholte Kritik  von Borussia Dortmund Chef  Hans-Joachim Watzke, der sich gegen einen weiteren Werksclub in der Bundesliga geäußert hatte, wie Wassertropfen in einer Teflonpfanne abprallen

Der begnadete Geschichtenerzähler Jürgen Klopp

Begnadeten Geschichtenerzählern wird zugehört. Gerade in der Unterhaltungsindustrie Fußball. Einer dieser Plauderer ist Trainer in Dortmund. Jene Mannschaft, die einst den Stadionnamen an eine Versicherung verkaufte, und sich jetzt gegenüber Bayern München als die Guten positioniert. Dabei hat der deutsche Rekordmeister seine Namensrechte für die Sportstätte, die mit einem ungeliebten Ortsrivalen geteilt wird, auch an einen Versicherungskonzern verkauft. Manchmal sind die Unterschiede zwischen Gut und Böse nur marginaler Art. Im Januar 2008 hatte Bayern München einst auch einen Geschichtenerzähler engagiert. Jürgen Klinsmann. Jetzt Nationaltrainer der USA, kürzlich mit einem Prestigesieg gegen den WM-Dritten von 2010, der Mannschaft um Lukas Podolski und Miro Klose. Doch dies ist wieder eine andere Geschichte.

James Bond nebst der Wunderelf von Ungarn und Bayern München

Bei Übungsleiter Klopp musste man nicht genauer hinhören, um vor dem Londoner Finale eine gewisse Unruhe zu spüren. Diese Nervosität führte dann zu verschiedenen Geschichten. Das Publikum lauschte gebannt. Die James Bond Story. Gut und Böse. Der Griff in die historische Mottenkiste von 1954. Dortmund auf einer Ebene mit den Helden von Bern. Gleiche Ausgangslage. Ungarn und Bayern, die Übermannschaften. Deutschland und Dortmund mit jeweils klaren Außenseiterchancen. Wie es 1954 ausging war bekannt. Klopp erzählte die Geschichte charmant, emotional und durchaus auch geschickt. Jeder Motivationstrainer musste aufhorchen. Woher hat er diese magischen Methapern? Von Anthony Robbins, Emile Ratelband oder Jürgen Höller? Laufen die Dortmund Spieler heimlich über glühende Kohlen? Oder springen im Seminarraum bei einer vorbeifahrenden Lok auf die Tische und klopfen sich voller enthusiastischer Begeisterung auf die Brust und signalisieren so: Die Störung durch den Zug wandeln wir um in positive Energie. Bitte schick uns auch morgen wieder eine Lokomotive am Seminarzentrum vorbei. Am besten einen irre langen Güterwaggonzug. Legt bitte jemand nochmals das Tonband mit dem Presslufthammer von der Baustelle auf. Meditation inbegriffen. Die mentale Stärke trainieren.

Story von der China Kopie und die Sache mit dem Arbeiterverein Borussia Dortmund

Doch der für verschiedene Produkte werbende Klopp plaudert eigentlich die ganze Saison über. Hat er in Sachen Werbeverträge eigentlich bereits Franz Beckenbauer eingeholt? Der Kaiser hat ja eine Vielzahl von Produkten beworben. Legendär sein Gesichtsausdruck beim auslöffeln der Knorr Suppe. Oder seine Autowerbung. Wie er die Rolle des Markenbotschafters für Mercedes Benz annahm und dabei einen Rückblick auf Malente warf. Oder die Obsession vom einstigen Weltklasselibero für ein besonderes bayerisches Bier. Doch zurück zum Geschichtenerzähler mit der neuen Frisur. Nach der mutlosen Niederlage im DFB-Pokal im Süden der Republik hatten wir bereits die Geschichte der Raubkopierer mit dem Produkt Spielweise (hatte Dortmund ein Patent laufen?) im Stile der Chinesen gehört. Adressat des Vorwurfs waren die Bösen mit dem Emblem von Bayern München. Wenn ein so ruhiger und erfahrener Trainer wie Jupp Heynckes sich über die Story von Klopp aufregt stimmt die Relation vielleicht nicht. Dazu der immerwährende Vorwurf Bayern würde alles mit Geld regeln. Spieler kaufen. Oh, war Reus vor der Saison ehrenamtlich von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund gewechselt? Ohne Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe? Hatte er auf ein Millionengehalt verzichtet? Dann ist auch noch das Märchen vom Proletariat. Klopps Chef, Herr Watzke, stilisiert Börsenteilnehmer Borussia Dortmund gerne auch im Jahr 2013 als Arbeiterverein. Schmunzeln. Das ist aberwitzig. Auch Jürgen Klopp strickt gerne an dieser Story. Bei aller Sympathie für Tradition, Wurzeln mit einfachen Familienverhältnissen, begeisternde Fußballspiele, Tempo und Dynamik der Borussen und dem verdienten Double Triumph in der Saison 2011/2012 – Arbeiterverein im Jahr 2013 ist so weit weg von der Realität wie ein Kanzlersieg von Honorarkönig Steinbrück im September.

Marketingkampagne Echte Liebe und die Probleme mit der Treue

Borussia Dortmund hat einen Claim Echte Liebe. Auf den ehemaligen Arbeiterverein zugeschneidert. Ausgedacht unter Marketinggesichtspunkten der Neuzeit. Griffiger Slogan. Authentisch soll er sein. Sympathisch rüberkommen. Eine besondere Verbundenheit der Fans, der Region mit dem Fußballteam von Borussia Dortmund signalisieren. Beim Verkauf von Trikots, Schals und anderen Fanartikeln helfen. Die Umsätze im Merchandising steigen. Trikotsponsor Puma ist mit dem Abverkauf der Hemden mit dem Logo einer Raubkatze zufrieden, so ist zu hören. Die Marketingkampagne Echte Liebe hat jedoch auch die ersten Risse bekommen. Mario Götze, in der schönen Stadt Memmingen im Allgäu zur Welt gekommen, mag nicht mehr im Liebeskreis der Dortmunder bleiben. Er spielt in der nächsten Saison nicht mehr im Puma Trikot mit den traditionellen Dortmunder Farben. Sein neues Leibchen trägt drei Streifen. Stichwort Adidas. Einst prangten diese 6 Buchstaben sogar auf der Trikotbrust von Spielern wie Franz Beckenbauer. Halt Tradition. Auch der talentierte polnische Nationalspieler Robert Lewandowski hat Fernweh und will vom CL-Finalisten 2013 weg. Dabei demonstrieren der Stürmer und seine Berater eine besondere Hartnäckigkeit in der Kommunikation des gewünschten Ausbrechens aus dem Kreis der Liebe. Der Held vom Malaga Spiel, Felipe Santana ist bereits weg. Er suchte eine neue Herausforderung bei, bitte festhalten, Schalke 04. Der Revierrivale. Meister der Herzen. In den Jahren zuvor signalisierten Spieler wie Kagawa oder Sahin den Wunsch einen anderen Kultur- und Freundeskreis kennenzulernen. Echte Liebe. Das Leben ist kompliziert. Immerhin Sahin hat es wieder zurück zu seinem Ex-Verein geschafft.

Live-Stream zum Tal Memorial 2013

Es ist ein schachliches Feinkostmenü der besten Art. Die Rede ist vom Tal Memorial 2013 in Moskau. Nebenbei wird zusätzlich zur Schachehre auch um Geld gespielt. Der ausgelobte Preisfonds in der russischen Metropole beläuft sich auf 100.000 Euro. Die Splittung sieht 30.000 Euro für den erfolgreichen Turniersieger vor. Auf den Plätzen folgen dann die Dotierungen in Höhe von 20.000, 15.000, 10.000, 8.000, 6.000, 4.000, 3.000, 2.500 und 1.500 Euro.

Michail Tal begeisterte die Schachfreunde bei der Schacholympiade 1960

Das Gedächtnisturnier zu ehren von Michail Tal ehrt einen ganz Großen in der Gilde der Schachweltmeister. Mein Vater hat ihn noch Live bei der legendären Schacholympiade 1960 in der Messestadt Leipzig gesehen. Beim hochinteressanten Schachmatch gegen den jungen und ehrgeizigen Bobby Fischer. Michail Tal begeisterte damals die Schachfreunde der ganzen Welt. Mein Vater nahm vor 53 Jahren extra Urlaub und reiste nach Leipzig zur Schacholympiade. Er sah zwei Großmeister am Schachbrett mit Charisma. Der eine wurde 12 Jahre später im Schachmatch des Jahrhunderts in Reykjavik gegen Boris Spasskij Weltmeister. Der geniale Bobby Fischer. Der andere charismatische Schachspieler war Michail Tal.

Michal Tal bereits zu Lebzeiten eine Legende

Der Schachweltmeister von 1960 war bereits zu Lebzeiten ob seiner spektakulären und risikoreichen Spielweise eine Schachlegende. Das Kombinationsspiel von Michail Tal war auf Angriff ausgerichtet. Oft gelang es dem genialen Großmeister, wie aus dem Nichts, einen furiosen und erfolgreichen Angriff auf die Stellung des Kontrahenten zu starten. Offensivspieler Tal opferte dabei Material und die Gegner am Schachbrett  fanden oftmals nicht mehr die passende Antwort.

Hier auf ausdrücklichen Wunsch eines Fernschachfreundes nochmals die Reminiszenz an ein Blindsimultan von Michail Tal an zehn Brettern. Es war die Zeit, wo der Rauch der Zigarette noch einen arteigenen Charme hatte. Genug der Vorrede.

Zurück in das aktuelle Jahr 2013. Das Tal Memorial ist auch wieder mit einem Online-Angebot für alle Schachfreunde ausgestattet. Es wird heute ab 15.00 Uhr in Moskau gespielt (in Deutschland also dann abzüglich der 2 Stunden Zeitdifferenz zur Moskauer Zeit ab 13.00 Uhr) und der Live-Stream zum Tal Memorial befriedigt die Neugier aller Schachspieler, Enthusiasten, Kiebitze und Analysten.

Nachdenkenswert #182

,,Versetzen wir uns zum Abschluss also kurz in den Kopf von Peter Stöger: Wir haben ein Angebot der Austria am Tisch liegen und eines von einem Spitzenclub der zweiten deutschen Liga. Pro Zweitklassigkeit sprechen Stadien, Fans und Gehalt. Vor allem aber die absolut realistische Chance, innerhalb eines Jahres die große Bühne der deutschen Bundesliga zu betreten.”

Philip Bauer, über die zweitklassige Verlockung von Peter Stöger auf derStandard.at

Reminiszenz an das Interview von Dirk Thiele und Hans Meyer

Beide gehörten zu den interessantesten Protagonisten des DDR Sport. Dirk Thiele auf Seiten der Sportmoderatoren im Fernsehen und Hans Meyer als erfolgreicher Fußballtrainer. Den FC Carl Zeiss Jena führte er nach einer imponierenden Serie in das Düsseldorfer Finale der Europapokal der Pokalsieger im Jahr 1981. Auf dem Weg dahin gab es unter anderen im Ernst-Abbe-Sportfeld das legendäre 4:0 gegen den AS Rom nach einer 0:3 Hinspielniederlage. Nach der Wende fand Thiele den Weg zu Eurosport. Meyer gelang über den Seiteneinstieg bei Twente Enschede der Weg in die Bundesliga. Höhepunkt war der DFB-Pokalsieg 2007 mit dem 1. FC Nürnberg gegen den damaligen Meister VfB Stuttgart. Im Interview kommt dann ab der 41. Minute auch der begnadete Fußballer Peter Ducke ( 3x DDR Meister, 3 x FDGB-Pokalsieger, Torschützenkönig, Sportler des Jahres der DDR, Fußballer des Jahres der DDR) auf die Bühne. Vorhang auf für bemerkenswerte 58 Minuten, die am 28. Oktober 2011 in der Goethe Galerie in Jena stattfanden.

Nachdenkenswert #181

,,Wien – Und jetzt ist Urlaub. Für die meisten Kicker brachen unmittelbar nach dem intensiven 2:1 gegen Schweden unbeschwerte Tage bis Wochen an. Es können soziale Kontakte gepflegt werden, zum Beispiel zu den Frauen und Kindern.”

      Christian Hackl, über familäre Kontaktpflege nach getaner Arbeit auf derStandard.at